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Aktuell


Antike Welt - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 20.09.2019
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Probennahme eines Er - ratischen Blocks, der von einem Gletscher auf dem Sanetti Plateau abgelagert wurde. Die Probe wurde anschließend im Labor analysiert und datiert, um den Zeitpunkt des Gletschervorstoßes zu rekonstruieren (Foto A.R. Groos).


ÄTHIOPIEN

ENTDECKUNG DER BISHER ÄLTESTEN BEKANNTEN HOCHGEBIRGSSIEDLUNG

Die Bale Mountains im Nordosten Afrikas gelten als naturnah, sie sollen nach gängiger Auffassung erst in jüngster Zeit besiedelt worden sein. Neue Untersuchungen zeigen nun jedoch, dass Jäger schon während der letzten Kaltzeit vor rund 40 000 Jahren dauerhaft in diesem Gebiet siedelten.

In einem Felsunterstand auf einer Höhe von fast 3500 m fanden sich u. a. steinzeitliche Knochen- und Holzkohlenreste. Die Datierung der Funde weist auf eine wiederholte Besiedlung des Unterstands vor 47 000 bis 31 000 Jahren hin. Eine dauerhafte und intensive Besiedlung in solcher Höhe sei weltweit bislang nicht belegt worden.

Die beteiligten Berner Forscher Alexander Groos, Prof. Heinz Veit und Dr. Naki Akçar rekonstruierten die steinzeitlichen Umwelt- und Klimabedingungen in der Nähe der Fundstelle. Anders als heute sei das äthiopische Hochland während der letzten Eiszeit intensiv vergletschert gewesen. Gesteins proben von Moränen aus mehreren Tälern der Bale Mountains wurden analysiert, um den Zeitpunkt der verschiedenen Vergletscherungsphasen genau zu bestimmen. Demnach siedelten die Menschen um 40 000 v. Chr. unweit der Gletscher.

Die Forschenden untersuchten auch, wie die Menschen während der letzten Kaltzeit mit den Bedingungen umgingen und ihren Lebensraum gestalteten. Das Team identifizierte auf 4200 m Höhe fünf Stellen, an denen Obsidian gewonnen wurde, um daraus scharfkantiges Werkzeug herzustellen. In der Umgebung fanden die Forscherinnen und Forscher zahlreiche Steinartefakte, die von Menschen bearbeitet wurden und den Abbau von Obsidian zusätzlich belegen.

Eine weitere wichtige Ressource für die steinzeitlichen Jäger war die Riesenmaulwurfsratte, die als Nahrung diente. Sie kommt nur in den Bale Mountains vor und konnte ganzjährig gejagt werden. Die im Rahmen der interdisziplinären Zusammenarbeit gewonnenen Erkenntnisse belegen, dass die steinzeitlichen Jäger die verfügbaren Ressourcen intelligent nutzten und sich bzw. ihr Verhalten dem Hochgebirgsraum anpassten.

Nach einer Pressemitteilung der Universität Basel

GROSSBRITANNIEN

FRAGMENT EINER SELTENEN GLASFLASCHE IN GLOUCESTERSHIRE GEFUNDEN

Vor zwei Jahren hatte ein britischer Archäologiestudent der University of York bei Grabungen im Nordflügel der römischen Villa von Chedworth in Gloucestershire ein seltenes Glasfragment gefunden. Erst jetzt gelang mithilfe einer Flasche in einem New Yorker Museum die endgültige Zuordnung des Stücks zu einem Flaschentypus. Der Fund veranschaulicht den Reichtum der Villa.

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Fragment und Rekonstruktion der fischförmigen Flasche desselben Typs (Foto National Trust / Rod Kirkpatrick).


Laut der Grabungsleiterin Nancy Grace handelt es sich bei dem Fragment um einen Teil einer etwa 20 cm langen fischförmigen Flasche aus blaugrünem Glas, das mit weißen und gelben Schleifen verziert wurde. Die kunstvoll gestaltete Flasche diente möglicherweise der Aufbewahrung von Parfum. Mehrere Experten untersuchten zwei Jahre lang das Fragment aus Chedworth, um es einem bestimmten Flaschentyp zuzuordnen. Schließlich wurden sie im Corning Museum of Glass in New York fündig, wo sich eine restaurierte Glasflasche in Form eines Fisches befindet, die das gleiche Verzierungsmuster wie das gefundene Fragment besitzt. Das gefundene Fragment dürfte aus dem Bereich der Schwanzflosse stammen. Das geöffnete Maul des Fisches war wahrscheinlich die Öffnung der Flasche.

