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Afrika. Schöne pflegende Welt


Vital - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 11.09.2019

Die Wirkstoffe aus der afrikanischen Flora werden bei uns immer beliebter: weshalb Sheabutter, Argan- und Marula-Öl unsere Haut so gut schützen, wie Bio-Hersteller die Qualität bei zunehmender Nachfrage wahren – und wie wir durch faire Kosmetikkäufe den Menschen vor Ort helfen können


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Bildquelle: Vital, Ausgabe 10/2019

Pflege aus fairem Anbau

Diese Beauty-Helfer tun unserem Körper gut – und machen die Welt besser

KOSTBARKEIT
Mit Öl der proteinreichen! Nara*-Pflanze aus der Namib-Wüste.
„Naturoyale! Nara Body Oil“, Annemarie Börlind, 100 ml ca. 30 Euro (ab Ende September)

ÖL-SCHATZ
Die Kerne sammelten nur gerecht entlohnte Frauen.

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KLEINOD
Zwei Kilo Baobab-Kerne sind für eine Flasche nötig – geerntet von Familien in Tansania.
„Baobab Hautschutz Öl“ von The Essence of Africa, 100 ml ca. 17 Euro

MULTITALENT
In Nordghana entsteht diese Butter aus je 192 Sheanüssen – für Gesicht, Haare, Körper.
„Shea Butter“ von The Body Shop, 150 ml ca. 17 Euro

NATURLIEBE
Fair gewonnenes Argan-Öl aus Marokko stärkt das Haar und pflegt die Kopfhaut.
„Haarseife“ von Speick, 45 g ca. 3 Euro

Lesen wir auf dem Tiegel unserer Gesichtscreme die Namen afrikanischer Pflegestoffe wie Sheabutter, Marula- oder Argan-Öl, denken viele von uns sofort an unberührte Wildnis, exotische Pflanzen und ursprüngliche Schönheitsrituale: Bis vor wenigen Hundert Jahren nutzten Frauen auf der ganzen Welt für ihre Hautpflege das, was ihre natürliche Umgebung hergab. Und in Afrika waren – und sind – es eben diese nährstoffreichen Substanzen, die heute über den Kontinent hinaus immer beliebter werden.


Das gold Afrikas: Diese Bäume besitzen verborgene Kräfte


In und entlang der Sahelzone gedeiht beispielsweise der Karitébaum, an dessen Zweigen in traubenartiger Form Nüsse heranwachsen, die Frauen seit vielen Generationen sammeln, einige Tage lang in der Sonne trocknen, zerkleinern und mit warmem Wasser zu einem Brei kneten. Das Fett, das sich währenddessen an der Oberfläche absondert, sieben sie ab und lassen es abkühlen: Zu reiner Sheabutter, die trockene Haut vor allem durch ihre hohe Konzentration sogenannter unverseifbarer Bestandteile pflegt – das sind Moleküle, die sich durch die normale Hautwäsche nicht einfach runterspülen lassen und dadurch unsere natürliche Schutzbarriere stärken.

Im afrikanischen Tiefland südlich der Sahara ist es der Baobab-Baum, der einen wichtigen Beitrag zum täglichen Leben leistet: Seine essbaren Früchte decken einen Großteil des Nahrungsbedarfs, das Kernöl regeneriert empfindsame oder sonnenbelastete Haut, wird bei Verbrennungen eingesetzt – die Ureinwohner schützte es vor Giftpfeilen, die aus Strophanthus-Gewächsen gewonnen wurden. Aufgrund seiner vielen heilenden Eigenschaften bezeichnen Einheimische ihn auch als Apothekerbaum – deutsche Forscher prägten dagegen den Namen Affenbrotbaum, nachdem sie beobachteten, wie Affen die Früchte der Bäume aßen.

Schmecken nach Grapefruit, Birne und Vanille: Baobab-Früchte


Im Südwesten Marokkos setzen die Menschen auf den Arganbaum: Das Öl seiner Samen sorgt durch den hohen Vitamin-E-Gehalt für einen natürlichen Lichtschutzfaktor 3 und besänftigt zudem trockene, juckende Kopfhaut. Seine sekundären Pflanzenstoffe wirken antioxidativ, wodurch das Öl überdurchschnittlich lange hält.

