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Adios, Mistkerl


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Das goldene Blatt - epaper ⋅ Ausgabe 52/2021 vom 23.12.2021

Der große abgeschlossene LADY-KRIMI

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Eine Klangwolke aus Weihnachtsmusik hing über der Innenstadt. Rotgewandete Weihnachtsmänner stapften zwischen gestressten Last-Minute Einkäufern umher, und an allen Ecken blitzten und blinkten Sternenflitter und nervöse Lichterketten.

Nora war das Ganze zuwider. Ob Gero bemerken würde, dass sie beim Friseur war? Alles an ihr war ihm so selbstverständlich. Oder egal? Nach außen hin boten sie die perfekte Fassade. Ein erfolgreicher Unternehmer und seine schöne Frau. Näherer betrachtet war kaum noch etwas in Ordnung bei ihnen.

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Als sie nach Hause kam fand sie ihren Mann in einem der Ledersessel vor dem Kamin. Gero warf ihr einen flüchtigen Blick zu. „Hast du dir ein paar neue Fummel gekauft?“, wollte er wissen.

„Nein. Ich war zwar in der Stadt, aber nur beim Friseur.“

„Auch gut. Übrigens Nora, für heute Abend darf es ruhig ...

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... ein bisschen pompös sein. Ach, und – hier. Das legst du nachher an.“

Sie nahm das Etui entgegen, das er ihr hinstreckte. „Was ist das?“

„Dein Weihnachtsgeschenk.“

Nora klappte den Deckel auf und blickte auf eine breite goldene Halskette mit einem funkelnden tiefblauen Edelstein in der Mitte. Blau war Geros Lieblingsfarbe. „Ist das nicht ein bisschen zu protzig?“, fragte sie zweifelnd.

Gero brummte: „Süße, zerbrich dir mal nicht den Kopf. Mach dich einfach besonders hübsch, okay?“

Warum passierten Dinge, wie sie passierten? Gab es einen Masterplan, in dem alles festgeschrieben stand? Darüber dachte Nora nach, als sie später im Taxi auf dem Weg zu dieser Gala saßen. Zu einem Abend mit Leuten, die sich für wichtig hielten, und die wie Gero einmal im Jahr ihr Geld und ihre Großzügigkeit zur Schau stellten.

Für Nora war es nur ein weiterer Pflichttermin. Aber diese Zeit im Jahr legte sich immer so bleiern auf ihr Herz, dass sie nichts empfand, einfach nur funktionierte und wartete, dass es vorbei ging. Es war kurz vor Weihnachten gewesen, als Hendrik verschwand. Seither war alles, was damit zusammenhing, für Nora schwer zu ertragen.

Der Abend war ein voller Erfolg. Gero hatte Gespräche geführt, sich überall sehen lassen und viel getrunken. Auf der Rückfahrt im Taxi lag dieser selbstzufriedene Ausdruck auf seinem Gesicht, der Nora immer wachsam machte. Weil er so rasch umschlagen konnte.

Das Trinkgeld für den Fahrer, fürstlich selbst für diese noble Wohnlage, zeugte ebenfalls von Geros siegessicherer Stimmung. Als dann die Haustür hinter ihnen ins Schloss fiel, drehte er sich zu ihr um und fasste nach ihrem Arm.

„Du hast heiß ausgesehen heute“, raunte er ihr zu und zog sie heran. Er beugte sich vor, fuhr mit den Lippen durch ihr Haar und biss spielerisch in ihren Hals.

Nora stand steif. Und als er innehielt und ihr ins Gesicht sah, begegnete sie seinem Blick ausdruckslos. „Ich habe Ko p fschmerzen“, sagte sie.

Eine steile Zornesfalte grub sich zwischen seine Augenbrauen. Einen Moment blitzte er sie unwillig an, und Nora war nicht sicher, ob er gleich wieder einmal die Beherrschung verlieren würde. Dann ließ er sie los und trat zurück. „Wie du meinst“, sagte er nur, wandte sich ab und ließ sie stehen.

Später, allein in ihrem großen Bett, fand Nora lange keinen Schlaf. Viele Dinge gingen ihr durch den Kopf, bis ihre Gedanken irgendwann bei Hendrik landeten.

Sie hatte gelernt, mit dem Verlust zu leben. Eigentlich. Doch rund um den Jahrestag seines Verschwindens war es schwer, nicht mit dem Schicksal zu hadern.

