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AKTUELL: REITPONYS FÜR ERWACHSENE: ZEIT FÜR DIE XXL-PONYS


St.GEORG - epaper ⋅ Ausgabe 80/2018 vom 30.07.2018

Bislang war in Stein gemeißelt: Ponys haben ein Stockmaß von 1,48 Meter und ihre Reiter sind nicht älter als 16 Jahre. Doch die Nachfrage nachDEUTSCHEN REITPONYSsteigt bei Erwachsenen stark. Aus dem Maß gewachsene Ponys sind gesucht. Brauchen wir mehr Liberalität in Zucht und Sport?


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Bildquelle: St.GEORG, Ausgabe 80/2018

Kleiner Mann ganz groß: Reitpony Celebration ist unter Tanja Fischer zum Publikumsliebling avanciert.


Die Zuschauer haben gejubelt, als hätten wir den Großen Preis von Aachen gewonnen“ – so ganz kann Tanja Fischer immer noch kaum glauben, wie viel Applaus der neunjährige Reitponyhengst Celebration WE und sie bei ihren ...

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... Auftritten in den Qualifikationen zum Nürnberger Burg-Pokal erhalten haben. „Das war spitzenmäßig, wie die gejubelt haben!“ Die Idee, den mehrfach S-siegreichen Hengst in der Tour für die besten sieben- bis neunjährigen Dressurpferde Deutschlands zu starten, kam dabei noch nicht mal unbedingt von Fischer selbst. „Unser Trainer Holga Finken hat uns ermuntert, den Hengst dort zu reiten. Denn ich hatte Sorge, dass es heißt – „was will die mit dem Pony hier“, erzählt die 32-Jährige. Den gekörten Sohn des Ponyhengstes Constantin, der von der ehemaligen Hengsthalterin Gudula Vorwerk-Happ aus einer Oldenburger Warmblutstute v. Royal Diamond-Plaisir d’Amour gezogen wurde, bekam sie Ende sechsjährig in Beritt. Nach kurzer Zeit waren die beiden auf Dressurpferde M-Niveau erfolgreich, siebenjährig folgte der erste S-Sieg. Inzwischen stehen neben dem vierten und fünften Platz in Qualifikationsprüfunegen zum Burg-Pokal Siege und hohe Platzierungen bis Intermediaire I zu Buche. „Der Einstieg war schon schwierig. Die Richter waren sich anfangs oft uneinig. So wertete uns der eine Richter hoch, der andere runter und es hat fast ein Jahr gedauert, bis die Bewertung gleichmäßig wurde und der Hengst ins Gespräch kam.“ Inzwischen ist das Paar längst eine feste Größe und eine ernst zu nehmende Konkurrenz in jeder Prüfung, in der es oft ausschließlich gegen Großpferde antritt. Der Hengst holte Bronze auf dem Oldenburger Championat der Siebenjährigen, achtjährig wurden die beiden Vize-Weser-Ems-Meister und gewannen dort in diesem Jahr Bronze. Überregional bekannt wurde er nun durch die erfolgreichen Qualifikationen zum Nürnberger Burg-Pokal. Möglich ist das auch nur, weil Celebration trotz Ponypapieren und Ponymaß als Pferd eingetragen worden ist. Ansonsten wäre er in den Qualis nicht startberechtigt. „Ich war es einfach leid, bei jeder Ausschreibung genau zu schauen, ob Ponys ausgeschlossen sind oder nicht. Darum haben wir ihn als Pferd eintragen lassen.“

Weil er als Pferd und nicht als Pony eingetragen ist, darf Celebration in den Nürnberger Burgpokal-Qualis starten.


