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Aktivkette: Zukunftsmusik


Stereoplay - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 06.02.2020

Audiophile Aktivbox trifft vielseitiges Drahtlos-Konzept. Cantons Smart-Kette könnte die audiophile Welt mit Streaming, Mehrkanal und Wireless versöhnen. Dank ihres homogen-feinsinnigen Klangs.


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Bildquelle: Stereoplay, Ausgabe 3/2020

Geschichten von Überflieger-Produkten im Test, die die Redakteure noch nach Jahren als Beste ihrer Klasse weiterzuempfehlen pflegen, fangen meist mit zwei verschiedenen Szenarien an: Entweder sind die Vorschusslorbeeren bei den Testern schon vorher so hoch (und zudem berechtigt), dass bei der Anlieferung die halbe Redaktion vor Vorfreude Spalier steht, oder die Begeisterung zündet erst während des Testens und ...

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... nimmt dann nicht mehr ab.

Cantons neue Smart-Serie gehört eigentlich zur letzteren Kategorie, denn von außen unterscheiden sie sich nur wenig von ihren bekannten passiven Pendants, und mit den wirklich sinnvollen Funktionen gibt sich der Hersteller nach außen hin bescheiden. Doch bei der Kette aus der schlanken Standbox Smart Chrono SL 8 und dem brandneuen Vorverstärker-Hub Smart Connect 5.1 war trotzdem irgendwie alles anders. Neben einem mehr als erfolgreichen Hörtest sorgte auch das Ausprobieren der Praxis- und Anschluss- Features für kleine, anhaltende Begeisterungsstürme.


Die Smart Chrono stellt auch ohne Preamp eine vollwertige Anlage dar. Mit dem Connect kommen AV- und Surround-Funktionen ohne Ende hinzu.


Viel zu günstig

Wer die Ausstattungsliste des unauffälligen, aber schicken Vorverstärkers liest, fragt unweigerlich nach, ob der Preis von 500 Euro stimmt. Ja, er stimmt, obwohl es eigentlich gar nicht sein kann. Denn dieser Wireless-Stereo- Surround-Prozessor-Preamp-DSPStreamer- Hub kann so ziemlich alles, was man sich bei der Integration einer smarten Kette ins heimische Wohnzimmer ohne klotzige AV-Elektronik wünscht.

Dabei ist er zum hochwertigen Stereo- Musikhören der Connect zunächst nicht notwendig, denn die Aktivboxen selbst sind bereits mit den wichtigsten Funktionen einer aktiven All-in-Two- Anlage ausgestattet. Für viele wird dann auch die Möglichkeit, TV und Blu-ray-Player per HDMI anschließen zu können und das Signal verlustfrei drahtlos in HiRes-Qualität an die Boxen zu senden, auslösender Grund für den Kauf dieses kleinen Wunderkastens sein.

Dieser gibt sich in der Bedienung wie ein einfach strukturierter und mit sinnvollen Funktionen ausgestatteter Surround-Prozessor und dürfte AV-Fans vor keinerlei Bedienhürden stellen. Der geneigte AVR-Benutzer wundert sich allerdings, wie der Connect mit Formaten wie Dolby Atmos sowie DTSHD protzt und dennoch lediglich sechs analoge Ausgangskanäle auf der Rückseite bietet. Ganz einfach: Bis zu acht weitere Boxenkanäle lassen sich draht los ansteuern, was auch Subwoofer beinhaltet und für die Installation einer großen Heimkinoanlage in Wohnräumen völlig neue Möglichkeiten eröffnet. Unterschiedliche Latenzzeiten von drahtgebundenen und drahtlosen hauseigenen Aktivboxen werden dabei übrigens automatisch ebenso korrigiert wie die vorab vom Benutzer zu definierenden Hörabstände einzelner Boxen.

Die Anlage kann mit einem Connect angesteuert werden, muss aber nicht. Nur bei HDMI-Zuspielung oder echtem Surround ist das Pflicht.