Warum? Sie konnte nicht zählen, wie oft sie sich das schon gefragt hatte. Warum hatte er das getan, warum hatte sie nichts bemerkt, und warum klang sein Abschiedsbrief so schrecklich hölzern?

Damals war Gero für Nora die starke Schulter gewesen

Offenbar war seine Liebe nicht so stark gewesen wie ihre. Es war nicht leicht gewesen, das zu akzeptieren, und lange Zeit hatte sich alles in Nora gegen diese Erkenntnis gesträubt. Doch allmählich breitete sie sich in ihrem Inneren aus, wie eine zähe, klebrige Masse, die alles andere erstickte. Ihre Gefühle, ihre Hoffnung, ihre Energie. Dass sie schließlich sogar seinen Bruder geheiratet hatte, geschah dann – ja, warum eigentlich?

Auch das hatte sie sich oft gefragt. Gero war damals die starke Schulter gewesen, an der sie etwas Halt fand. Er hatte sie getröstet und warb charmant und hartnäckig um sie. Und sie war in ihrem Schmerz wie betäubt. Auch lange danach ließ dieses Gefühl kaum nach. Etwas in ihr war mit Hendrik gestorben, und Nora war nicht sicher, ob sie jemals wieder lieben könnte.

Also konnte sie auch den Mann heiraten, dem sie nichts erklären musste. Ob es eine Rolle gespielt hatte, dass er Hendriks Bruder war? Vielleicht. Vielleicht meinte ein Teil ihrer Seele, ihm dadurch nahe zu sein. Denn auch wenn seine Leiche nie gefunden wurde, musste sie irgendwann die Hoffnung loslassen, das alles wäre nur ein Missverständnis und er würde eines Tages wieder auftauchen.

Die Feiertage gingen vorbei. Direkt danach wäre Gero für ein paar Tage geschäftlich unterwegs und erst Silvester wieder zurück. Nora nahm es unbewegt zur Kenntnis.

Ihr Mann war häufig auf Reisen. Sein Unternehmen vertrieb medizinisches Präzisionswerkzeug, und viele Kontakte zu Kliniken und Ärzten pflegte Gero persönlich. Besonders nach Osteuropa unterhielt er intensive Geschäftsbeziehungen. Mehr wusste Nora nicht.

Gero sprach nie über seine Geschäfte, und sie fragte nicht danach. Sie hatte ein paar Mal erlebt, dass ihr Interesse unerwünscht war. Und Gero konnte sehr aufbrausend sein, wenn etwas nicht nach seinem Willen lief. So beließ sie es dabei. Auch so ein Arrangement in dieser seltsamen Ehe. Tatsächlich hatte sie schon darüber nachgedacht, etwas zu ändern. Doch dann wieder fehlte ihr dazu der Antrieb.

Nora mochte die Stille in dem großen Haus, wenn sie allein war. Gero war gleich morgens aufgebrochen, und den Vormittag verbrachte sie entspannt mit einem Buch im Wohnzimmer. Ab und zu fiel ihr Blick durch die bodentiefen Scheiben nach draußen in den Garten, wo trübe Nebelschleier schwer über der winterstarren Rasenfläche hingen. Es war so ein Tag, an dem es gar nicht richtig hell wurde.

Sie überlegte eben, ob sie sich etwas zu Essen richten sollte oder lieber einen Lieferdienst anrufen, als es an der Tür klingelte. Der Monitor an der Gegensprechanlage zeigte eine Gestalt dort vor dem Tor, einen Mann, dessen Gesicht von dem hochgeschlagenen Mantelkragen halb verdeckt wurde. „Ja bitte?“, fragte sie nach draußen.

„Ich möchte zu Nora Weinrich.“ „Worum geht es?“

Jetzt hob er den Kopf und blickte direkt in die Kamera neben dem Tor. „Wir müssen reden.“

Dass Zeit keine feste Größe war, dass Jahre zu Minuten gerinnen konnten und Sekunden sich endlos dehnen, das hatte Nora bisher nie geglaubt. Jetzt setzte ihr Denken aus, ihr Fühlen, ihr Zeitempfinden, während sie da in der Tür stand und starr dahin blickte, wo sich das Gartentor öffnete und der Mann mit festen Schritten über den gekiesten Weg auf sie zukam.

