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Ärztin in Not


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Gong - epaper ⋅ Ausgabe 45/2021 vom 05.11.2021

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Bildquelle: Gong, Ausgabe 45/2021

Eine tödliche Lungenkrankheit, die plötzlich im chinesischen Wuhan auftritt. Ein Virus, das sich in kürzester Zeit weltweit verbreitet. Schockierende Bilder von unzähligen Toten in Bergamo und New York, aber auch in Deutschland. Debatten über Atemschutzmasken. Kämpfe ums Klopapier. Schließlich ein bundesweites striktes Kontaktverbot. Zu Beginn der Coronapandemie erreichten uns zwischen Januar und März 2020 täglich neue Schreckensmeldungen. Und obwohl auch heute noch kein Ende in Sicht ist, gibt es jetzt bereits den ersten Spielfilm über diese historischen ersten drei Monate im Ausnahmezustand: „Die Welt steht still“ (sieh TV-Tipp). Ausgedacht hat sich dieses starke Drehbuch die Grimme-Preisträgerin Dorothee Schön („Frau Böhm sagt Nein“). Die 59-Jährige beleuchtet den Anfang der verheerendsten Seuche, die das 21. Jahrhundert bislang erlebte, aus der Sicht einer Intensivmedizinerin. ...

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Die Handlung des berührenden Dramas: Eigentlich verläuft das Leben der vierköpfigen Familie Mellau aus Konstanz in geregelten Bahnen. Vater Stefan (Marcus Mittermeier) ist ein viel beschäftigter Musiker, Mutter Carolin Intensivmedizinerin, Tochter Luzy (Lilly Barshy) zum ersten Mal verliebt, Sohn Tim (Jona Eisenblätter) ein Schüler mit sehr guten Noten. Doch als die Coronapandemie ausbricht, steht der Alltag der Mellaus plötzlich kopf: Stefan hockt mürrisch ohne Einkommen zu Hause, Luzy trifft sich trotz deutschlandweiter Ausgangssperre heimlich mit ihrem in der Schweiz lebenden Freund Noah (Oskar Belton), Tim kann nicht mehr zur Schule gehen – und Carolin kämpft in der Klinik an vorderster Front um Schutzkleidung und Beatmungsgeräte. Als Anästhesistin intubiert sie Patienten, die einen schweren Covid-19-Verlauf haben, und blendet dabei das eigene Infektionsrisiko völlig aus. Bei der Witwe eines an Covid-19 verstorbenen Coronaleugners steckt sie sich schließlich mit dem gefährlichen Virus an.

Gedreht wurde der realistische Spielfilm Anfang 2021 während des zweiten Lockdowns unter strengsten Hygienemaßnahmen in einer leer stehenden Klinik. Ein kühnes Unterfangen. Wie kam Drehbuch-autorin Dorothee Schön auf das gewagte Projekt? Was gab ihr den Mut, während einer herrschenden Pandemie ein Drehbuch zum Thema zu schreiben – ohne auch nur ansatzweise abschätzen zu können, ob es zum Zeitpunkt der Ausstrahlung überhaupt noch aktuell sein würde?

" Welches Gefühl nach der Pandemie bleibt? Die Demut vor dem Leben!“

Natalia Wörner, Schauspielerin

" Vielleicht sensibilisiert unser Film Skeptiker:innen dafür, wie sehr das Klinikpersonal an seine Belastungsgrenzen gestoßen ist.“

Dorothee Schön, Drehbuchautorin

Persönliche Betroffenheit

„Der konkrete Anstoß für mein Drehbuch war die Sorge einer Mutter, weil meine Tochter während des Beginns der Coronapandemie selbst ihre erste Assistenzstelle in der Konstanzer Intensivmedizin angetreten hatte“, verrät Dorothee Schön im Gespräch mit unserer Redaktion. Zum Glück, so Schön, habe sich ihre Tochter nicht infiziert, aber die „Schreckensbilder aus italienischen Krankenhäusern“ hätten ihr derartige Sorgen bereitet, dass sie den Stoff unbedingt aus der „Innenperspektive einer Ärztin“ erzählen wollte.

Auch Schauspielerin Natalia Wörner („Die Diplomatin“) hat einen ganz persönlichen Zugang zum Thema: Sie war selbst an Covid-19 erkrankt, hatte aber einen vergleichsweise milden Verlauf. Im Interview mit uns erzählt die 54-Jährige, dass sie rückblickend nicht wisse, wo sie sich mit dem Virus angesteckt habe. „Für mich“, so Wörner, „ist dieser Film ein absolutes Herzensprojekt aufgrund seiner Nähe zur Aktualität und zur Pandemie, in der wir alle noch immer nicht wissen, wie wir die ‚neue Normalität‘ am Ende definieren.“

In den vergangenen 18 Monaten im Ausnahmezustand gab es für Drehbuchautorin Dorothee Schön ein besonders eindringliches Ereignis: „Am meisten war ich berührt, als mir meine Tochter vom Fall eines Corona-infizierten französischen Patienten erzählte, der in Konstanz im Koma lag und dessen ebenfalls mit dem Virus infizierte Ehefrau zur gleichen Zeit im Elsass starb. Dieses schicksalhafte Ereignis wollte ich in verfremdeter Form auf jeden Fall in den Film einbringen, weil so etwas nicht nur für die Hinterbliebenen extrem belastend ist, sondern auch für das Klinikpersonal.“ Ein großes Anliegen, so die Autorin, sei es ihr, mit ihrem Film den Blick zu schärfen für die oftmals übermenschlichen Leistungen der Pflegekräfte, Ärzte und Ärztinnen: „Einerseits musste das Klinikpersonal in der Anfangszeit ständig befürchten, sich selbst mit dem noch unbekannten Virus anzustecken, und dabei ständig um Schutzkleidung und Desinfektionsmittel kämpfen – was es heute an jeder Straßenecke zu kaufen gibt. Vielleicht sensibilisiert unser Film ja einige Skeptiker:innen dafür, wie sehr das Klinikpersonal in den letzten Monaten an seine Belastungsgrenzen gestoßen ist – und dafür, dass man ihm das ersparen müsste.“

Doch Schöns Film ist kein einseitiges Plädoyer. Die große Stärke dieses ersten TV-Dramas über die Coronapandemie in Deutschland ist seine Ausgewogenheit: Schön beleuchtet das Thema unter sämtlichen Blickwinkeln, zeigt verängstigte Menschen ebenso wie Coronaleugner, Impf befürworter ebenso wie Impfgegner – ohne eine der Positionen ab- oder aufzuwerten. Sehenswert wird der Film auch durch die Leistung von Natalia Wörner, die die am Limit arbeitende Ärztin äußerst glaubwürdig verkörpert: „Wie höchstwahrscheinlich alle Menschen kenne auch ich sämtliche Gefühle: von Wut und Angst bis Ohnmacht, Solidarität und Hilfsbereitschaft. Was am Ende davon bleibt, ist aktuell schwer vorherzusehen – bis auf eines: die Demut vor dem Leben.“

MIKE POWELZ