Weiterlesen mit NEWS. Jetzt testen.
Lesezeit ca. 4 Min.

AKTUELL: WFFS – Pferdedeutschland und die Bedrohung aus den Genen


St.GEORG - epaper ⋅ Ausgabe 70/2018 vom 25.06.2018

DasWARMBLOOD FRAGILE FOAL SYNDROM(WFFS) hält die Sportpferdezucht weltweit in Atem. Einige europäische Verbände haben sofort Maßnahmen ergriffen. Nun gibt es auch in Deutschland erste Stellungnahmen


Artikelbild für den Artikel "AKTUELL: WFFS – Pferdedeutschland und die Bedrohung aus den Genen" aus der Ausgabe 70/2018 von St.GEORG. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: St.GEORG, Ausgabe 70/2018

Fohlen, das wegen WFFS eingeschläfert werden musste. Typisch: die überstreckten Gelenke.


Das Warmblood Fragile Foal Syndrom (WFFS) ist eine genetisch bedingte Bindegewebsschwäche. Fohlen, die damit zur Welt kommen, sind nicht lebensfähig. Die Krankheit bricht mit einer 25-prozentigen Wahrscheinlichkeit aus, wenn beide Elternteile Träger des Gens sind. Bei der Anpaarung eines Trägerpferdes mit einem ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von St.GEORG. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 70/2018 von LESERBRIEFE: BRIEF DES MONATS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LESERBRIEFE: BRIEF DES MONATS
Titelbild der Ausgabe 70/2018 von Der Musterschüler. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Der Musterschüler
Titelbild der Ausgabe 70/2018 von PFERDE & LEUTE: INTERVIEW OTTO BECKER „ Neue Paare, aufstrebende Talente“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
PFERDE & LEUTE: INTERVIEW OTTO BECKER „ Neue Paare, aufstrebende Talente“
Titelbild der Ausgabe 70/2018 von DOSSIER: Was vom Tage(bau) übrig blieb. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DOSSIER: Was vom Tage(bau) übrig blieb
Titelbild der Ausgabe 70/2018 von WELTREITERSPIELE TRYON 2018: Tryon 2018 – Deutschlands Kandidaten. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
WELTREITERSPIELE TRYON 2018: Tryon 2018 – Deutschlands Kandidaten
Titelbild der Ausgabe 70/2018 von LUHMÜHLEN: VON VERZICHT, REKORDEN UND EINEM TODESFALL. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LUHMÜHLEN: VON VERZICHT, REKORDEN UND EINEM TODESFALL
Vorheriger Artikel
FAMILIENZUSAMMENFÜHRUNG
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Ponyzucht auf zu neuen Ufern in Niedersachsen?
aus dieser Ausgabe

... Nichtträger (egal, ob Hengst oder Stute) kann das Fohlen den Gendefekt zwar geerbt haben, hat aber keine klinischen Symptome. Das Thema ist auch deshalb brisant, weil das wissentliche Anpaaren zweier Trägertiere gleichzusetzen ist mit tierzuchtrechtlich verbotener Qualzucht. Die Schweden haben nun einen Gentest auf WFFS für Hengsthalter verpflichtend gemacht. Das niederländische KWPN hat 250 Hengste getestet. Beim Anglo-European Studbook (AES) werden die Hengsthalter ebenfalls angewiesen, ihre Vererber zu überprüfen und das Ergebnis zu veröffentlichen. Eher abwartend sind die Haltungen in Belgien und Dänemark. Obwohl zumindest in Dänemark bereits einige große Privathengsthalter ihre Pferde freiwillig beprobt haben. Aber was ist mit Deutschland? Es wird auf jeden Fall eine Studie an der Universität Göttingen geben, die Verbreitung und Herkunft des Gendefekts untersuchen soll. Wir haben uns bei den Verbänden umgehört, wie man nun mit dem Thema umgeht.

Das Westfälische Pferdestammbuch um Zuchtleiter WILKEN TREU und der Oldenburger Verband haben folgende Überlegungen veröffentlicht (in Auszügen): Insgesamt werden derzeit Empfehlungen ausgegeben, die Zuchttiere auf WFFS überprüfen zu lassen. Mittelfristig könnte es aber auch zur Verpflichtung seitens des Zuchtverbandes kommen. Der Zuchtverband sieht sich hier zudem in der Position, Anlaufstelle für die Veröffentlichung zu sein.

Nicht hinwegtäuschen darf die aktuelle Diskussion um WFFS darüber, dass dies möglicherweise nur ein Anfang in der Beprobung von Erbkrankheiten ist. Die Erarbeitung der genomischen Selektion durch einige Pferdezuchtverbände könnte hier neue Standards setzen.

Letzten Endes kann jedem Züchter nur die Überprüfung des Einzeltiers, also der eigenen Stuten, absolute Sicherheit geben. Ein entsprechender Gentest empfiehlt sich, da Anpaarungen von WFFS-Trägertieren untereinander zu vermeiden sind. Andererseits ist auch die Kenntnis des WFFS-Status des Hengstes in die Anpaarungsüberlegungen einzubeziehen und kann beim Hengsthalter angefragt werden.

Kurzfristig wird den Hengsthaltern empfohlen, den Hengstbestand auf WFFS zu überprüfen, die Ergebnisse zu veröffentlichen (u.a. über den Pferdezuchtverband) und den Züchtern damit einen Anhaltspunkt für ihre Anpaarungsentscheidung zu geben. Dies wird bereits von mehreren Hengsthaltern durchgeführt, so dass der erste Teil des deutschen Hengstbestandes bereits überprüft ist.