Wie in Zeitlupe sah sie seine Bewegungen, wie die Arme schwangen, eine Haarsträhne in der Stirn wippte. Ihr Mund wurde trocken, die Brust so eng, dass sie kaum atmen konnte. Sie streckte eine Hand nach dem Türrahmen aus, nicht sicher, ob ihre Beine nicht gleich nachgeben würden. Dann stand er vor ihr, und ein Blick in seine Augen radierte die letzten Zweifel aus. Es konnte nicht sein. Und doch, es war so. „Hendrik …“

Ihre Stimme versagte fast. Sie fühlte ihren Körper schwanken, die schwarze Welle der Ohnmacht gefährlich hochsteigen, seinen energischen Griff um ihre Schultern, der sie stützte und festhielt. Dann ging dieser Moment der Schwäche vorüber, ihr Blick klärte sich, doch ihr Verstand weigerte sich zu begreifen, was sie sah: Hendrik!

Nora nahm jedes Detail von Hendriks Gesicht in sich auf

„Komm“, sagte er, ohne die Hände von ihren Schultern zu nehmen. „Lass uns reingehen.“

Willenlos ließ Nora sich vorwärts schieben. Ihr Kopf war voll und leer zugleich. Hendrik führte sie ins Wohnzimmer, drückte sie in einen der Sessel und nahm ihr gegenüber Platz. So saßen sie eine lange Weile stumm. Nora konnte nicht aufhören, ihn anzustarren, jedes Detail seines Gesichtes in sich aufzunehmen. Er hatte sich verändert. Und auch wieder nicht.

„Es gibt einiges zu erklären“, brach er dann das Schweigen.

„Ich dachte, du bist tot“, fiel Nora tonlos dazwischen. „Der Abschiedsbrief damals. Dein Verschwinden. All die Jahre.“ Sie schüttelte wie betäubt den Kopf. Dann richtete sie große Augen auf ihn. „Warum, Hendrik?“

„Das wollte ich dir erklären.“

„Ich habe Gero geheiratet.“

„Ja, ich weiß.“

Wieder entstand eine lange Pause. Nora konnte kaum einen klaren Gedanken fassen. So viele Bilder zogen vorüber, ein Kaleidoskop von Erinnerungen, schöne und bittere. Sie schüttelte sie ab, zwang sich in die Gegenwart zurück.

„Warum bist du verschwunden?“, fragte sie matt. „Und warum kommst du jetzt wieder?“

Hendrik beugte sich ein Stück vor. Sein Blick saugte sich an ihrem fest. „Es gibt einiges, das du wissen sollst“, sagte er. „Die Wahrheit. Von damals. Und von heute.“

Was er dann erzählte, driftete an Nora vorbei. Sie hörte die Worte, doch sie hatte Mühe, ihren Sinn zu erfassen. Es war so unwirklich, so unglaublich. So etwas passierte doch nur im Film. Und doch … es war seine Geschichte. Und ihre.

Alles begann mit dem Unfalltod von Hendriks Eltern. Nora erinnerte sich noch gut an jenen rabenschwarzen Tag im November. Die beiden befanden sich spät abends auf dem Rückweg von einer Veranstaltung. Ob es ein Moment der Unachtsamkeit gewesen war oder sie einem Tier ausweichen mussten, darüber konnte man nur spekulieren. Jedenfalls geriet ihr Wagen auf regennasser Fahrbahn ins Schleudern und prallte gegen einen Baum. Johannes Weinrich und seine Frau waren auf der Stelle tot. Und hinterließen eine klaffende Lücke, nicht nur in der Familie, sondern auch im Unternehmen.

Damals zeigte sich zum ersten Mal ganz deutlich, dass ihre beiden Söhne bei aller äußerlichen Ähnlichkeit aus ganz unterschiedlichem Holz geschnitzt waren.

Während Hendrik in eine Art Schockstarre verfiel, ging Gero schnell daran, das Ruder an sich zu reißen. Sein Großvater hatte das Unternehmen einst als Werkzeugfirma gegründet, sein Vater hatte es auf die Herstellung von Präzisionswerkzeugen spezialisiert.

Gero hatte zuvor schon immer auf Modernisierung und Erweiterung der Produktpalette gedrängt, war aber auf taube Ohren gestoßen. Jetzt, da niemand ihn mehr bremste, ging er entschlossen daran, den Betrieb nach seinen Vorstellungen zu gestalten. Dass Hendrik alles geschehen ließ, kam ihm sehr gelegen. Ob Gero sich da schon Gedanken gemacht hatte, wie er den Bruder auch zukünftig aus dem Geschäft heraushalten könnte?

Hendrik war derweil in Schock und Trauer gefangen. Auch Nora kam kaum noch an ihn heran, musste hilflos zusehen, wie er den Schmerz mit merkwürdigen Methoden zu betäuben versuchte. Plötzlich geriet er in obskure Kreise und experimentierte mit unterschiedlichen Substanzen.