Es ist nur ein weiteres antikes Exemplar einer solchen fischförmigen Flasche bekannt; dies wurde in einem Grab des 2. Jhs. n. Chr. auf der Krim gefunden. Die Archäologen der University of York schließen daraus, dass auch die englische Flasche aus dem Schwarzmeergebiet stammt. Dass die Flasche also vom anderen Ende des Römischen Reichs nach Britannien gekommen sei, verdeutliche zusammen mit dem vermuteten Inhalt der Flasche den Reichtum der Besitzer der Villa von Chedworth – ein Eindruck, den auch weitere Funde aus der Villa bestätigen.

Nach einer Pressemitteilung der University of York

AUTONOME REGION KURDISTAN IM IRAK

PALAST AUS DER ZEIT DES MITTANI-REICHS

Deutsche und kurdische Archäologen haben in Kemune am Ostufer des Tigris in der Autonomen Region Kurdistan im Irak einen Palast aus der Zeit des Mittani- Reiches entdeckt, das im 15. und 14. Jh. v. Chr. weite Teile Nordmesopotamiens und Syriens beherrschte. Die im Palast entdeckten Keilschrifttafeln könnten neue Informationen über Politik, Wirtschaft und Geschichte dieses Reiches liefern.

Im Herbst 2018 brachte der sinkende Pegel des Mosul-Stausees unerwartet Überreste einer antiken Stadtanlage zum Vorschein. Dort wurde jetzt eine Rettungsgrabung durch die Universität Tübingen, die Kurdistan Archaeology Organization (KAO) und die Antikendirektion Duhok vorgenommen.

Das ausgegrabene Gebäude hat bis zu 2 m dicke Innenmauern aus Lehmziegeln und verputzte Wände. Die gefundenen Wandmalereien deuten an, dass es sich bei dem Gebäude um einen Palast handelt. Aufgrund der zumeist schlechten Erhaltung von Wandmalereien kann der Fund von Kemune als eine archäologische Sensation gelten.

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Blick auf den Palast von Kemune, Drohnenaufnahme von West (Foto Universität Tübingen, eScience Center).


Die Überreste des Palastes sind mindestens 7 m hoch erhalten. Es wurden zehn Keilschrifttafeln aus Ton entdeckt, die momentan ausgewertet werden. Der Inhalt einer Tafel deutet darauf hin, dass es sich wohl um die alte Stadt Zachiku handelt, die in einer Quelle der Mittleren Bronzezeit (ca. 1800 v. Chr.) genannt ist. Dies würde bedeuten, dass die Stadt mindestens 400 Jahre bestanden hat.

Der Palast stand auf einer Anhöhe am Rand des Flusstales, die nur 20 m vom Ostufer des Tigris entfernt lag. Um das Gelände zum Fluss hin abzustützen, wurde eine monumentale Terrassenmauer aus Lehmziegeln angelegt. Der Palast thronte also über dem Fluss. In nördlicher Richtung dürfte sich eine größere Stadt an den Palast angeschlossen haben.

Das Mittani-Reich ist eines der am wenigsten erforschten altorientalischen Reiche, bisher gelang nicht einmal die Lokalisierung seiner Hauptstadt. Die Entdeckung eines mittanischen Palastes in Kemune ist deshalb von unschätzbarer wissenschaftlicher Bedeutung.

Nach einer Pressemitteilung der Universität Tübingen

GRIECHENLAND

SCHIFFSWRACKS IN DER SÜDLICHEN ÄGÄIS

Vor der kleinen griechischen Insel Levitha (in der Antike Lebinthos), Teil einer kleinen Inselgruppe zwischen den Kykladen und der Dodekanes, wurden von Forscherinnen und Forschern der Ephorie für Unterwasserarchäologie in der diesjährigen ersten Kampagne eines dreijährigen Projekts mehrere Schiffswracks und Teile der Ladung weiterer Schiffe gefunden.

Die Schiffe datieren in einen Zeitraum vom 3. Jh. v. Chr. bis in die Spätantike. Es wurde aber auch ein seltener, 400 kg schwerer Steinanker (Granit) aus archaischer Zeit (6. Jh. v. Chr.) geborgen (Abb. 1), der auf ein für diese Zeitstellung außergewöhnlich großes Schiff schließen lässt.

Die Schiffe transportierten Amphoren verschiedener Herkunft: Ein Frachter aus dem 3. Jh. v. Chr. hatte Amphoren aus der Ägäis an Bord (Knidos, Kos und Rhodos), drei Schiffe aus der Zeit vom 2./1. Jh. v. Chr. und aus dem 2. Jh. n. Chr. führten koische und pseudo-koische Amphoren, ein Schiff aus dem 1. Jh. v. Chr. Amphoren aus der Nord-Ägäis und ein Frachter aus dem 1. Jh. n. Chr. rhodische Amphoren (Abb. 2).

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Abb. 1 Bergung des gewaltigen Steinankers aus archaischer Zeit.


Nach Pressemitteilung des Kultusministeriums Griechenlands

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Abb. 2 Dokumentation der Amphoren eines Wracks vor Levitha.


Fotos: Εφορεία Εναλίων Αρχαιοτήτων.

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