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Alblamm & Wacholder


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Slow Food Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 29.03.2022

SCHWÄBISCHE ALB

Artikelbild für den Artikel "Alblamm & Wacholder" aus der Ausgabe 2/2022 von Slow Food Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Slow Food Magazin, Ausgabe 2/2022

Der Bopfinger Ipf hat etwas Magisches. Urplötzlich steigt er, fast wie ein Vulkankegel, aus der sanften Voralblandschaft empor. 668 Meter ist er hoch, doch sein Gipfel ist – eben wie bei einem Vulkan – vollkommen flach. Nicht selten hüllt der Ipf sich in Nebel und die unzähligen Wacholdersträucher, die auf seinen steilen Flanken wachsen, tauchen wie kleine Gnome daraus auf. Vor gut zwei Jahrtausenden hatte hier ein keltischer Fürst eine Burg errichtet, von der er eine Handelsstraße kontrollierte, die von der Nordsee bis zu den Alpen führte – es war eine der wichtigsten Residenzen der Kelten in ganz Süddeutschland. Ob und wie sie den Wacholder des Bopfinger Ipfs nutzten, ist nicht bekannt. Man weiß edoch, dass die immergrüne Pflanze ihnen als »unsterblich« und daher als Sitz der Ahnen galt.

Gin mit Karotte

Heute dient der Wacholder der Ostalb sehr viel profaneren Zwecken. Die Menschen ...

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... zwischen Göppingen und Heidenheim haben – wie so viele andere – den Gin für sich entdeckt und die Destillate, die sie aus den kleinen, schwarzen Beeren herstellen, tragen so fantasievolle Namen wie »Spy Swabian« oder »Cat Valley Rose«. Der Gin des Küfermeisters Ansgar Kaufmann aus Aalen heißt dagegen schlicht »Wacholder Spirituose«. Warum das so ist, hat einen für Laien überraschenden Grund. Kaufmann: »Gin dürfen sich nur Getränke nennen, die aus dem 96 igen, vom Staat verkauften Alkohol hergestellt werden. Ich verwende edoch einen selbstgemachten Obstler aus der Oberösterreichischen Weinbirne«. Kaufmann betreibt in Aalen die »Küferstube« und Gin stellt er nach einem uralten Rezept seines Großvaters schon seit mehr als vierzig Jahren her. Verändert hat er dieses Rezept in all den Jahren nur wenig: »Doch verwende ich etzt auch Zwiebeln, ein wenig Karotte und Sellerie, die machen das Destillat weicher«. Tatsächlich läuft die Wacholder­Spirituose aus Aalen sanft die Kehle hinab, riecht würzig nach den Albbeeren, zeigt aber auch deutliche Noten von Zitrusfrüchten.

Bei Ansgar Kaufmann, der das Brennen an der Uni Hohenheim gelernt hat, gibt es edoch nicht nur Gin, sondern auch Cider, Säfte und Brände, unter anderen aus Quitten, die auf der Alb in manchen Jahren besser gedeihen als pfel. Für eine besonders schonende Pressung verwendet er eine noch aus den 1950er­Jahren stammende und mit viel Sorgfalt gepflegte Packpresse. Das Obst kommt von Streuobstwiesen, neben den Wacholderheiden die zweite prägende Kulturlandschaft der Ostalb. Uralte, häufig vom Verschwinden bedrohte Obstsorten wie der Lorcher Sämling oder der Rheinische Bohnapfel wachsen hier.

Tie a Yellow Ribbon…

Tatsächlich soll es nirgendwo in ganz Europa eine solche Obstvielfalt geben wie am Albtrauf. Um die Bäume zu erhalten, gibt es Obstpatenschaften und vor einiger Zeit hat der Ostalbkreis eine neue Initiative gestartet: Mit gelben Bändern werden ene Bäume gekennzeichnet, von denen edermann ernten darf. Tatsächlich ist das Selbstmosten von pfeln eine beliebte Tradition im Schwäbischen und so bieten nicht wenige Betriebe den Verleih von Pressgeräten oder auch das sogenannte Lohnmosten an. Dazu zählt die Mosterei Seiz, die bei Schwäbisch Gmünd rund 100 Bäume besitzt, für ihre Produkte edoch ständig in der Nachbarschaft zukaufen muss. 150 Kilogramm Obst muss ein Kunde freilich schon mitbringen, wenn die Presse für ihn angeworfen werden soll.

