Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 6 Min.

AIRPORT PORTRÄT: IM NOTFALL HILFT MUSIC


Aero International - epaper ⋅ Ausgabe 30/2019 vom 08.02.2019
Artikelbild für den Artikel "AIRPORT PORTRÄT: IM NOTFALL HILFT MUSIC" aus der Ausgabe 30/2019 von Aero International. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Aero International, Ausgabe 30/2019

Die Boeing 787 ist Flaggschiff von EL AL. Die Airline ist treuer Kunde des US-Herstellers


EL AL
Die israelische Fluggesellschaft fliegt trotz schwieriger Rahmenbedingungen wirtschaftlich erfolgreich. Zum Schutz vor Terroranschlägen greift die Airline zu außergewöhnlichen Maßnahmen: Nirgendwo auf der Welt ist das Sicherheitsniveau vergleichbar hoch

Haben Sie noch weitere Papiere dabei?“ Der Mitarbeiter der israelischen Fluggesellschaft El Al vor dem Check-in zum Flug von Frankfurt nach Tel Aviv ist ausgesprochen freundlich. Aber beim Blick in den deutschen Pass stutzt er. Irgendetwas stört ihn. Er fragt ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,49€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Aero International. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 30/2019 von BILD DES MONATS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
BILD DES MONATS
Titelbild der Ausgabe 30/2019 von NEWS: DEUTSCHLAND. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NEWS: DEUTSCHLAND
Titelbild der Ausgabe 30/2019 von NEWS: ÖSTERREICH. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NEWS: ÖSTERREICH
Titelbild der Ausgabe 30/2019 von NEWS: SCHWEIZ. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NEWS: SCHWEIZ
Titelbild der Ausgabe 30/2019 von NEWS: AIRLINE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NEWS: AIRLINE
Titelbild der Ausgabe 30/2019 von NEWS: AIRLINE :FLOTTEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NEWS: AIRLINE :FLOTTEN
Vorheriger Artikel
NEWS: SCHWEIZ
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel NEWS: AIRLINE
aus dieser Ausgabe

... nach einem weiteren Dokument mit Passfoto. Als er den Führerschein in den Händen hält, ist er zufrieden und der Fluggast darf zum eigentlichen Einchecken für den Flug nach Tel Aviv passieren. Die Nachfrage ergibt, dass er durch die fehlende Brille auf dem Foto Zweifel an der Identität des Fluggasts hatte, die er durch den Blick auf ein weiteres Dokument abklären wollte.

Sicherheit hat bei El Al einen besonders hohen Stellenwert. Das gilt nicht nur für Safety – der Sicherheit im Bereich der Flugunfallvermeidung. Hier liegt El Al auf dem Niveau aller großen internationalen Fluggesellschaften. Es gilt aber besonders für den Bereich Security – also die Sicherheit bei der Abwendung von Terroranschlägen. Dabei ist die Airline aus dem kleinen Land im Nahen Osten weltweit führend. Die Befragung jedes Passagiers vor dem Flug ist nur eine von zahlreichen Maßnahmen. Auch der Einbau eines Systems zur Abwehr von Raketenangriffen vom Boden gehört dazu. Hintergrund ist die besondere politische Situation von Israel, das immer wieder Ziel von Anschlägen ist. Welchen Stellenwert die Terrorabwehr hat, wird dem Passagier auch deutlich, als die Boeing 737-900 in Frankfurt vom Gate zurückgeschoben wird und die Triebwerke anlässt. Schwerbewaffnete Bundespolizisten eskortieren die Maschine auf dem Rollfeld von beiden Seiten. Zusätzlich begleitet ein gepanzertes Fahrzeug das Flugzeug auf dem Weg zur Startbahn.

MEHR FLÜGE NACH DEUTSCHLAND

Frankfurt ist nur eine Destination, die El Al in Deutschland anfliegt. Daneben bedient die Airline auch München und Berlin – sowie weltweit 34 weitere Ziele. „Der wichtigste Markt für uns ist die USA, gefolgt von Großbritannien und Frankreich“, erläutert Michael Strassburger, Vice President Commercial & Industrial Affairs bei der israelischen Fluggesellschaft. „Der Grund sind die ökonomischen Verbindungen, die die Israel mit diesen Ländern unterhält, und die starken jüdischen Gemeinden dort, was zu einem entsprechend großen Bedarf an Flügen führt.“ Aber die Bedeutung Deutschlands wächst. „Dieser Markt ist für uns sehr wichtig“, sagt Strassburger. „Die Zahl der Reisenden nimmt zu. Wir arbeiten gerade daran, Israel von einem Ziel für Gruppenreisende zu einer Destination für Individualreisende zu entwickeln. Wir haben die Zahl der Verbindungen in den vergangenen Jahren ausgebaut und wollen zum Ende dieses Jahres eine vierte Destination in Deutschland anfliegen.“ Welche Stadt das sein wird, ist noch offen. Im Gespräch sind Düsseldorf, Köln oder Hamburg.

