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Aktuell: transport logistic 2019: Modularitätund innovative Güterwagen


eisenbahn magazin - epaper ⋅ Ausgabe 8/2019 vom 11.07.2019

Anfang Juni 2019 fand in München die weltgrößte Logistikmesse „transport logistic 2019“ statt, die in diesem Jahr wieder Rekordwerte verzeichnen konnte: 2.374 Aussteller und 64.000 Besucher aus 125 Ländern. Ein Rundgang zu einzelnen Messe-Highlights


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Bildquelle: eisenbahn magazin, Ausgabe 8/2019

DB Cargo präsentierte mit der 193 362 eine weitere Lok in weißem Outfit und der Werbebeklebung „I am European“ vor den neu entwickelten Autotransportwagen der Bauart Laaeffrs 561


Bernd Piplack

Jeweils um ein Jahr versetzt zur Berliner Innotrans findet im zweijährigen Rhythmus in München die Messe „transport logistic“ statt, die sich vor allem an die ...

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... Logistik-Branche mit Spediteuren und Verkehrsunternehmen bis hin zum Luftfahrt- und Schifffahrtsbereich wendet. Neben den in diesem Jahr von Logistikern hauptsächlich diskutierten Themen wie der Handelskrieg USA/China, die Neue Seidenstraße, Fahrermangel bei den Speditionen oder Chancen der Künstlichen Intelligenz zeigte die Bahnbranche im Freigelände etliche Beispiele für zukunftsweisende Techniken bei Güterwagen und Lokomotiven. In mehreren Projekten wird mit zahlreichen Einzelmaßnahmen an der Verbesserung von Güterwagen gearbeitet – über Leichtbau, optimierte Drehgestelle und Radsätze bis hin zur elektronisch gesteuerten Bremse und der automatischen Kupplung sowie Telematik-Anwendungen. Daneben setzt sich der Trend zur Modularität, der Trennung von Fahrgestell und Aufbau, immer stärker fort.

Dieses Konzept verfolgen zunehmend mehrere Waggonvermieter wie VTG oder Wascosa: Durch die Trennung wird eine unabhängige Instandhaltung der beiden Komponenten und eine bessere Disposition und Auslastung ermöglicht. Zudem lassen sich z.B. Tankcontainer an den Werksstandorten leichter an die Produktionsstellen bringen als schienengebundene Kesselwagen. Tankcontainer können auch in Werken zwischengelagert werden, während die Tragwagen für andere Transporte zur Verfügung stehen. Das erhöht die Wagenlaufleistungen und reduziert insgesamt den Wagenbedarf. Der Chemie- Konzern BASF in Ludwigshafen/Rhein verfolgt dieses Konzept konsequent. Hauptbestandteil sind neue Tragwagen des Waggonvermieters Wascosa, gebaut von Tatravagonka, die mit Scheibenbremsen leiser sind und höhere Laufleistungen erreichen. Innerhalb des BASF-Werks können die Container von „Automated Guided Vehicles“ (AGV) bewegt werden, ähnlich wie bei Containerbewegungen in Hafenterminals. Das Ladegewicht wird bei den AGV auf 32 Reifen und somit mit niedrigerer Radsatzlast abgestützt. Die AGV werden durch passive Transponder in der Fahrbahn geführt und auf drei Zentimeter genau positioniert. Auf der Messe 2019 erstmals vorgestellt wurde ein Container für Gase.

Projekt „Innovative Güterwagen“

In diese Richtung weist auch der sechsachsige DBCargo- Flachwagen der Bauart Saghmmns-ty, der mit seinem abnehmbaren Aufbau vielseitig verwendbar ist, sowohl für Coils, Stahlbrammen (vierlagig) oder auch für Container.

Für das Projekt „Innovative Güterwagen“ haben beispielsweise DB Cargo und der Waggonvermieter VTG in den Jahren 2017/2018 im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale In- frastruktur (BMVI) für rund 17 Millionen Euro neue Güterwagentechniken erprobt. Der neu entwickelte, 33 Meter lange, offene Autotransportwagen der Bauart Laaeffrs 561 besitzt eine flexibel anzupassende obere Ladeebene sowie verstellbare Elemente auf der unteren Ebene. Damit ist er vor allem für hohe und schwere Fahrzeuge (z.B. SUV, Vans, Transporter) geeignet. Bis 2020 sollen davon bereits rund 200 Wagen im Einsatz sein.

Bekommt die DB 1 094 001 ein zweites Leben dank eines Hybrid-Planeten- Getriebes?


J. Hörstel

Wie schon in den Vorjahren stehen auch bei den Lokomotiven flexibler und ökologisch optimierter Einsatz im Vordergrund. Aus der Serie der derzeit auszuliefernden Mehrsystem-Vectron zeigte DB Cargo mit der 193 362 eine weitere Lok in weißem Outfit und der Werbebeklebung „I am European“. Bei dieser Lok sind die Zulassungen gemäß Anschriften für Deutschland, Österreich, Polen und Ungarn bereits vorhanden, für die Niederlande, die Tschechische und die Slowakische Republik geplant.

