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ABSTURZ MIT ANSAGE


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 42/2022 vom 19.10.2022

BUNDESLIGA

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7. Juni 2022: Sportdirektor Rouven Schröder (l.) und Sportvorstand Peter Knäbel (r.) stellen Frank Kramer als neuen Trainer vor. Er erhielt einen Vertrag bis 2024

Im Sommer kassierte Schalke eine Absage nach der anderen

Schon im Trainingslager kamen Zweifel in der Mannschaft auf

Reis steht als neuer Trainer bereit

Genau 160 Tage lagen zwischen dem Schalker Aufstiegsspiel gegen St. Pauli (3:2) Anfang Mai und der jüngsten 0:3-Niederlage gegen Hoffenheim. Eine Zeit, in der viel passiert ist. Aus Schalker Sicht muss man leider sagen: nicht wirklich viel Gutes. Von der riesigen Euphorie ist nur noch ein kleines Fünkchen übriggeblieben. Sechs Punkte nach zehn Liga-Spielen und vier Niederlagen in Folge sprechen ei- ne klare Sprache.

Dass Trainer Frank Kramer (50/ Vertrag bis 2024) die Wende in der Liga gelingt – diese Zweifel wurden auch bei den Fans zuletzt immer größer. Zumal der mögliche Nachfolger schon in den Startlöchern steht: Thomas Reis (49), bis Mitte September Trainer des VfL Bochum. Reis stünde bei einer Anfrage von Schalke bereit. Zwar weiß ...

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... natürlich auch er um die Schwierigkeiten, die beim viertgrößten Fußballklub der Welt (160 000 Mitglieder) herrschen: wirtschaftliche Not und ein Kader, der seine Bundesliga-Tauglichkeit nur in kurzen Phasen dieser Saison unter Beweis stellen konnte. Doch Reis traut sich die Aufgabe zu.

Klar ist: Eine Ablöse kann Schalke an den VfL Bochum nicht zahlen. Beim Revier-Konkurrenten steht Reis noch bis zum kommenden Sommer unter Vertrag. Die Bochumer Bosse würden einen Wechsel allerdings wohl nicht von einer Ablöse abhängig machen, da sie im Falle einer Vertragsauflösung etwa 500 000 Euro Gehalt einsparen würden.

37 MILLIONEN EURO beträgt Schalkes Profi-Etat derzeit. Im Falle eines Abstiegs würde er auf rund 20 Mio. Euro sinken. Hält Schalke die Klasse, stiege er auf 40 Mio. Euro.

Die Schalker Krise ist eine Krise mit Ansage. Dass Kramer überhaupt den Job des S04-Trainers übernahm, war ein absoluter Notfallplan. Sportdirektor Rouven Schröder (47) handelte sich im Sommer eine Absage nach der nächsten ein. Bis dem Manager irgendwann kaum eine andere Möglichkeit mehr blieb, als seinen alten Weggefährten Kramer aus Fürther Zeiten anzurufen. Von dem er ahnen konnte, dass er den Job sofort übernehmen würde. Kramer trat bereits beschädigt an – Kredit hatte er als 1d-Lösung zu keiner Zeit. Mit Thomas Reis war sich Schalke 04 im Sommer einig, der Vertrag war ausgehandelt. Reis sollte ein Gehalt von bis zu 1,4 Millionen Euro bekommen, inklusive Prämien, die er vor allem im Falle des Klassenerhalts erhalten hätte. In Bochum kassiert Reis pro Jahr rund 800 000 Euro. Schalke war im Mai sogar bereit, eine Ablöse für Reis zu zahlen. Schmerzgrenze: eine Million Euro. Reis rief daraufhin die Bochumer Verantwortlichen an, um ihnen mitzuteilen, dass er sich mit Schalke einig sei. Und zu fragen, ob er die Freigabe für den Wechsel bekäme. Die Antwort war unmissverständlich: nein.

Schröder versuchte es im Sommer auch bei Sandro Schwarz (43), den er bestens aus gemeinsamen Mainzer Zeiten kennt. Es kam zu einem Gespräch, Schröder stellte sein Konzept vor. Schwarz hörte sich die Pläne aus Respekt Schröder gegenüber an. Dass er den Job auf Schalke übernehmen könnte, kam für ihn jedoch zu keiner Zeit infrage. Kurz nach dem Gespräch mit Schröder sagte er umgehend ab. Und unterschrieb schon vor den Relegationsspielen von Hertha gegen den HSV in der Hauptstadt. 2. Liga mit Hertha? Besser als Bundesliga mit Schalke. Hertha hielt unter Interims-Trainer Felix Magath (69) dann allerdings die Klasse. Am Sonntag treffen sich Schröder und Schwarz zum Duell zwischen Hertha und Schalke wieder.

Stefan Leitl (45) stand ebenfalls auf der Liste der Schalke-Bosse. Doch bevor die Verhandlungen hätten konkret werden können, unterschrieb Leitl in Hannover. Der Trainer-Verschleißmaschine aus Niedersachsen. Mit Martin Kind (78) als Geschäftsführer, der in den vergangenen Jahren nicht gerade für eine Oase sorgte. Alles besser als Schalke.

