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AKTUELL Geständnis: Manipuliert, entfremdet, ausgenommen: In den Fängen einer Sekte


Lea - epaper ⋅ Ausgabe 41/2018 vom 02.10.2018

Als junge Frau war die Moderatorin knapp fünf Jahre lang den „Kriegern des Lichts“ hörig und lebte ein völlig fremdbestimmtes Leben. In einem Buch hat sie diese Zeit aufgearbeitet


Artikelbild für den Artikel "AKTUELL Geständnis: Manipuliert, entfremdet, ausgenommen: In den Fängen einer Sekte" aus der Ausgabe 41/2018 von Lea. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Lea, Ausgabe 41/2018

Vorn: die Sektenführerin mit ihrem Partner. Michelle fühlte sich von ihr geliebt – das zog sie in den Bann der Frau


Strahlend und immer gut gelaunt: So kennen Millionen Fernsehzuschauer die Schweizer Moderatorin Michelle Hunziker. Kaum jemand weiß, dass sie jahrelang von einer Sekte abhängig war, die sie systematisch ausnutzte.

Ihre unglaubliche Geschichte beginnt im Jahr 2000, Michelle ist 23 Jahre alt und verliebt in Eros ...

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... Ramazzotti, ihren Ehemann und Vater ihrer fast vierjährigen Tochter Aurora. Das Paar lebt nahe Mailand, alles ist perfekt. Bis Eros kurz vor einem großen Konzert an Halsschmerzen leidet und ein Freund ihm zur Behandlung bei einer Heilerin namens Clelia rät. So lernt auch Michelle sie kennen. Clelia hat eine magnetische Ausstrahlung auf sie und widmet sich bald auch ihr. Voll und ganz. „Sie rief mich sechs Mal am Tag an, um sich zu erkundigen, wie es mir ging.“

Die Schweizerin, die schon als Jugendliche oft unter der Angst litt, dass niemand sie wirklich liebt, bekommt genau, was ihr fehlt. Sie fühlt sich wichtig und verstanden. Clelia heilt auch ihren Haarausfall und repariert mit ihrer Energie scheinbar ihr Verhältnis zu ihrem alkoholkranken Vater. Als dann auch noch ihre TV-Karriere Fahrt aufnimmt, glaubt Michelle: Clelia hat eine übersinnliche Gabe. Eine, ohne die sie nicht leben kann.

Bald beginnt die totale Manipulation. Clelia redet ihr hartnäckig ein, dass ihre Mutter sie nicht liebt. Auch Eros ist der Sektenführerin ein Dorn im Auge. Über ihn behauptet sie, er sei der Antichrist und habe für Michelle ebenfalls nichts übrig. Einzig sie, Clelia, liebe sie wirklich. Es gelingt der Anführerin, sie sowohl von ihrer Mutter als auch von Eros zu entfremden. Clelias Sohn kontrolliert Michelles Telefon, sodass ihre Mutter sie nicht mehr erreichen kann. Sie bricht den Kontakt zu ihr bald völlig ab. Auch die Beziehung zu Eros scheitert, nachdem Clelia fortwährend Keile zwischen das Paar treibt. Der TV-Star leidet furchtbar. Michelle liebt ihren Ehemann sehr.


Wenn sie die Regeln bricht, wird sie zur Strafe völlig isoliert


Bald hat sie keine Freunde mehr außerhalb der Gruppe rund um Clelia, die sich „Krieger des Lichts“ nennt und vermeintlich mit höheren Mächten kommuniziert. Eine solche Macht legt fest: Michelle soll eine Firma für die Gruppe gründen und mit ihrem Vermögen dafür einstehen. Sie tut es, weil sie glaubt, Teil eines gottgewollten Plans und ohne Clelia nichts wert zu sein.

Im Alltag gelten strenge Regeln. Sie muss helle Kleidung tragen und hauptsächlich Hülsenfrüchte und Getreide essen, um rein zu bleiben. Und: Sie darf nicht um Eros trauern. Bei Verstößen wird ihr der Kontakt zur „Meisterin“ und den anderen wochenlang verwehrt. Clelia, die die Gruppe nun mit ihrem machtbesessenen Partner Emanuele leitet, spielt sich als Messias auf. Eines Tages führt sie an einem Mitglied einen gruseligen Exorzismus durch. Da bekommt Michelle zum ersten Mal Angst vor ihr.

Doch erst ihrer Pressesprecherin gelingt es, ihr endlich die Augen zu öffnen. Sie berichtet Michelle, man habe sie instruiert, sie zu manipulieren. Auch aus Sorge um Tochter Aurora schafft sie nach knapp fünf Jahren dann endlich den Absprung.