Doch auch wer das nicht hat, ist bei der Familie Seiz am rechten Ort. In einem »Moschtlädle« hat man die Qual der Wahl zwischen mehreren Dutzend Apfelsäften und Mostspezialitäten, Fruchtseccos und Fruchtweinen sowie Obstbränden und Likören. Selbst einen Wacholder­Apfelsaft gibt es und ständig kommen neue Kreationen hinzu. Viele Produkte kann man im »Lädle« verkosten und dies mit einer Führung durch die Streuobstwiesen verbinden.

1997 hatte der Vater von Alexander Seiz die Mosterei verkauft, weil der Sohn seine Zukunft in der Tourismusbranche sah. »Doch dann kam ein so gutes Most ahr und unsere Kunden fragten nach Pressmöglichkeiten. Daher habe ich schon ein Jahr später alles neu gekauft«, erzählte Alexander Seiz 2018 dem SWR für eine 45minütige Dokumentation über das Phänomen des Mostens im Schwäbischen. In diesem Jahr war es auch, als der »Perano«, ein Dessertwein aus der Schweizer Wasserbirne, beim »Cider World Award« in Frankfurt mit 119 von 120 möglichen Punkten die beste Bewertung unter 150 Apfelweinprodukten erhielt.

Der »Perano« leuchtet wie flüssiger Bernstein und zeigt eine leichte Sherrynote, was daher kommt, dass er über ein Jahr gärt und dabei – eben wie ein Sherry – oxidative Noten entwickelt. Auf der Zunge zeigt sich zunächst eine dezente Süße, die dann von ebenso dezenten Gerbstoffen abgelöst wird. Besser kann man eine Mostbirne kaum veredeln.

Bruderhahn-Pioniere

Die Ostalb ist eine Region der Widersprüche. Zum einen war es immer wieder ein Zentrum europäischer Macht. Auf die Kelten folgten die Römer, die am Rande der Berge ihren heute weltberühmten Limes zum Schutz gegen die »Barbaren« bauten. Später hatten die Staufer, die viele wohl eher mit Sizilien verbinden, hier ihren Stammsitz, wovon die drei Kaiserberge bei Göppingen zeugen. Und schließlich waren es nach dem 30 ährigen Krieg der katholische Adel und die Kirche, die in Neresheim oder Ellwangen – um nur zwei Orte zu nennen – prächtige barocke Kirchen und Schlösser bauen ließen.

In dieser Zeit, genauer gesagt 1639, war es auch, als die Vorfahren von Manfred Schmid in Westhausen im Jagsttal einen Bauernhof übernahmen. Womit wir bei der anderen Seite des Lebens auf der Ostalb wären. Denn die Bedingungen für die Landwirtschaft waren alles andere als gut. Nicht umsonst nennt man die Alb »rau« und bis heute liegt die Qualität des Bodens nur bei 30­50 von 100 möglichen Punkten. Noch schwieriger gestaltete sich die Situation auf dem Härtsfeld, erzählt Manfred Schmid: »Dort gab es cker voller Steine und es war noch einen Kittel kälter als auf der übrigen Alb«. Quellen berichten, dass ein Bauer auf dem Härtsfeld – der Name ist Programm – Ende des 19. Jahrhunderts nur halb so viel Getreide erntete wie im benachbarten Nördlinger Ries.

Doch die Bedingungen ändern sich. Schmid: »Wegen der Klimaerwärmung gibt es auf dem Härtsfeld heute teilweise bessere Erträge als bei uns, weil es kühler ist und nicht so trocken wie hier«. Manfred Schmid hat den Hof seiner Vorfahren schon 1983 auf bio umgestellt und ist so etwas wie der Pionier des Demeter­Anbaus auf der Ostalb. Und seine Familie war eine der ersten, die sich für Zweinutzungshühner entschied, weil sie das Töten der männlichen Küken ablehnte. Heute sind »Bruderhähne« der Rasse Sandy ebenso wie die typischen cremefarbenen Eier dieser Rasse in vielen Bioläden im Stuttgarter Raum sowie in der Regiothek des Demeterhofes erhältlich. Anders als Hähnchen aus konventioneller Aufzucht werden die Bruderhähne nicht nach vier, sondern erst nach zwanzig Wochen geschlachtet und schmecken, so Schmid, »fast ein bisschen nach Wild«.

Der Demeterhof der Schmids ist heute nahezu autark, was bedeutet, dass fast nichts zugekauft werden muss. Selbst So abohnen werden am Fuß der Alb inzwischen angebaut, auch wenn viele Agrarexperten das nicht für möglich hielten: »Durch die Fruchtfolge konnten wir den Humusgehalt unserer cker um mehr als das Dreifache steigern«. Manche Bauern bezeichneten Schmid schon mal als »Hexer«, doch mit seinen Methoden verbessert er die Bedingungen der Landwirtschaft auf der Ostalb.

