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AKTUELLES & HEIMAT: NACHRUF: Hannelore Elsner, † 76: Abschied von einer strahlenden Diva


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SUPERillu - epaper ⋅ Ausgabe 19/2019 vom 02.05.2019

Einegroße Schauspielerin ist leise und unerwartet von uns gegangen. Nur ihr Sohn und ganz enge Freunde wussten, dass Hannelore Elsner gegen den Krebs kämpfte. Und ihren Kampf am Ostersonntag verlor …


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Bildquelle: SUPERillu, Ausgabe 19/2019

Sinnlich: Hannelore Els(t)ner 1993. Den Buchstaben „t“ ließ sie wegen des Klangs aus ihrem Namen streichen


Die Schauspielerin in den 60er- Jahren am Meer: 1959 spielte sie ihre ersten Rollen


In den ersten Jahren wirkte sie eher in Unterhaltungsfilmen


Kokett überquert der Filmstar 2018 den Tisch. Doris Dörrie und Martin Moszkowicz („Constantin“) halfen


Die neue deutsche Sinnlichkeit: Hannelore Elsner wusste ...

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... sich zu inszenieren


Roter Lippenstift auf den herrlich sinnlichen Lippen: ein Markenzeichen der Schauspielerin


Wenn sie einen Raum betrat, wenn sie lachte, dann wurde der Raum hell. Und alle Männer lagen ihr zu Füßen. Ich auch“, erinnert sich Regisseur Dieter Wedel, 77, mit dem Hannelore Elsner zwei Jahre liiert war. Dieses raumfüllende Lachen, ihre Herzenswärme, ihre unbändige Lebenslust, zugleich eine schnörkellose Direktheit, ihre Ehrlichkeit und ihre große Schaffenskraft werden in der deutschen Film - und Fernsehwelt, auf Bühnen und glamourösen Partys fehlen. Der Tod der großen Schauspielerin, die so zart und zierlich war (1,61 Meter), kam für die meisten plötzlich und unerwartet. Ein Anwalt der Familie teilte mit, dass Hannelore Elsner über Ostern schwer erkrankt und am Ostersonntag friedlich eingeschlafen sei.

Das Alter konnte Hannelore Elsner nichts anhaben, sie wurde immer schöner. Strahlte voll unbändiger Lebenslust


In „Kirschblüten & Dämonen“ (2019), der Fortsetzung von „Kirschblüten – Hanami“ spielt sie eine Krebskranke. Mit Elmar Wepper und Golo Euler


Eine Diva des deutschen Films: Man konnte leidenschaftlich mit ihr streiten – und leidenschaftlich mit ihr lachen, erinnern sich Kollegen


Alles auf Zucker: Henry Hübchen und Hannelore Elsner im Spielfilm von Dani Levy aus 2004


Als Rudolph Moshammers Mutter Else überzeugte und amüsierte sie in „Der große Rudolph“ (2018, ARD)


Von 1994 (Foto) bis 2006 war sie „Die Kommissarin“ in der ARD-Serie. An ihrer Seite: Til Schweiger


Als erste Westdeutsche spielte sie in einem Defa-Film mit: „Aus dem Leben eines Taugenichts“


In Oskar Roehlers Film „Die Unberührbare“ gibt Elsner eine Suchende in den Zeiten des Mauerfalls


Vier Jahre lang liebten sich die Schauspielerin und Filmproduzent Bernd Eichinger. Rechts Elsners Sohn Dominik


1981 mit ihrem damaligen Lebensgefährten Dieter Wedel und dem gemeinsamen Sohn Dominik


Hannelore Elsner spielte mehr als 200 Kinound TV-Rollen


Der Kampf gegen den Krebs blieb bis zuletzt ihr Geheimnis. Nur wenige Eingeweihte wussten davon. Selbst vor engen Kollegen verbarg sie ihre Erkrankung. Ein Vertrauter Elsners erklärte dazu in „Bild“, dass sie behandelt werden wollte wie immer. Hannelore Elsner habe gewusst, dass man mit ihr anders umgegangen wäre, wenn sie ihre Krankheit öffentlich gemacht hätte. Sie habe sich entsetzlich vor dem Tod gefürchtet, weil sie das Leben so geliebt habe.


