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AKAI MPC Key 61


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OKEY - epaper ⋅ Ausgabe 170/2023 vom 09.12.2022
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Bildquelle: OKEY, Ausgabe 170/2023

Selten war ich auf die Lieferung eines Testgeräts so gespannt wie beim AKAI MPC Key 61. Schließlich ist AKAI nicht irgendein Newcomer, sondern ein Hersteller mit einer beachtlichen Historie. AKAI ist heute vor allem durch seine Masterkeyboards, Controller und MPC’s - die Abkürzung steht für „Music Production Center“ - bekannt. Aufbauend auf die MPC’s mit ihrem leistungsstarken Sequencing und des revolutionären Sampling, fügt das MPC Key 61 nun virtuelle Instrumente hinzu und erweitert damit das Produktportfolio um eine völlig neue Produktgruppe.

Zunächst ein kurzer Rückblick auf AKAI’s Geschichte als Instrumentenhersteller: 1984 wurde AKAI Professional gegründet. Zu den frühen AKAI Professional Produkten gehörten Mehrspurrecorder, Sampler und analoge Synthesizer. Wir erinnern uns: die AX-Synths (AX60/AX80/AX73) waren AKAI’s Antwort auf die äußerst erfolgreiche Roland Juno-Serie und Yamahas neuen ...

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... digitalen DX-Synthesizer. Die AX-Modelle von AKAI gehörten zu den letzten echten analogen Synths in den 80er Jahren. Und AX60 und AX80 sind bis heute begehrte Kult-Klassiker.

Das X7000 war AKAI’s erstes großes Sampler-Keyboard, das in Stil und Format den Samplern E-mu Emax, Ensoniq Mirage/EPS und Roland S-10 ähnelte. Das X7000 hatte weitestgehend die gleichen Sampling-Funktionen wie der Rackmount-Sampler S-900/950, der in der damaligen Zeit in nahezu jedem Recording Studio zu sehen war. Variables 12-Bit-Sampling bis zu 40kHz, 128K RAM zum Speichern von Samples von nur wenigen Sekunden und eine omplette Reihe grundlegender Sampleditierfunktionen (Looping, Autoooping, Truncating, Multi-Sampling und e-Sampling, Tuning usw.) machten iesen Sampler zur damaligen Zeit zum tate-of-the-Art Produkt. Auch die achfolger S2000/3000/5000 waren aus tudios der 80er/90er Jahre nicht wegzudenken.

Die Marke AKAI Professional ist aber uch für die MPC Workstation Modellihe bekannt und diese Instrumente sind is heute sehr populäre Produktionsools: eine All-in-One Lösung (Sampler, equenzer und Workstation), die ihre nfänge ebenfalls bereits in den 1980er hren hatte. Die MPC war eine Idee des gendären Musikinstrumenten-Designers oger Linn, der sich damals mit AKAI usammentat, um die Serie mit der PC60 (1988) zu starten. Die MPC hat ie Grenzen der Sample-basierten Musik eit über das hinaus verschoben, was mit ren Zeitgenossen wie dem E-mu SP12 rreicht werden konnte. Dazu gehören 16 nschlagdynamische Pads, 16-stimmige olyphonie, vier Pad-Bänke (64 Stimmen ro Programm), 16-Bit-ADC und -DAC it Datenspeicherung im 12-Bit-Format, 50kB Sampling-Speicher (aufrüstbar auf 1,5MB), ein internes 3,5"-Diskettenlaufwerk und ein großer, kippbarer LCD-Bildschirm, wie er bei vielen späteren MPC-Modellen zu finden ist. Die MPC’s wurden in den späten 1980er Jahren zum Favoriten der Produzenten im Hip-Hop und Electronic Genre. Die Explosion der elektronischen Musik und des Hip-Hop hätte ohne ein Instrument, das so eng mit dem kreativen Prozess verbunden ist wie die MPC, wohl kaum stattfinden können. MPC ist seit Jahrzehnten eine wichtige Stütze der modernen Musikproduktion und prägt seit jeher die Charts von Hip Hop, Pop und allen Spielarten der elektronischen Musik. …und natürlich ist AKAI seit vielen Jahren auch für sein umfangreiches Portfolio an MIDI Controllern und Masterkeyboards bekannt. Da drängt sich unweigerlich die Frage auf: Haben wir mit dem MPC Key 61 nun tatsächlich ein Best-Of aus allem, was AKAI im Portfolio hat? Also setzen wir uns mal dran…

