Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 11 Min.

Aktien, Anleihen und Fonds – So kann man mit traditionellen Wertpapieren in den Krypto-Markt investieren


Kryptokompass - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 05.10.2019
Artikelbild für den Artikel "Aktien, Anleihen und Fonds – So kann man mit traditionellen Wertpapieren in den Krypto-Markt investieren" aus der Ausgabe 10/2019 von Kryptokompass. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Kryptokompass, Ausgabe 10/2019

So sehr sich die Investmentmöglichkeiten in Kryptowährungen und Blockchain-Start-ups verbessert haben, befinden wir uns noch in einer absoluten Nische. Das Gros der Investoren, vor allem solche mit großem Kapital, bleiben der Krypto-Ökonomie weitestgehend fern. Neben hoher Volatilität, starker Intransparenz und Unklarheit, ob sich die jeweilige Kryptowährung oder das jeweilige Blockchain-Unternehmen durchsetzen kann, ist es vor allem ein ganz bestimmtes Hindernis: Das neue Medium Token.

Im Gegensatz zu traditionellen Wertpapieren können diese nicht bequem wie Aktien und Fonds im eigenen Wertpapierdepot ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 7,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Kryptokompass. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 10/2019 von Vorwort.. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Vorwort.
Titelbild der Ausgabe 10/2019 von MKR Token – Kryptowährung für das digitale Pfandleihaus. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
MKR Token – Kryptowährung für das digitale Pfandleihaus
Titelbild der Ausgabe 10/2019 von Technische Kursanalyse. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Technische Kursanalyse
Titelbild der Ausgabe 10/2019 von Interview mit Cashlink CEO Michael Duttlinger zur Rolle von STO-Plattformen: „Wir haben uns für Ethereum entschieden”. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Interview mit Cashlink CEO Michael Duttlinger zur Rolle von STO-Plattformen: „Wir haben uns für Ethereum entschieden”
Titelbild der Ausgabe 10/2019 von EDAG: Hidden Champion mit IOTA-Affinität. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
EDAG: Hidden Champion mit IOTA-Affinität
Titelbild der Ausgabe 10/2019 von Wie lege ich Geld in DeFi an?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Wie lege ich Geld in DeFi an?
Vorheriger Artikel
Vorwort.
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel MKR Token – Kryptowährung für das digitale Pfandl…
aus dieser Ausgabe

... bei der Bank verwahrt werden. Auch findet keine automatische Abführung der Steuer an das Finanzamt statt. Stattdessen muss neuen Speichertechnologien wie Hardware Wallets vertraut werden. Auch kann man keine neue PIN beantragen, wenn man diese verloren beziehungsweise vergessen hat.

Ist der Private Key, also das Äquivalent zur PIN, weg, dann sind es auch die Vermögenseinlagen. Kurz um: Für einen Großteil der Bevölkerung ist die Investition in Token noch zu umständlich und zu unsicher. Nur die wenigsten Investoren wollen wirklich ihre eigene Bank gemäß des Bitcoin-Narrativs sein. Investoren, die Gelder Dritter verwalten, dürfen dies im Normallfall auch nicht. Selbst, wenn sie Bitcoin oder einen anderen Coin oder Token kaufen wollen, dann würde ihnen die Regulierung einen Riegel davorschieben.

In den nächsten Jahren wird sich dieses Problem von selbst lösen. Schließlich werden für Token bankenähnliche und regulierte Verwahrdienstleistungen geschaffen. Bereits heute gibt es zahlreiche neue Intermediäre, die sich genau darauf konzentrieren. Folglich geht es also nur um den Übergang, um die rund nächsten zehn Jahre, wo urkundlich verbriefte Wertpapiere und Token parallel nebeneinander existieren. Durch die zunehmende Digitalisierung in der Finanzbranche wird in Zukunft jedes Wertpapier in digitaler Tokenform herausgegeben werden. Anstatt durch einen Zentralverwahrer werden die Eigentumsrechte über eine Blockchain gesichert. Während einige Finanz-Intermediäre verschwinden, wird es an anderer Stelle Neue geben.