Inzwischen ist die Moderatorin wieder glücklich. Zu ihrer Mutter hat sie ein gutes Verhältnis, mit ihrem Ehemann, dem Unternehmer Tomaso Trussardi, hat sie zwei weitere Töchter, Sole (4) und Celeste (3), bekommen. Michelle ist angekommen. Über die Zeit in der Sekte sagt sie: „Ich bin dankbar für all die Male, die ich gestürzt bin, denn sonst würde ich immer noch am falschen Ort nach Liebe suchen.“

UNSER BUCH-TIPP:

„Ein scheinbar perfektes Leben: Wie ich aus Liebe zu meiner Tochter den Fängen der Sekte entkam“.
20 Euro. Bastei Lübbe


FAMILIENBANDE – FRÜHER UND HEUTE

Tochter Aurora ist heute 21 Jahre alt. Für sie schaffte Michelle 2005 den Absprung


1998: Glücklich mit Eros Ramazzotti (54)


Obwohl die Moderatorin ihren ersten Ehemann und Vater ihrer Tochter Aurora, Sänger Eros Ramazzotti, sehr liebte, hielt sie an der Sekte fest und nahm die Trennung in Kauf. Darunter hat sie sehr lange gelitten.

2018: Michelle mit Aurora (21) und Freund Goffredo Cerza (24), den Töchtern Sole (4) und Celeste (3) sowie Ehemann Tomaso (35)


Michelle Hunziker blickt zurück: Ohne das Erlebte wäre sie nicht der Mensch, der sie heute ist, sagt die Moderatorin


Das Experten-Interview

Christiane Dietrich
Diplom-Pädagogin bei der Leitstelle für Sektenfragen im Land Berlin
www.berlin.de/sen/jugend/ familie-und-kinder/leitstellefuer- sektenfragen/


Unter welchen Umständen geraten die meisten Menschen in die Fänge solcher Gruppierungen?
„Meist befinden sie sich in belastenden Lebenssituationen. Orientierungslosigkeit, Einsamkeit, der Wunsch nach Erfolg, einschneidende Ereignisse, Krisen oder Verluste machen sie empfänglich für gewisse Versprechen und Lebensdeutungen.“

Wie gehen Sekten vor, um neue Anhänger zu gewinnen? Wie binden sie sie so lange an sich?
„Indem sie auf deren Bedürfnisse eingehen. Vereinfacht gesagt: Orientierungslosen bieten sie klare, verbindliche Antworten, Einsamen Geborgenheit. Sie umwerben potenzielle Anhänger und versprechen, ihr Problem zu lösen. Sie schaffen neue Werte und Überzeugungen, indem sie zum Beispiel Geschehnisse umdeuten. Neue Mitglieder fühlen sich begehrt, glauben gar, errettet oder auserwählt zu sein. Man erklärt ihnen, warum es zum Beispiel wichtig ist, Kontakte zu kritischen Freunden oder der Familie abzubrechen, bis die Mitglieder Störgefühle auch selbst ausschalten. Und: Wenn alle in der Gruppe dasselbe sagen und tun, ist der Druck, sich anzupassen, immens hoch.“

Welche Veränderungen bekommt das Umfeld mit, und was können Freunde und Angehörige tun?
„Nach anfänglichem Interesse sprechen viele Betroffene irgendwann nur noch über das Thema, wollen andere überzeugen und investieren Geld und ihre gesamte Freizeit in die Gruppe. Sie ändern ihre Sprache, Kleidung, manchmal sogar ihren Namen. Oft interpretieren sie jede Frage und jede Kritik als Angriff. Für das Umfeld ist wichtig: Halten Sie sich mit Sektenvorwürfen zurück. Die würden einen Kontaktabbruch beschleunigen. Es ist besser, die Verbindung zu erhalten, um gegebenenfalls einen späteren Ausstieg zu unterstützen. Machen Sie der betroffenen Person klar, wie wichtig sie Ihnen ist. Versuchen Sie, ihre Gründe für die Neuorientierung zu erfragen: Was sucht und braucht sie? Hierbei kann eine Beratungsstelle helfen.“

Angenommen, jemand möchte eine solche Gruppe verlassen. Wie gelingt der Ausstieg?
„Das größte Problem ist, psychisch wieder Stabilität zu finden. Hier ist eine psychotherapeutische und soziale Beratung empfehlenswert. Zur Verarbeitung und zum besseren Verstehen bietet es sich an, aktiv den Austausch in einer Selbsthilfegruppe mit anderen Ausgestiegenen zu suchen.“

Hilfreiche Adressen und Tipps:

• Dieser Verein informiert und hilft beim Ausstieg.
Netzwerk Sektenausstieg e. V.: www.sektenausstieg.net

• Auch hier gibt es Beratung und Informationen.
Sekten-Info NRW e. V.: www.sekten-info-nrw.de

• Buchtipp: Erfahrungsbericht eines Aussteigers.
Kürzlich erschienen: „Jehovas Gefängnis“ von Oliver Wolschke. 19,99 Euro. Riva


Fotos: Lübbe, Leitstelle für Sektenfragen im Land Berlin, picture-alliance/dpa (2), Splash News, Instagramm/therealhunzigram (2)