Sie zog sich etwas zurück in dieser Zeit, enttäuscht, ratlos. Deshalb hatte sie auch nie von dieser unseligen Party erfahren, die so schrecklich aus dem Ruder gelaufen war. Es war Hendrik, der aus fragwürdigen Kanälen Drogen besorgt hatte. Am nächsten Morgen waren zwei junge Männer tot.

Hendrik atmete tief ein: „Und dann kam Gero ins Spiel ...!“

„Ich habe damals alles falsch gemacht“, gestand Hendrik jetzt mit leiser Stimme. „Aber ich war so geschockt, selbst noch im seelischen Nirwana, und dann das. Das hat mir endgültig den Boden unter den Füßen weggezogen.“

Eine Pause entstand. Nora sah ihn nur stumm an. „Und dann?“, fragte sie schließlich tonlos.

Hendrik holte tief Luft. „Dann kam Gero ins Spiel. Er hat meine Panik geschürt und mir die schlimmsten Szenarien ausgemalt. Zweifacher Totschlag, Prozess, Vorstrafe, das Leben verpfuscht. So fühlte ich mich auch. Alles vorbei – verpfuscht. Ich kann es heute nicht mehr erklären, aber in dieser tiefen Verzweiflung war mir alles egal. Deshalb bin ich auf seinen Vorschlag eingegangen.“

„Der Abschiedsbrief“, flüsterte Nora. „War das Geros Idee?“

„Ja. Und mehr noch. Er hat mir versprochen, alle Spuren zu verwischen, wenn ich verschwinden und nie mehr auftauchen würde. Niemand würde diese zwei Toten mit mir in Verbindung bringen, wenn ich selbst zu existieren aufhörte. Er hat mir noch das Startkapital für ein neues Leben zukommen lassen, und dann: Adios! Er wollte nie wieder von mir hören.“

Nora atmete schwer. Sie hatte das Gefühl, sie säße auf einem Karussell, das sich immer schneller drehte. Die Bilder rundherum verschwammen, lösten sich auf, ihr ganzes Denken löste sich auf.

Bis Hendriks Stimme dumpf zu ihr durchdrang. „Wenn ich geahnt hätte, dass er es nicht nur auf die Firma, sondern auch auf meine Freundin abgesehen hatte, vielleicht hätte mich das aufgeweckt. So aber war ich wie in einem Tunnel. Über meinem Kopf ist alles Unheil zusammengeschlagen, und unter meinen Füßen der Boden weggebrochen. Es erschien mir damals als die einzige Rettung, all das hinter mir zu lassen. Also habe ich Hendrik Weinrich sterben lassen und bin abgetaucht.“

Er verstummte. Und Nora erfasste ein seltsames Gefühl der Körperlosigkeit. Wie vorhin an der Haustür setzte auch jetzt ihr Empfinden völlig aus. War es eine Minute, die sie da schweigend saß und das Gehörte in ihrem Kopf zu sortieren versuchte, zehn Minuten, oder länger? Sie tauchte aus ihrer Versunkenheit erst auf, als sie den sanften Druck von Hendriks Hand an ihrer Schulter fühlte.

Er saß jetzt auf der Lehne ihres Sessels und sah ernst auf sie herab. „Ich habe mich unzählige Male gefragt, ob das alles richtig war“, sagte er nachdenklich. „Später. Als ich meine Sinne wieder beisammen hatte. Aber dann wusste ich nicht, wie ich die Sache auflösen sollte. Ein paar Mal war ich kurz davor, einfach vor deiner Tür zu stehen. Im letzten Moment hat mich immer der Mut verlassen.“

Nora hob den Kopf und sah ihm in die Augen. „Aber jetzt hast du es doch getan“, stellte sie fest.

Er nickte. „Ja. Jetzt habe ich es doch getan, weil es sein muss …“

Diesmal war Hendrik es, der in Schweigen verfiel und einen langen Moment vor sich hinstarrte.

Nora studierte sein Profil, die scharf geschnittenen Konturen, das markante Kinn. Wie bei Gero. Als er ihr das Gesicht wieder zuwandte, korrigierte sie sich allerdings. Die Ähnlichkeit bestand nur äußerlich. Sein Blick und auch sein Ausdruck war ein ganz anderer und rührte an Empfindungen, die seit langer Zeit wie versteinert tief auf dem Grund ihrer Seele ruhten.

