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AKTUELL Hautnah: Ein Stalker machte Amanda (36) das Leben zur Hölle: 5 Jahre Todesangst!


Lea - epaper ⋅ Ausgabe 31/2018 vom 25.07.2018

Was als harmlose Romanze beginnt, endet als Albtraum. Amandas Ex-Freund entpuppt sich als Tyrann. Er bedroht sie und stellt ihr nach


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Bildquelle: Lea, Ausgabe 31/2018

In den schlimmsten Phasen schickte Carsten Amanda bis zu 50 SMS am Tag. Er drohte ihr und beleidigte sie


@Das Monster begegnet Amanda in ihrer Stammbar. Zwischen einem Schluck Weißwein und „Lay all your love on me“ von ABBA spricht Carsten sie das erste Mal an. „Er erzählte mir, dass ich ihm schon öfter aufgefallen sei.“ Der blonde Mann gibt sich charmant. Amanda ist schon eine ganze Weile Single und fühlt sich sehr geschmeichelt. In den nächsten Wochen treffen sie sich regelmäßig. Carsten überschüttet sie mit Geschenken und Komplimenten. Amanda schwebt im siebten Himmel. Es stört sie anfangs nicht sonderlich, dass Carsten ihr rund um die Uhr SMS schickt. Er möchte wissen, wie ihr Tag war, wen sie getroffen hat und was sie heute noch macht. „Zu dem Zeitpunkt fand ich es toll, so viel Aufmerksamkeit zu bekommen.“

Doch nach einigen Wochen geht ihr Carstens Kontrolle gegen den Strich. Er ist eifersüchtig, wenn sie sich mit ...

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... Freundinnen trifft und wird aggressiv, wenn Amanda nicht sofort auf Nachrichten reagiert. Im nächsten Moment ist er plötzlich wieder der charmante Gentleman und entschuldigt sich für seine Ausraster mit teuren Restaurantbesuchen. Die Situation eskaliert jedoch, als Amanda gegen Carstens Willen auf den Junggesellenabschied von einer Freundin geht. Als sie spätnachts von der Feier nach Hause kommt, lauert er ihr auf. Er nennt sie eine Hure, wird handgreiflich. Erst als Amanda um Hilfe schreit, lässt er von ihr ab. „Er drohte mir, dass ich für meinen Verrat noch büßen werde.“


„Er stand plötzlich vor meiner Haustür und ging auf mich los“


Zwei Tage vergehen, ohne dass Carsten sich meldet. Dann steht morgens ein riesiger Strauß roter Rosen auf ihrem Schreibtisch im Büro. Dazu ein Brief, in dem er sich entschuldigt und Amanda erklärt, dass sie die Liebe seines Lebens ist. Ob sie ihm noch eine Chance geben kann? Amanda schreibt ihm eine SMS. Sie will die Beziehung sofort beenden. „Damit begann der eigentliche Terror.“ Fortan schickt Carsten ihr rund um die Uhr wüste Beschimpfungen und Drohungen aufs Smartphone per E-Mail und über Facebook. „Wenn du nicht zu mir zurückkommst, bringe ich dich um, du Miststück.“ Permanent ruft er sie an. Bis zu 40 Mal an manchen Tagen. Amanda wechselt ihre Nummer, löscht ihren E-Mail- und auch ihren Facebook-Account. Doch das scheint Carsten nur noch weiter anzustacheln. Mehrmals fängt er sie nach Feierabend auf dem Nachhauseweg ab und versucht, sie zur Rede zu stellen. Dazu lässt er ihr noch Drohbriefe zukommen. „Ich habe kein Auge mehr zugemacht und tagsüber immer die Rollläden unten gelassen.“

Amanda fühlt sich ständig beobachtet und fürchtet, dass der Stalker ihr auflauert


Amanda ist unter Dauerstrom und kapselt sich immer mehr von ihrem sozialen Umfeld ab. Sie fühlt sich hilflos. Schließlich vertraut sie sich doch einer Freundin an und gemeinsam erstatten sie Anzeige bei der Polizei. „Das war ein schwerer Schritt für mich. Ich habe mich so geschämt, ein Opfer geworden zu sein.“ Außerdem erwirkt sie eine einstweilige Verfügung gegen Carsten. Eine Weile hat Amanda endlich Ruhe, doch dann geht der Terror erneut los, dieses Mal in anderer Form. Nachts klingelt es jetzt häufig bei ihr Sturm oder Steine knallen gegen ihre Fenster. Im Briefkasten findet sie immer wieder Müll und Glasscherben. Amanda ist sich sicher, dass Carsten sich auf diese Weise an ihr rächen will.


„Anrufe, Drohbriefe, Glasscherben – die Angst begleitet mich ständig“


Zeit wird Carsten mit einem Bußgeld bestraft. Doch selbst dann hören die nächtlichen Besuche nicht auf. Amanda ist nervlich völlig am Ende. Nach Jahren in Angst sieht sie keinen anderen Ausweg mehr: Sie gibt ihren geliebten Job auf und zieht vorerst zu einer Freundin in eine andere Stadt. Dort beginnt sie eine Therapie. Aktuell herrscht Ruhe. Doch die Angst bleibt.

