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Ahoi, bayerisches Volkstanzschiff!


zwiefach - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 28.06.2019

Auf der Donau wird alle zwei Jahre getanzt


Artikelbild für den Artikel "Ahoi, bayerisches Volkstanzschiff!" aus der Ausgabe 4/2019 von zwiefach. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: zwiefach, Ausgabe 4/2019

Singende Tanzmusikanten auf dem Tanzschiff die7gscheitn


Die Volkstanzschifffahrt des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege auf der Donau von Passau nach Engelhartszell und zurück ist etwas Besonderes im niederbayerischen Volkstanzkalender. Am 20. Juli 2019 um 19 Uhr ist es wieder soweit.

Begonnen hat alles im Jahr 1995 mit einem Hochzeitsgeschenk an einen Volksmusikanten. Ein sehr gut befreundeter Hochzeitsgast ließ sich etwas Besonderes für das Brautpaar einfallen: Ein Volkstanzfest sollte es sein, wie es noch keines gegeben hat – eines auf einem Schiff. ...

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... Tanzschifffahrten sind eine beliebte Ausflugsform, aber eben mit allgemeiner Tanzmusik. Eine Schifffahrt mit bayerischer Volkstanzmusik dagegen war etwas Neues. Da keine Schifffahrtsgesellschaft auf bayerischen Gewässern Volkstanz angeboten hatte, musste man selber eine solche Fahrt organisieren. Ein gewagtes Unterfangen, denn ein Schiff zu chartern, kostet Geld!

Man sah sich auf viele Teilnehmer angewiesen, die mit dem Brautpaar und dem ursprünglichen Hochzeitsgeschenk nichts mehr zu tun haben würden. Volkstänzer brauchen viel Platz, man suchte also ein Schiff mit einer möglichst großen Tanzfläche. Nach der Besichtigung mehrerer Möglichkeiten in Regensburg und Passau hinsichtlich dieses so wichtigen Kriteriums sollte es letztendlich das riesige AusflugsschiffStadt Linz der Donauschiffahrtsgesellschaft Wurm & Köck (jetzt Wurm & Noé) werden, denn dieses verfügt über die vergleichsweise größte Tanzfläche, allerdings verteilt auf das Eingangsdeck und das Mitteldeck des Schiffes. Nach Durchrechnen des Kostenangebotes wurde schnell klar, dass man eine derart große Teilnehmerzahl allein für die Schiffskosten aufbringen müsse, wie sie nur eine Tanzfläche wiederum nicht aufnehmen hätte können – schließlich sollten sich die Kosten pro Teilnehmer an den sonst üblichen Preisen für Schiffsausflüge orientieren. Also müssen zwei Tanzdecks gleichzeitig bespielt werden, man braucht somit zwei Musikkapellen!

»Auf zum Frasee« heißt es jedesmal auch beim Volkstanzschiff.


Die Schreinergeiger spielen zur Polonaise


Ein Plan geht auf!

So nahm die originelle Idee immer größere Dimensionen an, denen man sich jedoch in Privatinitiative eines Einzelnen nicht mehr gewachsen fühlte. Man brauchte somit einen überregional aufgestellten Partner, der einen weitgestreuten und großen Interessentenkreis ansprechen konnte. Der wurde schließlich im Bayerischen Landesverein für Heimatpflege gefunden. Eine Bedingung allerdings musste erfüllt werden: die Veranstaltung musste sich finanziell selber tragen. Im Vorfeld müssten soviele Karten abgesetzt werden können, dass wenigstens das Schiff bezahlt werden könnte, die Musikanten müssen um das spielen was übrig bleibt. Zwei zugkräftige Musikkapellen waren alsbald gefunden, weil deren Mitglieder allesamt mit dem Brautpaar befreundet waren:Cordon Blech und diePlammerberg Muse , die zudem als Veranstalter fungierten.

Der Plan ging auf. Niemand hatte zu hoffen gewagt, dass nicht einmal drei Wochen nach der Ausschreibung die 500 angepeilten Plätze an Fahrtteilnehmer aus ganz Bayern vergeben werden könnten. Das Schiff verfügt zwar über eine weit größere Besucherkapazität, aber mehr Karten wollte man nicht verkaufen, damit auch noch genügend Platz zum Tanzen bleiben sollte.

