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Airbrush hinter Gittern


Airbrush Step by Step - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 25.07.2019
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Bildquelle: Airbrush Step by Step, Ausgabe 5/2019

Gefängnisalltag grau und trist? Nein, nicht in der JVA Iserlohn, denn dort bringt Marc Rubino- Insinga den jungen Inhaftierten die Airbrush- Techniken näher. Die Jungs – und derzeit vor allem die Mädels – sind mit Begeisterung dabei, wenn es heißt, die Airbrush-Werkzeuge zu zücken und in die Welt der Farben einzutauchen. So entstehen nach und nach auch „hinter Gittern“ tolle Kunstwerke.

Hallo Marc, wie schön, dass wir endlich die Gelegenheit haben, mal über die Airbrush-Aktivitäten in einem Gefängnis zu berichten. Wir wissen, dass dies in einigen JVAs in Deutschland und auch im Ausland angeboten wird. ...

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Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Airbrush Step by Step. Alle Rechte vorbehalten.

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... Auch unser Magazin wird per Abo in ein paar Gefängnisse weltweit geliefert. Deshalb schon mal vorab ein herzliches Dankeschön, dass du uns einen kleinen Einblick in euer Angebot in Iserlohn ermöglichst. Erzähl mal, seit wann bietet Ihr Airbrush-Kurse an?

Marc: Von 2016 bis zum Einzug der jungen weiblichen Gefangenen hat der Airbrush-Kurs für die jungen männlichen Gefangenen stattgefunden. Seit 2018 findet er auch für die jungen weiblichen Gefangenen statt.

Wie schaut der Unterricht der jungen Gefangenen aus?

Marc: Es gibt fünf Plätze in der Gruppe. Zu Beginn werden die Grundkenntnisse vermittelt. Sobald sich die Inhaftierten in den Umgang mit den Materialien eingefunden haben, stehen verschiedene Motive zum jeweiligen Leistungsstand parat.

Wie oft können die Teilnehmer mit Airbrush arbeiten?

Marc: Da ich im Wechseldienst arbeite, findet sich die Gruppe in einem 14-tägigen Rhythmus ein. Die jungen Gefangenen sind bis zum frühen Nachmittag in der Ausbildung und Schule beschäftigt, so dass wir uns ab 16 Uhr bis zum Abend treffen.

Dürfen sie selbstständig und allein arbeiten oder nur unter Aufsicht?

Marc: Es ist natürlich immer eine Aufsichtsperson vor Ort. Die Arbeit ist aber für diese Verhältnisse sehr frei.

Wie verhält sich die Konstellation der Mädels und Jungs in der Gruppe?

Marc: Jungs und Mädels sind grundsätzlich in getrennten Gruppen untergebracht. Aus diesem Grund werden entweder nur Jungs oder nur Mädels unterrichtet. Momentan arbeite ich mit einer Mädchen-Gruppe.

Arbeitet ihr lieber an größeren oder kleineren Motiven?

Marc: Zur Zeit arbeiten wir eher an kleineren Motiven auf Airbrush-Papier, da wir noch keine Staffeleien zur Verfügung haben. Die Motive können aber über mehrere Sitzungen gestaltet werden.

Welche Art von Motiven werden gewählt?

Marc: Das ist sehr unterschiedlich. Viele von den Mädels haben bereits eigene Kinder. So malen sie häufig Bilder für ih re Kinder mit Motiven, welche ich aus den vorherigen Jahren mit den Jungs nicht gewohnt war.

Mit welcher Airbrush-Ausstattung arbeitet deine Gruppe?

Marc: Wir haben mit recht günstigen Kompressoren und 20- €-Pistolen angefangen. Allerdings haben diese sich schnell als ungeeignet erwiesen, so dass wir jetzt mit der Spritzpistole von Iwata arbeiten.

Verwendet ihr eine besondere Farbserie?

Die Farben kaufen wir in großen Paketen von Schmincke und füllen sie entsprechend um.

Auf welchen Untergründen außer Papier entstehen eurer Kunstwerke?

Größtenteils arbeiten wir auf Papier. Allerdings sind auch schon Airbrush-Kunstwerke auf Schränken, T-Shirts, Regalen und Leinwänden entstanden.

Gibt es Gemeinschaftsprojekte?

Marc: In dem Kurs arbeiten die jungen Gefangenen an ihren eigenen Bildern. Gelegentlich unterstützen sie sich gegenseitig. Für eine justizinterne Veranstaltung haben wir im letzten Jahr T-Shirts, Plakate und Einladungen gemalt. Das war ein Gemeinschaftsprojekt. Die Masse der T-Shirts und Plakate erinnerte schon an Fließbandarbeit.

Dient der Kurs den jungen Inhaftierten als Berufsorientierung oder kreative Freizeitbeschäftigung?

Marc: Der Kurs soll den Inhaftierten eine Art der kreativen Freizeitgestaltung bieten, ihr Interesse wecken und eine Alternative zum Haftalltag bieten.

Gibt es darüber hinaus noch weitere Maltechniken, welche unterrichtet werden?

Marc: Im Freizeitbereich fi ndet nichts dergleichen statt. Die Gefangenen haben aber die Möglichkeit, eine Berufsausbildung zum Maler und Lackierer zu absolvieren; auch Teilqualifi kationen sind in diesem Bereich möglich.

Verfügt ihr über ein Budget für die Insassen?

Marc: Es gibt den sogenannten „Freizeittitel“, aus welchem Projekte, Materialien usw. fi nanziert werden können.

Wie kommen die Teilnehmer an Inspiration-Vorlagen, oder gebt ihr Themen und Motive vor?

Marc: Vorgegeben werden nur die Grundübungen. Danach sind die Teilnehmer/innen frei in dem, was sie malen möchten. Gewaltverherrlichende Motive, Hetzbilder oder Zeichen von Gruppierungen werden nicht geduldet. Natürlich ist manch eine Ideen auch aus dieser Zeitschrift.

Vielen Dank, Marc, für diesen Einblick. Wir wünschen dir und den Gefangenen natürlich weiterhin viel Spaß beim Brushen. Auf diesem Weg möchten wir noch einen ganz besonderen Gruß an alle unsere Leser senden, die unser Magazin ebenfalls in einer JVA beziehen und lesen. Alles Gute für euch!

MARC RUBINO-INSINGA

Durch einen Zufall ist Marc Rubino-Insinga vor vielen Jahren auf das Hobby Airbrush gestoßen. Er hat am IBKK an einem Atelier-Arbeitskreis teilgenommen und startete von dort aus gleich ins Studium. Vor drei Jahren hat sich die Möglichkeit ergeben, dass er Airbrush auch als Projekt für die Gefangenen anbieten kann. Hierfür kommt Marc zusätzlich zu seinem regulären Dienst nachmittags in die JVA. Er ist seit mehr als 20 Jahren Bediensteter des allgemeinen Vollzugsdienstes in der JVA Iserlohn.
www.facebook.com/marc.ausiserlohn