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AKTUELL: Mystische Mistel


Lea Sonderheft Advent - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 25.09.2019

Tenbury Wells im nordenglischen Worcestershire ist berühmt für seine Mistel-Auktionen – seit 160 Jahren werden sie hier versteigert


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Wer Misteln im eigenen Garten ansiedeln möchte: einfach reife Beeren in die Rinde eines Baumes drücken. Am besten in einen Apfelbaum. Pappel, Linde oder Birke gehen auch

Kurz vor der Auktion werden die Pflanzen frisch geerntet, damit sie sich schön grün und glänzend präsentieren. In der Antike durften sie nur mit einer goldenen Sichel abgeschnitten werden

Fotos: GAP Gardens (4), picture & publicity, Friedrich Strauss (2)

Nur die weiblichen Misteln bilden zum Ende des Jahres die ...

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... weißen Beeren aus. Aus den Zweigen lassen sich wunderschöne Kränze winden


Magische Kräfte sollen sie haben, denn sie wachsen zwischen Himmel und Erde. Sie siedeln sich an wie von Geisterhand, plötzlich sind sie da, auf den Baumästen in luftiger Höhe, aus dem Nichts. Wie Vogelnester sehen die Misteln aus, wie sie da so hängen. Sie bevorzugen Pappeln, Birken, Linden und Weiden – und vor allem Apfelbäume. Eigene Wurzeln haben die Pflanzen nicht, sie bekommen ihre Nährstoffe direkt von den Bäumen. Aber das macht denen überhaupt nichts – würden die Misteln ihren Gastgeber schwächen, dann ginge es ihnen selber auch nicht gut.

Im Volksmund wird die Pflanze als Donner- oder Hexenbesen bezeichnet. Denn früher glaubte man, dass die grünen Zweige vor Feuer, Blitz und Donner schützen können, und hängte sie deshalb an die Hauswand und in den Giebel. Auch Hexen, Dämonen und böse Geister können nicht hinein, weil ihnen die immergrüne Pflanze den Zutritt verwehrt. Man glaubte auch, dass Misteln Glück bringen. Aber nur demjenigen, der sie geschenkt bekommt. Selber kaufen darf man sie sich nicht.

Für die Kelten war sie heilig, sie sollte die Fruchtbarkeit erhöhen. Geerntet wurde die Pflanze nur mit einer goldenen Sichel, und ihre Blätter durften den Boden nicht berühren. Die alten Germanen sahen sie als Geschenk des Himmels an – sie glaubten, dass die Götter die Samen in die Bäume warfen. Tatsächlich aber erledigen die Vögel das mit der Fortpflanzung: Sie lieben die hellen Beeren sehr, der klebrige Saft bleibt an ihren Schnäbeln hängen. Die Samen darin verteilen sich dann auf die Bäume, in denen die Vögel sich so aufhalten. Aber dann dauert es sehr lange, bis da endlich was zu sehen ist: Misteln wachsen extrem langsam. Erst im zweiten Jahr bildet sich der erste kleine verzweigte Spross. Bis die Pflanze die Größe von einem halben Meter Durchmesser erreicht, können bis zu 30 Jahre vergehen. Erst dann sind sie reif für die Auktion im englischen Städtchen Tenbury Wells – hier wächst die hübsche Pflanze, und hier wird sie auch meistbietend verkauft.


30 Jahre dauert es, bis die Zweige einen halben Meter messen


Schon Queen Victoria (1819-1901) nannte diesen Ort „die Stadt im Obstgarten“ – weil es im ganzen Tal unzählige Obstgärten mit Äpfeln und Zwetschgen gab. Einige dieser alten Gärten existieren noch heute, und die Wipfel der Apfelbäume sind prallvoll mit Misteln. In Tenbury Wells treffen sich seit 160 Jahren Mistelfreunde und Händler aus aller Welt, um die Zweige für den Weihnachtsschmuck zu kaufen. Immer am ersten Samstag nach dem ersten Dezember findet hier das „ Mistletoe Festival“ statt. Auf dem Gelände des herrschaftlichen „Burford House“ kommen Interessenten zusammen, um auf die schönsten Misteln und Stechpalmen zu bieten. Sie werden gewogen, kiloweise verkauft und später von den Händlern zu Kränzen verarbeitet oder als einzelne Gebinde mit traditioneller roter Schleife weiterverkauft.

Heute ist die Mistel in England und in den USA die beliebteste Deko zur Weihnachtszeit. Und auch bei uns wird das grüne Gewächs immer beliebter. Viele Paare machen sich den Spaß und küssen sich unterm Mistelzweig. Für jeden Kuss wird eine Beere entfernt – wenn alle Beeren weg sind, darf auch nicht mehr geküsst werden. Jedenfalls bis zum nächsten Jahr …

Warum ein Kuss unterm Mistelzweig?

Das verheißt Paaren Glück und ewige Liebe. Eine junge Frau kann so einen Kuss nicht verwehren, wenn sie unter dem Zweig steht. Wird sie allerdings nicht geküsst, bekommt sie auch im nächsten Jahr keinen Mann, so die Legende.