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AKTUELLES: LAS VEGAS: IST DAS DIE ZUKUNFT VON GOLF?


golfen. - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 23.10.2019
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Bildquelle: golfen., Ausgabe 5/2019

Ist das die Zukunft des Golfspiels? Lachende Menschen, die meisten deutlich unter 40. Bier und Cola, Cocktails und Chips auf den Tischen. Dazu Golfschläger, Abschlagmatten und ein Computer, der das Spiel steuert. Mehr Party als klassisches Golf! Das Ganze nennt sich TopGolf und ist die Freizeit-Attraktion in Nordflorida, in Las Vegas und anderen Standorten seit drei Jahren. Eine Driving Range der etwas anderen Art. Die Anlage, nicht größer als ein Fußballfeld, liegt abseits des weltberühmten „Strips. Der Straßenlärm spielt keine Rolle, denn er wird locker von der wummernden Musik übertönt, die aus ...

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... hunderten Lautsprechern dröhnt.

Die jungen Leute, viele davon blutige Golfanfänger, scheint das nicht zu stören, ganz im Gegenteil, wer nicht ißt, trinkt oder Bälle schlägt, wippt im Sound der Musik mit. An guten Tagen, von Donnerstag bis Sonntag, kommen mehrere tausend Menschen pro Tag auf die dreistöckige Anlage. Firmen-Veranstaltungen, Freunde, Gruppen und sogar Kinderfeste kommen, gut 300.000 Kunden pro Jahr.

Golf ist vor allem in den USA längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Und das nicht nur bei den klassischen Zielgruppen. Auffallend viele Afroamerikaner treffen sich auf der Anlage, um Golf zu spielen, Spaß zu haben und hinterher an der Sportsbar abzuhängen. Neben den Ergebnissen des Zielgolfens laufen diverse Sportübertragungen über die vielen Bildschirme.

Sportbars gibt es in den USA wie Sand am Meer, aber kaum welche, in denen außer Trinken wirklich Sport betrieben wird. Die neuen Spielregeln beim TopGolf sind übrigens schnell kapiert. Wie beim Dart geht es darum, den Ball möglichst mittig in ein rundes Trefferfeld zu platzieren. Diese liegen zwischen 40 und 150 Meter von der Abschlagbox entfernt. Der Computer erledigt die lästige Zählarbeit und jeder Abschlagbox sind Bälle mit einem speziellen Chip zugeordnet. Fehlerquote seitens der Maschine: Null. Die gestellten Schläger sind butterweich, doch das interessiert aber die Anfänger nicht. Erfahrene Golfer bringen ihre eigenen Eisen und Hölzer mit. Hilft aber auch nicht wirklich, denn die One-Piece-Bälle sind träge. Es geht aber nicht um Weite, sondern darum, Ziele zu treffen und gegen die Freunde zu gewinnen. Ob die Bälle nur ins Ziel rollen oder einen hohen, eleganten Flugweg hinter sich haben, ist weitgehend egal.

Der Durchschnittsbesucher bleibt zwei Stunden, die Gruppen zählen im Schnitt vier Personen. Die Geschlechterverteilung ist ganz unamerikanisch. 68 Pro zent männlich und 32 Prozent weiblich. Ansonsten stellen Männer in den USA den Löwenanteil bei den Golfern: 96 Prozent. Interessant auch die Verteilung nach Alter: 15 Prozent sind 17 und jünger, den Hauptanteil machen die 18- bis 34jährigen mit mit mehr als die Hälfte (53%) aus. Je 15 Prozent gehören den Altersgruppen 35-44 und 45-64 an. Nur 2 Prozent sind älter als 65.

Gehören denn auch Golfer zum Klientel? Ja, 56 Prozent der TopGolf-Kunden spielen einmal monatlich (33%) oder einmal wöchentlich (23%) Golf. Allerdings: 45 Prozent der Kunden spielen klassisches Golf einmal oder weniger als einmal pro Jahr. Die Preise sind angemessen. Für eine Abschlagbox für bis zu sechs Spieler zahlt man zwischen 25 und 45 Dollar je nach Tageszeit. Eine einmalige Mitgliedskarte zu 5 Dollar pro Spieler ist nötig, um dem Computer zu sagen, wer gerade spielt. Essen und Getränke gehen extra. Die Preise hierfür bewegen sich aber im ortsüblichen Rahmen. Eine Cola und ein Burger kommen auf rund 12 Dollar. Geschätzter Mindestumsatz pro Kopf rund 25 Dollar pro Stunde. Das privat geführte Unternehmen gibt mit Hinweis auf die nicht vorhandene Veröffentlichungspflicht der Geschäftsergebnisse selbst keine Zahlen preis. Bei weltweit 12,2 Millionen Gästen ergibt sich hochgerechnet allerdings ein jährlicher Mindestumsatz in gut dreistelliger Millionenhöhe.

Begonnen hat die Idee auf einer Driving Range in Texas im Jahr 2000. Die Brüder Jolliffe waren gelangweilt vom ewigen Bälleklopfen auf der Range, begannen sich Ziele auszusuchen und auf ihre Treffer zu wetten. Dazu gab es Snacks und Drinks. Daraus entwickelten sie das heutige Konzept und brachten es zur Serienreife.

Die erste Anlage eröffnete 2008 in Dallas/Texas. Heute zählen die Eigentümer pro Jahr 12,2 Millionen Besucher weltweit, beschäftigen 13.000 Mitarbeiter und die Expansion geht jetzt erst so richtig los - auch international. Die Betreiber der Anlage haben bereits 28 Anlagen in den USA, weitere 11 in den USA von Florida bis Indiana, von Texas bis Maryland sollen bis 2020 folgen. Auch der Sprung nach Europa ist geglückt: Drei Anlagen finden sich in Großbritannien im Dunstkreis von London. Nach Aussagen der Sprecherin, Adrienne Chance, sind die Scouts von TopGolf weltweit unterwegs, um neue Standorte zu suchen. Die Finanzdecke scheint gesichert. An den TopGolf- Anlagen sind hauptsächlich die Investmentgruppe WestRiver, der Golf-Branchenriese Callaway und eine Versicherung beteiligt.


Fotos: TopGolf