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AKTUELL Protokoll: Mein Mann ist Alkoholiker: „Ich wurde seine Komplizin“


Lea - epaper ⋅ Ausgabe 45/2019 vom 30.10.2019

Silke (54) ist elf Jahre durch die Hölle gegangen. Aus dem Gefühl, von Thomas (55) gebraucht zu werden, wurde die Erzieherin co-abhängig. Erst als er den Entzug schaffte, bekam auch sie ihr Leben wieder in den Griff


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Bildquelle: Lea, Ausgabe 45/2019


„Er hat unsere große Liebe im Schnaps ertränkt.“


Heute ist er trocken. Heute rührt er keinen Tropfen mehr an. Heute tut ihm leid, was er alles angerichtet hat. Elf Jahre lang hatten wir eine Dreiecksbeziehung: Thomas, der Alkohol und ich. Elf Jahre lang habe ich versucht, ihn aus den Klauen dieses Dämons zu retten. Elf Jahre lang war ich selber krank. Irgendwann wurde mir klar: Ich war ...

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... co-abhängig. Eine Suchterkrankung, wie Alkoholismus – das weiß ich heute. Ich habe mich daraus befreit. Wie Thomas. Auch er hat seine Sucht bezwungen.

Ich weiß nicht, wie oft wir darüber gesprochen haben

Es hat schleichend begonnen. Alkoholiker wird man ja nicht von einem Tag auf den anderen. Aus dem abendlichen Glas Wein wurden drei bis sieben. Ich habe abends auch gern mal einen Wein getrunken, zur Entspannung. Dann kam bei ihm aber noch ein Schnaps dazu, dann zwei, dann drei – und schließlich war es die ganze Flasche. Wodka, weil man angeblich nicht danach riecht. Das stimmt aber nicht. Natürlich riecht man nach Alkohol, wenn man welchen trinkt…

Ich weiß nicht, wie oft wir darüber gesprochen haben. Dass er nicht so viel trinken soll, dass er ein Problem hat, dass er sich Hilfe holen muss. Er hat’s versprochen, ich weiß nicht, wie oft. Manchmal hat er ein paar Wochen damit aufgehört, und alles war schön. Dann kam er wieder mit einer Fahne aus dem Büro und ist später wieder weggegangen. Stundenlang. Ich bin dann los und hab ihn gesucht. Oft lag er bewusstlos auf der Bank in unserer Straße oder auf dem Spielplatz, völlig zerschunden, einmal mit Platzwunden am Kopf. Ich hab dann die Ambulanz geholt, die kannten ihn bald schon.

Sie haben seine Sucht besiegt: Seit drei Jahren rührt Thomas keinen Tropfen Alkohol mehr an


96,4% der Deutschen trinken Alkohol. 1,61 Millionen zwischen 18 und 64 trinken missbräuchlich. Sie nehmen körperliche, psychische und soziale Folgen in Kauf. 1,77 Millionen Männer und Frauen zwischen 18 und 64 sind abhängig.

Seine Wutanfälle und Vorwürfe habe ich ertragen

Meine Freundin hat mir immer wieder gesagt, ich sollte mich trennen. Aber das konnte ich nicht. Ohne mich wäre Thommy doch im Dreck und im Suff verkommen. Ich bin geblieben. Habe wieder mit ihm geredet. Habe für ihn gelogen. Habe ihn bei der Arbeit krankgemeldet, wenn er noch zu betrunken war, um es selbst zu tun. Habe mir seine Vorwürfe angehört, seine Wutanfälle ertragen und auch seine weinerlichen Selbstvorwürfe, wenn er mal wieder total dicht war. Das ist eben Liebe, habe ich gedacht.

War es aber nicht. Ich war coabhängig. Ich brauchte das Gefühl, gebraucht zu werden. Ich war seine Komplizin, ohne es zu realisieren. Habe ihn in seiner Sucht noch unterstützt, statt ihn rauszuziehen.

Klar, Thommy hat mich tatsächlich gebraucht, denn ich war seine Leinwand, auf die er seine Gefühle projizieren konnte, ich war das Gegenüber, dem er die Schuld geben konnte. Und ich habe ihm seinen Alkoholismus sogar ermöglicht. Als es immer schlimmer wurde, habe ich ihm den Wodka mitgebracht, um ihn unter Kontrolle zu haben. Damit er nicht mehr aus dem Haus geht und irgendwo stürzt. Er liebte mich doch auch! Jedenfalls, wenn er nüchtern war. Betrunken fand ich ihn unangenehm. Fordernd. Ungerecht. Ich vermisste den tollen Thomas, in den ich mich verliebt hatte. Den wollte ich wiederhaben. Ich dachte, ich schaff das allein…

Aber dann hatte der Arbeitgeber genug – Thomas sollte eine Therapie machen. Denn natürlich war es im Büro schon längst kein Geheimnis mehr, dass er alkoholkrank war. Erst mal den Entzug in der Klinik, mit anschließender Therapie. Mindestens drei Monate.

