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ADHS als Gegenstand homöopathischer „Therapie“


skeptiker - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 13.03.2020

Aufklärung zu und Kritik an der Homöopathie haben in den letzten Jahren viel erreicht. An einem durchgreifenden Bewusstseinswandel hinsichtlich der öffentlichen Reputation der Homöopathie in Allgemeinheit und Politik, der ein konkretes Infragestellen der Sonderstellung der sogenannten „besonderen Therapierichtungen“ nach dem Arzneimittelgesetz unumgänglich machen würde, fehlt es aber noch. Etliche Faktoren wollen dem entgegenwirken – neben der Marginalisierung unter ökonomischen Aspekten (Minister Spahns „So okay“-Statement) z. B. auch der Versuch, die Placebowirkung zum relevanten medizinischen Faktor .... Zentraler Punkt dabei ist ferner die Relativierung (um nicht zu sagen: Verharmlosung) von Homöopathie als einer Therapieform, die durchweg ohnehin nur bei selbstlimitierenden Erkrankungen angewendet werde, über ein geringes bis kein Schadenspotenzial verfüge und von daher ein vernachlässigbares Problem sei. Auch bei durchaus aufgeklärten und der Homöopathie gegenüber kritisch bis ablehnend eingestellten Diskutanten ist die Neigung zu einer derartigen Marginalisierung der Problematik häufiger anzutreffen. „Die Leute wollen es doch.“ Der Autor vermutet, dass „die Leute“ vermutlich eher eine wirksame Therapie „wollten“, wüssten sie über die Homöopathie wirklich Bescheid.

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Bildquelle: skeptiker, Ausgabe 1/2020

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Aufklärung zu und Kritik an der Homöopathie haben in den letzten Jahren viel erreicht. An einem durchgreifenden Bewusstseinswandel hinsichtlich der öffentlichen Reputation der Homöopathie in Allgemeinheit und Politik, der ein konkretes Infragestellen der Sonderstellung der sogenannten „besonderen Therapierichtungen“ nach dem Arzneimittelgesetz unumgänglich machen würde, fehlt es aber noch. Etliche Faktoren wollen dem entgegenwirken – neben der Marginalisierung unter ökonomischen Aspekten (Minister Spahns „So okay“-Statement) z. B. auch der Versuch, die Placebowirkung zum relevanten medizinischen Faktor hochzureden1. Zentraler Punkt dabei ist ferner die Relativierung (um nicht zu sagen: Verharmlosung) von Homöopathie als einer Therapieform, die durchweg ohnehin nur bei selbstlimitierenden Erkrankungen angewendet werde, über ein geringes bis kein Schadenspotenzial verfüge und von daher ein vernachlässigbares Problem sei. Auch bei durchaus aufgeklärten und der Homöopathie gegenüber kritisch bis ablehnend eingestellten Diskutanten ist die Neigung zu einer derartigen Marginalisierung der Problematik häufiger anzutreffen. „Die Leute wollen es doch.“ Der Autor vermutet, dass „die Leute“ vermutlich eher eine wirksame Therapie „wollten“, wüssten sie über die Homöopathie wirklich Bescheid.

Dass dieses Kleinreden der Grundlage entbehrt und oftmals nicht mehr ist als ein Alibi für die Entscheidungsträger in Politik und Gesundheitssystem, dass ganz im Gegenteil gerade die sogenannte ärztliche Homöopathie ihrem vorgeblichen Alleinstellungsmerkmal, dem Aspekt der Patientensicherheit zu genügen, nicht gerecht wird, soll nachstehend am Beispiel der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) gezeigt werden.

ADHS ist ein Krankheitsbild aus dem Bereich der psychischen Störungen, das sich schon lange der Aufmerksamkeit der homöopathischen Szene erfreut. Auf dem Ärztekongress für Homöopathie 2019 des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte war gar die „homöopathische Sicht“ auf die Diagnose von ADHS und der Autismusspektrumstörung in bewusster Abgrenzung von der „Sicht“ der Kinderpsychiatrie Gegenstand eines Vortrags mit Seminarveranstaltung.2 Was eine solche „homöopathische Sicht“ letztlich bedeutet und wohin sie führt, soll mit diesem Beitrag unter anderem verdeutlicht werden.

Was ist ADHS?

Leider wird ADHS noch immer vielfach als Pseudo-oder Modediagnose gesehen3, obwohl die erste differenzialdiagnostische Beschreibung der Symptomatik bereits lange Zeit zurückliegt.

In seinem Werk „Der philosophische Arzt“ beschrieb der Mediziner Melchior Adam Weikard bereits im Jahre 1775 eine von normalen Schwankungen in der kindlichen Entwicklung abweichende „Attentio volubilis“, also einen Mangel an Aufmerksamkeit.4

Die Aufmerksamkeitsdefizitstörung ohne und mit Hyperaktivitätsstörung gehört zu den häufigsten psychischen Störungen im Kindes-und Jugendalter (sie existiert ebenso im Erwachsenenbereich, wo vielfach eine unzureichende Diagnostik und Therapie beklagt wird – der Schwerpunkt dieses Beitrages soll aber bei den homöopathischen Ansätzen des Bereichs der Kinder und Jugendlichen liegen).

Foto: Adobe Stock – ImageSine

Unruhe, Nervosität, Konzentrationsschwierigkeiten: häufige Symptome bei ADHS


Foto: Adobe Stock – Asier

Die Angaben zur Häufigkeit schwanken zwischen 3 % und 10 %. In Deutschland geht man von etwa 5 – 6 % aus. Die Prävalenzraten schwanken je nach Altersgruppeneinteilung, nach Diagnosemethode und aufgrund anderer Faktoren und werden auch durch Komorbiditäten, also Zusatzerkrankungen, beeinflusst.5 Dass die Prävalenz progressiv steige, trifft nicht zu. In Untersuchungen wurde belegt, dass die Zahl der Diagnosen der besseren Gesundheitsversorgung, einer erhöhten Aufmerksamkeit für die Störung und den ständig verbesserten Diagnosekriterien geschuldet ist (Sciutto, Eisenberg 2007).

Nicht jedes betroffene Kind zeigt alle Symptome und nicht alle Symptome sind bei jedem Kind maximal ausgeprägt. Nicht jedes Kind, das einzelne Symptome zeigt, die von einer altersgerechten Norm abweichen, hat ADHS. Um hier eine Abgrenzung zu erreichen, müssen die Merkmale nach den Diagnosemanualen (DSM V: Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, ICD-10: Hyperkinetische Störung) über einen Zeitraum von sechs Monaten durchgängig beobachtet worden sein.

