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Alien im Körper


natur - epaper ⋅ Ausgabe 7/2019 vom 21.06.2019

Der Fuchsbandwurm ist ein ebenso faszinierender wie gefährlicher Parasit. Doch das Risiko, sich in freier Natur zu infizieren, ist minimal


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Bildquelle: natur, Ausgabe 7/2019

Kann, als Endwirt des Bandwurms, dem Menschen durchaus gefährlich werden: der Fuchs


Jetzt, im beginnenden Frühsommer, leuchten sie wieder rot und verlockend am Wegesrand, die seltenen Walderdbeeren, deren durchdringendes Aroma dasjenige der oft recht wässrigen Zuchtvarianten weit in den Schatten stellt. Danach reifen die nicht weniger wohlschmeckenden Waldhimbeeren und wilden Brombeeren, im Spätsommer dann auf moosigen Böden Heidel- oder Preiselbeeren und schließlich ...

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... Pilze. Für Naturliebhaber sind das kostenlose Gaumenfreuden der besonderen Art, bei denen sich zum Genuss noch ein für Zivilisationsmenschen selten gewordenes, prickelndes Jagdgefühl gesellt. Doch kann man die Früchte des Waldes und der Flur bedenkenlos essen? Oder droht hier eine unsichtbare Gefahr?

FUCHSBANDWURM! Dieses Wort jagt vielen Menschen Angst und Schrecken ein. Während die einen lässig abwinken und sich den Genuss wilden Obstes nicht vermiesen lassen wollen, machen andere einen weiten Bogen um Beeren und Pilze in freier Natur. Niemals würde es ihnen in den Sinn kommen, sich einfach an den Wegesrand zu setzen und zu naschen. Und wenn der eigene Hund sich schnüffelnd einem dunklen Kothaufen auf dem Waldboden nähert, um sich lustvoll darin zu wälzen, sind sie einer Panikattacke nahe. Es könnte ja Fuchskot sein, von dem man weiß oder zumindest ahnt, dass er mit den Eiern des Fuchsbandwurmes verseucht sein könnte. Hier lauert im Zweifel Lebensgefahr!

Zugegeben, es ist keine besonders angenehme Vorstellung, dass sich im eigenen Körper Würmer einnisten und Jahre, wenn nicht Jahrzehnte lang als blinde Passagiere ein unerkanntes, schmarotzendes Dasein fristen, bis sie zufällig gefunden werden oder gesundheitliche Probleme verursachen. Aus China erreichen uns immer wieder solch schaurige Meldungen: von Menschen, die halbgares Fleisch und frische Meeresfrüchte essen oder die keinen Zugang zu sauberem Wasser haben, und bei denen schon mal bis zu einem Viertelmeter lange Tropenwürmer bis ins Gehirn gewandert sind und chirurgisch entfernt werden müssen. Doch zumindest in den Industrieländern des Westens ist heutzutage die Gefahr, an solchen Parasiten zu erkranken oder gar daran zu sterben, äußerst gering. Wenn man sich allerdings Bandwürmer eingefangen hat, wobei in Deutschland eigentlich nur noch der Fuchsbandwurm infrage kommt, handelt es sich immer um eine ernste Erkrankung, die unbedingt behandelt werden muss.

Der Mensch als Wirtstier

Einer der namhaftesten Experten für die Entwicklungsbiologie und Molekulargenetik von Bandwürmern ist Klaus Brehm, Professor für medizinische Parasitologie am Lehrstuhl für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg. Brehm kann die komplexen Entwicklungszyklen der Würmer anschaulich erklären. Wenn man mit ihm spricht, findet man die urtümlichen Gliederwesen beinahe sympathisch.

Menschen und Bandwürmer, sagt Brehm, hätten eine lange gemeinsame Geschichte. Seit es Menschen gebe, also seit etwa zwei Millionen Jahren, hätten einige Würmer den menschlichen Körper als Wirt entdeckt: als Ort, an dem es sich, platt ausgedrückt, gut und sicher leben lässt. Ausgewachsene Bandwürmer, die je nach Art im Darm bis zu 15 Meter lang werden können, schmarotzten zwar, doch bleibe der Nahrungsentzug für den Wirt meist folgenlos.