Die Airline aus Israel gehört keiner der großen Luftfahrtallianzen an, hat aber mit einer Reihe von Fluggesellschaften Codeshare-Vereinbarungen. Dazu gehören zum Beispiel Swiss, Iberia, American Airlines und Air China.

Bis Oktober 2018 betrieb El Al unter dem Namen Up auch eine Low-Cost-Marke. Im Frühsommer 2014 hatte dieser Versuch begonnen, bei dem mit Berlin, Budapest, Kiew, Prag und Larnaca fünf Städte in Europa angeflogen wurden. Mittlerweile wurde das Vorhaben wieder eingestellt. Sehr erfolgreich fliegt dagegen Sun d’Or, eine 100-prozentige Tochterairline von El Al, die sich auf Charterflüge spezialisiert hat. Das Unternehmen hat nur 30 Mitarbeiter. Die Flotte ist klein und besteht aus zwei eigenen und zwei geleasten Maschinen. Der Großteil der Piloten arbeitet bei El Al, deren Flugzeuge im Bedarfsfall auch für Sun d’Or fliegen. „El Al ist unsere Basis. Wir setzen die Piloten ein und nutzen beispielsweise auch die Wartung“, erläutert Yair Berrebi, CEO von Sun d’Or.

El Al setzt die Boeing 777-200ER auf Langstrecken ein


Deutlich größer ist die Flotte des Mutterunternehmens. Auf den Strecken nach Deutschland nutzt die israelische Fluggesellschaft vorwiegend Boeing 737-800 und -900. Daneben gehören weitere Modelle des US-Herstellers zur Flotte, nämlich 777, 787, 767 und 747. Weitere 787 sind bestellt. Benannt sind alle Maschinen nach israelischen Städten.

Um im Bereich Security alles zu tun, um einen Terroranschlag zu verhindern, trifft EL AL eine ganze Reihe von Maßnahmen. So müssen Passagiere drei Stunden vor Abflug beim Check-in sein und werden dort von speziell geschulten Sicherheitsmitarbeitern befragt. An Bord der Maschinen befinden sich bewaffnete Sky Marshalls, die für die Fluggäste nicht erkennbar sind. Anders ist das bei einer anderen Sicherheitsmaßnahme, die den Namen C-MUSIC trägt und deren Erfindung auf den 28. November 2002 zurückgeht.

ANGRIFF MIT RAKETEN

An diesem Tag startete auf dem Flughafen von Mombasa in Kenia eine Boeing 757- 300 der israelischen Fluggesellschaft Arkia. Ziel war Tel Aviv. An Bord befanden sich 271 Menschen. Wenige Sekunden nach dem Start spürten die Passagiere ein Schütteln der Maschine, gefolgt von zwei Explosionen. Die Piloten vermuteten zunächst einen Zusamenstoß mit Vögeln, aber die Instrumente zeigen normale Werte an, während die Passagiere auf der linken Seite berichteten, kurz vor den Explosionen zwei Rauchspuren direkt neben dem Flugzeug gesehen haben.

Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand wusste: Die Maschine war nur knapp dem Abschuss durch zwei tragbare Boden-Luft-Raketen vom Typ Strela 2 aus Sowjetzeiten entgangen. Beide Raketen hatten ihr Ziel nur um wenige Meter verfehlt. Der Anschlag wurde später der Terror-Organisation Al Kaida zugerechnet.

Die vier 747 von El Al werden die Flotte in den kommenden Monaten verlassen


Auf Kurz- und Mittelstrecken setzt El Al Boeing 737 ein


Es war ein Weckruf für die israelische Airline-Industrie. Die Regierung gab unter dem Namen Sky Shield den Bau eines Abwehrsystems in Auftrag. 2013 war es einsatzbereit. Sein Name Multi-Spectral Infrared Coutermeasure wird zu MUSIC verkürzt; es ist für militärische und zivile Flugzeuge verwendbar. Die Variante für Verkehrsflugzeuge heißt C-MUSIC, wobei C für Commercial steht. Das System wird unter dem Rumpf von Verkehrsflugzeugen eingebaut und funktioniert vollautomatisch.

C-MUSIC ist ein vollautomatisches, lasergestütztes System zur Abwehr von Boden-Luft-Raketen


C-MUSIC ist in der Lage, Raketen abzuwehren, die ihr Ziel mit Hilfe von Hitzesuchköpfen finden. Zwischen dem Abfeuern einer Rakete vom Boden und dem Einschlag im Flugzeug vergehen nur sechs bis zehn Sekunden. C-MUSIC scannt mit Infrarotsensoren fortlaufend die Umgebung des Flugzeugs auf mögliche Bedrohungen. Kommt es zu einem Raketenstart, verfolgt das System den Angreifer und feuert schließlich einen Laserstrahl ab, der den Hitzesuchkopf blendet und die Waffe von ihrem Kurs auf das Flugzeug ablenkt.