Projekt »Ostalb-Lamm«

Einen anderen Weg ging im Jahr 2004 eine Gruppe von Schäfern und Gastwirten. Unterstützt vom Landkreis Heidenheim beschlossen sie, zwei Probleme der Alb auf einen Schlag zu lösen. Zum einen drohte die charakteristische Heidelandschaft langsam zuzuwachsen, zum anderen war es für die Schäfer immer schwieriger geworden, ihr Lammfleisch zu rentablen Preisen zu verkaufen. Warum also nicht die Schafe als natürliche Rasenmäher nutzen und die Hüteschäfer dafür mit staatlichen Geldern, unter anderen von der EU, fördern lassen? »Die Ostalb ist ein ausgesprochen traditionelles Gebiet für Schäfer«, erzählt Sternekoch Andreas Widmann, dessen Familie zu den Mitinitiatoren des Pro ekts zählt. »Heidenheim und viele andere Orte haben bis heute ihren eigenen Gemeindeschäfer«.

Widman, der in Königsbronn das Hotel »Widmann s Alb.leben« führt, bezieht sein Lammfleisch von der Schäferei Smietana, mit 850 Merinolandschafen eine der größten Hüteschäfereien auf der ganzen Alb. Von April bis Anfang Oktober weiden die Schafe auf den Wacholderheiden des Naturschutzgebietes Steinheimer Becken, danach geht es auf die Wiesen der örtlichen Bauern und im Winter schließlich zieht Johannes Smietana südwärts bis nach Biberach. Das ganze Jahr über verbringen der Schäfer und seine Herde somit im Freien und daher bezeichnet Andrea Smietana ihren Mann schon mal als »einen der letzten Cowboys der Alb«.

Die fast unglaublich hohe Zahl von 1 000 Lämmern verkaufen die Smietanas edes Jahr. Andrea Smietana: »Meinem Mann, der auch Metzger ist, ging es immer darum, dass die Kunden nicht nur die besten Lammstücke wie Schulter oder Keule kaufen, sondern das ganze Tier.« Doch da viele Kunden eben nicht wissen, was sie mit dem Hals oder den Innereien anfangen sollen, und »es a auch nichts bringt, wenn sie diese dann wegschmeißen«, haben sich die Smietanas für einen Kompromiss entschieden. Man kann halbe oder ganze Lämmer in ihrem Hofladen kaufen, aber eben auch nur die Einzelteile. Und so liegt in der Theke neben Schulter und Keule alles, was das Herz der Liebhaber von Innereien höherschlagen lässt: Bries, Zunge, Zwerchfell, Niere, Leber.

Sternekoch Widman, der auch einige Jahre in Neuseeland gearbeitet hat, schätzt die hohe Qualität der Lämmer der Smietanas: »Man muss sich das etwa so vorstellen: Einige Menschen gehen nur zwischen Küche und Fernsehsessel hin und her. Andere oggen zwanzig Kilometer am Tag. Genauso ist es bei den Schafen: Viele stehen im Pferch und werden mit Kraftfutter gemästet, andere wandern Kilometer um Kilometer und fressen das würzige Gras der Wacholderheiden.«

Widmann verarbeitet stets das ganze Lamm gemäß dem Motto »Von der Nase bis zum Schwanz«. In seinem Gourmetrestaurant »ursprung« serviert er als Vorspeise gern die Lamminnereien, im Biergarten werden Lammsteaks aus der Oberschale auf dem Holzkohlegrill rosa gebraten und in seinem schwäbischen Gasthaus, vom »Michelin« mit einem »Bib­Gourmand« ausgezeichnet, lieben die Gäste die gefüllte Lammbrust oder den Rollbraten aus der Schulter.

Am Rande des Himmels

Das Steinheimer Becken, also dort wo die Schafe der Smietanas weiden, ist ein Anziehungspunkt für Geologen und Archäologen – und natürlich für Touristen. Denn vor etwa 15 Millionen Jahren schlug hier ein Meteorit mit einem Durchmesser von 150 Metern ein. Unweit des Kraters liegt eines der beliebtesten Wandergebiete der Ostalb: das Wental mit dem Felsenmeer, das seinen Namen bizarren Dolomitformationen verdankt. Einen Besuch wert ist die Region aber auch im Winter: In Bartholomä, welches sich etwas ironisch »Dorf am Rande des Himmels« nennt, führen traumhafte Langlaufpisten über eine von Wäldern gesäumte, einsame Hochebene, die knapp 700 Meter hoch liegt. »Wir sind eben immer noch ein Geheimtipp«, sagt dazu die hier lebende »Scheunenwirtin« Renate Lieb.