„Jetzt habe ich es doch getan“, wiederholte er. Er schien nach den richtigen Worten zu suchen, setzte zu sprechen an, zögerte. Dann gab er sich einen Ruck. „Ich habe über die Jahre wie ein Zaungast an deinem Leben teilgenommen. Ich

habe Geros Werdegang verfolgt, wie er die Firma ausgebaut und groß gemacht hat. Weg von den Werkzeugen, hin zur Medizintechnik. Ein gewinnbringendes Feld. Aber dann bin ich auf äußerst merkwürdige Dinge gestoßen.“

„Was hast du überhaupt getan?“, unterbrach Nora ihn. „All die Jahre. Wo warst du, wie konntest du so vollständig unsichtbar sein?“

„Geros Geschäfte? Davon weiß gar nichts“, gab Nora zu

Hendrik lächelte humorlos. „Ich war doch für tot erklärt“, erinnerte er sie. „Wer sollte nach mir suchen? Irgendwann habe ich mir eine neue Identität geschaffen und eine Existenz aufgebaut. Vielleicht war es Ironie des Schicksals, dass mich meine eigene Geschichte und mein Verschwinden zu dieser Aufgabe inspiriert haben. Ich helfe Menschen, vermisste Angehörige aufzuspüren und Geheimnisse zu lüften. Als Privatdetektiv. So bin ich Gero auf die Spur gekommen.“

„Ja und? Was ist mit Gero?“ „Was weißt du über seine Geschäfte?“, fragte Hendrik zurück. „Nichts, gar nichts“, gab sie zu.

Er nickte. „Das dachte ich mir. Und es ist gut so! Also, hör zu.“ Und er begann zu sprechen.

Zum zweiten Mal an diesem Tag hörte Nora nun eine Geschichte, die alles überstieg, was sie sich vorstellen konnte. Hendrik erzählte, dass Gero ein Netz aus mehreren Tochterfirmen unterhielt, die über ein schwer durchschaubares Geflecht verschiedener Geschäftszweige miteinander verwoben waren. Ein Bauunternehmen zählte dazu, eine Spedition, eine Klinik. Allesamt in Osteuropa ansässig.

„Ja. Dorthin ist Gero ziemlich häufig zu geschäftlichen Terminen unterwegs“, warf Nora ein.

Hendrik streifte sie mit einem kurzen Blick und fuhr fort. „Mit diesem Netzwerk bedient mein Bruder eine sehr spezielle Nische auf dem medizinischen Markt. Speziell – und illegal. Wir reden von Organhandel. Vorbei an jeder Warteliste, für eine Klientel, bei der Geld keine Rolle spielt. Über die Spedition läuft die Logistik, in der Klinik werden die Transplantationen vorgenommen – 30 000 Euro für eine Niere zum Beispiel. Und das Geschäft floriert.“

Nora spürte etwas wie einen kühlen Luftzug. Sie sah zur Fensterfront, doch die Scheiben waren geschlossen, die Gardinen hingen unbewegt. „Und woher kommen die Organe?“, fragte sie mit einer Ruhe, die sie selbst erstaunte.

„Es gibt in Osteuropa noch viel Armut. Ländliche Gegenden, in denen die Menschen von der Hand in den Mund leben. Eine Niere zu verkaufen wird dort oft als Chance auf ein besseres Leben betrachtet. Aber es gibt auch andere Quellen. Und andere Organe, die man nicht so einfach entbehren und trotzdem weiterleben kann.“ Die Pause, die er jetzt einlegte, schien unheilvoll. Nora drückte sich unbehaglich in ihren Sessel, schwieg aber.

Der große abgeschlossene LADY-KRIMI

„Hier kommt das Bauunternehmen ins Spiel“, sprach Hendrik weiter. „In armen Gegenden werden Leuten angeworben. Hilfskräfte, die man mit Versprechen ködert um sie auf weit entfernten Baustellen einzusetzen. Angeblich. Manche von ihnen kommen dort nie an und verschwinden spurlos.“

Nora fühlte eine Gänsehaut über ihren Rücken kriechen. Zugleich wich alle Farbe aus ihrem Gesicht. Sie schüttelte den Kopf, wie um abzuwerfen, was sie da gehört hatte. Vergeblich. Schon verknotete sich ihr Bauch, und die Botschaft verhakte sich in ihrem Denken. Sie wollte etwas erwidern, öffnete den Mund, fand keine Worte.