Die Fachdiagnostik kennt unter dem Sammelbegriff ADHS zudem verschiedene Subtypen nach unterschiedlichen Kriterien. Grundsätzlich kann man unterscheiden zwischen den Ausprägungen mit dem Schwerpunkt der Aufmerksamkeitsdefizite und denen mit dem hyperaktiv-impulsiven Schwerpunkt. Das ICD-10 differenziert die Subtypen nach dem Grad der sozialen Auswirkungen der Störung, was zu einer etwas anderen Klassifizierung führt. Es gibt leichte Ausprägungen, durchaus auch mit unterschiedlichen Schwerpunkten, die zwar die Diagnosekriterien erfüllen, aber keine bedeutenden Störungen im sozialen Alltag verursachen. Die Schwelle zum Krankheitswert wird hier nicht überschritten, diese Fälle werden weder als psychische Störung bewertet noch behandelt. Unabhängig von den Ausprägungen und Subtypen sind drei Kernbereiche6 betroffen:

► Die Kinder haben generell Schwierigkeiten mit der Aufmerksamkeit. Es fällt ihnen schwer zuzuhören, sie können sich schlecht organisieren und haben beispielsweise auch Probleme, Spielen zu folgen.
► Die Kinder sind oft motorisch unruhig („hyperaktiv“). Sie wirken „zappelig“, bleiben nicht sitzen oder sind ungeschickt. Sie haben infolgedessen ein höheres Risiko, sich zu verletzen, als Gleichaltrige ohne eine solche Störung.
► Ferner liegt eine mangelnde Impulskontrolle vor. Die Kinder platzen schnell mit Antworten heraus, können schlecht abwarten, bis sie an der Reihe sind.

Diese Symptomatik führt bei betroffenen Kindern fast regelhaft zu Problemen bei der Interaktion mit ihrer Umwelt. Eltern und Lehrer sind in der Regel diejenigen, die eine diagnostische Abklärung verlangen. Die Kinder selbst leiden am meisten daran, dass sie bei Gleichaltrigen anecken und als provokant erlebt werden. Während die Kinder mit dem Schwerpunkt Aufmerksamkeitsdefizit oft als langsam und träge empfunden werden und viel Zeit für die Erfüllung von Aufgaben brauchen, fallen Kinder mit ausgeprägterer hyperkinetischer ADHS mehr durch ungestümes Verhalten auf. Je nach Schwere der Ausprägung der Symptomatik kann sowohl bei Betroffenen als auch bei der Umwelt ein erheblicher Leidensdruck entstehen.

Reguläre Therapie von ADHS

Jede Behandlung setzt die vorherige Untersuchung und Diagnose durch Fachärzte voraus. Auch die Verschreibung von Medikamenten bei einer ADHS-Diagnose ist an die fachärztliche Kompetenz gebunden. Wenn eine Medikation aufgrund der Schwere des Krankheitsbildes notwendig ist, sollte diese immer durch eine Psychotherapie und eine Schulung der sozialen Umgebung (Eltern, Lehrer) im Umgang mit den Besonderheiten der betroffenen Kinder ergänzt und begleitet werden. Nur falls eine Psychotherapie nicht verfügbar oder aus anderen Gründen nicht möglich ist, kommt als einzige Alternative zu einer Nichtbehandlung auch eine ausschließlich medikamentöse Therapie in Betracht. Längst nicht alle Patienten erhalten eine medikamentöse Therapie, das muss deutlich hervorgehoben werden angesichts einer öffentlichen Meinung, die vom Zerrbild einer durchgängig üblichen (alleinigen) Medikation bei ADHS geprägt ist.

Als Mittel der ersten Wahl gelten dabei heute Stimulanzien, am häufigsten wird Methylphenidat gegeben, besser unter dem Namen „Ritalin“ bekannt. Nach dem Stand der derzeitigen Erkenntnisse wird angenommen, dass Auslöser der Symptomatik eine Verlangsamung bestimmter Teile des Hirnstoffwechsels ist, die für Dopaminausschüttung und-transport zuständig sind. Eine Stimulation hat daher den Sinn, den Dopaminstoffwechsel im Hirn anzuregen. Es gibt die Hypothese, dass die ausgeprägten hyperaktiven Verhaltensmuster der Betroffenen genau darauf abzielen, eine solche Stimulation der Hirnareale auf „natürlichem“ Wege zu provozieren.7

Dies wird vielfach missverstanden oder ist nicht bekannt. Daher kommt es zu der verbreiteten Annahme, eine Stimulanziengabe sei doch sinnlos bei ohnehin bestehender Hyperaktivität, oder aber es handele sich um ein Mittel zur „Ruhigstellung“. Beides trifft nicht zu. Neben berechtigten Sorgen wegen Nebenwirkungen gibt es auch viele unhaltbare Mythen zu Ritalin, die vor allem in Internetforen kursieren und leider erheblich zur Verunsicherung beitragen. „Ritalin-Bashing“ ist nach wie vor ein weitverbreitetes Phänomen, das vielfach der Akzeptanz medikamentöser Behandlung und einer verlässlichen Compliance im Wege steht.8

Die Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) zur Behandlung von ADHS sehen neben strenger Indikationsstellung zusätzliche Einschränkungen bei der fachärztlichen Entscheidung für eine Medikation im Kontext der Behandlung von ADHS vor.9 Man beachte, welch vergleichsweise geringen Umfang darin die Medikation („Pharmakologische Interventionen“, Abschnitt 1.4) einnimmt. Von einer „gefühlten Überversorgung“ mit Methylpenidat-Präparaten kann nicht die Rede sein. Nach einer im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichten Arbeit (Bachmann et al. 2017), die u. a. die Versorgungssituation im Zeitraum von 2009 – 2014 bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen betrachtete, stieg im Untersuchungszeitraum nur die Menge der Verschreibungen für Erwachsene an, bei Kindern und Jugendlichen war der Verschreibungsumfang rückläufig. Nur 31,2 % der Patienten der Übergangskohorte (zum Erwachsenenalter, 15 bis 21 Jahre) waren im Alter von 21 Jahren noch mit ADHS diagnostiziert. Der Anteil der Patienten, die ADHS-Medikamente einnahmen, sank in dieser Gruppe von 51,8 % (!) im Alter von 15 Jahren auf 6,6 % im Alter von 21 Jahren.

Homöopathie als Scheinalternative

Bei der durch Fehlinformationen verursachten Verunsicherung ist es verständlich, dass viele Eltern nach einer Alternative suchen, um ihrem Kind die Einnahme eines Psychopharmakons zu ersparen. Natürlich findet man auch auf diesem Feld Angebote zu homöopathischen Mitteln und Methoden. Doch leider sind diese keineswegs so sinnvoll, wie von interessierter Seite nahegelegt wird. Zudem verlassen wir mit diesem Thema die Ebene der Behandlung harmloser, selbstlimitierender Krankheiten mit Homöopathie und bewegen uns im Bereich erheblicher medizinischer und sozialer Auswirkungen auf Kinder, Heranwachsende und ihre Familien durch ernstzunehmende Störungen. Die ethischen Implikationen einer unwirksamen Behandlung sind hier gar nicht hoch genug zu veranschlagen.

Indikationsbezogene nichtindividuelle Homöopathie

Bekanntlich gehen – obwohl dies Hahnemanns Postulaten und auch den Grundsätzen der heutigen klassischen und genuinen Homöopathie widerspricht – rund fünf Sechstel des Apothekenumsatzes an Homöo pathika ohne homöopathische Anamnese und individuelle Verordnung zur Selbstmedikation über die Theke (OTC – over the counter).10 Es gehört zu den offensichtlichsten kognitiven Dissonanzen der Homöopathie, dass der ungebremsten Selbstmedikation von den Verbänden der klassischen und genuinen Homöopathen nicht vehement widersprochen wird. Ohne Zweifel wäre die Reaktion der Homöopathiehersteller auf einen solchen Widerspruch interessant, der sich ja auf den ganz überwiegenden Teil – den OTC-Verkauf – ihres Umsatzes mit Homöopathika auswirken müsste.