Vor über 250 Jahren gründeten Renate Liebs Vorfahren einen Bauernhof, auf dem sie Milchkühe hielten, Kartoffeln, Gerste, Dinkel und Alblinsen anbauten. Der genügsame, an unwirtliche Bedingungen gewöhnte Dinkel ist so etwas wie »das« Getreide der Alb, welches nicht nur zu Brot, sondern auch – wie etwa von der Firma »Albgold« – zu Dinkelnudeln verarbeitet wird. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Hof der Liebs noch im Nebenerwerb betrieben, doch vor gut zwanzig Jahren entschlossen sich Renate und ihre Schwester Petra zu einem radikalen Wechsel. Die Landwirtschaft wurde aufgegeben und es entstand das Demeter HofGut »Zur Scheunenwirtin«.

»Die beiden Schwestern hatten einfach Lust, Gästen etwas Schönes zu bieten«, erzählt Renate Liebs Ehemann Günther Saiger. Auf diese Weise wurde aus dem uralten Hof so etwas wie ein modernes, innovatives Zentrum für Genuss. In der ehemaligen Scheune finden familiäre und kulturelle Veranstaltungen statt, an Sonntagen wird zum Kaiserfrühstück geladen, bei dem die Gäste auch die auf dem Hof erzeugten Kräutertees probieren können. Es gibt vegane Menüs bei Kerzenschein und nicht zuletzt sind auch zwei Ferienhäuser zu mieten. Und: Gekocht und gebacken wird bei der Scheunenwirtin traditionell auf und in einem Holzbackofen mit offenem Feuer – seien es nun knusprige Fladenbrote oder ein ganzes Zicklein.

Langsam wollen Renate Lieb und Günther Saiger auch wieder zur Landwirtschaft zurückkehren. Hühner und Bienen bevölkern den Hof, Streuobstwiesen und ein Permakulturgarten wurden angelegt. Renate Lieb: »Es geht bei uns schon lange nicht mehr nur ums Kochen. Unser Motto lautet: Nähre die Zukunft . Dazu gehört für sie die enge Zusammenarbeit mit Bauern, die die einheimischen Tierrassen, wie etwa das Limpurger Rind, halten. Die Limpurger verbinden viele zwar eher mit dem nördlich der Alb liegenden Hohenlohe oder dem Welzheimer Wald, wo auch die Tiere der Liebs herkommen. Doch bis 1900 gehörten sie auf der Alb zu den wichtigsten Rinderrassen, bevor man sie wegen »zu geringer Milchleistung« als unrentabel buchstäblich aussortierte. Inzwischen gibt es im Osten der Alb wieder mindestens zwei Betriebe mit Limpurger Rindern: Auf dem Waldeckhof in Göppingen und auf der Kapfenburg bei Lauchheim, wo die landwirtschaftliche Domäne der Justizvollzugsanstalt Schwäbisch Hall voraussichtlich ab Mai 2022 Limpurger halten wird. Außerdem veranstaltet die Züchtervereinigung Limpurger Rind e.V. in Schechingen regelmäßig ihre Landes­Rasseschau.

Moscht & Märkte

Doch nicht nur der Erhalt alter Rassen, auch das Bewahren ursprünglicher Gemüsesorten ist auf der Alb ein viel diskutiertes Thema – und der beste Ort, wo die Besucher einen berblick über die Vielfalt dieser Sorten bekommen können, ist das Freilichtmuseum Beuren, etwas außerhalb der Ostalb. Im »Erlebnis. Genuss.Zentrum« wird über die »Neckarkönigin«, eine Stangenbohne, oder den »Stuttgarter Riesen«, eine riesige Zwiebel, informiert. Außerdem gibt es den Lehrgarten »ProSpecieRara«, wo das Saatgut dieser alten Sorten gewonnen und vermehrt wird. Und nicht zuletzt finden im Herbst der Arche­Markt in Zusammenarbeit mit Slow Food Stuttgart und das »Moschtfescht« statt: Es ist schön zu sehen, wie begeistert die Kinder erzählen, welche pfel sich für den Most besonders gut eignen.