Polonaise an Deck

Das fesch in gediegener bayerischer Tracht gekleidete Hochzeitspaar wurde mit Musik voran mitten durch die dichtgedrängte Menge der Fahrtteilnehmer, die auf dem Anlegeplatz auf ihren Einlass warteten, auf seinen Ehrenplatz geleitet. Bald hatten auch die übrigen Fahrtteilnehmer ihren Sitzplatz gefunden. Die Polonaise wurde auf beiden Tanzdecks begonnen. Nach einer von zwei Anführern vereinbarten Figurenfolge wurden die Tänzer auf das jeweils andere Deck zur anderen Musik geführt, damit sie auch diese bereits von Beginn an erleben sollten, um so auch den Besuch der jeweils anderen Kapelle anzuregen. Es wurde eine wunderbare Volkstanzschifffahrt durch das in die milde Abendsonne getauchte herrliche Donautal. Die Schleusenfahrt in Kachlet beobachteten viele im Freien auf dem Oberdeck. In Engelhartszell im benachbarten Oberösterreich angekommen, verließ ein großer Teil der Tanzschar das Schiff, um in dem teilweise recht buckligen Schiffsanlegebereich, aber trotzdem mit großem Spaß dieMünchner Française zu tanzen. Auf der Rückfahrt nutzten viele die Gelegenheit zum damals noch möglichen zollfreien Einkauf im Bordgeschäft. Nach fünf Stunden wieder in Passau angekommen, waren sich alle einig: Eine solche Fahrt muss im nächsten Jahr unbedingt wieder stattfinden.

Tanzschiff 2015 – Ein Singtreff mit Anita Neuhofer


Franz Schötz sagt die Figuren der Française an


Liebe vergeht – Schifffahrt besteht

So ist aus einem Hochzeitsgeschenk eine beliebte Veranstaltung entstanden, die als einziges von dem damaligen Ausgangspunkt noch geblieben ist: die damals geschlossene Ehe ist längst wieder in die Brüche gegangen, die beiden Kapellen haben sich ebenfalls schon vor längerem aufgelöst, aber die beliebte Volkstanzschifffahrt von Passau nach Engelhartszell und zurück findet in diesem Jahr bereits zum 15. Mal statt. Und sie findet Nachahmer auf oberbayerischen Seen, vorübergehend auch auf dem Main. In den Anfangsjahren fand sie im Jahresabstand statt. Seit es aber dasdrumherum in Regen gibt, wurde auf den Zweijahresturnus gewechselt, denn beide Veranstaltungen sind auf überregionales Publikum angewiesen, das nun im einen Jahr nach Passau, im anderen nach Regen teilweise sehr weite Wege auf sich nimmt. Seit vielen Jahren sammeln erfahrene Singleiter wie Monika Baumgartner, Reinhard Albert oder Anita Neuhofer die singbegeisterten Fahrtteilnehmer zu ausgiebigen Singrunden um sich, unterstützt von Willi Bauer als einfühlsamem Liedbegleiter. Ganze Busgesellschaften organisieren sich, um an der Fahrt teilzunehmen, aus Hirschau, aus Tischenreuth und Cham, aus Bogen, aus Ergolding und Hauzenberg, sogar eine 48- köpfige Geburtstagsgesellschaft war vor zwei Jahren dabei. Die größte Gruppe in diesem Jahr stellt der Volkstumskreis Dingolfing.

Eine Fahrt wäre beinahe dem Hochwasser zum Opfer gefallen. Tagelang regnete es bereits, und der Donaupegel vor allem am selben Tag stieg und stieg. Wir mussten die Autofahrer nochmal vom Schiff schicken, damit sie ihre Fahrzeuge von den Parkplätzen am Donauufer an höhergelegene Stellmöglichkeiten bringen sollten. Auch der Schreiber dieser Zeilen war davon betroffen, der dann trotz seines Regenschirmes bis auf die Haut durchnässt und vollkommen außer Atem mit Verspätung das Schiff wieder erreichte. Doch der Kapitän zögerte die Abfahrt so lange hinaus, bis wieder alle an Bord waren. Auf der Rückfahrt allerdings konnten wir nicht mehr zum Ausgangspunkt zurückkehren: der Wasserpegel der Donau war so hoch gestiegen, dass dieStadt Linz nicht mehr unter den Brücken durchfahren konnte. Vor allem die Spieler von Tuba und Kontrabass hätten sich für den nun weiten Fußweg zum Auto – zum Teil über errichtete Stege – gewünscht, Es- Klarinette oder Piccolo- Flöte zu spielen!