Virtual eingebaut

In der Konstellation ist der Benutzer dabei völlig flexibel und kann die Anlage nach und nach mit weiteren Kanälen aufrüsten. Nicht vorhandene Lautsprecher können auf Wunsch durch sehr wirkungsvolle, offiziell von Dolby entwickelte Virtual-Algorithmen von den vorhandenen simuliert werden, wenn Fernseher oder Blu-ray-/DVDPlayer über einen der Digitaleingänge entsprechende Musiksignale liefern. Dabei betätigt sich der Smart Connect auch als Verteilzentrale für Bildsignale, kann er doch selbst modernste 4K- und HDR-Inhalte von bis zu drei Quellen auf den Fernseher oder Projektor umleiten und die ARC-Pegelregelung nutzen.

Doch mit der Mehrkanal/AVWelt erschöpfen sich die potenziellen Musikquellen für den kleinen Connect noch lange nicht. Neben einer simplen Bluetooth- 4.0-Zuspielung ist die Google-eigene Chromecast- Zuspielung das erste Mittel der Wahl, können hierüber doch zahlreiche Streamingdienste und andere netzwerkbasierte Zuspielmöglichkeiten in einer Multiroom-Umgebung genutzt werden. Das Spotify-Connect- Logo prangt stellvertretend für diesen wohl verbreitetsten Streaming- Dienst auf der Rückseite des kleinen Verstärkers.

Einfach einzurichten

Ein Touchpanel auf der gläsernen Oberseite steuert dabei die wichtigsten Funktionen, die Einrichtung gelingt jedoch über die mitgelieferte Fernbedienung und den Anschluss eines Bildschirms noch einfacher, denn viele Konfigurationsmöglichkeiten wie das Speakermanagement und die parametrischen EQ-Funktionen können dann doch komplex werden.

Die Synchronisation mit den Smart Chrono SL 8 – oder jeden beliebigen anderen Aktivboxen einer Smart-Serie von Canton – ist das übrigens nicht. Im Test gelang die drahtlose Kontaktaufnahme zwischen Hub und Lautsprecher in Sekundenschnelle, ebenso einfach war die Zuweisung des richtigen Kanals erledigt. Cantons eigenes Drahtlos- Protokoll erlaubt dabei bis zu acht Lautsprecher von einem Connect aus anzusteuern, und das in einer vollen HiRes-Auflösung von 96/24 ohne Datenreduktion. Eventuelle Latenzzeiten, also Verzögerungen durch die Übertragung, korrigiert der Connect mit seinem eingebauten Digitalen Signalprozessor übrigens automatisch.

Die Chrono-SL-Box mit matter Oberfläche und schlankem Gehäuse erschien uns wie ein optimaler Partner zum leistungsstarken, aber kleinen Vorverstärker. Ihre vier Chassis auf der Schallwand sind in echter 3-Wege-Technik beschaltet, wobei eine volldigitale DSPWeiche die aktive Trennungen bei 160 und 3100 Hz übernimmt. Der Mitteltöner, hier das mit 16 cm Korbdurchmesser kleinste Exemplar von Canton mit tiefgezogener Titan- Membran in deutlich gekrümmter TCC-Form (Triple Curved Cone), übernimmt also fast den gesamten Frequenzbereich der Grundtöne und Formanten (harmonische Obertöne), was laut Chefentwickler Frank Göbl der Homogenität und Raumgenauigkeit zugutekommen soll. Die beiden ebenfalls Titan-geladenen Tieftöner desselben Durchmessers konzentrieren sich auf Tief- und Kickbass und müssen dabei ordentlich Hub vollführen, denn das im Sockel eingelassene Reflexrohr entlastet sie lediglich unterhalb von 55 Hz. Eine eigene Endstufe mit allein 120 Watt steht jedem der beiden Tieftöner zur Verfügung.

Audiophile Tugenden

Der Einzoll-Hochtöner kommt mit einer aus den hochwertigen Canton-Serien bekannten Alu- Keramik-Membran daher. Hier kommt es auch weniger auf Leistung als auf klirrarme, gleichmäßige Schallabstrahlung an, wofür eine Kombination aus flacher Membran, sich schnell öffnender Schallführung und vorgesetzter Verteilerlinse sorgen soll, die nicht nur den Abstrahlwinkel über die verschiedenen Frequenzen harmonisiert und an den des Mitteltöners anpasst, sondern zugleich die Effektivität des ganzen Konstrukts steigert.