Am schönsten ist es edoch, die Vielfalt der Ostalb auf einem ihrer zahlreichen Wochenmärkte kennenzulernen. So findet seit über 200 Jahren im Schatten des historischen Rathauses von Aalen ein Markt mit inzwischen 45 Ständen statt. Um nur einige Beispiele zu nennen: Die Wagners aus Ellwangen bieten Bamberger Hörnle, Blaue Schweden und Naglerner Kipfel an, insgesamt wachsen auf ihrem Hof fast dreißig Kartoffelsorten. Bei der Demeter Gärtnerei Wiedmann aus Möglingen, die auch bei der Aktion »Minigärtner« für Kinder zwischen acht und zwölf mitmacht, leuchten Peperoni und Tomaten um die Wette. Und beim Käsehof aus Rattstadt lockt ein würziger Ellwanger Bergekäse aus Rohmilch.

Am Marktplatz kann man zudem die bekannteste Spezialität Aalens kaufen, die die Traditionskonditorei Ammann bis nach Neuseeland versendet: Das »Aalener Spionle« ist eine ovale Praline mit einem Boden aus Marzipanmakronen, gefüllt mit Nussnougatcreme und von Zartbitterschokolade umhüllt. Ihren Namen verdankt sie einer Sage, wonach ein »Spion« die kaiserlichen Truppen, die die Stadt einst belagerten, auskundschaften sollte, sich aber allzu schnell verriet. Ein Porträt des Spions ist am Rathausturm zu sehen, mit Pfeife im Mund blickt er gelassen herab auf das bunte Treiben unter ihm. Den Menschen der Alb wird gerne nachgesagt, dass sie etwas mundfaul, also wortkarg, seien. Auf dem Aalener Wochenmarkt ist davon wenig zu spüren. Vielmehr scheint sich hier zu bestätigen, was eine Umfrage von infratest­dimap vor einigen Jahren feststellte. Demnach leben im Ostalbkreis mit die glücklichsten Menschen Deutschlands.

ADRESSEN

Empfehlungen des Conviviums Ostalb-Limpurger Land sind mit einem Sternchen * gekennzeichnet, Slow Food Unterstützer mit (SFU). Aktuelle Öffnungszeiten auf den Webseiten der Betriebe – oder einfach anrufen.

ESSEN & TRINKEN

1 Scheunenwirtin (SFU)

Hier kocht Renate Lieb, Mitglied der Chef Alliance von Slow Food. Das Demeter-»HofGut« ist eingebettet in die ursprüngliche, grüne Landschaft der Ostalb und liegt auf einem Hochplateau »am Rande des Himmels«. Urlaub in zwei Ferienhäusern und einer Wohnung möglich. Helmut-Ginzkey-Weg 10, 73566 Bartholomä, Tel 07171. 915 22 20, www.scheunenwirtin.de

2 Widmann’s Alb.leben (SFU)

Sternerestaurant, Kochschule, Hotel mit Chalets und »Alb.style Wagen«, gemütlich ausgestatte ehemalige Waldarbeiterwagen. Im Onlineshop wird auch eine Miso-Paste von der Alblinse angeboten. Struthstr. 17, 89551 Königsbronn, Tel 07328. 962 70, www.widmanns-albleben.de

3 Restaurant Fermata (SFU)

Deutsche und mediterrane Küche in dem hoch über Lauchheim liegenden ehemaligen Schloss des Deutschritterordens. Da es heute auch die Internationale Musikschulakademie beherbergt, finden zahlreiche Konzerte statt. Die JVA hat auch eine eigene Brennerei (www.vaw.de). Kapfenburg 7, 73466 Lauchheim, Tel 07363. 96 99 40, www.schloss-kapfenburg.de

4 Ringhotel sKreuz *

»Ostalb Lamm« und Alb-Leisa sind nur einige wenige der regionalen Spezialitäten, die im Restaurant angeboten werden. Die dazugehörende Berghütte Kraterblick liegt direkt am Albschäferweg. Hauptstr. 26, 89555 Steinheim, Tel 07329. 961 50, www.skreuz.de

5 Landgasthof Vogthof *

In der Nähe des Besucherbergwerks (s. S. 29, Nr. 43), schwäbische und italienische Spezialitäten. Bergbaustr. 28, 73433 Aalen-Röthardt, Tel 07361. 736 88, www.aalen-vogthof.de

6 Ver-edelt *

Kleines Nostalgiecafé mit selbstgemachten Kuchen, Fruchtaufstriche. Herwartstr. 3, 89551 Königsbronn, Tel 07328. 922 99 29, www.ver-edelt.de