Das MPC KEY 61 ist eine echte Workstation. Sie hat eine 61er Tastatur mit Aftertouch, 16 anschlagempfindlichen Drum-Pads (RGB beleuchtet), Pitch- und Modulationsrad, Touch Strip-Controller, ein großes Touch-Display und ein riesiges Angebot an Anschlüssen.

Das MPC Key hat 17 Plug-In-Instrumente mit einer riesigen Auswahl an Sounds an Bord. Insgesamt stehen über 6000 Preset-Sounds zur Verfügung. Von Multisample-FM und Analogsynthesizern über akustische und elektrische Pianos, Orgeln bis hin zu einem Mellotron und orchestralen Streichern ist alles dabei. Jedes Plug-In-Instrument verfügt über vielfältige Edit-Möglichkeiten - und das alles kombiniert mit einer intuitiven Benutzeroberfläche für einen geschmeidigen Workflow. Umfangreiche Samplingund Recording Features erlauben komplexe Musikproduktionen “in the Box”, also direkt am Instrument. Und mit einem Gewicht von nur 8,1kg ist es dabei ein echtes Leichtgewicht.

Der MPC Key 61 ist definitiv kein Plastik-Bomber. Das solide Kunststoffgehäuse und die robusten Potis/Controller machen einen sehr hochwertigen und langlebigen Eindruck. Da wackelt kein Poti, und man kann auch mal ‘richtig hinlangen’. Das gesamte Bedienfeld ist leicht angewinkelt. Mir persönlich gefällt das sehr gut, da die Arbeit (haptisch und optisch) am Instrument deutlich komfortabler wird. Alles ist zudem hintergrundbeleuchtet, sodass die Bedienung in schwach beleuchteten Umgebungen erleichtert wird. Tatsächlich konnte ich das MPC Key selbst im völlig dunklen Raum problemlos bedienen. Ich muss es mal flapsig formulieren: ja, es ist ein gei…es Gefühl an diesem Instrument zu sitzen und zu arbeiten. Sehr einladend und inspirierend!

Kommen wir zu den physischen Bedienelementen. Klar, da haben wir natürlich die beiden Pitch- und Modulationsräder. Die gummierte Oberfläche garantiert viel ‘Grip’ und die Bewegung ist nicht zu leichtgängig. Prima.

Die 16 anschlagdynamischen Pads mit RGB-Hintergrundbeleuchtung sind nicht so groß wie bei der MPC Live II, sondern ähneln denen der MPC One. Die 16 Levels und Full Level Optionen sind auch hier vorhanden und es stehen acht Pad-Bänke zur Verfügung. Die Pads sind nicht nur für das “Finger-Trommeln” geeignet, sondern können auch zum Abspielen von Akkorden, zum Muten von Spuren, zum einfachen Spielen von Noten und zu vielem Mehr verwendet werden. Der Touch Strip kann als Controller für Modulationen verwendet werden, ist aber am effektivsten als dedizierter Controller für das Touch FX Plug-In einsetzbar. Sehr erfreulich, dass es neben dem Touch Strip auch eine LED-Kette mit 9 Spots gibt, die uns zusätzliches Feedback über die Position des aktuellen Parameter-Wertes übermittelt.