Foto: Kathmann

BEGEHRT: „PLUS SIZE PONYS“

Inzwischen reitet Tanja Fischer mehr Ponys als Pferde. „Das hat sich so ergeben.“ Offen gibt sie zu: „Durch meine Körpergröße von 163 Zentimetern habe ich es natürlich leichter, ein Pony oder kleineres Pferd zu bedienen, zu schließen oder auch mal irgendwo vorbeizudrücken, als das mit einem 1,75-er Pferd der Fall wäre.“ Genau das sind auch Argumente, die viele Züchter und Verkäufer von Deutschen Reitponys immer wieder hören. Und längst darauf reagieren. „80 Prozent unserer Kunden sind Frauen, vielfach junge erwachsene Frauen. Warum sollen die sich mit großen Pferden auseinander setzen? Wir haben viele Erwachsene als Kunden für unsere Reitponys und vielfach werden auch genau die gesucht, die aus dem Maß sind“, berichtet der rheinische Hengsthalter und Züchter Adolf Theo Schurf aus Bedburg. „Früher hat man immer gesagt, die will keiner. Doch heute sind sie in Deutschland und im Ausland hoch gefragt“, weiß Schurf. Bewusst für diesen Markt hat Schurf begonnen, kleinere Warmblutstuten mit Ponyhengsten anzupaaren, um Nachkommen mit einem Stockmaß von circa 155 Zentimetern zu bekommen. „Für den Sport macht das Sinn, für die weitere Zucht nicht unbedingt.“

Auch das Ponyforum, ein bundesweites Vermarktungszentrum für Reitponys, hat diese Tendenz längst erkannt. „Die Nachfrage nach übergroßen Ponys ist explosionsartig angestiegen. Wir können sie super verkaufen, aber den Bedarf gar nicht decken“, berichtet Eckhard Scharf, Verkaufsleiter vom Ponyforum. Jährlich werden dort nach eigenen Angaben rund 200 Ponys vermarktet. „Der Kunde, der das übergroße Pony sucht – vielfach auch die Mutter, die sich mit ihrem Kind das Pony teilt – möchte nicht das kleine Warmblut, sondern explizit die mit dem Pony verbundenen positiven Eigenschaften wie Charakter, Rittigkeit, Gesundheit und auch die Farbvielfalt“, so Scharf. Auch der erfolgreiche Weser-Ems Ponyzüchter Hermann Koopmeiners, aus dessen Zucht u.a. drei Siegerhengste und drei Bundeschampions stammen, betont: „Das XXL-Pony ist ein gewaltiger Markt. Unsere Kunden werden im Endeffekt auch immer größer, zudem wollen viele junge Frauen bis 170 diese Ponys, weil sie damit besser zurecht kommen als mit Warmblütern.“ Koopmeiners schwebt eine eigene Zuchtbuchabteilung vor – das große Deutsche Reitpony. „Wo Pony drin steckt, sollte auch Pony drauf stehen. Die Population des Deutschen Reitponys ist inzwischen so groß, dass man durchaus fordern kann, dass vier Generationen Reitpony im Pedigree von XXL-Ponys vorhanden sein müssen.“ Er ist sich sicher: „Ganz Europa wartet darauf, dass Deutschland damit startet. Wir haben diese Ponys ja, bloß nicht offiziell.“

ZAHLEN

Im Jahr 2017 waren bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) 14.375 Ponys für den EInsatz im Turniersport fortgeschrieben (123.431 Großpferde). Neu eingetragen wurden 2 . 270. Und der Zuchtpferdebestand belief sich auf 2.347 Stuten „Deutsches Reitpony“ (gefolgt von Isländern, Shettlandponys und Haflingern). 60 Kilogramm inklusive voller Reitausrüstung, also Helm und Stiefel ist das zulässige Reitergewicht beim Bundeschampionat für Ponyreiter (Kinder und Erwachsene).

