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AKTUELL Hautnah: Ein Wunder namens Marley


Lea - epaper ⋅ Ausgabe 12/2020 vom 11.03.2020

„Sie werden nie wieder laufen können”, sagten die Ärzte. Doch Kerstin bewies allen, dass es doch geht. Das verdankt sie ihrer Disziplin – und ihrem Vierbeiner


Artikelbild für den Artikel "AKTUELL Hautnah: Ein Wunder namens Marley" aus der Ausgabe 12/2020 von Lea. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Lea, Ausgabe 12/2020

Liebe auf den ersten Blick: Der herzkranke Australian-Shepherd- Mix Marley und Kerstin waren sofort ein Herz und eine Seele


Ihr Hund half Kerstin (54) zurück ins Leben

D as Wort „nie” gibt es für Kerstin Emming nicht mehr. Die blonde Friseurin aus dem westfälischen Gronau hat es gestrichen. Sie weiß: „Es lohnt sich immer, zu kämpfen.”

Kerstins Leidensweg beginnt 1998. Damals ist sie glücklich verheiratet, lebt in einem hübschen Haus und ist stolz auf ...

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... ihre Kinder, Sohn Julian (heute 28) und Tochter Angelina (heute 26). Aber dann wird bei dem auffallend stillen Mädchen ein Chromosom-Defekt festgestellt: Die damals Vierjährige ist geistig und körperlich schwer behindert – ein Schock. Man rät der Familie zu einem Pflegeheim, aber das kommt für Kerstin nicht infrage.

Sie gibt ihren Job auf und richtet ihr Leben nach Angelinas Bedürfnissen aus. Ihrem Mann wird alles zu viel – als Angelina fünf ist, zieht er aus. Nun ist Kerstin alleinerziehend mit zwei Kindern. „Ich dachte oft: Das schaffe ich nie. Aber aufgeben, das gab’s nicht.” Arbeiten muss sie nicht, der Unterhalt des Ex-Mannes reicht aus.

Kerstin lässt nicht zu, dass ihre Tochter in einem Pflegebett vor sich hin vegetiert. Das Mädchen bleibt bei ihr, Kerstin sorgt für die ärztliche Betreuung. Sie kümmert sich auch liebevoll um Julian, macht mit ihm Schularbeiten, bringt ihn zum Fußball oder zu Freunden. Jahrelang funktioniert sie, verausgabt sich, bekommt Herzprobleme und Asthma. Im Sommer 2004 bricht sie zusammen und wacht halbseitig gelähmt in der Klinik auf. Schlaganfall mit 39! Sie will schnell zurück zu ihren Kindern, die in der Zwischenzeit vom Vater versorgt wurden. Julian steckt in der Pubertät, Angelina wird stundenweise in einem Pflegeheim betreut, fordert ihre Mutter aber in den unruhigen Nächten.

Kerstin will alles schaffen, aber sie packt es nicht: 2007 erleidet sie den zweiten Schlaganfall. Davon erholt sie sich nicht. Es bleiben Lähmungen in Füßen und Beinen, ihre Ge- lenke sind steif, sie ist jetzt ständig auf den Rollstuhl angewiesen. Die Ärzte nehmen ihr jede Hoffnung: „Sie sind austherapiert. Sie werden nie wieder laufen können …”

Nach den Schlaganfällen kam der Unfall: Kerstin musste aus dem Wrack ihres Fords geschnitten werden. Es ist unfassbar, dass sie überlebt hat


Marley liebte es, mit der 54-Jährigen am See spielerisch ums Stöckchen zu kämpfen. Der Hund gab ihr ihre Lebensfreude zurück


Die ehemalige Friseurin steht wieder auf ihren eigenen zwei Beinen – und ist gern unterwegs. Hier genießt sie im Urlaub den irischen Sommer


Jeden Tag ein bisschen mehr: Marley und Frauchen Kerstin rollen anfangs langsam am See entlang. Der Hund braucht ja Bewegung


Doch damit nicht genug. Drei Jahre später verunglückt sie auf der Autobahn. Der Wagen überschlägt sich mehrmals, Kerstin muss aus dem Wrack geschnitten werden und wird mit dem Hubschrauber in die Uniklinik Münster gebracht. Als sie entlassen wird, sind zwar die Brüche verheilt, aber es fehlt die körperliche Kraft, besonders für die Kinder. Angelina muss jetzt dauerhaft im Heim leben, Julian zieht für immer zu seinem Vater.