Das Komplexmittel „Zappelin“ und seine Positionierung als homöopathisches Arzneimittel

Widmen wir uns zunächst dieser sogenannten „nichtindividuellen“, indikationsbezogenen Homöopathie. Dabei stößt man im Zusammenhang mit ADHS im Grunde nur auf einen nennenswerten Kandidaten:

Nämlich das recht bekannte „Zappelin“. Es ist ein Komplexmittel, wird also entgegen der Hahnemann‘schen Anweisung nicht aus einem, sondern aus mehreren Substanzen hergestellt. Dieses Präparat darf zwar (wie alle „zugelassenen“ Homöopathika) mit Indikationsangaben beworben werden, was zu dem Hinweis in der Packungsbeilage führt: „Die Anwendungsgebiete leiten sich von den homöopathischen Arzneimittelbildern der Einzelbestandteile ab. Dazu gehören: Nervöse Störungen mit Unruhe.“ Das bedeutet, dass man Substanzen zusammenmischt, die in den homöopathischen Repertorien den Symptomen zugeordnet wurden, die man für das Mittel im Sinn hat. Die Zielgruppe sind bei Zappelin trotz der allgemeinen Formulierung jedoch eindeutig Kinder, die unangepasste Verhaltensweisen zeigen – in diesem Sinne ist bereits der Produktname eine „Indikationsangabe“.

Zappelin war bereits vor Inkrafttreten des Arzneimittelgesetzes 1978 auf dem Markt (von den im Zeitpunkt des Inkrafttretens des AMG in Verkehr befindlichen rund 23 000 homöopathischen Fertigarzneimitteln war die Mehrzahl Kombinationspräparate). Diese Mittel erfreuten sich bis zum 31.12.1989 einer „fiktiven Zulassung“, mussten aber in ein „Nachzulassungsverfahren“, um ihre Marktfähigkeit auch nach diesem Termin behalten zu können. Viele Einzelmittel verzichteten hierauf und kamen als registrierte Monopräparate „neu“ auf den Markt. Komplexmittel waren aber vielfach als „Marke“ eingeführt und die Hersteller hatten natürlich ein Interesse daran, dies zu erhalten. So stellte man sich dem Nachzulassungsverfahren, das natürlich nach den Grundsätzen des Binnenkonsens durchgeführt wurde: Die Kommission D beim BfArM prüfte die Mittel dahingehend, ob die verwendeten Einzelpräparate in der homöopathischen Lehre tatsächlich zu dem Indikationsbild des Komplexmittels passten. Es bedarf wohl keiner ausdrücklichen Erwähnung, dass sich all dies weit jenseits wissenschaftlich valider Wirksamkeitsbelege abspielte, vielmehr nur auf der Beurteilung „homöopathischen Erkenntnismaterials“ und der einen oder anderen Sicherheitsüberlegung des BfArM beruhte. Dieser oder jener Hersteller musste hier und da einen Einzelbestandteil entfernen oder ändern (die Reduzierung von Quecksilbercyanat auf 1/10 000 des vorherigen Gehalts im Komplexpräparat Meditonsin war beispielsweise diesem Vorgang geschuldet). Dies war aber ein geringer Preis dafür, dass der eingeführte Markenname erhalten blieb und man sich mit dem „Gütesiegel“ einer „Zulassung“ weiterhin schmücken durfte und darf – und mit dem Hinweis einer Anwendung für „Nervöse Störungen mit Unruhe“, was durch geschicktes Marketing zielgruppengerecht ausgebaut wird.

An dieser Stelle würde der Hersteller sicher darauf hinweisen, dass in der Bewerbung von Zappelin keine Rede davon sei, das Mittel werde zur Behandlung von ADHS empfohlen oder dafür „zugelassen“. Dies trifft zu, wenn man nach einer direkten Anwendungsempfehlung in diesem Sinne sucht. Ursprünglich wurde das Mittel zur Behandlung von „Unruhe, übermäßigem Bewegungsdrang, gesteigerter Impulsivität und Konzentrationsstörungen“ beworben. Der aktuelle Werbetext kommt „ansprechender“ daher, jedoch wird darin gleichzeitig erwähnt, dass nicht bei jedem Kind, welches diese Symptome zeigt, eine ADHS vorliegen müsse – und damit ADHS eben doch wieder eingeführt:

Zappelin: Homöopathie gegen nervöse Störungen mit Unruhe bei Kindern


Foto: Udo Endruscheit

Der Ruhestifter in unserer Familie: Zappelin ® wirkt ausgleichend bei Unruhe und kümmert sich um Familienfrieden und Sonnenschein. […]

Wenn Euer Kind mal etwas lebendiger, lauter und vielleicht auch anstrengender wird, muss es sich dabei nicht immer (sic!) um Symptome handeln, die unter den Sammelbegriffen Hyperaktivität oder ADHS geführt werden. Zappelin® ist ein homöopathisches Arzneimittel, das speziell für Kinder entwickelt wurde, um bei Anzeichen von nervösen Störungen mit Unruhe sanft gegenzusteuern.

Aber gerade dies wirft das nächste Problem auf. Warum bitte soll bei einem Kind, das doch erklärtermaßen eben nicht unter einer Symptomatik mit Krankheitswert leidet, mit einem Arzneimittel „sanft gegengesteuert“ werden (in einem früheren Text war noch die Rede von „Hilfe und Unterstützung“)? So etwas lässt man nur den Proponenten der „sanften“ Medizin durchgehen. Man mag sich einmal die Reaktion vorstellen, die auf eine Werbung mit einem derartigen Tenor für ein pharmazeutisches Arzneimittel folgen würde. Zudem wird jedem mit der Problematik Vertrauten sofort klar sein, wie sehr hier einmal mehr das Risiko einer eventuell lebenslang wirksamen Konditionierung auf die Einnahme von Medikamenten provoziert wird. Der Mensch ist außerordentlich leicht zu konditionieren, ganz besonders im Kindesalter.

Wie sehr sich die Werbung letztlich doch pathologisch zu bewertenden Merkmalen zuwendet, ja, in die Nähe der diagnostischen Merkmale von ADHS gerät, zeigt der Werbetext etwas später:

Nervöse Störungen mit Unruhe ist ein Sammelbegriff der auf unterschiedlichste Weise zum Ausdruck kommen kann. Typisch ist eine Kombination aus mehreren auffälligen Verhaltensweisen, z. B.

► leichte Reizbarkeit (sic!)
► Ungeduld
► heftige Wutausbrüche (sic!)
► ausgeprägte (sic!) Stimmungswechsel
► Unruhe
► geistige Erschöpfung
► Zerstreutheit
► Überempfindlichkeit gegenüber äußeren Sinneseindrücken (sic!)
► Die Probleme können sich, abhängig vom Alter, auf verschiedene Weise und in unterschiedlicher Ausprägung zeigen. Gleichzeitig kann das beschriebene Verhalten von körperlichen Symptomen begleitet werden.11

Dabei überschreitet die Anpreisung aber wohlweislich nie die Grenze, nach der laut Heilmittelwerbegesetz die direkte Ausrichtung von Medikamentenwerbung auf Kinder unter 14 Jahren verboten und mit Bußgeld bewehrt ist.12 Ihren Erfolg bei homöopathieaffiner Kundschaft – die durch die gesetzliche Adelung der Homöopathie zum Arzneimittel und durch die Erstattung homöopathischer Therapien durch die gesetzlichen Krankenkassen fehlgeleitet ist – wird dies nicht verfehlen.