Die vier Q-Link-Drehregler neben dem Bildschirm haben jeweils vier Funktionen, zwischen denen man mit dem Button ‘Q-Link’ umschaltet. Grundsätzlich top gelöst und für mich selbsterklärend (auch das Zuweisen von Funktionen). Durch leichtes Berühren eines Q-Link Knobs öffnet sich im rechten Display-Rand kurz ein Fenster mit der Anzeige der Poti-Belegung. Man hat also stets schnelle und volle Kontrolle, was vor allem im Live-Einsatz durchaus wichtig ist. Weil diese Anzeige aber möglicherweise nicht jeder toll findet, lässt sie sich in den Systemeinstellungen auch abstellen. Aber wenn wir schon von Live-Einsatz reden, würde ich mir dann sogar gleich acht statt ‘nur’ vier Knobs wünschen, damit noch mehr Parameter sicher eingesetzt werden können und der Workflow flüssig bleibt (wie beispielsweise beim AKAI Force). Je länger man mit dem Instrument arbeitet, desto mehr missfallen aber auch ein paar Dinge: Etwas irritierend war die Verbindung der Display-Anzeige mit den vier Q-Link Potis. Einfachstes Beispiel: ist man im Piano-Edit Menü, werden acht Parameter-Knobs im unteren Display angezeigt (Attack, Release, Resonance usw). Anstatt nun acht korrespondierende Knobs unterhalb des Displays zu haben, muss das Gehirn eine Transfer-Leistung erbringen und eine Brücke zu den vier Q-Link Knobs schlagen. Q-Link 1 ist dann für die ersten vier Parameter im Display und Q-Link 2 für die restlichen vier Parameter zuständig. Auf Dauer wurde das schon ein bisschen mühselig…

Und: mit dem Q-Link Button schaltet man zwar die jeweiligen Funktionen (“Menüs”) um, aber es gibt aktuell leider noch keine Möglichkeit, beispielsweise mit den +/-Buttons einen Schritt vor/ zurück zu gehen, sodass man gezwungenermaßen immer alle vier Steps durchtippen muss. Sehr lästig, wenn man lediglich von Q-Link 2 auf Q-Link 1 kommen möchte (…und erst noch Q- link 3 und Q-Link 4 durchlaufen muss…). Ein ordentlich dimensionierter ‘Data Dial’ Drehregler, mit dem man durch Menüs navigiert oder Parameter-Werte verändert, nachdem sie im Display angetippt wurden, ist natürlich vorhanden. Alternativ lassen sich diese Werte natürlich auch über das Touch-Display verändern.

Das 7" Color Multi-Touch-Display mit Gestensteuerung ist das Herzstück der Benutzeroberfläche. Es ist sehr reaktionsfreudig und schnell. Sounds anwählen, Hüllkurven zeichnen, Echtzeit-Modulationen oder Drawbars ziehen - alles kein Problem. Aber ich vermisse die Möglichkeit, zu “swipen” (wischen), wie man es von Smartphones/ Tablets kennt. Das wäre recht praktisch, um zwischen Menü-Seiten zu navigieren. Vielleicht kann man das mit einem zukünftigen Firmware-Update anbieten. Ansonsten geht alles, was man heutzutage gewohnt ist. Tippen, Doppel-Tippen, Zoomen.

Technisch gesehen haben wir “unter der Haube” einen Quad ARM Prozessor mit 4 GB RAM. Sollte der 32 GB-Massenspeicher nicht ausreichen, können wir das MPC Key 61 mit einem SSD-Laufwerk im SATA-Schacht erweitern. Allein an den knausrigen 4 GB RAM Arbeitsspeicher ist aber leider nichts mehr zu machen. Und das kann leider ein echtes Problem werden, weil man das MPC Key sehr schnell an sein Performance-Limit bringt. Hier sollte man sich im Hause AKAI dringend nochmal Gedanken machen.

Das MPC Key hat eine halbgewichtete 61er Tastatur mit Aftertouch(!). Endlich mal wieder eine aktuelle Workstation/Synthesizer auf dem Markt, die Aftertouch nicht ignoriert. Die Tastatur lässt sich wunderbar spielen und ist definitiv nicht zu leichtgängig oder “billig”, wie man es von manchen Controllern und Synths kennt.

Sie bietet einen leichten Gegendruck und gibt dadurch ein straffes Spielgefühl. Kurzum: die Tastatur ist prima! Lediglich beim Aftertouch hatte ich manchmal die Befürchtung, dass mir das Keyboard durchbricht, da die Tastatur doch recht auffällig nachgibt… das ist jetzt aber Jammern auf hohem Niveau.