Krank, schwach, allein, zwei geliebte Kinder, für die sie nicht mehr da sein kann und die sie furchtbar vermisst. Wie soll sie das verkraften? Kerstin zuckt mit den Schultern. „Die erste Zeit habe ich viel geweint und mich nach meinen beiden Lieblingen gesehnt. Aber irgendwann habe ich es akzeptiert und stattdessen überlegt, was ich noch machen kann”, sagt sie. Sie möchte am Wasser leben. Sie sehnt sich nach der Liebe eines Hundes. Die 54-Jährige glaubt an ihr Glück. Mit Hilfe der Bank kauft sie ein kleines Häuschen am See.


Ihre Arme wurden kräftiger, und sie wurde mit der Zeit mobiler


Beim Zeitunglesen fällt ihr Blick auf eine Anzeige: „Australian-Shepherd- Mix abzugeben.” Marley ist herzkrank, Kerstin nimmt ihn auf – obwohl alle ihr sagen, dass sie das nicht schaffen kann. Obwohl sie sich nur mit Mühe bewegen kann, rollt sie mehrmals täglich mit dem Hund los. Anfangs nur kurze Strecken, dann längere. Das Tier braucht schließlich Bewegung. Ihre Arme werden kräftiger und sie im Rollstuhl schneller. „Irgendwann sind wir täglich um den See gerollt, bei jedem Wetter”, erzählt sie.

So angespornt, will sie noch mehr. Sie meldet sich im Fitness- Studio an. Täglich trainiert sie Beine und Füße, macht zu Hause Gymnastik. „Ich konnte eines Tages einen kurzen Moment stehen, wackelig, aber immerhin.” Stunde um Stunde übt Kerstin, beobachtet von ihrem treuen Hund. Irgendwann wagt sie erste Schritte am Rollator.

Anfangs sind es nur ein paar Meter, aber es werden mehr. „Marley hat mich nie gezogen, er wusste, dass ich unsicher auf den Beinen bin.” Zu zweit schaffen sie bald auch längere Wege. Und: Irgendwann braucht sie den Rollstuhl nicht mehr. „Als ich zu Fuß in die Praxis kam, hat der Arzt mich erst für einen Geist gehalten und mich dann gedrückt. Er meinte, es sei ein Wunder.”


„Der Arzt konnte es nicht glauben, als ich zu Fuß in seine Praxis kam”


Ob Marley gespürt hat, dass jetzt seine Aufgabe erfüllt ist und er gehen kann? Kerstin nickt, ihre Augen füllen sich mit Tränen. Im Sommer 2017 bricht der Australian-Shepherd- Mix in ihrem Garten zusammen. Noch einmal geht sie mit ihm an den See, setzt sich auf die Bank, an der beide früher immer Pause machten, hält ihn fest. „Das war unser Abschied”, erinnert sie sich. Kurz darauf stirbt Marley. „Er war mein Ein und Alles.”

Für Kerstin ist ohne Marley das Leben am See nicht vorstellbar. Sie verkauft alles, zieht weg. Jeden Morgen begrüßt sie sein Foto mit Liebe und Wehmut. „Ich verdanke ihm, dass ich laufen kann. Er hat mir ein neues Leben geschenkt. Er ist mein Wunder.”

UNSER BUCH-TIPP:

Kerstin Emming erzählt ergreifend, wie ihr Hund ihr Heilung brachte. 10 Euro. Bastei Lübbe


Fotos: Bastei Lübbe, MPR-Micus/Anne Brandt (2), Privat (3)