Wie sich Bandwürmer im Zusammenspiel mit ihren jeweiligen Wirten entwickeln, ist eine komplizierte und spannende Geschichte. Sie beginnt damit, dass Bandwürmer Zwitter sind, also selbstbefruchtend. Das leuchtet ein, weil die Partnersuche im Inneren des Körpers eines anderen Lebewesens schwierig ist. Außerdem sind die Tiere „heteroxen“: Sie brauchen zwei oder sogar drei verschiedene Wirtsorganismen, um sich vollständig entwickeln zu können. Hauptwohnsitz des Wurms ist der Dünndarm seines Hauptwirtes, wo er sich auch fortpflanzt und seine Eier produziert. Damit sich seine Larven (Finnen) entwickeln können, ist er aber auf einen Zwischenwirt angewiesen.

Zunächst entstehen in den einzelnen Körper - gliedern der ausgewachsenen, den Darm des Wirtes bewohnenden Würmer sogenannte Sechshakenlarven. Sie heißen so, weil sie sechs Haken besitzen, die in ihrem Leben eine wichtige Rolle spielen. Diese von einer schützenden Eihülle umgebenen Embryonen werden vom Wurm abgestoßen und mit dem Kot des Wirtes ausgeschieden. Dann liegen sie irgendwo herum und „warten“, bis sie vom Zwischenwirt gefressen werden. Sie passieren den Magen ihrer ahnungslosen Zwischenwirte unversehrt und bohren sich dann mit ihren sechs Haken durch die Darmwand, um sich als „Finnen“ im Muskelgewebe oder anderen Organen einzunisten. Von hier gelangen sie über die Nahrung als Schlachtoder Beutetier wieder in den Darm ihres Endwirtes, wo sie sich zu erwachsenen Würmern entwickeln – der Kreislauf beginnt von neuem.

Süß und eher ungefährlich: Blaubeeren (o.). Die Gefahr, sich durch sie mit dem Fuchsbandwurm zu infizieren, erachten Experten als gering. Süß und gefährlich: die Maus (u.). Von ihr geht, als Zwischenwirt des Fuchsbandwurms, merklich mehr Gefahr aus


»Die Viecher sind richtige Aliens«
Klaus Brehm, Parasitologe, Universität Würzburg


Beim Rinder- und Schweinebandwurm fungieren Rinder und Schweine als Zwischenwirte – eigent - licher Wirt, in dem sich die erwachsenen Würmer entwickeln, leben und fortpflanzen, ist der Mensch. Beim Fuchsbandwurm sind meist Mäuse die Zwischenwirte und Füchse die Wirte, der Mensch ist in diesem Kreislauf eigentlich nicht vorgesehen – er ist ein Fehlwirt. Im hoch infektiösen Fuchskot finden sich Tausende von entwicklungsfähigen Bandwurmeiern. Fuchsbandwürmer sind mit maximal fünf Millimetern Länge viel kürzer als ein Rinderoder Schweinebandwurm, weswegen man auch vom „kleinen Fuchsbandwurm“ (Echinococcus multilocularis ) spricht. Der Fuchs als Wirt leidet kaum unter den blinden Passagieren in seinem Verdauungstrakt, dafür wird die Maus immer schwächer und zu einer leichten Beute, weil sich die Finnen des Fuchsbandwurms bevorzugt in der bestens mit Blut und Nährstoffen ausgestatteten Leber des Nagers ansiedeln. Sie bilden dort ein aggressives Gewebe, das von einer bösartigen Krebsgeschwulst kaum zu unterscheiden ist. Beim Menschen mit unklarem Leberbefund führt das oft zu Fehldiagnosen, wobei das Finnengewebe glücklicherweise weit besser zu behandeln ist als ein „echtes“ Leberkarzinom.