Das Reflexrohr sitzt unten und spielt kontrolliert auf einen Spalt auf den Sockelbode.


Wie bei Cantons 3-Wegerichen üblich, sitzt der Hoch- dabei unter dem Mitteltöner, um die vertikalen Winkel der annähernd optimalen Schalladdition sitzenden wie stehenden Zuhörern nutzbar zu machen anstatt sie auf den Boden richten zu lassen.

Einfach Musik genießen

So unkompliziert in Einrichtung und Bedienung, so unprätentiös präsentierte sich die Chrono SL auch im Hörraum. Bei einigen Atmos-Demos mit Dolbys bekannten Testscheiben, die Cantons Mastermind zur Demonstration der Virtual-Funktionen mitgebracht hatte, beeindruckte die schmale Box bereits mit einem sauber tiefem Fundament und einer exzellenten Durchhörbarkeit, wies aber auch trotz aller leicht phasig erscheinenden Effektheischerei solcher Clips einer sauberen Frontprojektion die Führungsrolle zu und erzeugte ein weites, tiefes und stabiles Panorama im Frontbereich.

An diese Marschrichtung hielt sie sich auch bei Musik: John Williams ikonographischer „Imperial March“ aus „Star Wars“ (Kunzel, telarc) ertönte mit weiträumiger Homogenität eher in Konzertsaaldenn in Kinoatmosphäre, und verführte mit klarer Transparenz und flirrender Dynamik die Zuhörer in die zahlreichen rhythmischen Kabinettstückchen dieser Tracks. Der effektmäßig hämmernde Einsatz der Pauken in diesem Stück ist ein Lackmustest für den Basscharakter jeder Box: Schnell verlieren die Schläge an dynamischer Durchschlagkraft bei einem zu schlanken Bass, schnell wummern sie zu erdbebenartigem Brei bei zu viel Tiefton auf. Nicht so bei der Canton, wo der treibende Rhythmus des Stücks eine wahre Freude war und blieb.

Einen analogen und sieben digitale Eingänge bietet der Connect, darunter drei HDMI. Bis zu sechs Boxen können per analogem Cinch klassisch angesteuert werden.


Von Ernst bis Spaß

So transparenz und unprätentiös die Chrono SL in den Höhen spielte, so viel Spaß konnte sie aber auch aus den vier Tönern pro Seite mobilisieren: Extremes „III Sides to every Story“ hämmerte einen funkig-rockigen Rhythmus in den Hörraum, und die singend-synkopierten Gitarrenriffs von Saitenzauberer Bettencourt standen wie eine Bank im Raum, ohne ihren harmonisch- schwebenden Charakter einzubüßen. Dazu eine äußerst klare und schön in angemessener Distanz projizierte Stimme – hier stimmte einfach alles.

Netzteil, DSP-Elektronik und drei Endstufen auf minimalstem Raum vereint.


Von diesem Grundcharakter ließ die Canton auch nicht mehr ab, als diverse Musikrichtungen ihr zugestreamt wurden und die Tester sich wieder mehr den Einstellmöglichkeiten des AVPreamps widmeten. Lediglich bei extremen Bassmassen, wie etwa Stanley Clarkes „Justice Grooves“ hätte man sich etwas mehr Kontur bei sehr hohen Pegeln gewünscht. Von Streichquartett bis audiophilem Jazz – die Canton traf immer den richtigen Ton und musizierte mit Verve und stimmiger Tonalität, ohne aber je zu langweilen. Wir waren ergriffene Zeuge – von nichts weniger als dem Anlagenkonzept der Zukunft mit maximaler Flexibilität.

Im Betrieb ohne Connect stehen an der Box mehrere Eingänge zur Verfügung, darunter ein symmetrischer XLR-Eingang und ein koaxialer S/PDIF, der auch das Durchschleifen von Signalen zur anderen Box erlaubt.