Aus Zuchtleiter-Sicht sind derzeit jedoch keine konkreten Neuerungen geplant. „Natürlich sind Ponys über dem Maß gut gefragt und gut zu gebrauchen – ich habe selbst eines. Im Prinzip haben wir mit dem Kleinen Deutschen Reitpferd jedoch genau das Zuchtbuch, in das diese meist aus Warmblut und Pony entstandenen Kreuzungen hineinfallen. Nur wird dieses nicht angenommen, da der Begriff Pony einen anderen Touch hat als Pferd und eher verbunden wird mit klein, brav, nett und hübsch“, erklärt Dr. Elisabeth Jensen, Zuchtleiterin des Pferdestammbuchs Schleswig-Holstein. Die Kreuzung Warmblut mal Pony ist jedoch nicht besonders erwünscht, vor allem nicht in einer der Ponyhochburgen beim Pferdestammbuch Westfalen, wie Zuchtleiter Wilken Treu betont: „Wir beurteilen den Warmbluteinsatz beispielsweise bei Hengstkörungen und Stutenprämierungen sehr zurückhaltend. Wenn man etwas verändern möchte, dann sollte man wieder verstärkt reine Deutsche Reitponys bis 148 Zentimeter züchten, denn die können auch ohne Warmblut-Einkreuzung die gleiche Leistung erzielen. Ein zweites Zuchtbuch könnte dann offener sein, die Kreuzung mit anderen Rassen und Veredlern erlauben und mehr Ausprobiermöglichkeiten bieten.“

PONYPOWER IM WAHRSTEN SINNE DES WORTES

„Man muss nicht groß sein, um groß zu sein“. Nach diesem Motto reitet Kathrin Harms-Hirche mit ihrem 142 Zentimeter großen Pony Benny Blue von Auftritt zu Auftritt und hat längst zahlreiche M-Platzierungen gegen Großpferde erreicht. Den Braunen mit dem blauen Auge hat die Sozialpädagogin selbst gezogen, angeritten und bis S ausgebildet. Inzwischen führen die Beiden auf Messen S-Küren auf – entweder klassisch auf Kandare oder mit Halsring. Und zählen stets zu den umjubelten Stars. Vor zwei Jahren hatte sich Harms-Hirche für die Horsica Messe in Bad Salzuflen beworben. „Danach folgte eine Messe nach der anderen und Benny Blue wurde immer bekannter. Mir ging es darum, dass Pferde mit Sondermassen, Sonderfarben und auch anderen Rassen im Turniersport gleichwertig bewertet werden.“ Denn nicht jeder Richter würde sich freuen, wenn sie mit ihrem Ponywallach in M und S-Dressuren einreite. „Manche verdrehen die Augen, bei anderen bekomme ich ein leeres Protokoll ohne eine Anmerkung oder das Protokoll ist gleich ganz verschwunden. Sprüche wie: ,Wir finden es nicht gut, dass Ponys S gehen, die gehören doch eher in den Wald‘, durfte ich mir auch anhören“, berichtet Harms-Hirche. Für sie war klar: „Ich habe ein dickes Fell und ich mache weiter. Ich will mir nicht vorschreiben lassen, wen ich reite und es tut bestimmt keinem weh wenn ich mit 59 Kilo dieses Pony reite.“

Kathrin Harms-Hirche und Benny Blue


Mit dieser Mission steht Harms-Hirche nicht alleine da. „Als einzelner Mensch kann man nicht viel ausrichten. Die Resonanz, die Benny bei unseren Messeauftritten bekam, hat mir gezeigt, dass es viele Reiter gibt, die ähnlich denken.“ So ergab ein Wort das nächste und Ende 2017 gründete Kathrin Harms-Hirche den Verein Ponypower 18 plus, ein Zusammenschluss erwachsener Ponyreiter. „Unser Ziel ist es, ein landesweites Netzwerk zu schaffen, um Austausch untereinander zu ermöglichen, Schaubilder und Stände auf Messen zu organisieren, gemeinsame Aktivitäten zu planen. Für unsere Mitglieder gibt es viele Sonderaktionen, Lehrgänge und Stammtische.“

Dabei sieht sie Ponypower 18 plus definitiv nicht als Trotzveranstaltung zur FN. „Uns ist klar, dass wir mit Sonderfarben und Sonderrassen immer eine Schippe besser reiten müssen, um eine gute Note zu bekommen“, so Harms-Hirche. „Ich bin sehr selbstkritisch und möchte einfach nur fair bewertet werden.“ Ein Traum von ihr wäre offene Ponyprüfungen, teils auch auf Ponys angepasst. Beispiel Zick-Zack-Traversale in der S: „Durch Bennys kürzere Beine müssen wir viel mehr Meter machen, also steht oft im Protokoll: Nicht steil genug. Beginne ich die Traversale etwas später, steht darin, verritten. Darüber machen sich Turnierrichter meist keine Gedanken. Dabei gibt es im Springen ja auch Ausgleich für Ponys.“