Kleinkaliber: Der Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis ), im oberen Bild oben, ist mit bis zu vier Millimetern Länge noch einmal kleiner als der Hundebandwurm (Echinococcus granulosus ). Unten: eine Mikroskopaufnahme des Kopfs des Fuchsbandwurms

Niedrige Ansteckungsgefahr hierzulande

Falls ein Mensch über verseuchten Fuchskot die Eier des Fuchsbandwurms aufnimmt, kann dies zwar zur Entwicklung von Finnengewebe in der Leber führen. Doch weil der Mensch der falsche Adressat ist, ein Fehlwirt, entwickeln sie sich dort nicht zu fertigen Bandwurmköpfen, die sich im Darm eines Wirtes wieder zu erwachsenen Würmern heranbilden könnten. Allerdings wächst das Gewebe während der bis zu zehn und mehr Jahre dauernden Inkubationszeit immer weiter und kann sich metastasenartig auch auf andere Organe wie Herz, Lunge und Gehirn ausbreiten.

Eine Fuchsbandwurmerkrankung (alveoläre Echinokokkose) bleibt meist jahrelang unerkannt und wird dann oft zufällig bei einem Ultraschall-Routinecheck entdeckt. Sie kann sich aber auch mit Bauchschmerzen, Gelbsucht oder einer Gallengangentzündung bemerkbar machen, wenn das krebsartig wuchernde Larvengewebe den Gallengang verengt oder blockiert hat. Auch dabei kann der Arzt zunächst an einen bösartigen Tumor denken. „Die Diagnose Fuchsbandwurm ist für den Einzelnen natürlich ein Schlag, aber man kann die Erkrankung gut behandeln“, sagt Beate Grüner, Oberärztin an der Universitätsklinik in Ulm und Leiterin der dortigen Infektiologie, wo seit den 90er Jahren eine Echinokokkose-Spezialambulanz etabliert ist. Die Daten von aktuell etwa 540 in Ulm behandelten Patienten mit alveolärer Echinokokkose werden in Kooperation mit dem Robert-Koch-Institut (RKI), wo alle neu diagnostizierten Fälle zu melden sind, in einer nationalen Datenbank erfasst. Sie machen damit über 75 Prozent der deutschlandweit auf diese Weise erfassten Patienten aus.

Aktuell steigt die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen leicht, allerdings auf sehr niedrigem Niveau. 2018 wurden deutschlandweit nur circa 50 Fälle von Fuchsbandwurmbefall beim Menschen gemeldet. Erkrankungen mit dem eng verwandten Hundebandwurm (zystische Echinokokkose) findet man hierzulande nur noch „importiert“ – bei Menschen, die vom Balkan, aus dem Nahen Osten oder Afrika eingewandert sind oder sich längere Zeit dort aufgehalten haben. In diesen Regionen ist der Parasit noch sehr virulent, weil dort Weidehaltung von Schafen mit Hütehunden und die Fütterung von Schlachtabfällen an die Hunde – dadurch wird der Zyklus des Hundebandwurms aufrechterhalten – noch weit verbreitet sind. Beim Hundebandwurm dient der Hund als eigentlicher Wirt, Wiederkäuer wie Schafe, aber auch Schweine, Pferde und Kamele sind Zwischenwirte. Der Mensch kann auch hier, wie beim Fuchsbandwurm, die Rolle des Fehlwirtes einnehmen.

Der Bandwurm ist behandelbar

Die Heilungs- und Überlebenschancen sind sowohl beim Fuchs- wie beim Hundebandwurm gut. Im Frühstadium beziehungsweise bei günstiger Lage des parasitären Herdes lasse sich das krankhafte Gewebe in der Leber operativ entfernen, was zu einer völligen Genesung der Patienten führt, sagt Grüner. Falls die Erkrankung erst spät entdeckt wird oder ungünstig in der Leber liegt, kann man sie mit regelmäßigen Gaben eines Wurmmittels zumindest in Schach halten und das weitere Wachstum bremsen. Allerdings muss das Medikament mitunter lebenslang eingenommen werden. „Das funktioniert in den allermeisten Fällen sehr gut“, sagt Grüner. Rund 90 Prozent der Fuchsbandwurmpatienten hätten heute bei entsprechender Behandlung eine normale Lebens - erwartung. Die erfahrene Ärztin musste jedoch feststellen, dass sich viele Patienten nur schwer an den Gedanken gewöhnen können, mit einem Parasiten im Körper leben zu müssen. „Diese psychische Belastung übersteigt oft sogar das Maß der körperlichen Beeinträchtigung.“

