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Ahnenforschung in Italien


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Auto Bild reisemobil - epaper ⋅ Ausgabe 7/2022 vom 09.06.2022

Im Etrusco zu den Etruskern

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MAN MUSS SICH MAL vorstellen, jemand hätte vor 3000 Jahren einem Etrusker erzählt, dass es dereinst fast ganz von selbst fahrende, dabei ein wenig brummende, Öl und Harnstoff saufende Karren geben würde, die zudem gleichzeitig eine Villa seien. Inklusive Dusche und Klo (okay, was ein Klo ist, hätte man ihm auch noch erklären müssen). Und mit denen man fast wie ein Vogel fliegend durchs schöne Etruskerland gleiten könne und die zudem Etrusco hießen! Ihm zu Ehren! Der Etrusker hätte den Jemand sicher in eine etruskische Heilanstalt eingeliefert.

Aber es ist genauso gekommen: Wir gondeln im Etrusco durch Etrurien. Ist es nicht seltsam, ein Wohnmobil nach einem untergegangenen Volk zu benennen? Hymer in Bad Waldsee oder Thor Industries in Elkhart/Indiana, ganz wie man will, stecken dahinter. Die Fabrik steht jedoch tatsächlich bei den Nachfahren der Etrusker, ...

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... womöglich hat mancher Mitarbeiter noch echt etruskisches Blut in den Adern, was auch immer das sein mag. Der Wagen wird nämlich bei der Hymer-Tochter Laika in San Casciano bei Florenz hergestellt, also mitten im schönsten Vorzeige-Etrurien, äh, der Toskana.

Die Etrusker werden gerühmt für ihre feine Bildhauerei, die Bronze- und Töpferwaren-Kunst. Da waren die Germanen noch barbarische Gesellen, kleideten sich in Felle und betrachteten zufrieden ihren Ger (Wurfspieß). Aber Kultur hat immer auch mit Klima und Vegetation zu tun. Die Toskana ist da klar im Vorteil. Mit ihrer fast jahresdurchgängigen Fruchtbarkeit lässt sie den Menschen Zeit und Muße. Denn wenn man mal nichts zu tun hat, wird man eben kreativ und macht zum Beispiel Muster auf Werkzeuge oder bildhauert an den herumliegenden Steinen herum. Langeweile erzeugt Deko. Namenlose Handwerker frickelten also drauflos, hämmerten, gossen und schnitzten, oft mit fantastischer handwerklicher Gabe, ja eines Michelangelos würdig. Was sich die oberen Zehntausend – die gab es auch schon – zunutze machten und in allerhand Prunk lebten. Jedenfalls entstand damals schon ein inniges Mensch-Gebrauchsobjekt-Verhältnis, durchaus emotional. Wie gesagt: vor knapp 3000 Jahren!

Während die alten Griechen anfingen, von ihrer Akropolis zu träumen, existierte also auch schon in Mittelitalien diese heute wenig gefeierte Hochzivilisation, bestehend aus zwölf Stadtstaaten, die zu einem Bund zusammengeschlossen waren. Weit vor den Römern. In Rom, das war bloß irgendein Städtchen am Tiber, das noch nicht einmal zum Städtebund gehörte, regierten lange ebenfalls die Etrusker, bis der letzte Statthalter dort namens Lucius Tarquinius Superbus es um 500 vor Christus mit der Tyrannei übertrieb. Die von ihm genervten Römer begannen sich daraufhin zu solidarisieren und den Tyrannen zu verjagen. Einmal in Schwung geraten, konnten sie anschließend alle umliegenden Regionen unterwerfen. Das war’s dann mit den Etruskern, den Falerikern, Samniten und all den anderen Völkern der Halbinsel, die nicht so rigoros organisiert waren.

Das ging alles nicht friedlich ab, aber Rom verstand es auch, die neuen Ländereien mit den auf ihnen lebenden Leuten wie ein Schwamm aufzusaugen, allerdings unter weitgehendem Verlust deren alter Identität. Das Dumme bei den Etruskern ist nur, dass sie, obgleich große Baumeister, nichts Spektakuläres, also Instagramtaugliches hinterlassen haben. Keine Pyramiden, keine Akropolis, kein Forum Romanum, keine große Mauer wie die Chinesen. Die hyperaktiven Römer haben einfach alles umgemodelt. Das Gute dabei ist wiederum, dass man die überschaubaren Überbleibsel etruskischer Hochkultur zwar besichtigen kann, aber daneben noch jede Menge Zeit bleibt, es sich richtig gut gehen zu lassen. So kurvt man von Museum zu Museum, von Ausgrabungsstätte zu Ausgrabungsstätte und genießt meistens jedoch einfach sein wohliges Ich in der Toskana, Umbrien, Latium, also dort wo die Etrusker lebten, Etrurien eben.