Zappelin: „Wirkungsnachweise“

Bekanntlich gibt es keine homöopathische „Zulassung“, die sich auf eine zum Nachweis der Wirksamkeit geeignete wissenschaftliche Studie berufen hätte 13. Was ohne Mühe den Schluss zulässt, dass es an einem intersubjektiven, belastbaren Wirkungsnachweis für Zappelin mangelt. Es wäre aber nach aller Erfahrung verwunderlich, gäbe es nicht doch irgendetwas, was als „Studie“ oder „Wirkungsbeleg“ für das geneigte Publikum herhalten müsste. Und in der Tat: Die Pharmazeutische Zeitung (PZ) berichtet über eine Arbeit14, die bemerkenswerterweise ganz offen den Einsatz von Zappelin bei diagnostizierter ADHS (!) betraf. Eine Primärquelle hierfür konnte nicht ermittelt werden, die „Studie“ ist weder in einer der medizinischen Datenbanken noch bei Google Scholar gelistet. So ist der Autor auf die Darstellung in der PZ angewiesen. Dort heißt es, dass eine Studie darauf hindeutet, dass eine homöopathische Therapie bei leichter bis mittelschwerer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) helfen kann. Das Komplexhomöopathikum linderte nach drei Monaten die typischen Symptome signifikant.

Grafik: Skt. Johann


Was sich interessant anhört – aber die Lektüre des Berichts in der PZ begründet erhebliche Zweifel an der Aussagekraft des Ergebnisses:

► Schon beim Einstieg wurde die Basis dafür gelegt, dass es zu belastbaren Schlüssen aus dem Studienverlauf gar nicht kommen konnte. Bei den Vergleichsgruppen (Verum = Ritalin, Kontrollgruppe = Zappelin) wurden keine annähernd gleichen Ausgangsbedingungen hergestellt, ein Faktor, der die spätere Vergleichbarkeit der Gruppenergebnisse sichern soll und der normalerweise durch die randomisierte Zuteilung der Probanden zu Verumund Placebogruppe erreicht wird. Der Artikel sagt ganz offen, dass Kinder mit stärkeren Symptomen, das heißt Ausgangswerten von 4 bis 5 der Messskala (Werte von 1 bis 5), eher Methylphenidat (Ritalin) erhielten, das Zappelin erhielten also offensichtlich nur Kinder mit leichteren Symptomen. Eigentlich war es das damit schon. Valide Vergleiche und Schlussfolgerungen waren damit von vornherein unmöglich.

► Dennoch konnten beide Therapien die Symptomstärke senken. Nach drei Monaten waren sämtliche erfasste Parameter sowohl unter dem Betäubungsmittel als auch dem Komplexhomöopathikum signifikant gebessert. (…)

► Bei leichter bis mittelschwerer Symptomatik wirkt Zappelin so gut wie Ritalin“, sagte … – Nach drei Monaten tut sich mit Sicherheit eine Menge, sicher auch ganz ohne medikamentöse Therapie. Allerdings ist das hier auch gar nicht relevant, angesichts der ungleichen Ausgangsvoraussetzungen. Genauere Angaben zur „Signifikanz“ fehlen, somit ist nicht annähernd feststellbar, ob auf eine relevante Effektstärke der Ergebnisse geschlossen werden konnte. Angaben darüber, ob psychotherapeutische Begleitbehandlungen neben der Medikation stattgefunden haben, fehlen völlig.

► Dabei sei das Homöopathikum jedoch besser verträglich gewesen als das Psychostimulans, 86 gegenüber 63 Prozent gaben an, keine Nebenwirkungen zu haben […]. Eine nachträgliche Befragung der Eltern aus der Methylphenidat-Gruppe hat […] ergeben, dass Dreiviertel eine sanfte und verträglichere Alternative bevorzugen würden.

Dass eine Wirkung ohne Nebenwirkung wohl jedermann bevorzugen würde, mag man gern glauben, allein, das ist schlicht unmöglich. Was diese Anmerkung zudem mit der Wirksamkeit des Präparates zu tun haben soll, erschließt sich nicht. Und – was waren das wohl für „Nebenwirkungen“ bei 14 Prozent der „homöopathisch behandelten“ Kinder? Der Hersteller wirbt auf seiner Webseite mit dem Versprechen „keine Nebenwirkungen“…

Eine kritische Betrachtung führt demnach zu der Schlussfolgerung, dass aus der Darstellung der „Studie“ in der PZ keine belastbaren Ergebnisse zugunsten einer spezifischen Wirkung von Zappelin abgeleitet werden können.

Individuelle („klassische“) Homöopathie: Der „homöopathischtherapeutische Ansatz“ – die „Symptomverdrehung“

Die Vertreter der genuinen und der klassischen Homöopathie15 beschränken sich auf die ursprünglichen Ansätze der Hahnemann’schen Lehre. Sie verabreichen immer nur ein einzelnes Homöopathikum zur selben Zeit. Außerdem ist Kern dieser eng an Hahnemanns Lehre angelehnten Methoden die „individuelle“ Verordnung von homöopathischen Mitteln abhängig von der individuellen Symptomatik, die in einer homöopathischen Anamnese erhoben wird. Der – von Fall zu Fall unterschiedliche – Wirkstoff wird dann durch Repertorisierung, das Suchen nach dem auf die individuelle Gesamtsymptomatik „passenden“ Mittel in den homöopathischen Materiae medicae, festgelegt.

Noch tiefer als bei den indikationsbezogenen Komplexmitteln verläuft bei diesem „individuellen“ Behandlungsansatz ein gravierender Bruch zwischen dem Verständnis der Behandlung mit Rücksicht auf die wahrscheinlichen Ursachen im Sinne einer wissenschaftlich fundierten Ätiologie und der Art, wie „homöopathisch-symptombezogen“ vorgegangen wird.

Die wissenschaftliche Medizin geht von einem bestimmten, diagnostisch gesicherten Störungsbild aus, einer Erkrankung, die sich in den Kernsymptomen, nicht im Schweregrad, bei allen Betroffenen ähnlich manifestiert. Das Krankheitsbild einer ADHS ist im wissenschaftlichen Konsens definiert und in den Diagnosemerkmalen international festgelegt (ICD-10, DSM V). Insofern zielen auch die Therapieempfehlungen der evidenzbasierten Medizin auf diese Kernsymptome ab. Die klassische Homöopathie basiert dagegen gar nicht auf dem Vorhandensein einer „Krankheit“. Sie knüpft an die individuelle Einzelsymptomatik an, kommt also schon bei unterschiedlicher Gewichtung der Einzelsymptome zu einer gänzlich anderen homöopathischen Mittelgabe.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass durch das System der homöopathischen Anamnese – die grundsätzlich keine wertenden Unterschiede zwischen offensichtlich banalen und eindrücklich relevanten Symptomen macht – bei der klassischen Homöopathie das Symptomenbündel nach ICD-10 stark erweitert wird. Dies muss zwangsläufig dazu führen, dass das Bild der ADHS vom klassischen Homöopathen sehr viel weiter gefasst wird als von der evidenzbasierten Medizin – es „verschwimmt“. Und so gibt es in der Literatur auch ein „Therapiekonzept“ (Frei 2009), das auf dieser erweiterten Definition des ADHS-Symptomenkomplexes beruht. Es stammt von Heiner Frei, dessen bekannte Studie zu Homöopathie und ADHS wir noch kennenlernen werden.

