Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 5 Min.

AKTUELL Topthema: Die Zukunft ist schon da Wohnen 4.0


Lea - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 27.02.2019

Lange ging es darum, möglichst bald ein eigenes Haus zu bauen. Heute sind die Möglichkeiten vielfältiger. Wir finden: spannend


Früher war die Sache klar: Man wohnte so, wie man es sich leisten konnte. Heute denken wir mehr darüber nach. Unsere Welt ist stärker in Bewegung als je zuvor: Der Arbeitsmarkt fordert Flexibilität, Partnerschaften sind keine Zukunftsgarantien mehr, und die explodierenden Mieten tun ihr Übriges. 40,6 Millionen Haushalte gibt es derzeit in Deutschland, in 16,8 Millionen wohnt nur eine Person. 58 Prozent der Haushalte wohnen zur Miete. Ein Viertel aller Mieter plant laut aktueller ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 0,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Lea. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 10/2019 von Liebe Leserin, lieber Leser!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Liebe Leserin, lieber Leser!
Titelbild der Ausgabe 10/2019 von Aktuell Im Gespräch: Hier strahlt der Frühling!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Aktuell Im Gespräch: Hier strahlt der Frühling!
Titelbild der Ausgabe 10/2019 von Ganz schön extravagant: Schuhe mit Wow-Absatz. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Ganz schön extravagant: Schuhe mit Wow-Absatz
Titelbild der Ausgabe 10/2019 von Großes Umstyling von Lea und WITT weiden: „Hosen stehen mir ja super!“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Großes Umstyling von Lea und WITT weiden: „Hosen stehen mir ja super!“
Titelbild der Ausgabe 10/2019 von Trends: So stylt man die trendy Midi-Kleider. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Trends: So stylt man die trendy Midi-Kleider
Titelbild der Ausgabe 10/2019 von Aktuell informiert: So helfen Sie, wenn Ihr Kind verzweifelt ist: Mobbing kann jeden treffen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Aktuell informiert: So helfen Sie, wenn Ihr Kind verzweifelt ist: Mobbing kann jeden treffen
Vorheriger Artikel
Trends: So stylt man die trendy Midi-Kleider
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Aktuell informiert: So helfen Sie, wenn Ihr Kind verzweifelt ist:…
aus dieser Ausgabe

... Studie, bis zum 50. Geburtstag ein Eigenheim zu erwerben. 60 Prozent scheuen hingegen den Gedanken, sich langfristig finanziell zu belasten. Auch weil niemand weiß, ob irgendwann ein jobbedingter Umzug ansteht: Immer mehr Arbeitsverhältnisse sind schließlich befristet. Doch nicht nur die Not beeinflusst, wie wir wohnen. Gesellschaftliche Trends wie die Share-Economy spiegeln unseren Wunsch nach mehr Gemeinschaft: Unsere Bereitschaft, zu teilen und Teil einer Gruppe zu werden, wächst. Einige Menschen möchten auch permanent in Bewegung bleiben, sich aufs Wesentliche beschränken oder andere, ganz individuelle Wohn-Bedürfnisse verwirklichen. Alles geht.

4 Fragen an den Trendbeobachter

Mathias Haas schaut in die Zukunft und erklärt die nächsten Trends
www.trendbeobachter.de

Wie werden Wohnungen in Zukunft aussehen?

In den Großstädten werden sie viel kleiner sein. Es wird auf modulare Bauweise geachtet, damit Wände versetzt und die Räume an die jeweiligen Bewohner und ihre Bedürfnisse angepasst werden können. Küchen wird es bald gar nicht mehr geben, dafür einen Thermomix. Die Zutaten fürs Kochen werden in Boxen geliefert.

Leben wir denn eher gemeinsam oder allein?

Single-Wohnungen sind auf jeden Fall noch angesagt. Und der Trend geht eher dahin, dass auch in Beziehungen jeder seine Wohnung behält. Allerdings haben auch viele den Traum, im Alter in einer Wohngemeinschaft mit Gleichgesinnten zu leben. Die Wohnungen sollen in der Innenstadt liegen und barrierefrei sein. Aber das muss man sich erst mal leisten können – und auch eine WG stellt ihre Anforderungen an uns.

Viele Menschen ziehen in die Speckgürtel …

Der Trend wird sich fortsetzen, denn in den Städten fehlt der Wohnraum. Viele schauen sich in ländlichen Regionen um, denn man zahlt dort teils nur ein Drittel der Stadtpreise. Von dort kann man im Home-Office arbeiten, aber dafür muss es ein gutes WLAN geben. In dieser Hinsicht muss noch einiges passieren.

Kann man sich Stadt-Wohnen noch leisten?

Schwierig. Die Vorstellung, nur ein Drittel vom Gehalt fürs Wohnen auszugeben, ist schon heute meist unrealistisch. In Amerika kann man heute schon mit Handgepäck von Stadt zu Stadt ziehen – in Mietzimmer mit Nebenkosten-Flatrate.