Unsere Reise mit dem Etrusco-Superbus geht in Marzabotto gerade noch in der Emilia-Romagna los, wo es ein Museum zum Thema gibt, weil dort eine ganze etruskische Stadt ausgegraben wurde. Das klingt viel, ist es aber nicht, nur ein paar Grundmauern, Gräber, Fundstücke, aber schon mal ein Einstieg. Wir reisen im November. Das können wir nur empfehlen, auch wenn die Hauptcampingplätze dann dicht haben, dafür gibt es inzwischen viele kleine Agriturismi, also Bauernhöfe, die Camping anbieten, und zwar in ausgesucht schönen Ecken, meist abgelegen und sehr ruhig. Wunderbar!

Hinter Marzabotto ist Mugello in der Nord-Toskana dran, das mancher Racing-Fan von der Rennstrecke kennt und manche Shopping-Queen vom Outlet-Center. Dinge, über die ein Ur-Etrusker sicherlich auch den Kopf geschüttelt hätte. Wir lassen die Rennstrecke links liegen. Und nachdem wir die irre komplexe Autobahnabfahrt und unser Superbus das eine oder andere Schlagloch gemeistert haben (das vermutlich von den Etruskern übrig geblieben ist), versuchen wir uns laienhaft in der Disziplin Shoppen. Wir staunen über so viel unverblümte Fake-Architektur. Da wurde ein ganzes Dorf im altitalienischen Stil auf die Wiese gestellt, in dem nur Edelboutiquen zu finden sind. Irre! Na ja, wir gehen immerhin gepflegt aus Klo.

Kommen weitere Höhepunkte? Na klar. Gleich in Florenz, wo das angepeilte Nationalmuseum der Archäologie italienisch korrekt erst am Nachmittag öffnet (es ist Donnerstag), sodass wir Zeit haben, durch die november- und coronaentleerte Stadt zu schlendern, die normalerweise in die schwer verdauliche Kategorie Overtourism fällt. Wir könnten sogar die Uffizien entern, doch ziehen wir eine kleine Trattoria vor, um dann gestärkt und selig vom Vino im Museo die fabelhafte Etruskersammlung zu besichtigen, einschließlich der bronzenen Chimäre von Arezzo. Die stammt etwa aus dem Jahr 400 v. Chr. und stellt einen furchterregenden lebensgroßen Löwen dar mit einer Schlange als Schwanz und, jetzt wird es ein bisschen drollig, einem Ziegenkopf, der aus dem Rücken der Bestie wächst. Trotzdem erkennt auch der Laie die Meisterschaft des Künstlers kopfnickend an. Die Chimäre ist bester hellenistischer Stil, denn die Etrusker waren Bewunderer der Griechen. Auch deren Schrift übernahmen sie, nur merkwürdig spiegelverkehrt.

Bleiben wir bei den Höhepunkten, denn die Reise ist ja voll davon. Da saust unser Super-Etrusco in Chianti die Strada Cantonale 13 hinter Pievasciata entlang, und dann das: Riesenhafte, sehr rot gekleidete Menschen, die ihre Köpfe in Zypressen stecken. Toll, denkt man spontan, Leonardo, Tizian, Michelangelo – und heute dieses. Hach, die Italiener und ihre Künste! Bis man auf einem Schildchen liest: „Künstler: Yu Zhaoyang, 35 Jahre, wohnhaft in Peking.“ Tststs. Die olle Globalisierung!

Sei’s drum, die Zypressenalleen beglücken uns überall, später in der Maremma auch die Schirmkiefernalleen. Etrurien ist Alleenland, jedenfalls heute. Ich habe keine Ahnung, wie es früher hier aussah. Vermutlich standen die Bäume nicht so militärisch in Reih und Glied. Aber ganz offenbar haben wir eine Schwäche für Paradesoldaten, für Tiller Girls und alles Symmetrische in Mathematik, Astronomie, Tischordnung etc. pp.! Die Auflösung der Individuen in eine höhere Idee von Ebenmäßigkeit und Ordnung behagt dem Hirn. Daher: Wir mögen sie, diese Zypressen-Truppen, die durch die Toskana marschieren.

Später campieren wir in Assisi. Das entspricht zwar nicht dem Geist des Heiligen Franziskus, der dort lebte und unbedingte Bescheidenheit und Besitzlosigkeit forderte – und unser Etrusco ist empörend dekadent ausgestattet. Zudem erweist sich der Campingplatz über der kleinen und extrem malerischen Pilgerstadt kongenial idyllisch mit einem tadellosen Blick hinab ins Valle Umbria und auf die Via Flaminia. Ach, welch reisefiebrige Vokabeln das schon wieder sind!

