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ÄRGER: Hier läuft was richtig falsch!


Guter Rat Spezial - epaper ⋅ Ausgabe 4/2018 vom 22.11.2018

TYPISCHE FEHLER Bei der Abgabe der Steuererklärung gibt es oft Ärger mit dem Finanzamt. Lassen Sie sich davon nicht einschüchtern. Zehn Fälle, wie Sie Recht durchsetzen


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Bildquelle: Guter Rat Spezial, Ausgabe 4/2018

Steuerbescheid Ein Einspruch kostet nichts


Droht Streit mit dem Finanzamt, reagieren die meisten Deutschen ängstlich. Das Steuerrecht ist schon kompliziert genug und Widerstand ohnehin meist zwecklos, so die gängige Meinung. Ein Fehler, denn viele wissen nicht, dass sie eigentlich ganz gute Karten haben. Die Profis von den Finanzämtern liegen nämlich häufiger schief, als man denkt. Und andere Fehler lassen sich leicht selbst vermeiden. ...

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1 Freiwillige Steuererklärung: Ohne Nachzahlungsrisiko

Arbeitnehmer, die lediglich ihren Lohn erhalten und keine Nebeneinkünfte haben, müssen keine Steuererklärung abgeben. Geben sie freiwillig trotzdem eine ab und das Finanzamt fordert eine Steuernachzahlung, weil der Arbeitgeber zu wenig Lohnsteuer einbehalten hat, sollten die Betroffenen sofort reagieren und Einspruch gegen den Steuerbescheid ein legen. Damit ziehen sie nämlich ihre freiwillige Steuererklärung einfach zurück, und die Nachzahlung ist vom Tisch.

Guter Rat Innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe muss beim Finanzamt schriftlich Einspruch eingereicht werden.

2 Entfernungspauschale: Umwege sind erlaubt

Wenn Sie für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte Werbungskosten be antragen, kontrolliert der Sachbearbeiter im Finanzamt über einen Online-Routenplaner, ob Ihre Kilometerangaben stimmen. Steuerlich absetzbar ist für diese Fahrten nur die Entfernungspauschale von 0,30 Euro für die einfache kürzeste Strecke. Beantragen Sie die Entfernungspauschale für eine längere Strecke, sagt das Finanzamt meist Nein. Viele Arbeitnehmer geben hier ohne Not klein bei. Denn ist der Umweg verkehrstechnisch günstiger, haben Sie gute Chancen, die höheren Kosten durchzusetzen. Wenn Sie durch den Umweg zehn Prozent der täglichen Fahrzeit sparen, muss das Finanzamt die dafür gefahrenen Kilometer akzeptieren (BFH, Az. VI R 19/11; VI R 46/10).

Guter Rat Nicht nur die Zeitersparnis ist für die Anerkennung der Umwegstrecke entscheidend. Sie müssen dem Finanzamt im Zweifel auch nachweisen können, dass Sie diesen Umweg tatsächlich genutzt haben (Tankbelege beim Tanken auf dieser Wegstrecke aufbewahren).

Arbeitsweg Ein kleiner Umweg kann sich steuerlich und zeitlich lohnen


3 Unfall auf dem Arbeitsweg: Alle Kosten geltend machen

Normalerweise sind mit der Entfernungspauschale alle weiteren Fahrzeugkosten für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz steuerlich abgegolten. Eine Ausnahme bilden Unfallkosten auf dem Arbeitsweg. Denn diese müssen die Finanzämter zusätzlich zur Entfernungspauschale anerkennen. Voraussetzung ist jedoch, dass der Unfall nicht unter Alkoholeinfluss passiert ist.

Guter Rat Wenn der Finanzbeamte das nicht akzeptiert, müssen Sie Einspruch einlegen. Das Bundesfinanzministerium hat klargestellt, dass Unfallkosten auch künftig neben der Entfernungspauschale als Werbungskosten abziehbar sind (Bundestags-Drucksache 18/8523 v. 20.5. 2016, Antwort auf Frage 50).