Als Hauptkritik hieran muss gelten, dass – wie schon bei der Erörterung des Komplexmittels dargelegt – die Homöopathen dazu neigen, normale Ereignisse und Lebensäußerungen zu pathologisieren – sprich, eine Behandlungsbedürftigkeit zu erkennen, wo es keine gibt. Dies ist eine Konsequenz des allein an Symptomen ausgerichteten homöopathischen Konzepts, das den Ansatz der evidenzbasierten Medizin, typisierende Diagnosemerkmale zu entwickeln und darauf die Erforschung der am besten geeigneten Therapieansätze zu stützen, ersichtlich verwirft. Hieran wird besonders deutlich, dass es ein „komplementäres Nebeneinander“ von wissenschaftlicher Medizin und Homöopathie schon aus systemischen Gründen nicht geben kann – ein Punkt, bei dem Hahnemann ohne Zweifel Recht zu geben ist. Die Ansätze sprechen „verschiedene Sprachen“.

Gegen alle Beschwerden ein Wunderkügelchen: die Homöopathie sieht selbst bei normalen Lebensäußerungen Behandlungsbedarf.


Foto: Ilike – Adobe Stock

Die Symptome von Freis homöopathischem Therapiekonzept gehen weit über die relevanten Symptome einer manifesten Erkrankung hinaus. So gebe es Frühzeichen, die angeblich auf eine Prädisposition eines ADHS hinweisen sollen, zum Beispiel „vermehrte Kindsbewegungen in der Schwangerschaft“. Für das Säuglingsalter, also eine Phase, in der noch gar keine Fachdiagnose gestellt werden kann, werden folgende Symptome genannt: „Unruhe oder Passivität, unstillbares Schreien (3-Monats-Koliken), Schreckhaftigkeit, Irritierbarkeit, Abneigung gegen Berührung, Abwehr von Körperkontakt, Schlafstörungen (verspätete Entwicklung des Zirkadianrhythmus), Ernährungsschwierigkeiten (schlechtes Trinken, Verweigerung fester Nahrung)“.

Ganz im Gegensatz zu den Bemühungen der evidenzbasierten Medizin, die Merkmale gerade einer psychischen Erkrankung als Voraussetzung für Diagnose und Therapie möglichst eindeutig abzugrenzen, wären durch eine solche Ausweitung der Symptomatik aus Sicht der Homöopathen nahezu bei jedem Kind „Frühsymptome“ einer ADHS feststellbar. Dabei bleibt es aber nicht, denn es folgen dann auch für die Betroffenen ab dem eigentlichen Diagnosealter weitere als unspezifisch einzuordnende Symptome: „Überspringen von Entwicklungsschritten, z. B. Auslassen des Krabbelns, direkter Übergang vom Sitzen zum Stehen, verzögerte psychomotorische Entwicklung, verzögerte Sprachentwicklung, auffälliger Muskeltonus (Hypotonie oder Hypertonie)“.

Sehr typisch für die Homöopathie ist, dass man nicht auf eine definierte Krankheit reflektiert, sondern auf eine mehr oder weniger beliebige Symptomenwelt abhebt. Ein Bruch mit der eigenen Methode liegt allerdings darin, dass diese Symptome bei Freis Konzept nicht etwa durch eine Arzneimittelprüfung am Gesunden festgestellt werden (was eine zentrale Grundvoraussetzung für die homöopathische Mittelfindung ist), sondern in diesem Fall auf einer rein gedanklichen Konstruktion beruhen. Hier ist also nicht nur ein grundsätzlicher Dissens mit den Definitionen der evidenzbasierten Medizin festzustellen, vielmehr besteht ein solcher Dissens auch gegenüber den Grundvoraussetzungen der homöopathischen Methode selbst – einmal mehr.

Bezeichnend im speziellen Fall von Freis Modell ist, dass es sich zwar auf die klassische Homöopathie bezieht, jedoch nicht auf die konsequente Anwendung der homöopathischen Arzneimittellehre beschränkt ist, sondern die Therapie aus einer Mehrzahl therapeutischer Ansätze kombiniert, die teilweise ihrerseits pseudomedizinischen Charakter haben (wie z. B. die von Jean Ayres entwickelte „sensorische Integration“ 16, die auch die Annahme der durch die Erkrankung verursachten „Entwicklungsschritte“ kennt). Freis Konzept kommt insofern als ein gelinde gesagt, erstaunlicher Eklektizismus daher, den Hahnemann selbst in seiner bekannten Diktion wohl als „Bastardhomöopathie“ bezeichnet und strikt abgelehnt hätte.

Insofern hat die homöopathische Symptombeschreibung und Mittelfindung des „individuellen Therapieansatzes“ wenig bis nichts mit der wissenschaftlichen Diagnostik und Therapiefestlegung bei ADHS zu tun. Die homöopathische Mittelwahl zieht Symptome heran, die bei der fachlich korrekten Behandlung keine oder allenfalls eine untergeordnete Rolle spielen. So unterliegt die homöopathische Therapie der ADHS dem gleichen Grundirrtum wie die Homöopathie im Allgemeinen: Sie setzt ein – im vorliegenden Falle rein erdachtes – Symptomenbündel an die Stelle der Diagnose einer Erkrankung.

Kommt dann noch hinzu, dass die Homöopathen einzelne, wenig relevante Symptome, z. B. die Verbesserung der Handschrift, in den Vordergrund ihrer Behandlung stellen – wie sie es gern unter Berufung auf die „Hering’sche Regel“ tun (der Körper heilt von oben nach unten, von innen nach außen, von peripher zu Organ)17 –, stellt sich die Frage nach der ethischen Rechtfertigung eines solchen Vorgehens in Anbetracht des Leidensdrucks in aller Schärfe.

In der psychiatrischen Behandlung wird dagegen (wie in allen empirischen Wissenschaften) versucht, die Symptome möglichst objektiv und wertfrei zu beschreiben. Die psychologische und psychiatrische Forschung verwendet viele Ressourcen darauf, herauszufinden, welche Symptome bei einer Erkrankung vorliegen (Gesamtsymptomatik, häufig verlaufsabhängig), welche sie als Erkrankung „im Kern“ ausmachen (Leitsymptome), und es wird versucht, beides objektivierbar (messbar und beschreibbar) zu machen. Das ist zwar nicht so eindeutig wie in vielen Naturwissenschaften oder anderen Bereichen der Medizin; ohne diese Bemühungen wäre es aber nicht möglich, eine belastbare Ätiologie, eine Entstehungs-und Verlaufslehre psychischer Erkrankungen, überhaupt zu entwickeln.