Zwei Tage später wollen wir das etruskische Civita di Bagnoregio besuchen. Wir kommen erst abends in Lubriano, ganz in der Nähe an, denn da soll es einen Womo-Stellplatz geben. Die Anmeldung erfolgt in einer Bar mit dem hübschen Namen Puff gleich nebenan. Am anderen Morgen besorgen wir im Puff die obligaten Cappuccini und zwei Croissants zwischen lauter Arbeitern, die auf einen Sprung fürs italienische Espresso-Ritual reinkommen. Wir bringen das Frühstück coronakonform in unseren Superbus, sitzen also gemütlich zu Tisch und mampfen, da klopft es an der Tür. Die Barista des Puff will uns noch schnell erzählen, dass wir nur die Straße runtergehen müssten, dann hätten wir einen sagenhaften Blick. Danke, Barista! Die wirklich fabelhafte Aussicht geht hinüber auf unser eigentliches Ziel, Civita di Bagnoregio, das wir anschließend erkunden. Dazu muss man wissen, dass diese Siedlung dermaßen auf einen Felsen gekront wurde, dass sie nur über eine Fußgängerbrücke zu erreichen ist. Folglich laufen wir nach Entrichtung eines Obolus für den neuen Brückenweg in den musealen Ort, inklusive einiger Treppen. Dann sehen wir diese Baustelle in einer Gasse, die die Arbeiter ordnungsgemäß abgesichert haben – mit Verkehrsschildern. In einem Ort für Fußgänger. Ach, Italien!

Nächster Ort ist Orte, was will man machen, der Ort heißt so, ist natürlich etruskisch und steht wie gewöhnlich oben auf einem Felsen, von dem aus wir im Tal den Tiber vorbeiströmen sehen. Alle Etruskerstädte sitzen ganz oben auf einem Hügel, einem Bergrücken oder Felssporn, was viel über den Frieden in jenen Jahren aussagt. Toll kann der nicht gewesen sein, wenn man sich bloß auf solchen erhöhten Plattformen sicher glaubte, mit all den alltäglichen Unannehmlichkeiten, der schwierigen Wasserversorgung, dem mühseligen Ackerbau, den beschwerlichen Wegen, also immer rauf und runter zu asten. Zudem waren die Städte stark befestigt.

So eine Stadt ist auch Tarquinia, das wir ohne das Etruskerthema nie angesteuert hätten. Sie war sogar eine der wichtigsten jener Zeit. Tarquinia ist wunderbar, wie überhaupt jeder Ort in diesem Landstrich und dem ganzen Rest von Italien toll ist. Sagenhaft, wie verschwenderisch das Stiefelland mit seiner großartigen Kultur, Architektur und Landschaft um sich wirft!

Tarquinia ist unter Etrusker-Freunden für seine ausgedehnte Nekropole bekannt (Unesco-Weltkulturerbe). 6100 Gräber tief unten in der Erde wurden entdeckt, fein bemalt und ausgestattet und nur über viele Treppenstufen zu erreichen. Die zugehörigen Urnen und Sarkophage, der ganze Schmuck, die Töpferwaren und sonstigen Grabbeigaben bewundern wir dann im Archäologiemuseum in einem ehrwürdigen Palazzo. Doch der eigentliche Höhepunkt kommt erst beim Schlendern durch die Stadt auf der Suche nach einem Cappuccino. Da sehen wir links hinter einem Torbogen die Pasticceria Gentili! Vor der Tür steht eine Art Papp-Asterix und das für uns magische Wort: Etruscotto. Das ist, na klar, ein Kofferwort aus Etrusco und Biscotto (Keks) – und ist genau das, was wir suchen! Drinnen finden wir sie, die Etruscotti, gebacken nach alter etruskischer Art mit Dinkelmehl, sehr lecker. Aber noch besser ist der Chef, der uns vergnügt und stolz seine Kreation präsentiert.