4 Entlastungsbetrag: Darauf müssen Sie achten

Mütter oder Väter, die ihr Kind allein erziehen, genießen steuerlich ein Privileg. Leben Sie nur mit Ihrem Kind zusammen in einem Haushalt, ohne Partner oder Lebensgefährten, steht Ihnen ein jährlicher Entlastungsbetrag in Höhe von 1908 Euro zu. Für jedes weitere Kind gibt es einen zusätzlichen Betrag von 240 Euro. Beispiel: Lebt eine alleinerziehende Mutter mit ihren drei Kindern in einem Haushalt, macht das einen Entlastungsbetrag von 2388 Euro aus (1908 Euro plus zweimal 240 Euro). In diesem Fall ist es allerdings sinnvoll, eines der Kinder im Haushalt des Vaters zu melden. Dann steht diesem nämlich ein zweiter Entlastungsbetrag von 1908 Euro zu.

Guter Rat Die Mutter kann in der Einkommensteuererklärung also einen Entlastungsbetrag von 2148 Euro (1908 Euro plus 240 Euro) steuersparend geltend machen, der Vater für das in seinem Haushalt gemeldete Kind noch einmal 1908 Euro. Dazu muss das Kind nicht dauerhaft im väterlichen Haushalt leben.

Unwetteropfer Ausgaben für Reparaturen und Wiederbeschaffung gelten als außergewöhnliche Belastungen


5 Einzelveranlagung: Oft die bessere Wahl

Wenn Eheleute beim Finanzamt eine Steuererklärung einreichen, wird im Mantelbogen meist ein Kreuzchen bei der Zusammenveranlagung gesetzt. So profitieren beide vom günstigen Splittingtarif. Diese Regel gilt aber nicht immer. Wenn zum Beispiel einer der beiden Partner nur Lohnersatzleistungen wie Elterngeld oder Krankengeld bezieht, kann es teurer werden. Diese Bezüge sind zwar steuerfrei, sorgen jedoch dafür, dass der Steuersatz auf das übrige Einkommen des Ehepartners steigt. Lassen sich die Partner einzeln veranlagen, fahren sie oftmals deutlich besser. Das zeigt das Beispiel zweier Eltern, bei denen der Vater 15000 Euro im Jahr verdient und die Mutter 21600 Euro Elterngeld bekommt.

Guter Rat Bei einer Zusammenveranlagung würden die beiden für das vergangene Jahr 1867,35 Euro Einkommensteuer zahlen. Bei einer Einzelveranlagung, die man allerdings beantragen muss, würde ihre Steuerlast bei lediglich 1390,80 Euro liegen.

6 Hochzeit: Denken Sie an das Finanzamt

Der größte Fehler, den der Deutsche bei der Steuererklärung machen kann, ist es, gar keine abzugeben. Immerhin beträgt die durchschnittliche Steuererstattung 1000 Euro pro Jahr. Und wenn bei Ehepaaren einer der beiden Partner mindestens 60 Prozent des gemeinsamen Einkommens bezieht, sind bei einer Steuererklärung sogar mehrere Tausend Euro pro Jahr drin. Beispiel: Hans und Gerda haben 2014 geheiratet. Hans hat ein zu versteuerndes Einkommen als Arbeitnehmer von 60000 Euro, Gerda ist Minijobberin und verdient 450 Euro pro Monat. Beide haben seit ihrer Hochzeit die Lohnsteuerklasse 4. Bei Abgabe einer Einkommensteuererklärung würden sie bei einer Zusammenveranlagung 6188,63 Euro zurückbekommen.

Guter Rat Eine Steuererstattung kann noch für die Jahre ab 2014 geltend gemacht werden. Dafür muss die freiwillige Steuererklärung jedoch bis spätestens 31.12.2018 im Briefkasten des Finanzamts landen.