Bei aller Offenheit gegenüber der Token-Ökonomie gibt es also nach wie vor Motive, die ein traditionelles Investmentvehikel gegenüber einem Token den Vorzug geben. Wie die konkreten Möglichkeiten bei den jeweiligen Wertpapierformen aussehen, wird im Folgenden gezeigt. Den Start macht die Anlageklasse der Aktien.

Aktien: Wie ist es um börsennotierte Aktiengesellschaften mit Krypto-Schwerpunkt bestellt?

Logischerweise bieten Aktien von Unternehmen, die im Krypto-Sektor aktiv sind, nicht die Möglichkeit, an den Kursen von Kryptowährungen wie Bitcoin und Co. zu partizipieren. Dennoch ist es möglich, dass das Geschäftsmodell des Unternehmens in starker Abhängigkeit zum Krypto-Markt steht. So wird die Aktie eines Bitcoin-Börsenbetreibers genauso wie die Aktie eines Bitcoin-Mining-Unternehmens Korrelationen zum Marktgeschehen der Kryptowährungen aufweisen. Grundsätzlich stellt sich dabei aber die Frage, ob es überhaupt substanzielle Krypto-Unternehmen gibt, die börsennotiert sind. Schließlich zeichnen sich Unternehmen im Blockchain-Bereich dadurch aus, einen Token herauszugeben, sei es durch ein ICO, IEO oder neuerdings STO.

Die Token-Transformation verstehen: Von der Schallplatte zur MP3-Datei in der Cloud

Vereinfacht kann man sich den Übergang von urkundlich verbrieften Wertpapieren, die bei einem Zentralverwahrer liegen, wie den Übergang in der Tonträgertechnologie vorstellen. 1983 war die Compact Disk (CD) als Tonträger und Datenspeicher noch kaum verbreitet. Nachdem sich dann über mehrere Jahre die CD als neuer Datenträger durchgesetzt hatte, kam das nächste Speichermedium. MP3-Player und Hardwaresysteme, die keinen physischen Tonträger mehr erforderten und den Austausch über das Internet ermöglichten. Das physische Tonträgermedium wurde vollends digitalisiert. Genau vor diesem Schritt steht nun der Wertpapiersektor: die vollständige Digitalisierung von Vermögenswerten durch Token, die über ein dezentrales Register zugeordnet beziehungsweise „verwahrt” werden. Anstatt um Tonträger geht es in diesem Fall um Werte-Träger. Da der Finanzsektor viel komplexer und schwergewichtiger als die Musikbranche ist, wird trotz gestiegenem Digitalisierungsgrad der Evolutionsprozess nicht schneller gehen. Bis alle Wertpapieremittenten und die letzte Provinz-Sparkasse auf Token-Infrastruktur umgerüstet haben, wird es sicherlich noch zehn, wenn nicht gar 15 Jahre dauern. Der Endverbraucher wird dabei kaum einen Unterschied zu seinem Wertpapierdepot von heute bemerken.

Das tokenlose IPO mag in Teilen als geradezu widersprüchlich erscheinen. Entsprechend findet man kein Unternehmen als börsennotierte Aktiengesellschaft, dessen Geschäftsmodell auf einer token-basierten Blockchain-Plattform aufbaut. Protokolle wie Ethereum, Tezos, NEO etc. stehen im Widerspruch zu einem IPO, da ihre Finanzierung durch Utility Token geleistet wird. Übrig bleiben also nur börsennotierte Unternehmen, die Dienstleistungen im Krypto-Sektor erbringen, ohne selbst auf einer innovativen Blockchain-Plattform aufzubauen. Tippt man auf einschlägigen Finanzplattformen wie onvista oder finanzen.net den Begriff Bitcoin ein, dann werden unter anderem folgende Aktien angezeigt:

Aktiengesellschaften mit „Bitcoin” im Namen

Fazit

Das Bild ist eindeutig: Finger weg von Aktien, die Bitcoin im Namen haben. Zwar kann es auch vereinzelt seriöse Aktiengesellschaften mit ernstzunehmendem Geschäftsbetrieb geben – eine Bitcoin Group SE wäre hier zu nennen – das Gros der „Bitcoin-Aktien” ist aber definitiv nicht zu empfehlen. Für keine der Aktiengesellschaften kann eine durchweg positive Bewertung (Farbe Grün) abgegeben werden. Doch wie sieht es aus, wenn man den Begriff Bitcoin durch Blockchain ersetzt?