Hendrik sah sie mitfühlend an. „Ich weiß, das klingt alles ungeheuerlich. Ich konnte es anfangs selbst nicht glauben. Aber ich fürchte, es ist die Wahrheit.“

„Aber wie … woher …“ Noras Stimme klang seltsam fremd. Sie räusperte den Kloß im Hals weg und setzte noch einmal an. „Woher willst du das wissen?“

„Ich bin von einer Frau beauftragt worden, nach ihrem Bruder zu suchen, der spurlos verschwunden war. Bei meiner Recherche bin ich dann auf Hinweise gestoßen, dass er sich von jener Firma als Bauarbeiter anwerben ließ. So kam eines zum anderen. Als ich intensiver nachgeforscht habe, sind mir ähnliche Fälle untergekommen. Immer das gleiche Muster. Da hatte ich bereits so eine Ahnung, dass ich etwas Großem auf der Spur war. Nicht allerdings, welch komplexes Geschäftsmodell dahinterstand. Und wo der Kopf saß.“

Er musterte Nora eindringlich, als wollte er prüfen, wie viel Wahrheit sie noch ertragen konnte. Als sie seinen Blick nur ausdruckslos erwiderte, kam er zum Schluss. „Irgendwann hatte ich die Verbindung zu dieser Klinik aufgedeckt. Und zu Gero. Da wusste ich, dass es an der Zeit war, wieder hier auf der Bildfläche zu erscheinen.“

In Nora war jetzt nur noch Leere, die alles verschluckte

Nora blickte stumm. In ihr drin hatte sich eine Leere ausgebreitet, ein Vakuum, das alles verschluckte, ihr Denken, Fühlen, Empfinden.

Sie bemerkte es kaum, als Hendrik aufstand. „Das waren ein paar ziemliche Brocken“, meinte er. „Ich lass dich jetzt allein, damit du das alles erst mal sacken lassen kannst. Und falls du reden möchtest, hier ist meine Nummer.“

Er legte einen Zettel mit einer Handynummer vor sie auf den Tisch. Nora warf einen flüchtigen Blick darauf und hob dann den Kopf. „Komm morgen wieder“,sagte sie tonlos. „Gero ist auf Geschäftsreise. Er wollte erst an Silvester wieder zurück sein.“

Hendrik lächelte schmal. „Ich weiß. Er trifft seine Schergen, lässt Geld und Wodka in Strömen fließen und kauft sich ihre Loyalität für ein weiters Jahr. Ein Businessmeeting der anderen Art. Also dann. Wir sehen uns.“ Er nickte ihr zu, und da Nora nichts erwiderte, ging er aus dem Raum. Gleich darauf fiel die Haustür ins Schloss.

Als Nora sich nach einer dumpfen Ewigkeit aus ihrem Sessel erhob, dämmerte es draußen schon. Sie lief durch alle Räume, schaltete überall die Lichter ein. Nur keine Dunkelheit jetzt. Gegen die Schwärze in ihr drin kam die Beleuchtung trotzdem nicht an.

Mitten in der Nacht schreckte sie schweißgebadet aus einem Albtraum hoch. Sie konnte kaum eingeschlafen sein, nachdem sie zuvor stundenlang grübelnd an die Decke gestarrt hatte. Es wollte nicht in ihren Kopf. Als wären sie sperrige Pakete, die sich vor einem viel zu kleinen Lieferwagen stapelten, konnte sie ihre Gedanken nicht sortieren. So vieles kam ihr kreuz und quer in den Sinn. Bilder und Empfindungen, Schlaglichter aus verschiedenen Zeiten, wirr und ohne System, bis sie irgendwann erschöpft wieder einschlief.

Eine fahle Wintersonne weckte sie am nächsten Tag. Und mit dem ersten Wimpernschlag war alles wieder da. Hendriks Besuch. All diese ungeheuerlichen Behauptungen. Gero war nicht zimperlich, das hatte sie oft genug erlebt. Aber den eigenen Bruder aus dem Weg geschafft? Und dazu ein mehrfacher Mörder? War das möglich?

Sie war eben mit einem kargen Frühstück fertig, als es klingelte. Hendrik! Nora drückte den Türöffner und sah ihm aus großen fassungslosen Augen entgegen. „Ich kann das nicht glauben“, platzte sie statt einer Begrüßung heraus.

Er nickte. „Kann ich verstehen. Ist mir auch schwergefallen. Deshalb wollte ich dir heute auch meine gesamten Recherchen zeigen.“

Kurz darauf saßen sie nebeneinander auf dem Sofa. Hendrik hatte seinen Laptop aufgeklappt und klickte sich durch Dokumente.