Dass dieses Keyboard AKAI MPC Key 61 getauft wurde, lässt mich hoffen, dass tatsächlich auch eine 88er Version erscheinen wird. Dann gerne auch mit zusätzlichen Slidern und dedizierten Potis - dann könnte dieses Keyboard a “Dream come true” werden, auch für Live-Musiker…

Jetzt aber zu den Klängen des MPC Key 61. Durch Drücken des Buttons ‘Sounds’ kommen wir in den entsprechenden Modus, in dem wir die im MPC Key 61 integrierten Instrumente und Presets durchsuchen können. Wie schon gesagt: Mehr als 6000 Presets und 25 Plug-In Instrumente werden angeboten. Theoretisch, denn zählt man die Instruments-Kacheln im Sounds Menü, kommt man auf 17? Sei’s drum… Mit einer so großen Anzahl von Sounds wirkt das MPC Key wie eine DAW mit einer gut sortierten Bibliothek von Plug-Ins. Sicherlich werden in zukünftigen Firmware-Updates noch weitere Plug-Ins hinzukommen. Seit kurzem ist z.B. das neue Plug-In ‘AKAI MPC Mini D’ erhältlich. Es ist eine präzise Emulation des klassischen Minimoog Synthesizers und zu einem Preis von 99,-EUR als MPC Expansion im MPC Store erhältlich (). Ich würde mir noch wünschen, die Möglichkeit einer Plug-In-übergreifenden Suche nach Sounds zu bekommen. Vielleicht versteckt sich ja doch ein bestimmter Souns in einem Plug-In, ohne dass ich es vorab dort vermutet hätte.

Viele der Sounds sind wirklich gut und auf Augenhöhe mit aktuellen Software-Synthesizern und kommerziellen Sample-Libraries/VST Plug-Ins. Andere wiederum klingen recht altbacken und nicht auf Höhe der Zeit. Das erinnert fast an GM/SF2 Zeiten. Die Stärken liegen ganz klar im Bereich Electronic, HipHop/R’n’B und aktueller Pop-Musik. Die Natur-/Orchesterinstrumente können da nicht mithalten. Ein Songwriter oder “traditioneller“ Filmkomponist wird mit dem MPC sicher weniger Freude haben. Ich persönlich sehe das so: es ist zwar eine Workstation, aber mit einer ganz klar umgrenzten Zielgruppe. Und daran ist auch nichts Verwerfliches. Im Gegenteil: Ich denke, dass ein Vergleich mit Montage, Kronos bzw. Nautilus, Nord Stage, Fantom oder gar (speziellen) VST-Plug-Ins nicht nur hinkt, sondern schlichtweg falsch wäre. Es gibt Unmengen an (teilweise recht preisgünstigen) VST-Plug-Ins auf dem Markt, die überragend klingen. Diesem Vergleich muss sich das MPC Key stellen.

Im Mittelpunkt steht Fabric XL - eine große Sound-Kollektion mit Pianos, Synths, Pads, Bässen, Leads, Brasses, Gitarren etc. Um bei Bedarf Systemressourcen zu sparen, wurde die Fabric Collection in separate Plug-Ins aufgeteilt, die wir im Sound-Menü finden können:

Fabric XL: Die vollwertige „Flaggschiff“-Version

Fabric: Gleiche Klangauswahl wie Fabric XL, aber mit weniger Stimmen und geringeren System-Anforderungen

Fabric Piano: Akustische Pianoklänge

Fabric Electric Piano: E-Piano-Sounds

Das ist durchaus clever gelöst. Werfen wir einen Blick auf die weiteren Plug-Ins:

Hype: Multi-Synthese-Engine mit Wavetable-, FM-, virtuell analogen und Multi-Sample-Sounds mit über 1500 Werkspresets

Stage Piano: Akustische Piano-Engine

Stage EP: E-Piano-Engine mit bis zu 12 Velocity-Layern und 76 integrierten AIR-Effekten

Organ: Additives Zugriegel-Orgelmodell mit AIR-Rotationslautsprechersimulation

OPX4: 4-Operator-FM-Synthesizer mit ausgiebigem Modulations-Routing und über 20 integrierten AIR-Effekten

Odyssey: Modell des klassischen Analogsynthesizers mit eingebautem Tape-Delay-Effekt