Und im wirtschaftlich am weitesten entwickelten Südafrika gilt der Marula-Baum als Segen, da sich aus seinen getrockneten Fruchtkernen ein Öl pressen lässt, dessen hoher Vitamin-C-Gehalt Fältchen lindert und vor Umwelteinflüssen schützt. Die gesättigten Palmatinund Stearinsäure lassen es gut einziehen, wodurch es – anders als viele andere Öle – selbst für unreine Haut geeignet ist. Übrigens wird der Baum, an dem die Früchte wachsen, auch Elefantenbaum genannt: Die Tiere bedienen sich liebend gerne an dem etwa pflaumengroßen Obst, das auch zu Likör verarbeitet wird.


Rohstoff-Nachfrage steigt, Wettstreit geht in die nächste Runde


Da diese Wirkstoffe natürlich auch europäischer Haut guttun und hierzulande immer beliebter werden, suchen Kosmetikhersteller nach geeigneten Rohstoffquellen – vor allem wenn es Bio-Qualität sein soll, kommt es dabei allerdings schon mal zu Engpässen: „Vor acht Jahren gab es eine sehr schlechte Jojoba-Öl-Ernte“, erinnert sich Guylaine Le Loarer, Leiterin Forschung und Entwicklung bei Annemarie Börlind. „Während ein Liter momentan etwa 20 Euro kostet, wurden damals rund 30 Euro pro Liter verlangt – das ist bei den großen Mengen, die wir benötigen, sehr viel Geld. Viele Kosmetikhersteller mussten herumtelefonieren, um überhaupt etwas zu bekommen.“


Es ist Hilfe auf Augenhöhe, die wirklich fruchtet


Ein schöner Nebeneffekt des aktuellen Booms afrikanischer Inhaltsstoffe ist, dass wir mit dem Kauf bestimmter Kosmetikprodukte die Menschen vor Ort unterstützen können (siehe Beispielprodukte auf Seite 86): So fördern bereits viele Beauty-Hersteller Fair-Trade-Projekte, indem sie Rohstoffe für einen über dem vor Ort üblichen Einkaufspreis liegenden Betrag erwerben – in dem Wissen, dass dadurch zum Beispiel die sammelnden Frauen einen angemessenen Lohn erhalten, mit dem sie ihre Kinder zur Schule schicken oder Medikamente kaufen können. „Hilfreicher als jede Geldspende ist für uns, als Partner auf Augenhöhe gesehen zu werden“, erklärt der deutschstämmige Namibier Oliver Rust, der vor fünf Jahren gemeinsam mit seiner Frau nahe der Küstenstadt Swakopmund die Jojobaplantage Namib Desert Jojoba aufbaute. „Statt immer nur zu schauen, was Afrika braucht, würden wir uns wünschen, dass noch mehr Menschen sehen, was wir zu geben haben – und zwar zu einem beidseitig fairen Preis.“

Mittlerweile unterstützt das Paar mit Bio-Anbau-Schulungen auch kommunale Bauern vor Ort darin, ihre eigene Jojobaplantage zu gründen – und leitet die Öle traditioneller Stämme wie etwa das Mongongo-Öl der Owambo oder das! Nara-Öl der Topnaar (s. Anmerkung S. 88) an westliche Kosmetikunternehmen weiter. Insgesamt geben sie dadurch über 300 Einheimischen eine Verdienstmöglichkeit, 98 Prozent davon Frauen. Oliver Rust: „Langfristig hoffen wir, dass die Wertschöpfungskette der fertigen Kosmetikprodukte noch mehr in Namibia liegt – und wir vielleicht irgendwann einmal die Chance bekommen, unsere eigenen Kosmetikprodukte für den europäischen Markt herzustellen.“


FOTO: GETTY/LUKA STORM

FOTOS: GETTY/TETRA IMAGES, ISTOCKPHOTO (2)