Nora beugte sich herüber und versuchte seinen Erklärungen zu folgen. Namen, Zahlen und Daten schwirrten an ihr vorbei, eine Liste vermisster Personen und ein Bewegungsprofil der Speditionsfahrzeuge, das eine auffällige örtliche Deckung aufwies. Hendrik hatte gründlich gearbeitet. Gero aber auch. In dem Firmengeflecht verwischten sich die Spuren zu der Stelle, wo alle Fäden zusammenliefen. Die Indizien sprachen für sich, doch der letzte Beweis fehlte.

Hendrik klappte er den Laptop zu und sah ihr in die Augen. Zwei Dinge wurden Nora in diesem Moment schlagartig bewusst. Dass sie ihrem Mann diese kriminelle Energie tatsächlich zutraute. Und dass Hendriks Nähe und sein Blick ihr immer noch diesen sachten Schauer über den Rücken jagten …

„Was sagst du?“, fragte er.

„Ich brauche frische Luft“, gab sie zurück. „Lass uns rausgehen.“

Die Villa lag am Waldrand. Eine Weile liefen sie schweigend durch die froststarre Natur, ohne einem Menschen zu begegnen. Nur das Rascheln des übriggebliebenen Herbstlaubes begleitete sie.

Als irgendwann die Worte kamen geschah das wie von selbst. Nora sprach, oder vielmehr dachte laut nach über damals und heute, die Zeit nach seinem Verschwinden, ihre Gefühle und ihre Ehe.

Hendrik erzählte von seinen zermürbenden Zweifeln und dem langen Weg, die Dinge zu akzeptieren.

Nora sah Hendrik fest an. „Kommst du noch mit rein?“

Worüber keiner von ihnen sprach, war die Tatsache, dass die alte Anziehung gerade wieder erwacht war – wie nach einem langen Winterschlaf. Es schwang aber unüberhörbar zwischen den Worten, in den Blicken oder den scheinbar zufälligen Berührungen ab und zu.

Als sie wieder vor ihrem Haus standen sah sie ihm fest ins Gesicht. „Kommst du noch mit rein?“

Hendrik zögerte keine Sekunde, nickte nur, mit diesem halben Lächeln, das er so perfekt beherrschte und das heute noch genauso bedeutsam leuchtete wie früher.

Sie küssten sich, noch bevor die Tür hinter ihnen ins Schloss gefallen war. Stiegen engumschlungendie Treppe hoch zum Schlafzimmer, ohne sich voneinander zu lösen. Und versanken in dem breiten Bett endgültig in ihrer lang aufgestauten Leidenschaft.

Es war wie ein schöner Traum. In Hendriks Armen einzuschlafen, neben ihm aufzuwachen und den Tag an seiner Seite zu verbringen. Nora tauchte mit Haut und Haar ein in diese süße Illusion, dass das nun ihr Leben wäre. Ihre Liebe, die all die Jahre nicht verflogen, nur verschüttet war, meldete sich mit Macht zurück. Zugleich wuchs in Nora jedoch auch ein anderes, ebenso mächtiges Gefühl. Abscheu, Hass – auf Gero. Der ihr diese Zeit, die Jahre, ihr Leben mit Hendrik gestohlen hatte.

Noch zwei Tage bis Silvester.

Noch einer.

Tausend Dinge gingen Nora in diesen letzten Stunden durch den Kopf. Sie würde Gero keinen Tag länger ertragen, das empfand sie immer klarer. Zuvor aber wollte sie aus seinem Mund die Wahrheit hören. Hatte er sie all die Jahre belogen und benutzt? Und war er wirklich ein eiskalter Mörder?

Es war schon nach neun Uhr abends am Silvestertag, als Gero auftauchte. Etwas erschöpft von der langen Fahrt, aber sehr zufrieden, das war ihm anzusehen. Er duschte ausgiebig und kam dann ins Esszimmer, wo Nora Champagner und kalte Platten vorbereitet hatte. Sein Blick glitt anerkennend über den Tisch und dann zu Nora, die ihn ausdruckslos erwiderte.

Der große abgeschlossene LADY-KRIMI

„Wir haben übrigens einen Gast“, sagte sie. Im gleichen Moment trat Hendrik in den Raum.