Prominente Betroffene

Sandra Bullock (53)

Für die Schauspielern wurde der Albtraum einer jeden Frau Wirklichkeit: 2014 bricht ein Fremder nachts in ihr Haus ein. Sandra kann sich in einem Schrank verstecken und den Notruf wählen. Der psychisch gestörte Mann kommt für ein Jahr in eine Nervenklinik. Kürzlich hat er sich in einer Auseinandersetzung mit der Polizei das Leben genommen.

Gwyneth Paltrow (45)

1999 geht es los: Ein Stalker schickt der Schauspielerin Briefe, Pornos und Sexspielzeug. Sie zieht 2000 gegen ihn vor Gericht, und er wird verurteilt. Aber schon kurz nach seiner Entlassung schickt er weitere Briefe an die Schauspielerin. 2016 sagt Gwyneth erneut gegen ihn aus – dieses Mal erfolglos. Jetzt hat sie sich zu ihrem Schutz einen Kampfhund zugelegt.

Harald Schmidt (60)

Zehn Jahre lang beleidigt und bedroht ein Stalker den Entertainer und seine Familie. Der Mann ist fest davon überzeugt, 1998 um einen Gewinn bei der TV-Show „Schmidteinander“ betrogen worden zu sein. Immer wieder schleicht er ums Haus herum und lauert dem TV-Star auf der Straße auf. Der Stalker kommt für unbestimmte Zeit in eine Nervenklinik.

Brooke Shields (53)

Der Star aus dem Film „Die blaue Lagune“ wurde mehr als 30 Jahre lang belästigt. Der Stalker schreibt Briefe, taucht wie zufällig auf Events auf, die sie besucht. Er parkt stundenlang vor ihrem Haus, schickt ihr ein Foto ihrer verstorbenen Mutter und einen Karton mit Kuscheltieren. Sie geht vor Gericht. Das Urteil ist ernüchternd mild: 60 Tage Gefängnis.

TIPPS UND INFOS ZUM THEMA: Belästigung: Wie wehre ich mich gegen einen Stalker?

Jürgen Schulz
Kriminalhauptkommissar und Außenstellenleiter vom Weißen Ring in Rotenburg Wümme


Wie gehe ich mit der Dauerbelästigung um?
„Wichtig ist, dem Stalker sofort und unmissverständlich klar zu machen, dass jetzt und in Zukunft keinerlei Kontakt mehr gewünscht ist. Lassen Sie sich auf keine weiteren Diskussionen ein. Informieren Sie umgehend Ihr Umfeld über das Stalking. Beistand und Hilfe bieten etwa Opferorganisationen wie der Weiße Ring.“

Welche rechtlichen Möglichkeiten habe ich?
„Führen Sie ein Stalking-Tagebuch, in dem Sie alle Nachrichten, Besuche, Geschenke und Anrufe mit Datum und Uhrzeit dokumentieren. Suchen Sie sich Freunde und Bekannte, die die Handlungen auch vor Gericht bestätigen können. Neben der Erstattung einer Strafanzeige bei der Polizei haben Sie die Möglichkeit, eine einstweilige Verfügung zu beantragen. Sie verbietet dem Täter, sich Ihnen bis auf eine bestimmte Entfernung zu nähern. Verstöße können mit hohen Bußgeldern bestraft werden.“

Wie bewältige ich die psychische Belastung?
„Sie sollten sich Freunden und Verwandten mitteilen und auch die Unterstützung durch einen Psychiater oder eine Opferhilfsorganisation in Betracht ziehen. Im vergangenen Jahr haben sich 630 Stalking-Opfer an den Weißen Ring gewandt. Die ehrenamtlichen Hilfeleistungen wie Trost, Beistand, Begleitung zu Gerichtsterminen und Zeugenvernehmungen bei der Polizei sind ein wichtiger Bestandteil der psychischen Aufarbeitung der Opferrolle. Neben den 420 Außenstellen des Weißen Rings bietet der Verein auch ein bundesweites und kostenloses Opfer-Telefon unter der Rufnummer 11 60 06 an.“

Was bringt die Änderung des Stalker-Gesetzes?
„Im neuen Gesetz, §238 StGB, reicht es, wenn die Stalking-Handlungen theoretisch geeignet sind, um beim Opfer etwa Depressionen auszulösen oder es zum Umzug zu zwingen. Vorher mussten tatsächliche Nachweise beim Gericht vorliegen. Allerdings bleibt der Gesetzestext in einigen Formulierungen nach wie vor recht schwammig. In vielen Fällen liegen Handlungen in einem Graubereich zwischen legalem und strafbarem Handeln. Bei der Beurteilung der Straftat kommt es immer auf den konkreten Einzelfall an. Eine Art ,Katalog‘ wäre hier sehr hilfreich.“


Fotos: Archiv, doc-stock, Getty Images (3), Intertopics, picture-alliance/dpa, Harald Richardt. Szene nachgestellt, Namen zum Schutz der Betroffenen geändert