Aktiengesellschaften mit Blockchain im Namen

Fazit

Es wurden nur Aktien berücksichtigt, die an Börsen gelistet sind, ergo überhaupt zugänglich für Anleger sind. Bei vielen Aktien mit „Blockchain” im Namen war dies nicht der Fall. Auch sind viele Krypto-Aktien klassische Pennystocks, deren Handelbarkeit stark eingeschränkt ist. Neben mangelnder Liquidität ist hier die Gefahr von Pump-and-Dump-Systemen, also das künstliche Hochtreiben des Kurses durch Insider, sehr groß. Ganz gleich, ob Bitcoin oder Blockchain im Namen steckt, ist die Informationslage insgesamt sehr dünn und der Geschäftsbetrieb sehr intransparent.

Wie sehen die Alternativen im Aktien-Sektor aus?

Sinnvoller kann es sein, sich auf Aktienunternehmen zu fokussieren, die bereits länger am Markt sind und sich nicht explizit der Blockchain-Technologie verschrieben haben. Viele etablierte Unternehmen wie IBM oder Microsoft forschen an Blockchain-Lösungen. Auch zählt man Grafikkartenhersteller wie AMD zu Krypto-Aktien, da ihre Grafikkarten für das Mining von Kryptowährungen benötigt werden.

Allerdings dürfte bei diesen Tech-Giganten die Blockchain-Forschung kaum ins Gewicht fallen. Hier von Blockchain-Aktien zu sprechen, ist doch etwas weit hergeholt. Genau dieses Tricks oder „Blockchain Labeling” bedienen sich allerdings auch Fonds- oder Zertifikatslösungen. So gibt es beispielsweise ein Zertifikat von der Landesbank Baden-Württemberg, den LBBW Research Blockchain-Favoriten Aktien-Index (LB5FBC) oder den HansaInvest-Fonds Chanberry Equity R (A2JF88). Beide werben damit, in Unternehmen zu investieren, die im Blockchain-Bereich aktiv sind.

In Wahrheit dürften Anleger hier aber solide Unternehmen wie SAP oder IBM finden, die den Großteil des Portfolios ausmachen. Lediglich zu einem sehr kleinen Prozentsatz sind hier Unternehmen im Portfolio, die wirklich einen starken Blockchain-Fokus haben und den strengen Prüfungen der Analysten bestehen. Diese haben dann aber kein „Blockchain” oder „Bitcoin” im Namen. Ein Beispiel dafür wäre das Unternehmen Interbit (A2PBRM), ehemals BTL Group. Zwar mag dieses Unternehmen seriös sein und Blockchain-Lösungen für Unternehmen entwickeln, doch ist die Performance unterirdisch. Ganze 86 Prozent Minus in den letzten 12 Monaten. Entsprechend sollten sich Anleger nicht von der sichereren Fondslösung blenden lassen.

Das erste reine Krypto-Unternehmen mit einem klassischen IPO, das zur Abwechslung eine Marktkapitalisierung von mehreren hundert Millionen US-Dollar mitbringt, dürfte Bitmain sein. Der Bitcoin-Mining-Gigant plante bereits in der Vergangenheit einen Börsengang in Hong Kong. Durch den Anteilsverkauf sollten drei Milliarden US-Dollar eingenommen werden. Die Genehmigung von den Behörden blieb allerdings aus, sodass Bitmain nun angeblich sein Glück in den USA versuchen möchte. Konkrete und offizielle Informationen fehlen hierzu allerdings noch.