Erlebtes und Erlauschtes

Doch auch andere Unwägbarkeiten können spannende Situationen herbeiführen. Einmal war es ein angekündigter Warnstreik der Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes, die die Schleuse Kachlet betreiben. Bis zum Tag der Veranstaltung blieb es im Unklaren, ob die Schleuse ihren Betrieb wieder aufnehmen würde. Einen Plan B hatten wir nicht! Doch gottlob, die Schleuse nahm ihren Dienst wieder auf, und bis zum Abend hatte sich der Rückstau der Schiffe soweit aufgelöst, dass wir unser Ziel Engelhartszell wieder anvisieren konnten.

DieKapelle Kaiserschmarrn spielt vom Freideck aus zur Française, die am Anlegesteg von Engelhartszell getanzt wird


Die Fahrt durch die Schleuse ist vor allem für die Neulinge ein interessantes Erlebnis, aber an und für sich unspektakulär. DieKapelle Josef Menzl jedoch machte eine solche zu einem besonderen Moment: beim Absenken des Schiffes auf den tiefergelegenen Donaupegel schlug sie eine wohltönende, getragene Melodie an. Bei den ersten Klängen wollte man zuerst an eine Ari denken, doch nach wenigen Takten war klar: es ist das Lied Näher mein Gott zu Dir … Ja, auch manch respektloser Schalk bricht aus den Musikanten heraus.

Die Musik machts!

Bei der Auswahl der Musik wird immer darauf geachtet, zwei klanglich ganz unterschiedliche Gruppierungen zu bekommen, eine bläserische Kapelle und eine Streichmusik, zudem sollte eine Musik möglichst aus der Oberpfalz, die andere aus Niederbayern/ Oberbayern kommen, damit sich die Regionen auch angesprochen und musikalisch repräsentiert fühlen.

Bisher waren nach den oben genannten Musikgruppen der ersten Stunde dabei:Kapelle Josef Menzl ,Tanngrindler Musikanten ,Tanzbläser ,Kapelle Ochsentreiber, Niederbayerischer Musikantenstammtisch, Kapelle Kaiserschmarrn, Ampertaler Kirtamusi, Niederalteicher Klarinettenmusi, Proseppo, Damisch Dynamisch, Saitenquäler, Schreinergeiger, die 7gscheitn .

Mit denBirgländer Musikanten aus der Oberpfalz und denSchreinergeigern konnten auch heuer wieder zwei zugkräftige Musikgruppen gewonnen werden. Sie werden mit Spontaneität, Temperament, Witz und Vielseitigkeit ihr Publikum begeistern. Das Tanzprogramm auf derStadt Linz mit den größten Tanzflächen, die man in Bayern auf einem Ausflugsschiff vorfinden kann, gestalten die Tänzer selber. Tanzmeister brauchts nach der Polonaise nur mehr für die Française- Ansagen. Gespielt wird, was gewünscht wird, sofern es urheberrechtlich frei ist.

Frühbucher haben sich bereits ihre Plätze gesichert und dafür gesorgt, dass die Fahrt auch heuer wieder stattfinden kann. Sie wurden dafür mit einem Rabatt belohnt, für Schüler, Auszubildende und Studierende gab es einen ermäßigten Eintrittspreis. Der weitere Kartenverkauf erfolgt nun zum Einheitspreis von 25 € zuzüglich Gebühr über den Leserservice des Straubinger Tagblatts, +49 9421 9406700; Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren haben freien Eintritt (müssen bitte aber trotzdem reservieren, damit eine möglichst für alle passende Tischeinteilung vorbereitet werden kann). Falls noch verfügbar, kann man auch noch an der Abendkasse (30 €) sein Ticket erwerben.


Fotos: Norbert Neuhofer