Diese Bemühungen beruhen aber eben nicht auf dem willkürlichen individuellen Erleben einzelner Menschen; es gibt im Einzelfall viel zu viele Einzelfaktoren, die die wirklich wesentlichen Faktoren überlagern. Die Symptome, die das klinische Erscheinungsbild nach herrschender Meinung prägen, basieren auf einer breiten empirischen Basis. Es liegt daher nahe, sich bei Diagnose und Behandlung auf die so gewonnenen Symptome und die gesicherten Therapieerfahrungen dazu zu konzentrieren und nicht auf eine Pseudo-Individualität, wie sie durchweg Merkmal der Homöopathie ist.

Die ADHS-Studie von Frei et al. aus dem Jahre 2005

Die wohl bekannteste und am weitesten beachtete Studie über individuelle homöopathische Therapie bei ADHS ist die Arbeit von Frei et al. (Frei et al. 2005). Einige andere Arbeiten werden wir noch streifen, jedoch ist diese die „populärste“ und auch die am häufigsten referenzierte, so dass wir sie in den Mittelpunkt dieser Betrachtung stellen wollen.

Ohne Zweifel eine aufwändige Erhebung. Der Grundgedanke war, bei schon nachweislich wirksam behandelten Patienten durch einen Therapiewechsel zu Homöopathika (und wieder zurück), ein sogenanntes Crossover, zu überprüfen, ob ein solcher Vergleich signifikante Hinweise auf die Wirksamkeit der homöopathischen Behandlung liefert. Ein eigentlich interessanter Ansatz, der durchaus dazu geeignet sein könnte, das Potenzial der untersuchten Methode, sofern vorhanden, deutlich zu offenbaren. Das (dürftige) Ergebnis wurde mit einiger Euphorie präsentiert und gilt heute noch in der homöopathischen Szene als eine Art Referenz für „homöopathische Forschung“. Der Bayerische Rundfunk brachte in seiner Sendung „Medizin oder Mogelpackung?“ am 22. April 2013 eine weitgehend unkritische Darstellung der Frei-Studie, was dieser – Jahre nach der Erstpublikation – nochmals reichlich öffentliche Aufmerksamkeit sicherte. Besonders ärgerlich war, dass diese Studie innerhalb einer Wissenschaftssendung als wesentlicher Teil eines angeblichen Wirkungsnachweises für Homöopathie insgesamt18 präsentiert wurde.

Die so öffentlichkeitswirksam verlautbarten Schlüsse aus der Studie waren nämlich in keiner Weise durch die vorliegenden Ergebnisse und Daten zu rechtfertigen. Im Gegenteil ergibt eine nähere Analyse der Arbeit von Frei et al., dass sie weit eher gegen als für die Homöopathie spricht.19

► Drei der vier Crossover-Gruppen zeigten Ergebnisse, die gegen die Wirksamkeit einer homöopathischen Behandlung sprachen, nur für eine Gruppe konnte man eine geringe Signifikanz für die homöopathische Behandlung zeigen. Die festgestellten Reaktionen auf die Crossovers liefen teils dem zuwider, was bei einer Wirksamkeit der homöopathischen Therapie zu erwarten gewesen wäre.
► Die Anwendung des Mess-und Bewertungsverfahrens stieß nach eigenen Angaben der Studie auf Schwierigkeiten bei der Handhabung durch die Eltern, denen die Erfassung der Verlaufsdaten oblag. Woher sollten dann belastbare Daten kommen? Die Autoren der Arbeit ziehen selbst unter anderem diesen Umstand heran, um die teils den Erwartungen widersprechenden Entwicklungen bei den Crossovers zu rechtfertigen.
► Die (in einer von vier Gruppen) festgestellte Signifikanz zugunsten einer homöopathischen Behandlung war so klein, dass sie im gewählten Bezugsrahmen für die Annahme einer wirklichen Relevanz (Effektstärke im Sinne klinischen Nutzens) gar nicht ausreichte. Genauso können andere Gründe – normale Verlaufseinflüsse, Regression zur Mitte – als ursächlich angenommen werden. Mit anderen Worten: Der Effekt war Grundrauschen.

Man darf mit Fug und Recht davon ausgehen, dass unter Berufung auf Frei et al. bis heute homöopathische ADHS-Therapien verordnet und genutzt werden. Und das ist nichts anderes als die Verursachung unnötigen Leids – man muss es so deutlich aussprechen. Nicht unerwähnt mag bleiben, dass einer der Mitautoren der Frei-Studie, der selbst ärztliche homöopathische Therapien zu ADHS anbietet, im Jahre 2016 von einem Homöopathie-Hersteller mit einem Preis „für ADHS-Forschung“ ausgezeichnet wurde.20

Eben dieser Ausgezeichnete hat 2013 versucht, mit der Vorlage einer „Langzeitstudie“ einen sozusagen nachträglichen Nachweis dafür zu erbringen, dass die von den Autoren an die Studie Frei et al. (2005) geknüpften Schlussfolgerungen einer signifikanten und klinisch relevanten Wirksamkeit der homöopathischen Therapie zutreffen. Dies ist – sagen wir einmal – schon vom Ansatz her recht gewagt. Eine zehnjährige Langzeitstudie, also eine Beobachtungsstudie ohne Kontroll-(Vergleichs-)Gruppe mit 62 Patienten bei einem Krankheitsbild, das mit fortschreitendem Alter erheblich selbstlimitierend in die Richtung ist, dass in erheblichem Maße keine medikamentöse Therapie mehr benötigt wird?21 Ganz abgesehen von weiteren Verzerrungen in dieser Arbeit muss allein deshalb auch dieser Versuch, der Studie Frei et al. aus dem Jahre 2005 nachträglich eine Relevanz beizulegen, als gescheitert angesehen werden. Die dargelegten Effekte liegen schlicht innerhalb des auch ohne Therapie Erwartbaren.

Und was gibt es sonst noch so?

Gelegentlich wird neben der Frei-Studie auch auf eine im British Homeopathic Journal (BHJ) erschienene Arbeit von Lamont (1997) referenziert, wenn es um den angeblichen Nachweis der Wirksamkeit individueller homöopathischer Therapie bei ADHS geht.22 Diese Arbeit ist in mancher Hinsicht ungewöhnlich und setzt dem Versuch, aus ihr Erkenntnisgewinn zu ziehen, einen gewissen Widerstand entgegen (interessanterweise wird die Studie vom BHJ als „double blind study“ verschlagwortet, obwohl sie dies nicht ist und auch vom Autor selbst im Titel nur als „controlled study“ bezeichnet wird).

Es beginnt schon damit, dass Lamont (der weder seine genaue Profession noch den Ort seines Wirkens in der Publikation offenlegt) mitteilt, dass er Kinder in seine Untersuchung einbezogen habe, die „mindestens“ die Diagnosekriterien nach DSM IV erfüllen. Und schon sind wir ein weiteres Mal an einem Punkt, wo sich der Homöopath nicht um die anerkannten Diagnosekriterien schert, sondern sie nach seinem Gusto (nach welchem genau, erfährt man nicht) erweitert. Also wieder Symptombündel statt klarer Diagnostik, was von Anfang an jedes Ergebnis diskreditieren muss. Es kommt aber noch mehr dazu.