Keine wirklichen Wertpapiere: Die Zockerinstrumente CFDs

Die einfachste Möglichkeit, um an den Kursen von Bitcoin, Ether und Co. außerhalb der Token-Ökonomie zu partizipieren, sind Differenzkontrakte, kurz CFDs. Hierbei erwirbt man keine Kryptowährungen oder einen etwaigen Besitzanspruch, sondern schließt lediglich eine Kurswette mit der Betreiberfirma auf den jeweiligen Basiswert ab. Kurz um: Die meisten Anleger verlieren Geld, wenn sie in CFDs investieren. Wer mittel- bis langfristig in Kryptowährungen investieren möchte, sollte zweifelsfrei einen Bogen um CFDs machen. Allein schon die Gebühren, die mit dem Halten von CFDs verbunden sind, würden selbst bei stagnierendem Kurs die Einlagen auffressen. Anders sieht es bei Daytradern aus. Wer an vielen Trades innerhalb kurzer Zeit interessiert ist, hat mit CFDs ein praktikables Instrument. Folglich sind CFDs für Daytrader und Investoren mit ausgeprägtem Zockerbedürfnis ein optimales Finanzinstrument. Alle anderen sollten hingegen die Finger davonlassen.

Anleihen und Zertifikate: Alles kann, nichts muss

Um es kurz zu machen: Die Begebung einer Standardanleihe – keine Token-Anleihe, sondern klassische Verbriefung – von einem Krypto-Unternehmen hat es noch nicht gegeben beziehungsweise war für Anleger an den regulierten Handelsbörsen nicht frei zugänglich. Anders sieht es bei Zertifikaten aus.

Zertifikate sind Finanzprodukte mit hochgradig individuellen Ausgestaltungsmöglichkeiten und Spielregeln. Sprich: Was man nicht via Aktien oder Standard-Anleihen abbilden oder abdecken kann, kann man mit Zertifikaten nachbauen.

Rechtlich handelt es sich um Schuldverschreibungen mit derivativem Charakter auf einen bestimmten Basiswert. Als Basiswert kommt jeder handelbare Vermögenswert in Frage. Angefangen von Aktien, über Rohstoffe bis hin zu Kryptowährungen.

Der Vorteil einer vollkommen flexiblen Ausgestaltung ist auch gleichzeitig ihr Nachteil. Nur Finanzprofis verstehen wirklich, wie das jeweilige Zertifikat funktioniert und auf Bewegungen des Basiswertes reagiert. Banken bzw. Emittenten haben sogar ein Interesse daran, dass Zertifikatskonstruktionen nur auf den ersten Blick simpel zu verstehen sind. Durch komplexe Gebühren-, Finanzierungs- und Hebelstrukturen lässt sich so zum Nachteil der Anleger eine gute Marge erzielen. Wer also nur daran interessiert ist, einen klassischen Basiswert möglichst 1:1 nachzubilden, der sollte in der verbrieften Weltpapierwelt lieber nach Indexfonds (ETFs) Ausschau halten. Nun gibt es für Bitcoin noch keinen ETF, weshalb aufgrund geringer Hürden und Standards Zertifikate herausgegeben worden sind.

Ein bekanntes Zertifikat auf Bitcoin wurde von der Schweizer Vontobel Bank herausgegeben. So versucht das Open End Partizipationszertifikat (WKN: VL3TBC), den Bitcoin-Kurs nahezu 1:1 abzubilden. In der gleichen Ausgestaltung gibt es auch ein äquivalentes Partizipationszertifikat auf Ether (WKN: VF0ETH). Von der BaFin reguliert und für Kleinanleger zugelassen eine durchaus passable Möglichkeit, wenn man via Wertpapierdepot an Bitcoin oder Ether partizipieren möchte. Allerdings darf man nicht die jährlich anfallende Managementgebühr von 1,5 Prozent und den Ausgabeaufschlag von 2,4 Prozent bei Erwerb von Zertifikatsanteilen vergessen.

An genau dieser Stelle zeigt sich auch ein Nachteil gegenüber direkten Investments in den Token und der eigenverantwortlichen Aufbewahrung im Wallet. Jedes Finanzprodukt und jede Aufbewahrung der Wertpapiere, ist mit Kosten verbunden. Gleichzeitig kann sich der Emittent auch das Recht herausnehmen das Zertifikat zu kündigen. Besitzer von Token haben dieses Problem bzw. diese Abhängigkeit nicht.