ÜBERNACHTEN

7 Landgasthof Hotel Rössle

3-Sterne Superior Hotel und Restaurant, in dem der Chef Hans-Thomas Fahrion noch selbst am Herd steht. Straußenfleisch vom Lindenhof in Böhmenkirch. Wellness-und Fitnessbereich. Albstr. 9, 89558 Steinenkirch, Tel 07332. 923 90-0, www.roessle.steinenkirch.de

8 Hotel Restaurant Roter Ochsen *

150 Jahre altes Traditionshaus am Fuß der Alb mit großem Angebot an saisonaler Küche. Hauptstr. 24, 73466 Lauchheim, Tel 07363. 53 29, www.roter-ochsen-lauchheim.de

9 Landhotel Wental

Direkt neben dem Wandergebiet Felsenmeer mit großem Restaurant. Verschiedene Massagen, Sauna. Wental 1, 73566 Bartholomä, Tel 07173. 97 81 90, www.wental.de

HÖFE

10 Schafhof Smietana (SFU)

Busentalhalde 1, 89555 Steinheim am Albuch, Tel. 07329. 72 00, www.schafhof-steinheim.de

11 Lammspezialitäten Köhrhof

Eigene Schlachtung. Frisches Lammfleisch auf Vorbestellung. Schwäbische Wurstspezialitäten wie Schinkenwurst aus Lammfleisch. Köhrhof 1, 73453 Abtsgmünd, Tel 07366. 91 92 51, www.koehrhof.regionalvermarkterostalb.de

12 Demeterhof Schmid

Aufzucht von Bruderhähnen, Verkauf im Hofladen. Hofweg 4, 73463 Westhausen, Tel 07363. 49 86, www.demeterschmid.de

13 Schlossgut Hohenroden

Biolandwirtschaft rings um eine 1293 erstmals erwähnte Burg. Fleisch von Angusrindern und Duroc-Schweinen im Hofladen. Hohenroden 1, 73457 Essingen, Tel 07365. 62 52, www.hohenroden.de

14 Waldeckhof Göppingen

Projekt zur Integration von Langzeitarbeitslosen: zertifizierter Archehof mit Limpurger Rindern, Wollschweinen und Bronzeputen. Hofführungen, Hofladen, Hofcafé, Suppentöpfle. Waldeckhof 1, 73035 Göppingen, Tel 07161. 946 98 22, www.sab-go.de

15 Biolandhof Fauser

Demonstrationshof für biologische Landwirtschaft. Geflügel, Rinder und Schweine, Lamm und Wild – darunter auch alte Sorten wie Wollschweine und Schwäbisch-Hällische Schweine. Eigene Schlachtung. Rohmilchkäse. Hofladen. Sandäcker 1, 73557 Mutlangen, Tel 07171. 710 56, www.fauser-bioland.jimdofree.com

16 Biohof Dauner

Haltung von Fleckvieh als Zweinutzungsrasse. Milch-und Regiomat. Sontbergen 8, 89547 Gerstetten, Tel 07323. 92 03 12, www.biohof-dauner.de

17 Geflügelhof Neher

Direktvermarktung von im Freiland gehaltenen Gänsen, Enten, Puten und Hähnchen. Eichplatte 3, 73450 Neresheim, Tel 07326. 54 43, www.regionalvermarkter-ostalb.de

18 Forellenzucht Remsquelle

Geräucherte und fangfrische Regenbogen-und Lachsforellen sowie Bachsaiblinge. »Forellenstüble« sonntags ab 10 Uhr. Unteres Dorf 1, 73457 Essingen, Tel 07365. 314, www.forellenzucht-remsquelle.de

19 Wagner Kartoffeln *

Maierstr. 4, 73479 Ellwangen (Jagst), Tel 07961. 538 25, www.wagner-kartoffeln.de

EINKAUFEN

20 Handwerksbäckerei Mack (SFU)

Seit über 100 Jahren auf der Ostalb. Gleich zwei Brot-Sommeliers kümmern sich um die Qualität der Brote v.a. aus Dinkel und Roggen. Zahlreiche Filialen auf der Alb. Baiershofener Str. 6, 73463 Westhausen, Tel 07363. 952 80, www.handwerksbaeckerei-mack.de

21 Lauterburger Holzofenbrot *

Neben Sauerteigbrot auch Laugenbrezeln aus dem Holzbackofen. Bäckergasse 17, 73457 Essingen, Tel 07365. 55 80, www.lauterburger-holzbackofenbrot.de