Zu ihrem Benny Blue hat sie eine ganz besondere Verbindung. „Ich reite seit 35 Jahren aber so ein Pony habe ich noch nie erlebt. Er lernt alles sehr schnell, hat 1000-faches Vertrauen zu mir und ruht in sich, egal wo ich ihn reite. Für mich sind Ponys echte Charaktere mit viel Eigenleben. Ich könnte Benny Sprechblasen über den Kopf zeichnen, so sehr zeigt er, was er denkt.“

Ponyzüchter Hermann Koopmeiners (li.) schwebt ein XXL-Pony vor.


Foto: Equitaris/Becker

DIE KLEINSTE S-KLASSE

Dass die Qualität von Reitponys nicht nur bis zu den stets auf L-Niveau ausgeschriebenen Ponyprüfungen bei Championaten reicht, haben viele im Sport eindrucksvoll bewiesen. Und das nicht erst seit heute. 1996 feierte der Palominohengst Golden Dancer vom rheinischen Gestüt Bönniger seine ersten S-Siege unter Jana Kun, mit der er kurz zuvor Doppel-Europameister wurde. „Anfangs waren wir verschrien, als der Hengst dann 20-mal in Folge M und S mit Jana gewann, wurde er plötzlich auf einen Sockel gehoben“, berichtet Ludwig Stassen, dessen verstorbener Onkel Hans Georg Bönniger das gleichnamige Gestüt aufbaute. „Golden Dancer war bis 2004 das erfolgreichste Pony aller Zeiten.“ Das Gestüt Bönniger ist bekannt dafür, seine Ponys im Sport mit talentierten Kindern an den Start zu bringen. „Aus unserem Stall haben sich bisher allein 26 Ponys für die Europameisterschaften qualifiziert. Zudem haben viele Reiter wie Marion op de Hipt, die Schwestern Linda und Hanna Erbe, Anna-Christina Abbelen oder Johanna von Damwitz nach ihrer Ponykarriere bei uns im Junioren/ Junge Reiter-Lager und teils schon im Grand Prix Sport erfolgreich Fuß gefasst. Das zeigt mir: Auf talentierten Ponys kann man so gut reiten lernen und auf sich aufmerksam machen, dass die Karriere anschließend weitergehen kann.“ Genau das ist auch eines der Ziele des Ponysports.

Bewegung wie ein Großer, patent wie ein Pony und farblich interessanter als manch ein Warmblüter – Ponyfans haben viele Argumente.


Foto: Kathmann

Er ist schon der „Donnerhall der Reitponyzucht“ genannt worden: FS Don‘t Worry, hier unter seiner Ausbilderin Jana Freund, hat als Vater unzähliger erfolgreicher Ponys ein eigenes Kapitel in der Zucht der Deutschen Reitponys geschrieben. Der beim Ferienhof Stücker stationierte Hengst war über Jahre die Nummer eins in der Zuchtwertschätzung. Parallel zu seinem Deckeinsatz hat er im Sport den Menschen die Köpfe verdreht. Mehr als 80 Erfolge darunter 23 Siege in Klasse S weist der ehemalige Doppel-Bundeschampion auf.