Futures und Optionsscheine: Rasantes Produktwachstum für Profi-Anleger

Futures und Optionsscheine können rechtlich ebenfalls zur Gruppe der Zertifikate beziehungsweise derivativen Finanzkonstruktionen zugeordnet werden. Mit beiden Produkten lässt sich sowohl auf fallende als auch auf steigende Kurse wetten. Während es noch keine Optionsscheine auf Kryptowährungen gibt, wurden Bitcoin Futures bereits aufgelegt. Mit Herausgabe von Bitcoin Futures der in Chicago angesiedelten Börsen CME und CBOE war es im Dezember 2017 somit erstmals möglich, mit einem regulierten Wertpapier auch auf fallende Bitcoin-Kurse zu wetten. Auch bei Futures gilt, dass es sich um Finanzmarktinstrumente für Profis handelt, die unter anderem mit gehebelten Kapitaleinsatz agieren möchten. Bei den ohnehin volatilen Krypto-Märkten kein geringes Risiko. Nennenswerte Verstärkung erhielt die Produktgruppe letzten Monat durch die Börse Bakkt aus New York, die nun ebenfalls Bitcoin Futures anbietet.

Die Finanzmarkt-Adaption geht konsequent weiter, sodass mit vielen weiteren Börsen zu rechnen ist, die Bitcoin-Futures-Kontrakte anbieten. Auch wurde bereits von der CME angekündigt, die in Teilen noch komplexeren Optionsscheine anzubieten. Die Optionsscheine mit Basiswert Bitcoin werden in Q1 2020 erwartet. Entgegen der Hochrisikospekulation können Zertifikate, Futures und Optionsscheine auch zur Risikoabsicherung eingesetzt werden. Selbst für Token-Investoren kann der zusätzliche Erwerb von Short-Produkten Sinn machen. So kann man beispielsweise die Kursverluste bei fallenden Bitcoin-Kursen durch ein Bitcoin-Short-Produkt kompensieren. Der Anlagehorizont ist hierbei allerdings eher kurz- bis mittelfristig anzusiedeln. Der klassische Bitcoin Hodler wird wohl kaum ein solch aktives Portfoliomanagement betreiben.

Die Königsklasse: Exchange Traded Funds

Während Finanzprodukte wie Bitcoin Futures zu einer Reifung der Anlageklasse führen, löste ihre Einführung in der Vergangenheit dennoch kein Kursfeuerwerk am Krypto-Markt aus. So positiv deren Etablierung für den Vermögenswert Bitcoin ist, ist deren direkter Einfluss eher gering. Anders würde es bei einem börsengehandelten Indexfonds (ETF) aussehen, der auch für Kleinanleger zugänglich ist. Es ist davon auszugehen, dass die Zulassung eines Bitcoin ETFs auch den Kurs nach oben treibt. Wie sehr, darüber ist man sich allerdings nicht einig. Bislang sind alle Antragsversuche zur Zulassung eines solchen ETFs vor der US-Wertpapierbehörde SEC gescheitert.

Gegenstand der Kritik sind die zu gering regulierten Krypto-Börsen. Die enorm hohe Manipulationsanfälligkeit im Bitcoin-Handel ist den Behörden ein Dorn im Auge. Dennoch ist es nur eine Frage der Zeit, bis Bitcoin ETFs allen Anlegergruppen zur Verfügung stehen werden. Schließlich nimmt der Grad an Regulierung im Krypto-Ökosystem tagtäglich zu. Auch wenn es dieses Jahr nicht mehr klappen sollte, dann sehr wahrscheinlich nächstes Jahr.

Der Grund für den zu erwartenden hohen Kapitalzufluss sind die Eigenschaften eines solchen ETFs:

• Vergleichsweise geringe Gebühren: Der Erwerb eines Bitcoin ETF würde die günstigste Möglichkeit sein, ein reguliertes Finanzprodukt mit Basiswert Bitcoin zu erhalten.

• Hohe regulatorische Standards und kein Bonitätsrisiko: Die Hürden für eine Genehmigung sind hoch und das Vermögen wird getrennt vom Vermögen der emittierenden Gesellschaft aufbewahrt (bei Zertifikaten nicht der Fall).

• Hohe Transparenz: ETFs sind im Normalfall passive Vehikel, sodass der Anleger immer genau nachvollziehen kann, wie sein Kapital eingesetzt wird. Es wird also ein Index 1:1 nachgebildet, was die Kostenquote im Vergleich zum aktiven Fondsmanagement deutlich reduziert.