22 Holzofenbäckerei und Hofcafé Mangold *

»Unser täglich Brot« von Harald Mangold ist vielfältig, im Hofcafé gibts hausgemachte Suppen und Saucen, auch zum Mitnehmen. Ofengasse 1, 73529 Schwäbisch Gmünd, Tel 07171. 891 99, www.hofcafe-mangold.de

23 Konditorei Ammann

Marktplatz 6, 73430 Aalen, Tel 07361. 626 24, www.spionle.de

24 Käserei Wiedenhöfer

Haldenstr. 2/1, 73479 Ellwangen/ Rattstadt, Tel 09761. 56 07 70, www.rattstadter-kaesehof.de

25 Veras Milchmanufaktur *

Käse aus Ziegen-und Kuhmilch. Verschieden eingelegte Grillkäse. Hohenroder Str. 73, 73540 Heubach, Tel 01577. 897 53 13, www.veras-milchmanufaktur. buisiness.site

26 Metzgerei Oberhammer

Alteingesessene Metzgerei, die auch »Ostalb Lamm« anbietet. Hauptstr. 62, 89555 Steinheim am Albuch. Tel 07329. 91 83 30, www.metzgerei-oberhammer.de

27 Demeter Gärtnerei Wiedmann *

Lauterstr. 109, 73563 Mögglingen, Tel 07174. 80 35 24, www.demeter-wiedmann.de

28 Bio-Imkerei Henschke

Acht verschiedene Honige v.a. von der Ostalb und aus dem Remstal. Unterer Zusenhof 1, 73550 Waldstetten, Tel 07171. 87 75 27, www.imkerei-zusenhof.de

29 Klostergut Neresheim

Honige, Öle, Säfte, Klosterbrot, Dinkelkekse und v.a.m. direkt neben dem Kloster. Im Klosterladen Bücher, Postkarten, Geschenk-und religiöse Artikel. Alte Kösinger Str. 2, 73450 Neresheim, Tel 07326. 851 44, www.klostergut-neresheim.de

Wochenmärkte

Große Märkte gibt es in Aalen, Schwäbisch Gmünd, Ellwangen und Heidenheim. Sie finden in der Regel mittwochs und samstags von 7-12.30 Uhr statt.

GETRÄNKE

30 Mosterei Dietmar Übele *

Most, Apfelwein, Sirup von den Streuobstwiesen, aber auch Hochprozentiges wie Quittenbrand oder Gin. Dalkinger Str. 70, 73463 Westhausen, Tel 07363. 66 48,www.mosterei-uebele.de

31 Haldenhof Familie Zeller *

Obstsäfte, die auch in vielen regionalen Märkten verkauft werden. Pferdezucht und Ponyhof. Haldenweg 30, 73433 Aalen, Tel 07361. 78 02 58,www.der-haldenhof.de

32 Brennerei Braunhof *

Große Auswahl an sortenreinen Bränden u.a. aus Gewürzluiken und Bohnapfel. Braunhof 1, 73550 Waldstetten, Tel. 07171. 432 62, www.braunhof.de

33 Mosterei Seiz

Auf der Höhe 42, 73529 Schwäbisch Gmünd-Straßdorf, Tel 07171. 947 70 13, www.mosterei-seiz.de

34 Küferstube Ansgar Kaufmann

Weinhandlung, Mosterei, Brennerei; Weinstube mit Vesperkarte. Nördlicher Stadtgraben 18, 73430 Aalen, Tel 07361. 623 28, www.kueferstube-kaufmann.de

35 Obstmanufaktur Edelobstbrennerei Greiner

Stellt als Verschlussbrennerei u.a. den »Cat Valley Rose« Swabian Dry Gin her, ebenfalls Whisky aus Dinkel, Weizen und Mais – alles aus regionalem Anbau. Im Flügel 61, 89522 Heidenheim an der Brenz, Tel 07321. 353 63 63, www.obstmanufaktur-greiner.de

36 Wielands Bierbrauerei *

Nicht pasteurisierte Biere wie dunkles Lager, Saphirweizen und Bock. Gibt es auch in einigen Getränkemärkten der Region. Dewanger Str. 1a, 73453 Abtsgmünd, Tel 07366. 920 99 90, www.wielands-bier.de

37 Härtsfelder Familienbrauerei Hald

Unter anderem fünf Sorten Weizenbier. Schwarzbier auf Basis des Schwarzbierkäses der Dorfkäserei Geifertshofen in Bühlerzell; Brauereigaststätte. Hofener Str. 19, 89561 Dunstelkingen, Tel 07327. 922 90, www.haertsfelder.de