Nach weiteren Etruskergräbern und -fundamenten stehen wir irgendwann in einer weiten, leeren, novemberwindigen Ebene namens Vulci. Ungemütlich! Trotzdem graben sich hier junge, schöne Menschen in die Erdkruste hinein: Archäologen. Jede gefundene Scherbe wird mit Genugtuung in beschriftete Plastikbeutel gesteckt. Sie finden hier jede Menge Scherben. Wir stehen staunend da und beobachten, wie sie Haushaltsgegenstände aus dem Boden pulen, die 3000 Jahre lang nicht mehr am Licht waren. Bald kommen die Professoren zu Besuch, palavern wichtig und begutachten die Arbeit der Studenten vom Morgen. Sie bleiben aber nur kurz, denn es ist ja Mittagszeit, und praktischerweise steht als einziges Gebäude (abgesehen von einem kleinen Besucherzentrum) in dieser Ebene das Restaurant Casale dell’Osteria, das mehr oder weniger etruskisch kocht. Wir schließen uns an und essen vorzüglich an einem Ort, den man normaleweise als „the middle of nowhere“ bezeichnen würde. Ach, den Etruskern sei Dank.

Reise-Infos

Die etruskische Zivilisation bestand etwa von 800 bis 200 v. Chr. Allerdings weiß man nicht so viel über sie wie etwa über die Römer, die zahlreiche Schriften und Bauwerke hinterließen. Wo die Etrusker herkamen, ist umstritten. Manche Historiker meinen, sie lebten schon immer in Etrurien, andere meinen, sie wären wegen einer Hungersnot aus Kleinasien eingewandert. Sie bauten Pflasterstraßen, Brücken, Städte, Tempel und Abwasserkanäle. Ihr Vorbild waren die Griechen, mit denen sie enge Handels- und Kulturkontakte pflegten. Die Bauern kultivierten Oliven, Wein, Hafer, Weizen, Hirse, Bohnen, Erbsen und Zwiebeln auf mit Pflügen beackerten Feldern. Sonstige Früchte waren Feigen, Weintrauben und Granatäpfel. Sie hielten Kühe, Ochsen, Schweine, Hühner. Auch eine Art Währung gab es schon, dazu nutzten sie geprägte Bronzemünzen. Frauen hatten offenbar weitaus größere Rechte und wurden höher geehrt als später bei den Römern. Die Etrusker kannten und machten Musik, oft auf der Doppelflöte und mit Leiern.

Statt eines Staatswesens hatten sich die zwölf bedeutendsten Städte zusammengeschlossen: Arezzo, Cerveteri, Chiusi, Cortona, Orvieto, Perugia, Populonia, Tarquinia, Veio, Vetulonia, Volterra, Vulci. Wir haben eine Auswahl an Museen und Ausgrabungsstätten gelistet.

Museen

• Marzabotto: Etruskisches Museum; www.archeobologna. beniculturali.it/marzabotto

• Lucca: Museum Villa Guinigi; www.luccamuseinazionali.it

• Florenz: Nationales Archäologisches Museum; www.imuseidifirenze.it/museo-archeologico

• Artimino: Etruskisches Museum; www.parcoarcheologicocarmignano.it

• Bibbiena: Archäologisches Museum del Casentino; www.arcamuseocasentino.it

• Dicomano: Archäologisches Museum; www.comune.dicomano. fi.it/museo-archeologico

Chianciano: Archäologisches Museum; www.museoetrusco.it

Volterra: Etruskisches Museum; www.museivaldicecina.it

Tarquinia: Archäologisches Museum; www.etruscopolis. business.site

Rom: Etruskisches Nationalmuseum Villa Giulia; www.museoetru.it

Pontremoli: Stelenmuseum; www.statuestele.org

Nekropolen

• Sutri: Archäologischer Park; www.sutriturismo.it

San Casciano: Tomba Etrusca dell’Arciere; ohne offiz. Webseite

Cerveteri: Necropoli di Banditaccia; www.comune. cerveteri.rm.it/turismo-e-cultura/ le-necropoli/la-banditaccia

Orvieto: Necropoli del Crocifisso del Tufo; www.musei.umbria. beniculturali.it/musei/necropolietrusca-del-crocifisso-del-tufo

Populonia: Necropoli di Populonia; www.parchivaldicornia. it/parchi-archeologici/parcoarcheologico-di-baratti-e-populonia

Sarteano: Necropoli delle Pianacce; www.beniculturali.it/ luogo/necropoli-delle-pianacce

Sorano: Necropoli „Città del Tufo“; cittadeltufo.com

Tarquinia: Necropolis; www.etruscopolis.business.site

• Giuncarico: Necropoli di San Germano; www.castellare.it/it/ rocca-di-frassinello/gli-etruschi-arocca-di-frassinello

Camping

Eine Liste der Plätze, meist Agriturismi, die wir im November besucht hatten, alle zwischen 20 und 30 Euro pro Nacht für ein Reisemobil mit zwei Personen. In der Hauptsaison wäre die Auswahl deutlich größer.