Großes Kaliber: Der Schweinebandwurm (Taenia solium ) kann bis zu sieben Meter lang werden. Menschen können ihn durch den Verzehr infizierten Fleisches aufnehmen


Was tun? Impfen? Jagen?

Laune der Natur: Durch den Erfolg der Tollwutimpfung wurde der Fuchs als Bandwurmwirt umso gefährlicher


Die bis vor acht Jahren großflächig praktizierte Tollwut-Schluckimpfung für Füchse war ein durchschlagender Erfolg. Heute gilt die gefährliche Infektionskrankheit Tollwut in Deutschland als ausgerottet (Ausnahme: Fledermaus-Tollwut). Unerwünschte Nebenwirkung der Kampagne: Weil die Tollwut die Füchse nicht mehr massenhaft hinwegrafft wie einst, vermehren sich die schlauen Tiere massiv, was auch die Zahl der Fuchsbandwurmerkrankungen ansteigen lässt. Diesen Parasiten, die auch dem Menschen gefährlich werden können, kann man leider nicht mit Impfködern zu Leibe rücken. Füchse lassen sich zwar auch in freier Wildbahn entwurmen, was die Befallsraten mit dem Fuchsbandwurm signifikant senkt. Doch werden die Tiere dadurch nicht immun. Und dauerhafte, flächendeckende Entwurmungskampagnen sind unpraktikabel und viel zu teuer. Auch eine stärkere Bejagung löst das Problem nicht wirklich. In der Stadt wäre sie sogar kontraproduktiv, weil die weniger mit dem Fuchsbandwurm belasteten städtischen Fuchspopulationen (Stadtfüchse ernähren sich mehr von menschlichen Abfällen als von Mäusen) durch von außen einwandernde, stärker belastete Bestände ersetzt würden.

Wie kann man sich schützen?

Waldfrüchte sowie Gemüse und Salat aus Freilandkulturen vor dem Verzehr vorsichtshalber immer gründlich waschen.
Am sichersten ist es, Lebensmittel über 60 Grad zu erhitzen, um die Erreger abzutöten. Einfrieren hilft in der Regel nicht.
Tote (und natürlich auch lebende) Füchse nicht berühren!
Falls Hunde Mäuse jagen und fressen, ihren Kot regelmäßig auf Bandwurmeier untersuchen lassen und die Tiere bei einem Nachweis mit geeigneten Präparaten entwurmen.
Nach Garten- und Feldarbeit oder einem Waldspaziergang immer die Hände waschen!


»Die psychische Belastung übersteigt oft die körper - liche Beeinträchtigung«
Beate Grüner, Universitätsklinik Ulm


Wie aber kann sich ein Mensch mit dem Fuchsbandwurm infizieren? Ganz allgemein gesprochen muss man auf irgendeine Weise in Kontakt mit dem Kot eines infizierten Fuchses kommen. Wie das im Einzelfall geschieht, sei derzeit noch unklar, sagt der Tierarzt Frank Just vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen. „Das häufig zitierte Sammeln von Beeren und Pilzen konnte bislang nicht eindeutig als Risikofaktor identifiziert werden.“

Weitaus wahrscheinlicher ist es, sich über den eigenen Hund zu infizieren, weil Hunde auch für den Fuchsbandwurm als Endwirt in Frage kommen. „Das wäre dann so, als wenn man mit einem infizierten Fuchs herumspielt und kuschelt“, sagt Parasitologe Brehm. Besonders groß ist die Gefahr, wenn ein Hund häufig Mäuse frisst und nicht regelmäßig parasitologisch untersucht und entwurmt wird. Katzen übrigens sind zwar passionierte Mäusejäger, aber schlechte Wirte für den Fuchsbandwurm und produzieren nur sehr wenige infektiöse Eier. „Es ist nicht sicher, ob die Eier aus einer Katze überhaupt eine Infektion auslösen können“, betont Brehm.