KULTUR & TOURISMUS

38 Kulturhof Erpfenhausen

Inmitten der Heidelandschaft treten in einer ehemaligen Scheune Künstler der Region auf. Angeboten werden auch Ferienwohnungen sowie Übernachtungen im Schäferkarren. Erpfenhausen 1, 89547 Gerstetten, Tel 07323. 92 00 53, www.kulturhof-erpfenhausen.de

39 Limespark Rainau

Sechs Kilometer entlang der römischen Grenzbefestigung Limes: Kohortenkastell, Wachtürme und natürlich der rund drei Meter breite Schutzwall selbst. Mit vielen Schautafeln und Führungen. Jüngste Attraktion ist das Limestor von Dalkingen, das seit 2010 von einem modernistischen Glasbau geschützt wird. www.weltkultur-schwaebische-alb.de, www.rainau.de

40 Limesmuseum Aalen

Sankt-Johann-Str. 5, 73430 Aalen, Tel 07361. 528 28 70, www.limesmuseum.de

41 Limes-Thermen Aalen

Mi zwei staatlich anerkannten, bis 36,4 °C warmen Heilquellen. Großes Massage-Angebot, drei Saunen und römisches Dampfbad. Osterbucher Platz 3, 73431 Aalen, Tel 07361. 949 30, www.limes-thermen.de

42 Kinder-Uni explorhino

Über 120 Experimente aus den Bereichen Naturwissenschaften, Mathematik, Technik. Multimedia-Relief der Alb. Beethovenstr. 12, 73430 Aalen, Tel 07361. 576 18 00, www.explorhino.de

43 Besucherbergwerk Tiefer Stollen

Eine Grubenbahn führt hinab in das ehemalige Erzbergwerk mit einem ca. 800 Meter langen Rundgang. Mit Heilstollen zur Asthmatherapie (kur@aalen.de). Erzhäusle 1, 73433 Aalen, Tel 07361. 97 02-49, www.bergwerk-aalen.de

44 UNESCO Global GeoPark Schwäbische Alb Höhlen, Fossilien, Lehrpfade, geführte Touren und natürlich der Meteoritenkrater bei Steinheim, das alles gehört zum sich über die ganze Alb bis zur Donau hinziehenden Geopark.

Zahlreiche Infostellen. Geopark-

Wochen Mai bis Anfang Juni. www.geopark-alb.de

45 Burgruine Hohenstaufen Ehemalige Stammburg der Staufer. Tagsüber frei zugänglich mit weitem Blick über die Alb. 73037 Göppingen, Tel 07161. 650 44 44, www.burgruine-hohenstaufen.de

46 Kloster Lorch 1102 gegründete Grablege der Stauferdynastie. Klosterstr. 2, 73547 Lorch, Tel 07172. 92 84 97, www.kloster-lorch.com

Albschäferweg 160 Kilometer langer Rundweg durch Wacholderheiden und vorbei an Schafhöfen rund um Heidenheim. Ausgangspunkt ist die Spitalkirche in Giengen. Das Symbol: Schäfer auf blauem Grund. www.albschaeferweg.de

AUSFLÜGE WESTLICHE ALB

47 Freilichtmuseum Beuren

Am Fuße der Alb – Nähe Ostalb – wurden 25 Bauernhäuser, Werkstätten usw. wiederaufgebaut. Ein Genusszentrum informiert über vom Aussterben bedrohte Sorten, auch Arche-Passagiere von Slow Food. Arche-Markt 25.09., Moschtfescht 09.10.2022. In den Herbstwiesen, 72660 Beuren, Tel 0711. 390 241 890, www.freilichtmuseum-beuren.de

48 Albgold-Naturgarten

Einblick in die faszinierende Welt der Kräuter, angelegt vom Teigwaren- Hersteller Alb-Gold (SFU). Führungen und Gruppenexpeditionen möglich, ab April wieder geöffnet. Klaus-Freidler-Str. 1, 72818 Trochtelfingen, Tel 07124. 9291 -155, www.alb-gold.de/kundenzentrum/ naturgarten.html

INTERNET

www.aalen-tourismus.de www.zwischenwaldundalb.de www.ferienwohnung-ostalb.de www.regionalvermarkter-ostalb.de www.bauern.ostalbkreis.de www.limpurger-rind.de www.ostalblamm.de www.ostalbkorn.de