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Aktivbox und Subwoofer: Dreier-Team


Stereoplay - epaper ⋅ Ausgabe 6/2018 vom 09.05.2018

B&M werten ihre Einsteiger-Serie mit zeitrichtiger Digitaltechnik auf. Die BMPrime 6 verbindet so die Präzision einer Aktiven mit der Direktheit eines Horns. Und bindet einen Subwo- oder so intelligent ein wie keine andere ihrer Klasse.


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Bildquelle: Stereoplay, Ausgabe 6/2018

Die Aktivboxen der erreichbareren Prime-Serie des deutschen Spezialisten Backes & Müller führten im früheren Produktfolio der Saarbrückener eher ein Schattendasein. Das lag mitnichten am teilweise hervorragend seidigen, etwas untypisch warmen Klang der „ alten“ BMPrime-Modelle mit klassischer Gewebekalotte, sondern eher an der Komplexität und den zahlreichen technischen ...

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... Highlights der Spitzenmodelle „BM-Line“ – von Zeilenstrahler bis zeitrichtiger Digitalweiche und verlustfreier Signalverarbeitung.

Doch mit der Komplettüberarbeitung der Modellpalette, die seit 2015 stattfindet, haben die Primes technisch weit aufgeholt. Den vollwertigen B&M-Einstieg bekommt man mit der BMPrime 6 schon für 9000 Euro das Paar, die digital-zeitrichtigen Weichen nach der FIRTECH-Technologie sind ebenso inbegriffen wie eine verlustfreie digitale HiRes-Ansteuerung per AES/EBU-Norm und vollwertige parametrische Raumanpassung per Software. Die von den Abmessungen her sehr erwachsene, durch die schmale Schallwand mit seitlich aufgesetzten furnierten Wangen, aber äußerlich recht elegante Box bietet technologisch und optisch damit deutlich mehr, als ihr Preisschild vermuten ließe.

Folgt den Spitzenmodellen
Und auch für das Problem der akustischen Einbindung in weniger bedämpfte Räume hat sich eine weit überzeugendere Lösung ergeben, obwohl ein echter Zeilenstrahler für diesen Preis nicht realisierbar ist: Die beiden Tiefmitteltöner im 18er Format arbeiten in einer D‘Appolito-Anordnung und sorgen so im oberen Einsatzbereich für eine gewisse Bündelung. Der Hochton-Ringradiator spielt schon wie in der BMPrime 12 auf eine Druckkammer, die so berechnet ist, dass sie eine ebene Welle ausgibt, ein angesetztes, sphärisch geformtes Horn aus massivem Aluminium definiert dann den Abstrahlwinkel.

Dieses steht auf der Schallwand ein wenig hervor und soll damit nicht nur für eine definierte Schallbündelung sorgen, sondern auch für eine brechungsfreie Abstrahlung, bei der die Schallrichtung der Gehäusekanten schon praktisch ausgeblendet ist. Da die Druckkammer-Hornkonstruktion zugleich den Kennschalldruck deutlich steigert und Verzerrungen reduziert, kann der Hochtöner schon ab 1200 Hz eingesetzt werden, was die Interferenzeffekte im Übergangsbereich wiederum deutlich reduziert und beinahe den Regeln von D‘Appolito nahekommt.

Alles digital gesteuert
Die Trennung erfolgt per steilflankiger FIRTECH-Digitalweiche zeitrichtig und verlustfrei. Digitale Signale können in der Studionorm AES/EBU zugespielt werden, eine zusätzlich erhältliche Lautstärke-Fernbedienung kontrolliert dann den Pegel erst bei der Endverstärkung. Desgleichen ist natürlich auch mit einem der B&M-eigenen ICE-Vorverstärker möglich.

Eine klassisch analoge MOSFET-Endstufe mit 100 Watt versorgt den Hochtöner direkt. Zugunsten eines besseren Signal-/Rauschabstands wurde dieser aber mit einem Spannungsteiler im Effektivpegel herabgesetzt.

Die beiden Tieftöner aus einem verbackenen Kevlar-/ Kohlefasermix werden von je 150 Watt befeuert. Obwohl sie von der Digitalweiche denselben Frequenzbereich zugewiesen bekommen, sind sie einzeln angetrieben und geregelt. Die neue Sensortechnologie von B&M, die die tatsächlichen Membranbewegungen ständig mit dem Signal-Soll vergleicht, ermöglicht nämlich eine nochmals präzisere und schnellere Perfektionierung des abgestrahlten Schalls.

Das funktioniert natürlich nur in einem geschlossenen Gehäuse, und die recht tiefe untere Grenzfrequenz setzt natürlich dem Maximalpegel Grenzen.

Von Haus aus für 2.1
Wie gut, dass die Digitalsektion der Box gleich einen zuschaltbaren Subwoofer-Betrieb kennt und B&M mit dem Sub15 auch einen enorm potenten Tieftonerzeuger im Programm hat, der die BMPrime 6 im Falle von Pegelhunger bestens unterstützt.