• Bei Prato: Agricampeggio Cipollatico. Weit ab von Hauptstraßen in den Hügeln mit großartigem Blick Richtung Prato. Nett, aber nicht sehr sauber; www.cipollatico.com

• Radda in Chianti: Stellplatz direkt am Zentrum des Dorfes, kostenlos, ruhig, keine Services.

• Assisi: Camping Fontemaggio.

Gepflegter, weitläufiger Platz mit tollen Ausblicken ins Tal; www. fontemaggio.it/home/campeggio

• Bei Pienza: Agricampeggio Podere il Casale. Langer Schotterweg, totale Ruhe, viele Tiere, ökologischer Landbau, exzellente Produkte der Schweizerin Sandra Schmidig; www.podereilcasale.com

• Lubriano: Stellplatz bei der Bar „Puff“. Nicht weit entfernt: Toller Blick auf Bagnoregio; Strom vorhanden, Toilette mit Sonderschlüssel. 12 Euro.

• Vulci: Resort Fonte Vulci. In der Ebene, daher ziemlich ungeschützt.

Feines und nicht billiges etruskisches Restaurant. Möglichkeit zum Baden in den Quellen; www.fontevulci.it/camping

LITERATUR

Später übernachten wir im Agriturismo-Resort Fonte Vulci ein paar Kilometer weiter, wo wir ganz allein stehen, mit Edel-Restaurant, und zwar einem ernsthaft etruskischen. Der Küchenchef erklärt, wie er mit den Lebensmitteln, die den Etruskern damals vermutlich zur Verfügung standen, heute kocht. Etwa Spanferkel mit Lorbeer, Gemüse im Backofen, aber keine Tomaten, Kartoffeln, Mais. All das kam erst nach der Entdeckung Amerikas nach Europa.

Ein weiterer Etrusker-Hotspot ist die Alabasterkapitale Volterra, die, wie es sich gehört, oben auf einem Hügel hockt. Im Norden steht noch ein intaktes etruskisches Stadttor mit zwei Wachtürmen links und rechts. Das Museum ist wegen Renovierung geschlossen. Schade, denn hier soll ja das Vorbild für das Etrusco-Logo unseres Campers zu sehen sein, ein mageres bronzenes Pferd aus dem 4. Jahrhundert vor Christus. Immerhin können wir eine Replik davon in einem Laden erstehen.

Es geht weiter Richtung Norden, Prato steht auf der Liste, das weniger etruskisch, dafür zuckrig ist. Hier wird exquisiter Süßstoff hergestellt – und andere Stoffe auch. Denn Prato ist das Zentrum der Textilindustrie Italiens, und die wird beherrscht von? Jawohl, Chinesen! Prato ist vermutlich die größte Chinesensiedlung Europas. Hier wird unter chinesischen Arbeitsbedingungen und chinesischem Arbeitsethos Mode mit dem Label 100 Prozent Made in Italy produziert. Doch die Asiaten scheinen unter sich zu bleiben oder vorwiegend in der Fabrik zu schuften. Prato erscheint uns daher ur-italienisch charmant und lecker auch. Hier sind die Cantuccini-Hersteller Mattei und Belli zu Hause. In Pontedera hingegen, 45 Kilometer südwestlich, findet sich nicht nur das Vespa-Museum, sondern auch der neue Superstar unter den Schokoladenherstellern: Tessieri. Dessen Schokolade Noalya zergeht dermaßen auf der Zunge, dass man glauben möchte, ich sei dem Zeug verfallen. Chef Alessio Tessieri führt uns durch seine Süßspeisen-Zentrale mit Edel-Kochschule, wo gerade ein offizieller Dessert-Weltmeister und ein Zwei-Sterne-Koch Kurse für angehende Profis leiten.

Letzter Punkt auf unserer Etrusker-Liste: Pontremoli und das dortige Stelen-Museum. Pontremoli liegt ganz im Norden der Toskana, allerdings sind die Ausstellungsstücke im alten Schloss überhaupt nicht etruskisch, sondern vor-etruskisch. Also etwa 3300 Jahre alt. Über ihre Bedeutung und auch die Menschen, die sie erschufen, ist praktisch nichts bekannt. Egal, wir sind ja Augenwesen, und der Anblick dieser simplen Gestalten ist ein echter Höhepunkt dieser Reise im Etrusco zu den Etruskern. Wir sollten also nicht meckern. Hymer hätte die Marke ja auch Ostfriese oder Vorpommer nennen können. Dennoch: Für die nächste Ahnenforschung hätten wir dann gerne einen Carthago. Oder einen Malibu. Der wäre auch nicht übel.

Bernhard Schmidt