Studio Strings: Orchester-, Kammermusik- und Solo-Streicherinstrumente mit speziellen Legato-Funktionen

Drumsynth: Schlagzeug-Sounds

Mellotron: originalgetreue Nachbildung eines Mellotrons mit den entsprechenden charakteristischen Sounds

Solina: Simulation eines Solina String-Synthesizers

Die integrierten Drum-Sounds sind hervorragend. Sie decken ein breites Spektrum ab, von akustischen Kits bis hin zu 909er und 808er Sounds, und werden automatisch den 16 Drum-Pads auf dem oberen Bedienfeld zugeordnet. Und mit den neuen Expansion Sound Packs von AKAI können wir die Kit-Auswahl noch erweitern. Weitere Highlights sind für mich die Instrumente Hype, OP4X, Odyssey, Mellotron und Solina. Die Pianos werden von zwei verschiedenen Plug-Ins abgedeckt. AIR Stage Piano bietet verschiedene gesampelte Modelle wie Yamaha C7, Steinway D und ein Bechstein-Piano. Hier sollte man aber keine Wunder erwarten, denn diese Sounds haben zu wenig Ausdruckskraft, um damit ein Klavierkonzert zu geben. Gleiches muss man leider für die Strings sagen. Die E-Pianos haben mir wiederum gut gefallen. Viel Wärme, viel Biss und „Dreck“. Hier ist alles dabei, was man erwarten würde.

Das Laden der Plug-Ins dauert manchmal einen Tick zu lange. Im Studio sicher weniger problematisch als im Live-Einsatz. Klar, Computer und Sample-Libraries haben mitunter auch längere Ladezeiten, aber dabei handelt es sich oft um Sample-Content mit deutlich mehr Gigabyte. Ich hätte bei einem Hardware-Keyboard schon die Erwartung, dass ich alle Sounds innerhalb einer bestimmten Sound-Kategorie oder eines Sound-Unterordners direkt und ohne 2-3 Sekunden Ladezeit durchsteppen kann. Dass man während dem Laden auch nicht weiterspielen kann, stört dabei noch mehr. Auffällig war das vor allem bei den sample-basierten Fabric-Instrumenten. Eine Workstation in dieser Preisklasse sollte weder an Qualität und Features der Plug-Ins sparen noch an Speicherkapazität. Mit einem Speicher von 4 GB RAM ist man jedoch unter Umständen schon bei einem Layer-Sound aus wenigen Plug-Ins bereits schnell am CPU-Limit. Dass datenintensive Projekte zum Laden länger brauchen, ist bei einem Laptop-Setup nicht anders und sehe ich beim MPC Key nicht wirklich als Kritikpunkt. Aber ja, kürzere Ladezeiten sind immer willkommen.

Die MPC-Reihe von AKAI ist ja bekannt für ihre hocheffektiven Sampling-Features, und diese Workstation bildet hier keine Ausnahme. Das MPC Key verfügt über ein zweikanaliges Audiointerface und Samples können entweder importiert oder direkt am Instrument aufgenommen werden. Man kann direkt über die beiden Kombi-Eingänge auf der Rückseite sampeln. Ein Schalter schaltet zwischen Instrument und Line Empfindlichkeit um, und ein +48V Schalter (Phantomspeisung) steht für den Anaschluss entsprechender Kondensatormikrofone bereit. Mit zwei integrierten hochwertigen Mikro-Vorverstärkern kann der Gesang direkt in der Stand-Alone-Umgebung der MPC Key 61 aufgenommen und gemischt werden. Wir können unsere Samples editieren, schneiden und über die MPC-Pads oder die Tastatur abspielen. Die Samples können außerdem verwendet werden, um eine Keygroup zu erstellen - ein spielbares Instrument, das aus der Kombination von Samples, Instrumenten und Effekten besteht und als ein einziges Preset gespeichert wird.