„Und es war mein Glück, dass ich so lebensbejahend war …!“


Geboren wurde Hannelore Elstner am 26. Juli 1942 im oberbayerischen Burghausen, im nahen Altötting wuchs sie auf. Kurz vor Kriegsende kam ihr zwei Jahre älterer Bruder Manfred bei einem Tieffliegerangriff ums Leben, der Vater verstarb an Tuberkulose, als Hannelore acht Jahre alt war. Sie kam in ein Klosterinternat.

„Es gab einfach kein trautes Heim mit einem gütigen Vater und einer fürsorglichen Mutter. Es hatte keinen Sinn, davon zu träumen. Das habe ich mir nicht angetan. Da wäre ich ja total unglücklich geworden. Und es war mein Glück, dass ich so lebensbejahend war und immer auch das Schöne sehen konnte“, sagt die Schauspielerin in einem Interview mit der SZ über ihre 2011 erschienene Autobiografie.

Die größte und längste Liebe: Ihr Kraftund Liebeszentrum war Sohn Dominik


Im Alter von 16 Jahren wird Hannelore Elstner auf der Straße in München von einem Regisseur entdeckt – er schickte sie auf eine Schauspielschule. Mit 17 Jahren startete sie ihre Filmkarriere an der Seite von Freddy Quinn in dem Millionenerfolg „Freddy unter fremden Sternen“. Danach spielte sie auch Theater, unter anderem an den Münchner Kammerspielen. 1973 wurde sie die erste westliche Darstellerin in einem Defa-Film, spielte eine Gräfin in „Aus dem Leben eines Taugenichts“, an der Seite von Dean Reed. Zwichenzeitlich ließ Elstner das „t“ in ihrem Nachnamen streichen – des sanfteren Klangs wegen. Die Rolle der „Kommissarin“ (ARD) war ihre bekannteste und am längsten laufende (1994 bis 2006). In mehr als 200 Fernseh- und Kinorollen wirkte sie mit, wurde mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Zweimal erhielt Hannelore Elsner den Deutschen Filmpreis (2000 für „Die Unberührbare“ und 2003 für „Mein letzter Film“). Bis zuletzt stand sie vor der Kamera. Doch der Film „Lang lebe die Königin“, in dem sie wie auch in „Die Diva, Thailand und wir!“ (2016) eine Krebskranke spielt, bleibt unbeendet.

Von 1993 bis 2000 war Elsner mit dem Theaterdramaturgen Uwe B. Carstensen verheiratet


Männer zog Hannelore Elsner an wie Motten das Licht, doch keine ihrer Lieben hielt. Zweimal war sie verheiratet, mit Produzent Bernd Eichinger († 2011) verband sie eine vierjährige Beziehung und lebenslange Freundschaft. Aus ihrer Liaison mit Regisseur Dieter Wedel stammt ihr Sohn Dominik. In ihrer Autobiografie widmet sie Wedel, den sie darin „den Anderen“ nennt, nur drei Sätze. Elsner zog ihren Sohn alleine auf. Wirkliche Liebe, so sagt sie in einem Interview mit der „Emma“, habe sie nur mit Dominik kennengelernt, „also so eine Liebe, für die man nichts zurückhaben will.“


Sie spielte gern mit ihrem Image der verruchten Verführerin


Noch mit über 70 Jahren spielte die Grande Dame, die auch mal unbequem und enervierend sein konnte, wenn sie für eine Sache, eine Überzeugung kämpfte, mit ihrem Image der verruchten Verführerin. Trug Netzstrümpfe und beerenfarbenen Lippenstift, stieg im letzten Jahr beim Deutschen Filmball in München in High Heels auf Tische, rauchte und genoss das Leben. Das Alter, das vielen Schauspielerinnen zu schaffen macht, konnte Elsner, die lieber Rotwein statt Botox orderte, nichts anhaben. Immer wieder auf das Thema angesprochen, erkannte sie: „Ich merke langsam, dass es eine Art Aufgabe für mich sein kann, Frauen zu sagen, habt keine Angst. Werdet älter, in Gelassenheit, in Ruhe, in Freude – mit Erotik oder auch ohne. Ist mir scheißegal.“ Starke Worte einer mutigen Frau, die in Deutschland fehlen wird!katja.malich@superillu.de


FOTOS: action press (2), imago (3), Getty Images, Interfoto (2), Agentur Focus/Markus Tedeskino, Roba Images, Hipp-Foto, Constantin Film, BR/Dominik Elstner, DEFA-Stiftung/Ebert Kühn

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