Die Kinder stammten sämtlich aus sozialen Brennpunkten bzw. prekären familiären Verhältnissen, standen teils nicht unter elterlicher Sorge, sondern unter amtlicher Betreuung. Offensichtlich lagen bei diesen Kindern Multimorbiditäten im psychischen Bereich wie z. B. Traumatisierungen vor. Die Probleme, auf einer solchen Basis valide Erkenntnisse zu einem bestimmten Behandlungsspektrum zu gewinnen, liegen auf der Hand.

Lamont teilte die Kinder selbst in die Verum-und die Placebogruppe ein. Also nichts mit „double blind study“. Soweit man das der Arbeit entnehmen kann, verzichtete er bei etlichen (nicht bei allen) Bezugspersonen (bei denen er ein Verzerrungsrisiko vermutete) darauf, überhaupt mitzuteilen, dass er eine Studie unter Einsatz von Placebo durchführte. Wäre Lamont damit bei der Ethikkommission einer medizinischen Fakultät vorstellig geworden, hätte sein Forscherdrang wohl ein jähes Ende gefunden.

Der „Behandlungszeitraum“ mit entweder individuellen homöopathischen Mitteln in der Potenz C 200 oder mit Placebo erfolgte in Fünftagesintervallen, nach Ablauf von zehn Tagen nach Einnahme wurden die Eltern bzw. Betreuer telefonisch zu den Veränderungen interviewt. Zu den Problemen subjektiver Outcomes, zumal unter den Bedingungen von Lamonts Bemühungen, bedarf es wohl keiner zusätzlichen Ausführungen. Bis zu drei Mal wurde in den Fällen, in dem sich in einem Zehntageszeitraum keine Veränderung gezeigt hatte, das homöopathische Mittel gewechselt. Irgendwann (Lamont bleibt uns hier nähere Auskunft schuldig) erhielten auch die Teilnehmer in der Placebogruppe homöopathische Präparate, auch diese wurden ggf. noch einmal gewechselt. Gekrönt wurde das Ganze dann durch telefonische Schlussinterviews zwei Monate nach Behandlungsende. Wir fassen zusammen: Unter selbst festgelegten Diagnosekriterien führt Lamont eine ethisch bedenkliche partiell verblindete Studie an Kindern aus prekären sozialen Verhältnissen durch, bei denen traumatische und andere psychische Schäden unabhängig von bzw. zusätzlich zu ADHS-Diagnosekriterien vorliegen dürften. Das Behandlungsintervall ist sehr kurz, die Präparate werden vielfach gewechselt, die Placebo-Gruppe erhält gegen Ende des Untersuchungszeitraums irgendwie plötzlich auch Homöopathika, die Outcomes werden durch Telefoninterviews mit den Bezugspersonen auf einer Fünf-Stufen-Skala ermittelt. Und was sagt er selbst dazu?

Er liefert einige statistische Werte, die Anhaltspunkte für mehr Verbesserung unter den homöopathischen Mitteln zu enthalten scheinen. Jedoch – das muss zu Lamonts Gunsten immerhin gesagt werden – er ist bei der Interpretation sehr zurückhaltend, indem er sich auf die Aussage beschränkt, seine Ergebnisse seien geeignet, die Ansicht zu stützen, dass Homöopathie Placebo überlegen sein könnte.

Viele Studien – keine belastbare Gesamtevidenz


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Nun gut, auch das ist noch diskussionsfähig. Mit Evidenznachweisen hat das aber nichts zu tun. Eine methodische und inhaltliche Analyse von Lamonts Arbeit würde ohne Zweifel dazu führen, dass sie für ein systematisches Review schon im ersten Durchgang als unbrauchbar ausgesondert würde.

Lamonts Vorgehen entspricht in vielfacher Weise weder den Grundsätzen für die Durchführung medizinischer Studien noch homöopathischen Grundsätzen. Es ist nicht vorstellbar, dass sich aus einer solchen Untersuchung irgendwelche validen Ergebnisse ableiten lassen. Gleichwohl wird Lamonts Arbeit in der homöopathischen Szene vielfach zitiert. Auch die im vorigen Abschnitt besprochene Arbeit von Frei et al. referenziert Lamont, „who found significant treatment effects“. Aha. Es existieren noch weitere Arbeiten zu ADHS und Homöopathie, meist Pilotstudien und Fallsammlungen, durchaus auch mit für die Homöopathie negativen Ergebnissen, die aber keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn zum Thema bieten. Es gilt nach wie vor, was ein Review der Cochrane Collaboration23 nach umfangreicher Datenbankrecherche und der Auswahl der methodisch belastbaren Arbeiten über die Studienlage zur Behandlung von ADHS schon 2007 konstatierte:

Dieses Review zielte darauf ab, die Evidenz für die Homöopathie als Intervention bei Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen zu bewerten. Vier Studien wurden abgerufen und mit unterschiedlichen Ergebnissen bewertet. Insgesamt fanden die Ergebnisse dieses Reviews keine Hinweise auf die Wirksamkeit der Homöopathie für die globalen Symptome, die Kernsymptome oder die damit verbundenen Auswirkungen der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung.

Schlussbemerkung

ADHS steht als ein Beispiel auch für viele weitere Krankheitsbilder, bei denen durch eine homöopathische Scheinbehandlung Schaden und Leid verursacht wird, weil entweder wirksame Behandlungsoptionen allzu lange oder gar gänzlich unterbleiben, Krankheitsbilder dann nicht oder kaum reversibel sein können oder – wie bei Entwicklungsstörungen – nur ein begrenztes Zeitfenster für eine wirkungsvolle Therapie zur Linderung erheblichen Leidensdrucks und Vermeidung von Langzeitschäden zur Verfügung steht. Strategien, mit denen die Homöopathieproblematik selbst aus Kreisen, die nicht unbedingt homöopathieaffin sind, aus taktischen Gründen „kleingeredet“ werden soll, müssen deshalb entschieden zurückgewiesen werden. Die wissenschaftlich und rational fundierte Homöopathiekritik wird sich von solchem fehlgehenden „Appeasement“ nicht davon abhalten lassen, weiter eine grundsätzliche Revision des Status der Homöopathie im Gesundheitswesen einzufordern. Der Gesetzgeber und die Player im Gesundheitswesen dürfen sich im wohlverstandenen Interesse der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung nicht länger tendenziell bis explizit zugunsten der Homöopathie positionieren.
Es sei abschließend daran erinnert, dass nutzlose ärztlich-homöopathische ADHS-Therapien per Satzungsleistung durch gesetzliche Krankenkassen (mit)finanziert werden; die verordneten Mittel für Patienten unter 12 Jahren werden sogar als Regelleistung der GKV von jeder gesetzlichen Kasse bezahlt. „So okay“ ist das ganz bestimmt nicht, Herr Spahn.

