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Aktuelles aus der Zulassung


GB Gärtnerbörse - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 20.04.2019

Erfolgreicher Pflanzenschutz im Zierpflanzenbau – geht das noch?“ Antworten auf diese Frage sollten die Referenten beim „1. Kölner Pflanzenschutztag“ geben, der am 5. Dezember 2018 bei der Landwirtschaftskammer NRW in Köln-Auweiler stattfand. Circa 140 Interessierte besuchten die Veranstaltung, bei der das Labor des Pflanzenschutzdienstes und rund zehn Unternehmen in den Pausen über ihr Angebot für Pflanzenschutz und Düngung informierten.Heinrich Dreßler fasst in diesem und den folgenden zwei Beiträgen die Vorträge zusammen.


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Bildquelle: GB Gärtnerbörse, Ausgabe 5/2019

Eröffnung: Dr. Ellen Richter


Dr. Ellen Richter, Leiterin des ...

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... Pflanzenschutzdienstes NRW, wies bei der Eröffnung darauf hin, dass die Palette chemischer Pflanzenschutzmittel immer kleiner werde, vor allem bei den selektiven Insektiziden, die für den Integrierten Pflanzenschutz und das Resistenzmanagement wichtig seien. Ein weiteres Problem seien neue Schaderreger, die durch den globalen Handel verbreitet werden.

Der „Arbeitskreis Lückenindikation“ versuche, Pflanzenschutzmittel aus anderen Bereichen für kleinere Kul -turen verfügbar zu machen. Da im Zierpflanzenbau Rückstände kaum eine Rolle spielen, sei dies dort einfacher als zum Beispiel im Gemüsebau. Dafür werde unter anderem weltweit in Datenbanken nach Präparaten recherchiert. Neben einzelbetrieblichen Genehmigungen sind Notfallgenehmigungen möglich, im Zierpflanzenbau seien sie aber nicht üblich.

Richter appellierte an die Praktiker, Pflanzenschutzmittel gezielt einzu -setzen, um Resistenzen vorzubeugen. Nützlinge seien heute ein unverzichtbarer Bestandteil des Pflanzenschutzes. Sie seien der „Brandschutz“, chemische Präparate seien die „Feuerwehr“. Biologische Präparate auf der Basis von Mikroorganismen be-zeichnete Richter als eine Option für die Zukunft. Bekannte biologische Mittel wie Kaliseife, Rapsöl oder Neem Azal seien für sich gesehen nicht immer ausreichend in der Wirkung, eigneten sich aber gut für den Einbau in Spritzfolgen. Wichtig sei die betriebliche Hygiene, sagte Richter.

Zulassungssituation

Elisabeth Götte informierte über die aktuelle Zulassungssituation bei Pflanzenschutzmitteln. Sie ist beim Pflanzenschutzdienst NRW in den Bereichen Zierpflanzenbau und Baumschule sowie Lückenindikation tätig. Die Zulassungssituation wirke zurzeit „chaotisch“, sagte sie. Die Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe werden von der EU zugelassen, die formulierten Präparate auf nationaler Ebene. Die Wirkstoffe dürfen keine negativen Auswirkungen auf Menschen, Tiere und Umwelt haben. Viele Wirkstoff-Zulassungen laufen aus, bei der EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) gibt es laut Götte aber einen Bearbeitungsstau. Da dieser Stau nicht durch das Verschulden der Antragsteller entstanden sei, komme es zu kurzfristigen Zulassungsverlängerungen, bis endgültig über die Re-Registrierung entschieden werden kann. Die Zukunft der Wirkstoffe sei dadurch aber unklar.

Zulassungen für Pflanzenschutzmittel sind nur möglich, wenn der Wirkstoff zugelassen ist. Solange die Re-Registrierung eines Wirkstoffs auf EU-Ebene verzögert wird, kann daher auch die Zulassung der Produkte auf nationaler Ebene nicht bearbeitet werden, erklärte Götte. Das führe wiederum in den einzelnen EU-Ländern zu kurzfristigen Verlängerungen von Pflanzenschutzmittel-Zulassungen ohne Gewissheit, dass am Ende ein Pflanzenschutzmittel tatsächlich wieder zugelassen wird. Werde der Wirkstoff auf EU-Ebene nicht wieder registriert, komme es zum Widerruf von Zulassungen, zum Teil auch mit verkürzter Abverkaufs- und Aufbrauchfrist.

Für Lückenindikationen, das heißt kleine Kulturen, für die gegen bestimmte Schaderreger keine ausreichende Anzahl an Pflanzenschutzmitteln zugelassen ist, besteht die Möglichkeit von Zulassungserweiterungen eines Pflanzenschutzmittels nach Artikel 51 der EU-Verordnung (VO) 1107/2009. In Deutschland seien circa 100 Anträge für Präparate mit Relevanz für den Zierpflanzenbau in Be -arbeitung, sagte Götte. Über alle Kulturen seien es mehr als 1000 Anträge. Auch hier gibt es einen Bearbeitungsstau beim zuständigen Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), der allerdings im laufenden Jahr abgearbeitet werden soll.