Foto: Schnell

Auch von der rheinischen Hengststation Ferienhof Stücker in Weeze kommen nicht nur über 20 Bundeschampions, sondern auch in Klasse S gegen Großpferde erfolgreiche Reitponys. Einer der erfolgreichsten darunter ist der über achtzig-mal in schweren Dressuren erfolgreiche Hengst FS Don’t Worry. „Die Resonanz bei seinen Auftritten war immer nur positiv. Da er immer einfach zu reiten und super elegant war, haben viele Frauen schon neidisch auf ihn geguckt und sich gewünscht, hätte ich auch mal so ein Pony“, berichtet Josef Wilbers. „Ich glaube, durch FS Don’t Worry und auch andere, gegen Großpferde siegreiche Ponyhengste wie FS Pearcy Pearson, sind viele Erwachsene auf die Idee gekommen, Ponys zu reiten.“ Trotz dieser Tendenz ist Wilbers klar dagegen, das Stockmaß anzuheben oder reine Ponyprüfungen altersoffen auszuschreiben. „Wenn man Ponys züchtet, züchtet man für Kinder und möchte den Ponycharakter behalten. Ich möchte, dass unsere Ponys Leistung zeigen und das können sie in den höheren Klassen nur reell, wenn sie gegen Großpferde starten und sich dem Wettbewerb stellen.“

In vielen Belangen stehen die modernen Reitponys den Großpferden in nichts nach.


Foto: Kathmann

Darf es etwas Besonderes sein? Hellblaue Augen und ein Fell, das man bei keinem Warmblüter findet.


Foto: Kathmann

Auch Dressurpony-Bundestrainerin Cornelia Endres sieht keine Notwendigkeit für altersoffene Ponyprüfungen. „Wenn die Ponys gut genug sind, können sie auch gegen Großpferde gehen. Auf der anderen Seite sind Erwachsene auf Ponys im Turniersport zahlenmäßig wiederum auch nicht so stark, dass sich solche Prüfungen für die Veranstalter rechnen würden.“ Die Qualität der Ponys sei in den letzten 30 Jahren ohnehin gewaltig gestiegen. „Früher hatten wir große Köpfe, dicke Hälse und die Ponys waren schwer durchs Genick zu reiten.“ Die Kritik am Ponysport, dass erfolgreiche Championatsponys mehrfach den Reiter wechseln und so als „Wanderpokal“ stets nach einigen Jahren weiter verkauft werden, lässt sie so nicht stehen. „Natürlich ist im Ponysport naturgemäß eine höhere Fluktuation, denn der überwiegende Anteil der Reiter wechselt mit 16 Jahren aufs Pferd. Es macht aber durchaus Sinn, dass diese Ponys als Lehrmeister dann weitergegeben werden und andere Reiter glücklich machen.“ Das Pony hat in Endres‘ Augen auch einen hohen pädagogischen Wert für Kinder. „Ponys sind kleine Persönlichkeiten, müssen viel selbständiger sein und mitdenken, da Kinder ja noch gar nicht so viel Einwirkung haben können. Dadurch nehmen sie aber auch nicht alles kommentarlos hin und verlangen korrektes Reiten. So lernen Kinder, auf ihr Pony einzugehen und sich damit wirklich zu befassen und nicht 08/15 abzuarbeiten.“

Während die Nachfrage nach guten Dressurponys sowohl von Kindern wie Erwachsenen hoch ist, sind die Zahlen im Ponyspringsport rückläufig. Seitdem die Childen-Touren etabliert wurden, in denen Kinder von 12 bis 14 Jahren auf Großpferden starten, überlegt der Finanzrat einer Familie: Soll ich in ein Pony investieren, wenn der Ponysport nur bis 16-jährig geht, oder direkt in ein Großpferd, das mein Kind dann länger reiten kann? Und das auch auf Turnieren in der Nachbarschaft gestartet werden kann, während das Angebot an eigens ausgeschriebenen und auf Ponys gebauten Springprüfungen – Distanzen und Kombinationen müssen geändert werden – weit geringer ist und zudem häufig große Anfahrtsstrecken kalkuliert werden müssen. „Das Prüfungsangebot für Ponyspringen geht leider zurück. Wenn dann teilweise nur acht Starter kommen, sind diese für die Veranstalter uninteressant. Das ist sehr schade für den Ponysport, den viele Kinder ja als schönste Zeit in ihrem Reiterleben erleben“, so Peter Teeuwen, Bundestrainer Pony Springen. Er fordert: „Die Landesverbände müssen sich Gedanken machen, wie man Turnierveranstalter unterstützen kann, um das Angebot an Ponyspringprüfungen aufrecht zu erhalten. Sponsoren finden und Serien schaffen, sind zwei wichtige Punkte dabei.“ Die Problematik, dass Children-Prüfungen Kinder vom Ponysport wegziehen, ist groß. Übrigens: Ende 2017 hat der DOKR-Vorstand grünes Licht für eine offizielle Altersklasse U14 in der Dressur gegeben. Erstmals ritt ein Children-Dressur-Team auf der diesjährigen Europameisterschaft in Fontainebleau. Während die Springreiter Gold holten, war es für das Dressurteam Silber.