Die vorstehend erwähnten Untersuchungsprojekte sollen zudem dazu dienen, weitere Handlungsschritte abzuleiten. Hieraus könnte beispielsweise die verpflichtende Überprüfung von Hengsten auf WFFS für die Hengstbuch-Eintragung zu Beginn des Jahres 2019 resultieren. Auch die Einbeziehung von Körungen könnte daraus resultieren. Ein Zuchtausschluss lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten.

Oldenburgs Zuchtleiter DR. WOLFGANG SCHULZESCHLEPPINGHOFF hat eine klare Meinung in der Sache: „Das ist ja nicht der einzige Gendefekt, den es gibt. Wir werden lernen müssen, damit umzugehen, also nicht zwei Trägertiere miteinander anzupaaren. Das Ziel muss es sein, dass die Krankheit nicht auftritt. Insofern ist es gut, dass wir das berücksichtigen. Im Augenblick ist das Testen der Hengste noch eine Empfehlung für die Halter. Aber schon allein aus EU-tierzuchtrechtlichen Gründen ist es gut möglich, dass das bald ein Muss wird.“

In Hannover werde das Thema intensiv diskutiert und man sei dabei, Maßnahmen vorzubereiten, berichtet ZuchtleiterDR. WERNER SCHADE . Er schätzt, dass es innerhalb der nächsten Wochen einen Maßnahmenkatalog geben wird, gibt aber auch zu bedenken: „Wir sind in einer Situation, in der wir noch relativ wenig wissen. Wie groß ist das Problem tatsächlich? Natürlich müssen wir das ernst nehmen. Aber ein fundamentales Problem für die Pferdezucht sehe ich da nicht. Es steht ja die Frage im Raum, warum tut die deutsche Pferdezucht nichts? Aktionismus bringt uns nicht weiter. Wir müssen gezielt vorgehen. Das ist aber auch kein Thema für einen Verband alleine, sondern müsste Verbandsübergreifend abgestimmt werden.“

KARL-HEINZ BANGE vom Pferdezuchtverband Rheinland-Pfalz-Saar nimmt eher eine abwartende Position ein: „Wir haben darüber gesprochen und werden es verfolgen. Bislang haben wir uns noch nicht dazu durchgerungen, Maßnahmen zu ergreifen wie die Holländer. Aber wir werden süddeutsch sicherlich noch mal besprechen, wie wir vorgehen. Aktuell befinden wir uns in der Beobachtungsphase.“

UWE MIECK, Zuchtleiter des Verbandes Sachsen-Thüringen , gibt zu: „Ich hätte nicht erwartet, dass es Träger gibt, weil wir bislang keinen Fall hatten. Aber ich weiß, dass Züchter ihre Pferde haben testen lassen und dass es positive Fälle gab. Wir werden uns mit Sicherheit damit befassen – befassen müssen!“

So sieht das auch DR. NORBERT CAMP , erster Vorsitzender des Trakehner Verbandes: „Der Druck aus der Züchterschaft wird kommen und das zu Recht. Möglicherweise können eine Reihe von Aborten mit WFFS in Verbindung gebracht werden. Man kann davon ausgehen, dass die Züchter demnächst einen entsprechenden Test von den Hengsthaltern verlangen werden. Diese Dynamik werden wir gar nicht stoppen können. Und es kann nur einen offenen Umgang mit dem Thema geben.“

DR. THOMAS NISSEN vom Holsteiner Verband sagt: „Wir werden uns mit umfangreichen Material an der Studie der Universität Göttingen beteiligen und aus den hier gewonnen Erkenntnissen entsprechende Maßnahmen ableiten. Aufgrund eines Falles in den USA sollten wir nicht panisch reagieren. Wir haben mit Züchtern und Hengsthaltern gesprochen. In Schleswig-Holstein ist noch nicht ein Fall bekannt. Aber natürlich werden wir die Entwicklungen im Auge behalten und gegebenenfalls reagieren.“

Die stellvertretende Geschäftsführerin der Abteilung Zucht der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN),DR. TERESA DOHMWARNECKE , klärt auf, warum der Dachverband noch keine Maßnahmen angeordnet hat: „Die FN kann nicht über die Köpfe der Zuchtverbände hinweg eine Entscheidung über die Bestimmungen der Zuchtverbandsordnung (ZVO) treffen. Darüber muss mit den Vertretern der Verbände gesprochen werden. Bei entsprechender Rückmeldung wird eine Beschlussvorlage verfasst, über die im Beirat Zucht abgestimmt wird und bei entsprechender Mehrheit kann ein Beschluss dann in die ZVO-Rahmenbestimmungen für die Populationen der Deutschen Reitpferdezucht aufgenommen werden. Daran kommen wir nicht vorbei, weil die Verbände autark sind. Wir haben ein Schreiben an die FN-Mitgliedszuchtverbände geschickt, in dem wir die Meinung der Zuchtleiter abfragen, ob sie es befürworten würden, dass es bezüglich WFFS eine verbandsübergreifende Regelung geben soll. Zudem haben die Herren Theodor Leuchten und Dr. Klaus Miesner in dem Schreiben eine Empfehlung ausgesprochen, alle zuchtaktiven Hengste testen zu lassen, und dies in der ZVO zu verankern, um der Informationsverpflichtung über genetische Defekte und Besonderheiten gemäß EUTierzuchtverordnung nachzukommen.“

LABOKLIN-STUDIE

In Europa hatte das Labor Laboklin 2012 eine Studie initiiert, bei der 500 Warmblüter auf WFFS getestet wurden. 47 wurden als Träger identifiziert, knapp 10 Prozent. Legt man diese Zahl zugrunde, komme man bei 400 zufälligen Anpaarungen und 25-prozentiger Vererbbarkeit auf ein erkranktes Fohlen, rechnet Laboklin.