7 Wenn der Fiskus Nein sagt: Nicht verunsichern lassen

Manche Finanzbeamte spielen sich in ihrem Amtszimmer wie kleine Sonnenkönige auf. Nach dem Motto »Der Staat bin ich!« werden beantragte Werbungskosten abgelehnt, weil diese oder jene Belege fehlen oder beantragte Ausgabenposten nichts in der Steuererklärung zu suchen hätten. Leider lässt sich die Mehrheit der Steuerzahler davon verunsichern. Doch das ist ein Fehler, wie die Einspruchsstatistiken der Finanzämter zeigen. Denn in rund 65 Prozent aller Einsprüche gibt das Finanzamt nach und erkennt höhere Steuersparkosten an.

Guter Rat Legen Sie im Streitfall unbedingt Einspruch ein. Das kostet nichts, und wenn der Sachbearbeiter bei der erneuten Kontrolle weitere Fehler findet, die zu einer noch höheren Steuer führen, ziehen Sie den Einspruch einfach zurück, und nichts passiert.

8 Keine Belege: Kein Grund zum Verzweifeln

Möchten Sie weniger Steuern zahlen, haben Sie steuersparende Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen? Hier tragen Sie die Beweislast. Möchte der Finanzbeamte die dazugehörigen Rechnungen sehen, müssen Sie diese vorlegen. Können Sie keine mehr auffinden, werden die Kosten steuerlich nicht anerkannt. Damit müssen Sie sich nicht abfinden. Wenn Sie plausible »Eigenbelege « vorlegen, drückt das Finanzamt oftmals noch ein Auge zu und erkennt die Ausgaben auch ohne Rechnungen an.

Guter Rat Auf einem Eigenbeleg notieren Sie, was Sie für wie viel Euro gekauft haben und wofür diese Ausgabe notwendig war. Gute Chancen hat, wer zusätzlich einen Bankbeleg als Nachweis für die Ausgaben hat oder einen Zeugen benennen kann, der bei Tätigung dieser Ausgabe zugegen war. Das Problematische dabei: Je mehr Eigenbelege Sie dem Finanzamt präsentieren, desto unglaubwürdiger werden Ihre Angaben. Das Finanzamt kann Eigenbelege anerkennen, muss es aber nicht.

Alleinerzieher 1908 Euro für das erste Kind und 240 für jedes weitere


9 Hochwasserschäden: Steuererklärung abgeben

Opfer von Unwetterkatastrophen, die Mobiliar, Kleidung und Wertgegenstände verloren haben, können die selbst getragenen Kosten für Wiederbeschaffung und Reparaturen als außergewöhnliche Belas tung steuerlich geltend machen. Vor lauter Stress denken aber viele Opfer ausgerechnet in diesem Jahr nicht an die Steuererklärung. Ein teurer Fehler, denn ohne dieses Dokument gibt’s auch im erwiesenen Notfall kein Geld vom Staat.

Guter Rat Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass das Finanzamt je nach Höhe Ihrer Einkünfte und nach Familienstand eine zumutbare Eigenbelastung ermittelt. Nur die übersteigenden Kosten sind als außergewöhnliche Belastung abziehbar und führen zu einer Steuererstattung.

10 Musterprozesse: Hängen Sie sich einfach dran

Beinahe täglich geben sich in deutschen Gerichten Kläger die Türklinke in die Hand. Von diesen Musterprozessen, die beim Bundesfinanzhof anhängig sind, können auch Sie profitieren. Sie müssen nur gegen Ihren Einkommensteuerbescheid Einspruch einlegen und beim Finanzamt mit Hinweis auf den jeweiligen Musterprozess einen Antrag auf Ruhen des Einspruchverfahrens beantragen. Bei einem für Steuerzahler positiven Richterspruch – auch wenn dieser erst Jahre später erfolgen sollte – ändert das Finanzamt den angefochtenen Steuerbescheid, und es winkt eine Steuererstattung plus Erstattungszinsen.

Guter Rat Um zu erfahren, ob es für Sie interessante beim Bundesfinanzhof anhängige Verfahren gibt, müssen Sie im Internet das Portal des Bundesfinanzhofs unterwww.bundesfinanzhof.de aufrufen und auf der linken Seite die Rubrik »Anhängige Verfahren« anklicken.


FOTO: ISTOCKPHOTO

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