Referentin: Elisabeth Götte


Aufwandmenge pro Fläche

Eine Änderung gibt es bei der Dosiermenge, sagte Götte. Statt der Höhenstaffelung bei Zierpflanzen und Baumschulkulturen (unter 50 cm / 50 bis 125 cm / über 125 cm Pflanzenhöhe) wird jetzt auch in Deutschland die Aufwandmenge (maximale Präparat- und Wasseraufwandmenge) pro Flächeneinheit angegeben. Dies sei eine Anpassung an die Standards in anderen EU-Ländern, zum Beispiel in den Niederlanden. Die für die Praxis wichtige Angabe einer Konzentration sei möglich. Bei einem Umweltrisiko könne die Anwendung auf Pflanzen begrenzt werden, die kleiner als 50 Zentimeter sind. Durch die Neuregelung seien mehr Mittel für höhere Kulturen wie Baumschulgehölze oder Schnittblumen verfügbar, sagte Götte. Schwieriger sei aber die Abschätzung der optimalen Aufwandmenge bei neuen Mitteln, vor allem bei kleinen Kulturen.

Im Weiteren befasste sich Götte mit der Zulassungssituation bei einzelnen Präparaten. (Die aktuelle Zulassungssituation ist jeweils zu prüfen und zu beachten.) Die Herbizide Mogeton und Mogeton Top (Wirkstoff: Quinoclamin) waren bis Ende 2018 zuge -lassen. Die Aufbrauchfrist endet am 30. Juni 2020. Die Präparate sind unter anderem einsetzbar bei Baumschulgehölzpflanzen in Containern, darunter Callunen und Eriken.

Bei dem Fungizid Dithane NeoTec (Wirkstoff: Mancozeb) endet die Aufbrauchfrist am 30. September 2019, die Zulassung für den Zierpflanzenbau wird erwartet. Bei Risolex flüssig endete die Zulassung am 31. Oktober 2018. Der Wirkstoff dieses Fungizids sei zugelassen, eventuell folge eine weitere Zulassung des Präparats für Zierpflanzen. Die Fungizid-Präparate Kumar und Vitisan sind seit Oktober 2018 auch in hohen Kulturen des Zierpflanzenbaus zugelassen.

Bei dem Insektizid Movento OD 150 (Wirkstoff: Spirotetramat) endete die Zulassung für Baumschulgehölzpflanzen und Ziergehölze regulär am 30. November 2018. Neu zugelassen wurde Movento SC 100 mit dem gleichen Wirkstoff für Schnittblumen, Stauden und Zwiebelgewächse im Freiland (Kulturen unter 50 cm Höhe, Behandlung erst nach der Blüte bis zur Samenreife) und für Schnittblumen, Topfpflanzen, Stauden, Ziergehölze und Zwiebelgewächse im Gewächshaus in allen Entwicklungsstadien.

Das Insektizid Pirimor Granulat (Wirkstoff: Pirimicarb) erhalte möglicherweise eine neue Zulassung, aber voraussichtlich nur im Gewächshaus. Die aktuelle Zulassung endet am 30. April 2019. Bei den Insektiziden erwartet Götte das Wegfallen der Zulassung unter anderem bei Mesurol flüssig und bei Dimethoat-haltigen Mitteln (reguläres Zulassungsende: jeweils 31. Juli 2019). Das Insektizid Spruzit Neu hat nur noch eine Zulassung im Gewächshaus, es darf nicht mehr im Freiland eingesetzt werden.

Ein neuer Trend bei der Insektenbekämpfung seien Biologika, unter denen sich bekannte Mittel wie Naturalis befinden. Auch bei der Pilzbekämpfung treten Biologika auf den Plan.

Bienen- und Arbeiterschutz

Bei Mischungen des Insektizids Calypso mit bestimmten Fungiziden sei die neue Auflage NB6613 zu beachten, die den Bienenschutz verbessern soll. Dem Arbeiterschutz bei längerer Tätigkeit (einschließlich Ernte) in behandelten Zierpflanzen- und Baumschul-Beständen dienen die neuen Auflagen SF275 und SF276, die nach dem Einsatz bestimmter Präparate bei Arbeiten mit behandelten Pflanzen zum Tragen von Arbeitskleidung inklusive Handschuhen verpflichten. Die Dauer des Schutzes hängt vom Wirkstoff ab und ist der Gebrauchsanweisung zu entnehmen. Generell sei mit zunehmenden Einschränkungen durch Auflagen und Anwendungsbestimmungen zu rechnen, sagte Götte.