Der Subwoofer-Ausgang hat aber nichts mit einem einfachen Signalabgriff für den Tieftonerzeuger zu tun. Aktiviert man die entsprechende Betriebsart, wird der Woofer wie ein dritter Weg des Aktivlautsprechers behandelt. Die interne Weiche stellt ihm ein gefiltertes und perfekt zeitrichtig aufbereitetes Signal zur Verfügung, das die übliche Gruppenlaufzeitverzerrung durch eine klassische Weiche komplett vermeidet und nebenbei den Tiefmitteltönern ein erheblich erweitertes Dynamikspektrum verheißt.

Wahlweise digitale AES/EBU oder analog-symmetrische Signale nimmt die BMPrime 6 auf. Der analoge Ausgang dient einem Sub-Anschluss, am Ethernet-Port dockt ein externer Pegelregler an.


Der Ringradiator ist per Riegel fest gegen die Schallwand gedrückt. Lastwiderstände reduzieren den effektiven Pegel und damit den Rauschabstand. Leistung ist natürlich trotzdem satt vorhanden.


Viel Membranfläche
Der Sub15 selbst bedient sich eines 38-cm-Chassis, das Downfire auf eine Bodenplatte spielt. Auch dieser Bolide wird durch eine neue, patentierte Sensorregelung, DMC 2.0, kontrolliert, die ein extrem schnelles Nachregeln erlaubt und genau auf die FIR-Weiche abgestimmt ist, um Zeitfehler zu vermeiden. Sofern man sie denn aktiviert und nicht die Weichen in den (digitalen) B&M-Hauptlautsprechern nutzt. Wer andere, analoge Aktivboxen oder eine Endstufe ansteuert, kann die Weichen im Sub15 auch zur Filterung der Satellitensignale nutzen, die unter 80 Hz von Energie zehrenden Sub-Anteilen befreit werden.

Stolze 500 Watt RMS befeuern das XL-Chassis. Ungewöhnlich für einen Subwoofer dieser Bauart: Auch die Tiefton-Endstufen sind klassisch-analog in MOSFET-Technologie aufgebaut, während sich bei leistungsstärkeren Subs eigentlich Schaltendstufen durchgesetzt haben. Das erklärt auch den großen Kühlkörper auf dem Bedienfeld.

Das in Weiß oder Mattgrau erhältliche Gehäuse ist oben mit einer Glasplatte abgeschlossen, die Seitenwände sind aus Stabilitätsgründen leicht gerundet, was dem nicht eben kompakten Woofer aber auch einen optischen Hauch von Eleganz verleiht.

Der massige 15-Zöller (38 m) spielt Downfire, aber auf ein geschlossenes Gehäuse. Die relativ weiche Sicke weist ihn aber als typisches HiFi-Chassis aus.


Scotty, Energie!
Im Kontrast dazu stand der erste Höreindruck, bei dem die Tester mit Jeff Becks „Brush with the Blues“ ein alles andere als elegant klingendes Werk gewählt hatten. Ein dreckiger Blues mit Kellerclub-Atmosphäre und abgrundtiefen Bässen, die aber verhältnismäßig schwierig zu reproduzieren sind, weil das Klangbild gern ins Fett-Schwammige kippt.

Kein Hauch davon bei der zunächst solo spielenden BMPrime 6: Mit der Energie mehrerer Marshall-Türme schnellten die Gitarreneinwürfe in Richtung Hörer, knallhart und auf den Punkt spielte die Rhythmusgruppe, abgrundtief und schwarz gesellten sich die Tiefbässe dazu. Keine Spur von Altherrenblues, schleuderte die B&M mit der Direktheit eines höchstwertigen Hornlautsprechers jedes Detail dem Hörer entgegen, ganz wie man es von einem Konzert dieses Genres erwartet. Dieses unmittelbare Live-Gefühl mit dem Druck eines Rockkonzerts vermittelte die BMPrime auch bei eigentlich akustischen Aufnahmen wie Kari Bremnes „Norvegian Mood“, und stellte die Stimme sogar noch etwas energetischer in den Raum als gewohnt. Apropos Raum: Die richtige Tiefenstaffelung und ein holographisches Gefühl mit perfekt im Raum stehenden Stimmen stellte sich erst ein, nachdem der Hörabstand auf über 3,5 m gerückt worden war, andersfalls war das Gefühl der klanglichen Direktheit sogar ein wenig zu stark.

Waren die Bässe auf der Aufnahme tief und knackig, wie bei Extremes „III Sides“, fehlte es der Standbox sogar etwas an bewegender Luftmasse ganz unten. Auftritt des Sub15: Mit dessen Einbindung spielte die Prime nicht nur gelöster und etwas weniger energisch, sondern bekam auch bei gehobenen Pegeln genau das Kraft-Fundament, was ihrem Naturell entspricht.

Das Team spielte sich mit einer riesigen Darstellung durchs Repertoire und machte auch John Williams „Imperial March“ (Kunzel) zum Impuls- und Adrenalinschocker. Ein Set, das besonders Rock- und Pop-Fans die Musik so nah ans Live-Erlebnis bringt wie nur wenige.