Kramer wusste genau Bescheid, mit wem Schröder bereits gesprochen hatte. Doch die persönliche Chance für ihn war zu groß. Er sagte umgehend zu, als der Schalke-Manager ihn fragte.

In der Mannschaft kam er mit seiner sehr offenen, sympathischen Art an. Doch die ersten Zweifel kamen bereits im Trainingslager in Mittersill (Österreich) auf. Die Spieler sagten hinter vorgehaltener Hand: Die Vorbereitung auf die Zweitliga-Saison ein Jahr zuvor war härter.

Derweil machten sich auch im Trainer-Team Zweifel breit, ob die Qualität des Kaders ausreiche. Schon früh war etwa klar, dass Danny Latza (32) nicht mehr in der Verfassung ist, die Mannschaft über die ganze Saison anzuführen, voranzugehen. Kramer bestätigte ihn dennoch als Kapitän. Er wusste: Latza hat einen großen Einfluss in der Kabine. Bloß für keinen unnötigen Stress sorgen. Zumal Latza zu den Spielern gehörte, die sich Anfang des Jahres intern für die Trennung von Ex-Trainer Dimitrios Grammozis (44) ausgesprochen hatten. Auch das wusste Kramer.

Schröder tütete währenddessen Deals ein, die – zumindest bis zum aktuellen Zeitpunkt – nicht unter der Kategorie „Volltreffer“ laufen. Beispiel Sebastian Polter (31): Der Stürmer verhandelte im Sommer mit Eintracht Frankfurt, war sich mit dem Klub einig. Er sollte dort als Back-up in der Offensive dienen. Problem: Eintracht weigerte sich, die geforderte Ablöse zu zahlen, die der VfL Bochum aufrief. Schröder hingegen bot 1,5 Millionen Euro. Ein Top-Deal für Bochum. Der Stürmer erhielt einen Dreijahres-Vertrag bei S04. Ein Top-Deal für Polter. Nach zehn Liga-Spielen (1 Tor) macht sich zunehmend das Gefühl breit, dass es für Schalke kein Top-Deal war. Polters Auftritte bislang sind zumindest unglücklich.

Einige Spieler fragten sich: Warum spielt Zalazar nicht?

„Schalke könnte mit Schnelligkeit für Gefahr sorgen – aber die fehlt im Kader“

Huub Stevens

Gleiches gilt für Kenan Karaman (28), den Schröder von Besiktas Istanbul holte. Immerhin ablösefrei. Aber: Auch Karaman erhielt einen Dreijahres-Vertrag – und lässt bislang seine Bundesliga-Tauglichkeit vermissen. Genau wie Maya Yoshida (34), der als Abwehrboss eingeplant war, dafür aber schlicht zu langsam ist. Da das Budget (37 Mio. für die Profimannschaft) vollständig ausgereizt ist, wird es im Winter kaum möglich sein, personell nachzubessern.

Für Kramer selbst wurde es von Tag zu Tag schwieriger. Auch wegen einiger Personal-Entscheidungen. Rodrigo Zalazar (23), Aufstiegsheld, Publikumsliebling und nach seinen Einwechslungen meist der beste Schalker auf dem Platz, saß in den vier Spielen vor seinem Mittelfußbruch nur auf der Bank, sodass sich sogar einige Mitspieler fragten: Warum spielt der nicht?!

Hinzu kommen die Zweifel an der Spielweise, die in der Mannschaft seit Wochen immer größer wurden. Vor allem vor dem Spiel in Leverkusen (0:4) war ein Großteil der Mannschaft total enttäuscht über die taktischen Anweisungen, die Kramer gab. Fast nur lange Bälle – das konnte nicht funktionieren. Eine Frage, die sich dabei von außen betrachtet stellt: Wo war Aufstiegstrainer Mike Büskens (54)? Warum griff er nicht ein? Zumal Kramer stets sehr darum bemüht ist, seine Assistenten mit einzubeziehen.

Schalke-Legende Huub Stevens (68), der bis vor rund anderthalb Jahren noch Mitglied des Aufsichtsrates war, sagt über seinen Herzensklub: „Ich bin der Meinung, dass die Mannschaft eine gute Mentalität hat und gute Charaktere besitzt.“ Das Problem: „Schalke hätte in dieser Saison oft die Möglichkeit, mit Schnelligkeit für Gefahr zu sorgen – aber die fehlt im Kader. Wenn man einen Spieler wie Simon Terodde hat, brauchst du Spieler um ihn herum, die Räume schaffen und in die Tiefe gehen können. Damals übernahm das Emile Mpenza bei uns, der neben Ebbe Sand gespielt hat. Doch solche Spieler fehlen Schalke.“

Vor dem Spiel beim direkten Konkurrenten Hertha BSC steht Schalke bereits mit dem Rücken zur Wand. Stevens sagt: „Ich hoffe, dass sie den Klassenerhalt hinkriegen. Aber es wird sehr schwierig.“

Schalke kämpft gegen die Krise mit Ansage.

HERTHA – SCHALKE

Sonntag, 23. Oktober, 17.30 Uhr live bei DAZN, Highlights kurz nach Abpfiff auf, BILD.de und in der Sport BILD-App.