Ich war darüber sehr glücklich – endlich bekam er professionelle Hilfe. Meine Freundin sagte, ich sollte auch eine Therapie machen. Und da fiel bei mir endlich der Groschen. Ich habe mir einen Psychologen gesucht. Langsam verstand ich, dass ich auch krank war. Dass Thomas und ich mit seinem Alkoholismus eine höchst ungute Symbiose eingegangen sind. Dass ich von ihm abhängig war und dass ich mich ganz dringend aus dieser Abhängigkeit befreien musste.

Nun habe ich meinen alten Thomas endlich wieder

Wir haben es beide geschafft. Elf Jahre Unglück liegen hinter uns. Drei Jahre ist es jetzt her, dass Thomas nichts mehr trinkt. Ich habe ihn wieder, meinen charmanten, geistreichen und liebevollen Lebensgefährten. Wir haben einiges hinter uns – und jetzt liegt eine strahlende und schöne Zukunft vor uns. Ohne Alkohol.

TIPPS UND INFOS: Echte Krankheit: Wenn das Verlangen die Vernunft besiegt

Wie Abhängigkeit entsteht
► Es gibt nicht DEN einen Grund. Dafür spielen mehrere Faktoren zusammen – sie lassen sich im so genannten Suchtdreieck zusammenfassen: Betroffene haben meistens ein schwaches Selbstwertgefühl und kommen mit ihren Mitmenschen nicht besonders gut zurecht: Und: Die Droge ist verfügbar. 90 Prozent der Menschen sind in irgendeiner Weise süchtig. Erschreckend: 90 Prozent der Dreijährigen sitzen bereits regelmäßig vor dem TV.

Diese Arten gibt es
► Bei einer Suchterkrankung will der Patient einen bestimmten Zustand erreichen: zur Beruhigung, um wach zu werden oder um sich zu belohnen. Betroffene haben keine Kontrolle mehr über ihr Verhalten. Die Abhängigkeit entwickelt sich zu einem Zwang, der immer öfter wiederholt werden muss. Eine Sucht kann an eine Substanz wie Alkohol oder Drogen geknüpft sein, aber auch Spielen, Arbeiten, Sport, Shoppen können zur Sucht werden, ebenso wie Fett- oder Magersucht.

So entwickelt sie sich
► Eine Sucht entwickelt sich für gewöhnlich langsam. Der Weg dorthin besteht aus drei Schritten: Genuss, dann kommt der Missbrauch und schließlich die Gewöhnung. Das bedeutet, man muss die Dosis erhöhen, damit man überhaupt noch eine Wirkung spürt. Man braucht das Mittel oder das Verhalten, um den Alltag überhaupt bewältigen zu können.

Die Symptome einer Sucht
► Nach einem Katalog der Weltgesundheitsorganisation (WHO) müssen drei der folgenden sechs Merkmale im letzten Jahr vorgelegen haben: Zwang: Man muss etwas nehmen oder tun, es geht nicht ohne. Dosissteigerung: Man braucht immer mehr von einem Mittel oder Verhalten, um dieselbe Wirkung zu erzielen. Kontrollverlust: Betroffene verlieren die Übersicht, wann und wie viel sie konsumieren. Entzugserscheinungen: Ohne das Suchtmittel reagiert der Körper mit Zittern, Übelkeit, Schweißausbrüchen. Vernachlässigung von Interessen und Pflichten: Betroffene richten ihr ganzes Leben danach, sie verheimlichen und streiten den Konsum ab. Interessen und Freunde werden unwichtig, wichtiger ist der Konsum, die Beschaffung und die Wirkung des Mittels. Und: Weitermachen trotz negativer Konsequenzen.

Teurer als die Ernährung
► Für illegale Drogen wird weltweit mehr Geld ausgegeben als für die Ernährung der gesamten Menschheit – nämlich 500 Milliarden Dollar.

Hier gibt es erste Hilfe:

• Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln
Telefon 02 21/89 20 31

• Internet-Fachverband Sucht
www.sucht.de

• Drogenhotline
www.sucht-und-drogen-hotline.de


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