Bereits im Jahr der Gründung des Staates Israel entstand 1948 die Fluggesellschaft El Al. Der Name bedeutet „nach oben, zu Gott hin“ und basiert auf einem Abschnitt in der hebräischen Bibel. Beim Erstflug kam eine Militärmaschine vom Typ Douglas C-54 Skymaster zum Einsatz, die zu einem DC- 4-Zivilflugzeug umgebaut und auf den Namen der Stadt Rehovot getauft wurde. Ein Jahr später wurde mit Verbindungen nach Rom und Paris der kommerzielle Flugdienst aufgenommen.

Die Beförderung von Einwanderern war eine zentrale Aufgabe der neugegründeten Airline. Von 1950 bis 1956 brachte El Al mehr als 160 000 Menschen aus dem Jemen, dem Iran und aus Indien nach Israel. Gegen Ende des Jahrzehnts, im Jahre 1958, nahm die Airline mit Köln und München zwei Ziele in Deutschland in den Flugplan auf. Im selben Jahr ermöglichte El Al den Passagieren erstmalig das Telefonieren an Bord. Es war der erste Service dieser Art auf internationalen, transozeanischen Flügen. Im Juni 1961 führte die Fluggesellschaft ihren ersten Flug von Tel Aviv nach New York durch und stellte damit gleichzeitig einen neuen Weltrekord auf: Es war der damals längste kommerzielle Nonstop-Flug der Welt mit einer Dauer von neun Stunden und 33 Minuten, wobei eine Strecke von 9269 Kilometern zurückgelegt wurde.

1971 lieferte Boeing die erste 747 an El Al aus. Im März 1974 startete El Al den ersten internationalen Flug mit einer Boeing 767 auf der Strecke von Montreal nach Tel Aviv. Vier Jahre später brach die Fluggesellschaft erneut den Rekord über die längste Flugstrecke: 11 265 Kilometer in 13 Stunden und 41 Minuten nonstop von Los Angeles nach Tel Aviv. Ein emotionaler Höhepunkt in der Unternehmensgeschichte ereignete sich am 24. Mai 1991, als El Al im Rahmen der Operation Salomon 1087 äthiopische Juden an Bord einer Boeing 747 von Addis Abeba nach Israel brachte. Die Menschen waren vor dem äthiopischen Bürgerkrieg geflohen und hatten Schutz in der isrealischen Botschaft in Addis Abeba gesucht. Im Lauf der Operation wurden durch eine Luftbrücke, an der Militärtransporter und Flugzeuge von El Al teilnahmen, rund 51 000 Einwanderer aus Äthiopien nach Israel geflogen.

ZIELE IM ÜBERBLICK

37 Destinationen fliegt El Al weltweit an. Die meisten Ziele befinden sich in Europa. Auf der Langstrecke ist der Großteil der Verbindungen in Nordamerika angesiedelt. Insbesondere in den USA werden etliche Städte bedient. Dazu kommen mit Peking, Hongkong, Bangkok und Mumbai einige der bekanntesten Metropolen in Asien.

Im März 2000 wurde die erste Boeing 77 in die Flotte aufgenommen und 2003 im Rahmen der Privatisierung erstmals ein Teil des Unternehmens an der Börse gelistet.

Nur ein Jahr später beendete der Verkauf weiterer Anteile die Geschichte der El Al als staatliches Unternehmen. 2013 wurde das Open-Sky-Abkommen mit der EU ausgehandelt, mit dem sich die Bedingungen auf dem Luftverkehrs-Markt zwischen Israel und der EU grundlegend gewandelt haben: Die israelische Fluggesellschaft erhielt Konkurrenz durch zahlreiche europäische Airlines.

Trotzdem agiert El Al wirtschaftlich weiter erfolgreich. Mit Auslieferung der Boeing 787 wurde die Strategie verändert: Der Einsatz der kleineren Flugzeug auch auf Langstrecken soll sicherstellen, dass die Fluggesellschaft in Zukunft weiterhin schwarze Zahlen schreibt.

Eine der Boeing 787 wurde mit einer Retro-Lackierung versehen. Sie fliegt unter anderem in die USA


Zwei der Flugbegleiter der israelischen Airline vor einem Flug von Tel Aviv nach Frankfurt


Sachlich und dennoch komfortabel: die Business Class für die Langstrecke in der Boeing 787



FOTO: MONI SHAFIR/AIRTEAMIMAGES

FOTO: MICHA OWSINSKI, MONI SHAFIR/AIRTEAMIMAGES, BASTIAN DING/AIRTEAMIMAGES, JAVIER SANCHEZ UTZET/AIRTEAMIMAGES

FOTOS: FRANK LITTEK (3), MATTHIEU DOUHAIRE/AIRTEAMIMAGES