Der Sequenzer ist so umfangreich, dass man wahrscheinlich keine der Funktionen unserer DAW vermissen werden, auch wenn man sich vielleicht manchmal einen größeren Bildschirm wünschen würde. Das Sequencing oder Layering von benutzerdefinierten Samples mit den Synthese-Funktionen macht es extrem einfach, komplette Tracks mit nur diesem einen Keyboard zu produzieren. Sequenzen sind dabei die Bausteine von MPC-Arrangements. MIDI-Noten und Automationen können über die Klaviaturtasten oder die Pads aufgenommen, über das Display in das Raster eingezeichnet oder mit dem Step-Sequenzer (insbesondere für Drums) oder sogar dem Event-Listen-Editor eingegeben werden. Sie können ebenfalls kopiert, umbenannt und massiv bearbeitet werden und dann zu einem Arrangement zusammengefügt werden. Die MPC erlaubt bis zu 128 MIDI-Spuren und acht Audiospuren pro Projekt. Nachdem eine Reihe von Songs erstellt wurde, können diese in einer Setlist zusammengefasst werden, damit sie bei z.B. bei Live-Shows leichter zugänglich sind.

Im Bereich Konnektivität findet man beim MPC Key 61 alles, was man 2022 erwarten kann: Auf der Rückseite befinden sich drei Pedaleingänge (Expression-, Foot Switch und Sustain, das MIDI-Trio (In/Out/Thru), zwei Mikrofon/Line-Eingänge mit Gain-Reglern und 48-V-Schaltern, vier Outputs, ein Kopfhörerausgang, zwei USB-Anschlüsse, ein USB-to-Host Port…und acht (!) CV/Gate-Ausgänge für den Anschluss von analogem Equipment sowie ein Ethernet-Netzwerkanschluss. Wow! Durchatmen! Moment, da gibt es ja noch mehr: über WLAN und Bluetooth können auch drahtlose Verbindungen hergestellt werden (z.B. zu Ableton Link, Korg Gadget etc). Freunde der Musik, SO muss eine moderne Workstation ausgestattet sein!

Selbst der Power-Button sieht klasse und edel aus - und wenn man das Instrument ausschalten will, wird man u.U. gefragt, ob man das aktuelle Projekt speichern möchte. Mitgedacht. Wer jetzt noch ‘aus Versehen’ sein Projekt gelöscht hat, der sollte sich ein anderes Hobby suchen…

Für wen ist das MPC Key 61 denn nun das richtige Instrument? AKAI kann es mit naturgemäß nicht Jedem recht machen. Einige werden mehr Knobs, einen größeren Bildschirm oder mehr Tasten fordern. Dabei ist das Angebot an Features und Funktionen überwältigend. Bei herkömmlichen Synthesizer-Workstations werden Funktionen wie Sequencing, Sampling und Recording manchmal recht stiefmütterlich behandelt. Beim MPC Key sind aber gerade DAS die Kernelemente. Kurzum: niemand sollte sich ein MPC Key besorgen, wenn er es nicht zum Sampling und Sequencing verwenden möchte. Wer ein vielseitiges Keyboard für Live-Performances sucht und viele Sounds benötigt, wird mit einer traditionellen Workstation von Korg, Yamaha, Roland oder Kurzweil besser bedient sein. Wer aber eine Standalone Production-Workstation sucht, die das komplette Paket von Sampling, Sequencing, Recording, Mixing, Sound-Bibliothek und einer gut spielbaren Tastatur enthält, wird in meinen Augen nicht am MPC Key vorbeikommen. Das MPC Keys lässt sich bestens im Studio oder als mobile Lösung (ohne Laptop & Co) einsetzen. Aber auch ‘on stage’ kann ich mir diese Workstation sehr gut vorstellen.

Text: Robert Karasek

Erfrischend und inspirierend! Das MPC Key 61 hat absolut das Zeug zum brillanten All-In-One Paket - aber nicht für Jeden. Solange man sich in den MPC-typischen Genres Electronic, HipHop/R’n’B oder modern Pop bewegt, bekommt man mit dieser Workstation ein mächtiges Produktions-Tool. Die Features im Bereich Sampling, Sequencing, Recording, Mixing und Sound-Edit sind herausragend, sodass man Computer & DAW nicht vermisst. Das intuitive Layout garantiert zudem einen guten Workflow. In seiner Disziplin ist das MPC Key 61 ein enorm vielseitiges und klangvolles Tool, dass die Idee der AKAI MPC’s konsequent fortführt.