• Hohe Liquidität an Börsen: Da ETFs in erster Linie über Börsenplätze gehandelt werden, machen sich Anleger nicht mehr von einem einzelnen Fondsemittenten abhängig und können sich gleichzeitig über eine oftmals hohe Liquidität freuen.

• Geeignet für das Big Money: Große Vermögensverwaltungen und Pensionskassen sind gesetzlich in der Auswahl der Assets eingeschränkt. Institutionellen Anlegern, denen es bislang untersagt war, in Bitcoin zu investieren, hätten mit einem ETF deutlich größere Chancen, ihre verwalteten Gelder in dieses Asset zu lenken.

Die genannten Gründe machen ETFs also sowohl für Kleinanleger als auch für institutionelle Investoren attraktiv und versprechen einen positiven Einfluss auf den Bitcoin-Kurs. Was passieren kann, wenn ein ETF für ein neues Asset erlaubt wird, konnte man beim Gold bzw. Goldpreis beobachten. Als 2003 der erste Gold ETF auf den Markt kam, flossen in den darauffolgenden Monaten und Jahren viele Milliarden US-Dollar in den Markt und unterstützen den Gold-Kurs. Allein der größte Gold ETF, der SPDR Gold Trust, verwaltet aktuell über 40 Milliarden US-Dollar. Genau dieses Narrativ ist es, dass viele Bitcoin-Investoren aufhorchen lässt, wenn die Rede von einem Bitcoin ETF ist. Verglichen mit allen Nicht-Token-Alternativen wäre ein Bitcoin ETF die beste Möglichkeit, um in Bitcoin und Co. zu investieren.

Wer nicht zu lange warten möchte, kann auf Alternative Investmentfonds, kurz AIFs zurückgreifen. Diese Spezialfonds sind bereits auf dem Markt und können von professionellen Anlegern, durch Anbieter wie zum Beispiel Postera Capital oder Blockwall Capital aus Deutschland, erworben werden. Die Gewichtung der einzelnen Krypto-Assets ist dabei hoch individuell. Im Gegensatz zu einem Bitcoin ETF können auch andere Kryptowährungen inkludiert sein. Kleinanleger können von dieser Option allerdings keinen Gebrauch machen. Verglichen mit einem ETF sind die Kosten und sonstigen Konditionen eher nachteilig.

Fazit

Es gibt auch heute schon Mittel und Wege, mit Hilfe von regulierten Wertpapieren in die Krypto-Ökonomie zu investieren. Das Angebot wird sich auch in den nächsten Monaten kontinuierlich verbessern. Dennoch bleibt die günstigste Methode das direkte Token-Investment. Investoren, die selbst über die Anlageform entscheiden dürfen, sollten sich daher mit den Themen Krypto-Börsen und Wallets auseinandersetzen. Man muss kein Krypto-Profi sein, um eine sichere Aufbewahrung von Token zu gewährleisten. Neben dem Kosten-Aspekt eines direkten Token-Erwerbs überwiegt der Vorteil der Transparenz. Als Investor weiß man ganz genau, was man in seiner Wallet hält, ohne Angst haben zu müssen, von komplexen Mechanismen oder Konditionen wie bei Zertifikaten übervorteilt zu werden.

Am Ende gilt, dass jedes Investment eine Einzelfallentscheidung ist und zum Anlegertyp passen muss. Nur weil ein Finanzprodukt reguliert ist, heißt das nicht, dass es ein sicheres oder vielversprechendes Investment ist. Insbesondere bei Aktien oder Fonds, die Bitcoin oder Blockchain im Namen tragen, sollte man mehr als vorsichtig sein. In ein paar Jahren wird dieser Diskurs allerdings obsolet sein, wenn Token zum Standardmedium im Wertpapiersektor avanciert sind. Dass es dazu kommen soll, wurde diesen September durch die Blockchain-Strategie der Bundesregierung klar kommuniziert. Die Ära der Token hat damit auch den politischen Segen.

Quellen und Hintergrundinformationen:

• Blockchain-Strategie der Bundesregierung

• Tokenisierung – Eine Einordnung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)

• Entwicklung von Gold ETFs und Liste der größten Gold ETFs

• Liste von Aktien mit Krypto-Bezug