1 „Und wenn es nur Placebo ist, was macht das schon?“, netzwerk-homoeopathie. info/faq-10-und-wenn-es-nur-placebo-ist-wasmacht-das-schon/, Zugriff am 16. 01.2020.
2 „Die Homöopathie hat ihre eigene Sichtweise: Was der Kinderpsychiater Autismus nennt, mag vom homöopathischen Arzt als Impfschadensyndrom, als Geburtstrauma oder Bindungsproblem bezeichnet werden.“ 2019.homoeopathie-kongress.de/programm/themen-und-referenten/michaelhartmann-adhs-autismus-und-co/, Zugriff am 16.01.2020.
3 Dierbach, H. ADHS: Mythen erschweren noch immer die Therapie bei Kindern – und Erwachsene sind schlecht versorgt, deutsch.medscape.com/artikelansicht/4908440, Zugriff am 16.01.2020.
4 Barkley, R. A.; Peters, H. (2012): The Earliest Reference to ADHD in the Medical Literature? Melchior Adam Weikard’s Description in 1775 of “Attention Deficit” (Mangel der Aufmerksamkeit, Attentio Volubilis); Journal of Attention Disorders 2012, doi. org/10.1177/1087054711432309, Zugriff am 16.01.2020.
5 Zur Prävalenz: www.adhspedia.de/wiki/Epidemiologie_der_ADHS#Pr.C3.A4valenz_in_Deutschland_2, Zugriff am 16.01.2020.
6 www.adhspedia.de/wiki/Subtypen, Zugriff am 16.01.2020.
7 www.adhs-hyperaktivitaet.de/ads-adhs/was-ist-ads-bzw-adhs/, Abschnitt „Ursache“, Zugriff am 16.01.2020.
8 adhsspektrum.com/2012/03/05/ritalinbashing-und-kein-ende/, Zugriff am 16.01.2020.
9 Kurzfassung der interdisziplinären evidenz-und konsensbasierten (S3) Leitlinie „Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung im Kindes-, Jugend-und Erwachsenenalter“, AWMF 2018, www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/028-045k_S3_ADHS_2018-06.pdf, Zugriff am 16.01.2020.
10 OTC-Anteil am Homöopathika-Umsatz nach: www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/10/11/homoeopathie-boomflaut-ab/chapter:3, Zugriff am 16.01.2020.
11 Webseite der Produktlinie „Mama Natura“ zu Zappelin: www.mama-natura.com/de/de/unsere-produktfamilie/zappelin-globuli.html, Zugriff am 16.01.2020.
12 „Werbung für Kinderarzneimittel: Eltern schlecht informiert“ MedWatch am 03.04.2018, medwatch.de/2018/04/03/werbungfuer-kinderarzneimittel-kleine-anfragegruene-eltern-schlecht-informiert/, Zugriff am 12.02.2020.
13 „Bislang wurde jedoch noch kein homöopathisches Arzneimittel durch das BfArM zugelassen, bei dem sich der Antragssteller auf eine zum Beleg der Wirksamkeit geeignete Studie berufen hätte.“ Jahresbericht des BfArM 2017/18, S. 43, www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/BfArM/Publikationen/Jahresbericht2017-18.pdf?__blob=publicationFile&v=5, Zugriff am 16.01.2020.
14 Originalarbeit nicht verfügbar, Bericht in der Pharmazeutischen Zeitung 2005, www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=pharm3_40_2005, Zugriff am 16.01.2020.
15 Zu genuiner und klassischer Homöopathie: www.homöopedia.eu/index.php/Artikel:Varianten_der_Homöopathie#Varianten.2C_die_sich_ganz_als_Umsetzung_der_Anweisungen_Hahnemanns_verstehen, Zugriff am 16.01.2020.
16 Sensorische Integrationsstörung und sensorische Integrationstherapie nach Jean Ayres (2017).Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin – www.dgspj.de/wp-content/uploads/service-stellungnahmesi-2017.pdf, Zugriff am 16.01.2020.
17 Zur Hering‘schen Regel siehe: netzwerk-homoeopathie.info/homoeopathie-istesoterik/, Zugriff am 16.01.2020.
18 Kovic, M.:, Ist die Wirksamkeit der Homöopathie endlich wissenschaftlich bestätigt? Oder: Heilt Homöopathie Krebs? www.skeptiker.ch/ist-die-wirksamkeitder-homoopathie-endlich-wissenschaftlichbestatigt-und-heilt-homoopathie-krebs/, Zugriff am 16.01.2020.
19 Aust, N.: Anwendung individueller homöopathischer Medikamente bei ADHS – Studie von H. Frei et al., Universität Bern (2005 / 2006), www.beweisaufnahmehomoeopathie.de/?p=110, Zugriff am 16.01.2020.
20 www.vkhd.de/news-arten-mobil/news-archiv/news-2016/item/278-dr-klausvon-ammon-erhaelt-hevert-preis-fuer-adhsforschung, Zugriff am 16.01.2020.
21 „Only 31.2 % of the patients in the transition cohort still carried the diagnosis of ADHD at the end of the six-year period, at age 21. The percentage of patients taking ADHD medication in this group fell from 51.8 % at age 15 to 6.6 % at age 21.“ Bachmann, C. J. et al. in Dtsch Ärzteblatt Int 2017, siehe Endnote 13.
22 Lamont, J. (1997): Homeopathic Treatment of Attention Deficit Hyperactivity Disorder: A controlled Study‘, in: British Homeopathic Journal 86, April 1997, S. 196-200, www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0007078597800440(Abstract, Volltext nicht mehr verfügbar). Ausführliche Analyse unter www.beweisaufnahme-homoeopathie.de/?p=214.
23 Heirs, M.; Dean. M.E. (2007): Homeopathy for attention deficit/hyperactivity disorder or hyperkinetic disorder, Cochrane Systematic Review 2007, doi.org/10.1002/14651858.CD005648.pub2, Zugriff am 16.01.2020.

Literatur:

Bachmann, C. J.; Philipsen, A.; Hoffmann, F. (2017): ADHD in Germany: Trends in Diagnosis and Pharmacotherapy – A country-wide analysis of health insurance data on attention-deficit/ hyperactivity disorder (ADHD) in children, adolescents and adults from 2009–2014, Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 141-8. DOI: 10.3238/arztebl.2017.0141, www.aerzteblatt.de/int/archive/article/186559.
Frei, H.; Everts, R.; v. Ammon, K.; Kaufmann, F.; Walther, D. et al. (2005): Homeopathic treatment of children with attention-deficit hyperactivity disorder: A randomised, double blind, placebo controlled crossover trial, European Journal of Pediatrics,164(12):758-67.
Frei, H. (2009): Die homöopathische Behandlung von Kindern mit ADS / ADHS: Ein systematisches Therapiekonzept. Verlag Haug, 3. Auflage 2009.
Sciutto, M. J.; Eisenberg, M. (2007): Evaluating the evidence for and against the overdiagnosis of ADHD. In: Journal of attention disorders. Bd. 11, Nr. 2, Sept. 2007, S. 106–113.

Udo Endruscheit ist Mitglied im Informationsnetzwerk Homöopathie sowie pseudomedizinkritischer Autor und Blogger, er zeichnet redaktionell für die Webauftritte des INH verantwortlich. Der Autor ist Dr. Norbert Aust für die detaillierten Analysen der Studien zu Homöopathie und ADHS auf seinem Blog „Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie“ und Dr. Jan Oude-Aost für fachliche medizinische Unterstützung zu Dank verpflichtet.