Im Kaminzimmer trifft man sich zum Reden und Planen


Das alte Gutshaus in Gorgast wurde von den Bewohnern renoviert


Das Mehrgenerationen-Haus: Alle unter einem Dach – hier hilft jeder jedem

Egal, ob jung oder alt, Single oder Paar, mit oder ohne Kinder – in diesem Wohnmodell finden alle ihren Platz. Mittlerweile existieren viele Projekte dieser Art in Deutschland, unter anderem im Gutshaus in Gorgast. Die Bewohner sind alle aus Berlin und haben lange nach einem passenden Gebäude gesucht. Im Oderbruch nahe der polnischen Grenze wurden sie fündig. Sie sanieren das alte Gebäude, sind dank des Bahnanschlusses schnell in Berlin und planen derzeit unter anderem Fremdenzimmer und ein Café, damit auch auswärtige Besucher sich wohl fühlen. Andere Projektgruppen tun sich zusammen, um ihr Haus nach modernsten ökologischen Maßstäben zu planen. So achten einige schon beim Bau darauf, dass Wände in den einzelnen Wohnungen umgesetzt werden können. Falls man dann doch mal ein Arbeits- oder zusätzliches Kinderzimmer braucht, ist das schnell und unkompliziert geschaffen.

Die größten Vorteile: Jeder hat seinen eigenen Wohnbereich, es gibt aber auch Gemeinschafts-Räume und natürlich den gemeinsamen Garten. Alle Aufgaben rund ums Haus werden geteilt, man kann sich jederzeit Hilfe von anderen holen, und wenn jemand krank ist, springen die anderen für ihn ein. Das Kind mal eben von der Kita holen? Etwas vom Einkaufen mitbringen? Alles kein Problem mehr. Schöne neue Wohnwelt!

Leben in einem Haus: (v. l.) Bärbel, Angela, Regina, Sabine und Barbara


Die Frauen-WG: Als Single leben, aber in Gemeinschaft

Die Wohnungen zu groß und nicht altersgerecht gebaut, Freunde und Bekannte zu weit weg – gute Gründe für einige Berliner Frauen, den Verein „+/- 60 in Freundschaft wohnen“ zu gründen. Das Ziel: Jede zieht in eine eigene Wohnung, doch alle leben in einem Haus. Dadurch können sie sich jederzeit besuchen, gemeinsam in Museen gehen. Und vielleicht können sie sich später im Alter auch pflegen.

Ein toller Plan, doch die Umsetzung war nicht ganz einfach. Erst einmal mussten sie eine städtische Wohnungsbaugesellschaft finden, die das Modellprojekt unterstützt, das Haus sollte außerdem innerhalb der Stadt sein, damit kulturelle Angebote leicht erreichbar wären, die Wohnungen durften nicht zu groß und nicht zu klein sein – und vor allem bezahlbar. „Am Anfang waren wir 16 Mitstreiterinnen, davon sind nur sechs übrig geblieben, denn nicht alle können sich die Miete in dem neu gebauten Haus leisten“, sagt Bärbel Kressin-Thielmeier. Vier Jahre hat die Realisierung gedauert. Im Oktober 2018 konnten sie nun endlich einziehen und fühlen sich rundum wohl. „Wir wollen Vorbild sein“, sagt sie, „für alle, die auch eine Wohngruppe im Alter bilden möchten.“

Das Tiny House: Gelebter Minimalismus

Übersetzt heißt das: winziges Haus. Die Amerikaner, von denen die Idee der kleinen Häuser auf Rollen stammt, haben auch eine Größe festgelegt: Alle, die weniger als 37 Quadratmeter haben, dürfen sich so nennen.

Was es in den USA schon seit den 20er-Jahren gibt, findet heute auch in Europa immer mehr Anhänger. Man hat seine eigenen vier Wände, kann damit überall unterwegs sein und reduziert sich dafür auf das Wesentliche. Damit ist die Art zu Wohnen ein Beitrag zu Ökologie und Nachhaltigkeit – das passt perfekt zum Zeitgeist. Doch ganz klar ist es auch ein Kostenfaktor, denn die „Kleinen“ sind günstig. In Berlin gab es ein Modellprojekt. Studenten lebten dort in einem Häuschen auf gerade einmal 6,4 Quadratmetern. Das Fazit: Absolut machbar, man muss nur sehr gut organisiert sein.

Die Fangemeinde der Tiny Houses wächst


Miteinander statt allein: Arbeiten statt zahlen

Die Idee stammt aus den Niederlanden, die Umsetzung in Deutschland scheint nun Fahrt aufzunehmen: In der Zuckerberg-Residenz, einem Seniorenheim in Trier, lebt seit Anfang des Jahres die 21-jährige Studentin Anne Bourgmeyer. Kostenlos. Zumindest zahlt sie kein Geld, sondern investiert Zeit für die Bewohner. 35 Stunden verbringt sie pro Monat mit ihnen.

Die junge Luxemburgerin studiert in Trier und hat die Chance genutzt, mietfrei zu wohnen. Mittlerweile sind noch drei weitere Studenten dazugekommen. Jeweils zu zweit teilen sie sich eine kleine Wohnung. Annes Pläne für die Senioren: Spielen, reden, spazieren gehen, auch eine Senioren-Disco soll es geben. Die 21-Jährige findet das Projekt toll. Man könne so viel von den alten Menschen lernen, sagt sie.

Die Leitung der Senioren-Residenz verspricht sich von dem Modellprojekt, Leben ins Haus zu holen, und zwar in einem ganz natürlichen Miteinander. Spätestens am ersten Disco-Abend wird das ganz sicher bestens klappen.


Fotos: BILD am Sonntag/Niels Starnick, Häfele (2), picture-alliance/dpa (3), Dirk Weyhenmeyer