Siemens: Vectron Dual und Smartron

Die neuesten Mitglieder der Siemens-Lokfamilie sind der Smartron und der Vectron Dual. Der Smartron ist ein vorkonfiguriertes Standardprodukt für den Güterverkehr in Deutschland. Die Lok verfügt über eine Leistung von 5.600 kW und erreicht eine maximale Geschwindigkeit von 140 km/h. Die ersten drei Lokomotiven wurden durch die Eisenbahngesellschaft Potsdam mbH (EGP) bestellt. Ein Prototyp ist seit Frühjahr 2018 schon bei mehreren Eisenbahnverkehrsunternehmen im Probeeinsatz gewesen. Der Vectron Dual ist eine kombinierte Diesel- und Elektrolok (für 15 kV). Basierend auf dem Vectron DE beträgt die Leistung am Rad unabhängig von der Betriebsart 2.000 kW, die Höchstgeschwindigkeit 160 km/h, das Gewicht liegt bei 90 Tonnen. Der Dieseltank fasst 2.500 Liter Kraftstoff und ist damit etwas kleiner als derjenige des Vectron DE. Bisher wurden zwei Prototypen gebaut. Die Zulassung wird für 2020 angestrebt.


Auch bei den Lokomotiven stehen flexibler und ökologisch optimierter Einsatz im Vordergrund


Mit Diesel, Batterie und Fahrdraht

Toshiba präsentierte einen Demonstrator für die neue Hybridlok HDB 800, die ihre Energie sowohl über Fahrleitung (15 kV), Batterien und Dieselmotor beziehen kann. DB Cargo und der Lokvermieter Railpool haben jeweils 50 Stück bestellt. Passend dazu war die Lok an beiden Seiten unterschiedlich lackiert: im Rot der DB und im Silbergrau von Railpool. Allerdings beziehen beide Betreiber die HDB 800 nur in der abgespeckten Batterie-/Diesel-Version. Bei den Batterien handelt es sich um die von Toshiba entwickelten Lithium-Titanat-Zellen, die innerhalb von 30 bis 45 Minuten wieder zu 100 Prozent aufgeladen werden können. Die Lebensdauer wird auf zehn Jahre geschätzt. Auch eine Nachladung bei Bremsvorgängen ist möglich. Der Antrieb erfolgt über neue Permanentmagnet-Motoren. Ein erster „echter“ Prototyp wird auf der In notrans 2020 zu sehen sein. Insgesamt sollen zunächst sieben Prototypen auf dem alten Vossloh- Gelände in Kiel gebaut werden, sechs davon für das Zulassungsverfahren, eine als Vorführlok. Die Deutschland-Zulassung wird nach dem neuen ERA Verfahren bis 2021 erfolgen, für die Serienfertigung soll das DB-Werk in Rostock genutzt werden.

Hybridlok HDB 800 ist eine Neuentwicklung von Toshiba. Sie kann ihre Energie aus der Fahrleitung, Batterien oder einem Dieselbehälter beziehen


Die HDB 800 ist in den Farben der beiden Besteller lackiert: rot für DB Cargo, silbergrau für den Lokverleiher Railpool (links) Blick in den Führerstand (unten)


Jürgen Hörstel (3)

Hybridtechnik als Verjüngungskur

Doch die Hybridtechnik kommt nicht nur bei Neuentwicklungen zum Zug, sondern auch bei der Modernisierung der guten alten DB-Reihe 294. Das ist das Ergebnis des Projekts HELMS (Hybrid Electronic Mechanical Shunter) – einer Zusammenarbeit im DB-Konzern von DB Cargo, DB Systemtechnik und der DB-Fahrzeuginstandhaltung (Werk Cottbus). Das herkömmliche Strömungsgetriebe wird durch ein Hybrid-Planeten-Getriebe ersetzt, das die Leistungsübertragung optimiert und durch eine Hybridsteuerung einen effizienten Verbrauch ermöglicht. Der Einsatz eines Li-Ion- Energiespeichers (92 kWh) senkt den hohen Leerlaufanteil des Dieselmotors und ermöglicht ein temporär emissionsfreies Fahren. Die Leistungselektronik stammt von Toshiba. Kraftstoffeinsparungen und entsprechende Emissionsminderungen werden in Höhe von 20 bis 25 Prozent erwartet. Bis Ende 2020 werden zwei Prototypen getestet, ab 2022 soll diese technische Lösung für dieselhydraulische Rangierloks in Serie gehen.

Ein Rundgang über den der Eisenbahn vorbehaltenen Bereich von transport und logistic stellt unter Beweis, dass „die Schiene“ aus ihren alten Bindungen heraustritt, die sie gegenüber „der Straße“ als zu starr erscheinen ließen. Lokomotiven wie Wagen haben inzwischen ein sehr hohes Maß an flexiblen Einsatzmöglichkeiten und damit ökonomischer Attraktivität erreicht. Nun bedarf es nur noch des politischen Willens, dem ökologisch verträglichen und sinnvollen Schienenverkehr freie Bahn zu verschaffen.

Bei Güterwagen geht die Tendenz zur Trennung von Aufbau und Fahrgestell; ein Beispiel dafür Sgmmnss 195 mit VTG/BASF-Tankcontainer


Jürgen Hörstel

Neue Konzepte bei Güterwagen sollen die Flexibilität im Warentransport auf der Schiene erhöhen und der Bahn neue Chancen auf dem Verkehrsmarkt verschaffen


Bernd Piplack