Auch die passive Übertragung von Eiern etwa durch kontaminierte Kleidung oder Schuhe spielt vermutlich nur eine untergeordnete Rolle. „Um sich mit dem Fuchsbandwurm zu infizieren, müsste eine signifikante Menge an Eiern geschluckt werden“, sagt Tierarzt Frank Just. „Wenn sich ein Hund beispielsweise in Fuchskot gewälzt hat, man den Hund streichelt und die Hand danach achtlos zum Mund führt, kann die Möglichkeit einer Übertragung zwar nicht völlig ausgeschlossen werden. Dennoch dürfte die Zahl der Eier in diesem Fall in der Regel zu klein sein, um sich anzustecken.“

Im Entwicklungskreislauf des Fuchsbandwurms ist der Mensch eigentlich nicht vorgesehen. Als „Fehlwirt“ kann er unter Umständen trotzdem von ihm befallen werden


Der Hund steht dem Fuchs genetisch und dem Menschen sozial nahe – eine heikle Kombination


Insbesondere in Hochrisikogebieten wie dem gesamten süddeutschen Raum mit einem besonderen Schwerpunkt auf der Schwäbischen Alb, wo bis zur Hälfte aller Füchse Träger des Parasiten sind, rät die Behörde zu Vorsichtsmaßnahmen (vgl. „Wie kann man sich schützen?“, S. 40), um einer möglichen Infektion vorzubeugen.

Es gibt einige Risikogruppen

Allerdings führe beim Menschen nur jede zehnte Infektion wirklich zum Ausbruch der Krankheit, sagt Klaus Brehm. Wahrscheinlich gebe es eine genetische Komponente, die die meisten Menschen gegen den Erreger immun mache. Als statistisch gesichert gilt, dass Jäger, Land- und Forstwirte sowie Hundebesitzer ein höheres Risiko für eine Fuchsbandwurmerkrankung haben. Bei Landwirten ist sie als Berufskrankheit anerkannt.

Um künftig noch mehr Pfeile gegen den Fuchsbandwurm im Medizinköcher zu haben, wird an der Würzburger Universität unter Brehms Leitung mit molekulargenetischen Methoden an neuen Therapieansätzen gearbeitet. Weil das Wachstum der Fuchsbandwurmlarven über ähnliche Gene und Proteine gesteuert wird wie bei menschlichen Krebszellen, versucht man, gängige Krebsmedikamente so zu modifizieren, dass sie auch gegen die Parasiten helfen – und zwar mit geringeren Nebenwirkungen als bei heute verfügbaren Wurmmitteln.

Doch der Kampf gegen die Würmer ist kompliziert, da sie wahre Anpassungs- und Überlebensmeister sind. Sie sind im Körper ihres Wirts praktisch unverwundbar. Und das Finnengewebe verfügt, ähnlich „echtem“ Krebsgewebe, über eine Art Schutzschirm, der eine Immunantwort des Körpers unterdrückt. „Die Viecher sind richtige Aliens“, sagt Klaus Brehm. Aus seinem Mund klingt es fast wie eine Liebeserklärung.

Georg Etscheit
geht am Wochenende gerne mit Hund Poldi und Partner im Wald spazieren. Leider liebt es Poldi, sich gelegentlich mit dem Kot von Wildtieren zu parfümieren.


Foto: imago / Panthermedia, blickwinkel / M. Henning, zoonar / Karin Jähne / ddp images, ddp / imageBROKER / jspix

Foto: privat, KES / Prof. Mehlhorn (2), AS Syndication / ullstein bild / sodapix, Paulo de Oliveira / OKAPIA

Foto: privat, Picture Press / Wissen Media Verlag, ddp / Picture Press / Liebes Land / Uli Glasemann, privat