Gero hatte sich gut in der Gewalt. Eine Sekunde der Überraschung nur, ein kurzes Zucken im Gesicht, ein Mahlen der Kiefer, dann wies er lässig auf den Tisch. „Ist ja genug zu essen da.“

Es war bizarr, wie sie dann zu Tisch saßen und Gero plauderte, als wäre das ein ganz normales Familientreffen. Nora sah von einem zum anderen und brachte kaum einen Bissen herunter. Bis Gero dann den Teller von sich schob und Hendrik fixierte. „Also, genug Geplänkel. Was willst du hier?“

„Über deine Geschäfte reden.“ „Ah, meine Geschäfte?“ Gero grinste. „Die laufen gut. Danke.“ „Ich weiß. Nieren und Co. stehen hoch im Kurs.“

Geros Augen blitzten. Er füllte sein Glas noch einmal und trat ans Fenster. „In der Tat“, sagte er nur.

„Dann ist es wahr!“, rief Nora. „Du handelst mit … Organen?“

„Schätzchen“, unterbrach er sie. „In erster Linie helfe ich Menschen. Ich gebe ihnen ihre Gesundheit zurück. Das ist ein teures Gut.“

Hendrik war neben ihn getreten. „Und dafür sterben andere Menschen“, bemerkte er trocken.

Nora sah den Zorn in Geros Blick, der von einer Sekunde zur nächsten auflodern konnte. Er tat einen Schritt zur Seite und baute sich drohend vor Hendrik auf.

„Du solltest auch gestorben sein“, zischte er wütend. „Schon vergessen? Das lässt sich aber korrigieren. Und glaub mir, für deine

Organe hab ich auch Verwendung.“ Wie um seine Worte zu unterstreichen fuhren seine Finger vor und krallten sich in Hendriks Hemd.

In diesem Moment wurde es still in Nora. Totenstill. Plötzlich war diese Pistole in ihrer Hand, die aus Geros Schreibtisch. Und der Lauf zeigte auf seine Brust.

¨ Vergeltung

Gero sah sie mit einem süffisanten Grinsen an. Doch er sollte büßen für all die Lügen und all den Schmerz, den er Nora angetan hatte

Gero ließ die Hand sinken und sah sie erstaunt an. Dann legte sich ein süffisantes Grinsen auf sein Gesicht. „Was wird das jetzt?“

„Das tust du doch nicht, Nora!“ Gero grinste spöttisch

Vergeltung. Für all die Jahre, all die Lügen, den Schmerz. Und deine unschuldigen Opfer. Sie sagte es nicht mit Worten, doch er sah es in ihren Augen. Und sie sah, dass er es sah. Schließlich schüttelte er den Kopf, immer noch grinsend, überheblich. „Das tust du doch nicht“, kam es spöttisch.

Doch er täuschte sich.

In der Schrecksekunde nach dem Schuss war die Stille ohrenbetäubend. Einen Augenblick noch stand Gero reglos, einen erstaunten Ausdruck im Gesicht, dann beschrieb der Körper eine Pirouette und sankeinfach in sich zusammen. Nora beobachtete die Szene starr. Und im nächsten Moment explodierte draußen vor dem Fenster der Himmel. Silvester. Das Feuerwerk.

Hendrik fand als erster seine Fassung wieder. Er löste die Pistole aus Noras Fingern. Dann zog er sie fest in die Arme. „Ein gutes Neues Jahr“, raunte er in ihr Ohr.

Sie fühlte seinen Herzschlag an ihrem und genoss andächtig dieses Gefühl von Frieden, das in ihr hochstieg. Dann bog sie den Kopf zurück und sah ihm ins Gesicht. „Dir auch“, sagte sie lächelnd.

Und in Gedanken an Gero gerichtet – Adios, Mistkerl!

Hendrik unternahm noch eine längere Tour in dieser Nacht. Weit weg würde irgendwann ein Toter gefunden werden mit einem Ausweis in der Tasche. Martin Müller. Ein Privatdetektiv. Erschossen. Ja, solche Leute lebten gefährlich.

Nora und ihr Ehemann indes genossen ihre Liebe. Nur als Hendrik an jenem Januartag vom Friseur kam, durchzuckte sie ein heißer Schreck. Diese Ähnlichkeit! Verblüffend, selbst für eineiige Zwillinge. Nur der Ausdruck in den Augen war ein anderer. Aber das würde in der Firma niemand merken. Man würde sich höchstens fragen, warum der Chef ein paar lukrative Geschäftszweige kappen und Tochtergesellschaften auflösen würde … aber erst machte er ein paar Tage Urlaub mit seiner Frau.

ENDE

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LIEBES-ROMAN