Ü-16 CUP DES PONYFORUMS

Mindestens 17 Jahre alt müssen die Reiter beim Ü-16 Cup des Ponyforums sein – nach oben ist keine Grenze gesetzt. Ponys sind für diesen bundesweit wohl einmaligen Cup auch dann startberechtigt, wenn ihr Stockmaß über das Maß von 148 Zentimeter hinausgeht – vorausgesetzt, sie sind als Pony eingetragen. Für das am 20. Oktober in Alsfeld stattfindende Finale müssen sich die Reiter online beim Ponyforum anmelden und in LPO-Prüfungen auf FN-konformen Turnieren qualifizieren. Ihre zehn besten Platzierungen werden über ein Punktesystem umgerechnet. Die besten 50 Prozent der Teilnehmer sind für Alsfeld startberechtigt. „Wir haben den Ü-16 Cup ins Leben gerufen, weil es in meinen Augen völlig falsch und schade ist, dass es überall heißt: Nun bist Du 17 Jahre alt, nun musst Du aufs Pferd wechseln“, erklärt Christian Tschoepke, Geschäftsführer des Ponyforums. „Es gibt viele Damen, die sehr gerne auf dem Pony bleiben möchten und das auch von ihrer Größe und ihrem Gewicht problemlos können.“

Gleich beim ersten, 2014 stattgefundenen Cup, der jeweils in einer A-/L- und L-/M-Serie ausgetragen wird, nannten laut Tschoepke 140 Starter. „Überall in Deutschland gibt es ältere Ponyreiter, die sich darüber sehr gefreut haben. Das hat unser Gefühl genau bestätigt.“ Von der Warmblutszene würde der Ü-16 Cup kritisch beäugt. „Wo steht es denn in Stein gemeißelt, dass mit Ende 16 kein Pony mehr geritten werden darf? Im Endeffekt geht es vielfach um Marktanteile, denn wer beim Pony bleibt, kauft erstmal keinen neuen Warmblüter“, so Vermarktungsleiter Eckhard Scharf. Infos: ◆www.ponyforum-online.de

Es muss nicht immer der sportliche Ehrgeiz sein, der Ponys für Erwachsene interessant macht.


Foto: Grebler

„DIE GANZE TRIBÜNE REITET MIT“

Das Legdener Ponymeeting ist legendär. 1999 erstmals ausgeschrieben, gehen in der westfälischen Gemeinde jedes Jahr rund 300 Ponys an den Start. In ihren Sätteln sitzen Kinder bis 16 Jahre . „Da herrscht eine ganz andere Stimmung als bei normalen Turnieren. Die ganze Tribüne fiebert mit, wenn Kinder über ein Zwei-Sterne-M-Springen reiten“, berichtet Turnierveranstalter Cornelius von Ingersleben. „Da reisen Familien für einen Springreiterwettbewerb über 300 Kilometer aus Hamburg an. Drei bis vier Tage haben wir nonstop Programm und das ganze Team ist hochgradig motiviert, denn das Turnier ist eine Riesenparty für alle.“ Altersoffene Prüfungen sind für das Ponymeeting kein Thema. „Die Erwachsenen würden dann meist aufgrund ihrer längeren Erfahrung vorne sein. Das würden den Reiz einer solchen Veranstaltung für Kinder nehmen und den Ponysport kaputt machen.“

In Legden stehen die Ponys und ihre jugendlichen Reiterinnen und Reiter im Mittelpunkt des Interesses.


Foto: Equitaris/Wegener


Foto: Stammer