Lesezeit ca. 16 Min.
arrow_back

All Mountains bis 6300 Euro Economy-Plus


Logo von EMTB
EMTB - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 06.12.2022
Artikelbild für den Artikel "All Mountains bis 6300 Euro Economy-Plus" aus der Ausgabe 6/2022 von EMTB. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: EMTB, Ausgabe 6/2022

w Wenn schon, denn schon. Bei der Performance wollen Sie, liebe Leser, keine Kompromisse eingehen. Im Mittel plant das EMTB-Publikum, satte 6286 Euro für das nächste Bike auszugeben. Fast 1500 Euro mehr als noch vor zwei Jahren. Lieber ein teures E-MTB als ein mittelmäßiges, so die Devise. Doch die entscheidende Frage lautet: Bekommt man für über 6000 Euro trotz Inflation und steigenden Preisen auch Modelle, die auf dem Trail keine Schwächen zeigen? Kurzerhand haben wir eine genau dazu passende Testgruppe zusammengestellt: Canyon, Conway, Scott, Radon und YT Industries – All Mountains für maximal 6300 Euro.

Die Bikes rollen zum Praxistest im Bikepark Oberammergau aus dem Bus. Los geht’s mit dem Ausstattungs-Check. Erleichterung auf der einen Seite: Eine standesgemäße Ausstattung verbindet alle fünf Räder, Ausfälle gibt’s keine. Andererseits: Highlights, wie eine vollständige Shimano-XT-Gruppe, ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 7,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von EMTB. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 6/2022 von Ist das noch ein E-Bike?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Ist das noch ein E-Bike?
Titelbild der Ausgabe 6/2022 von Stoneman Glaciara. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Stoneman Glaciara
Titelbild der Ausgabe 6/2022 von Viererpack – die anderen Stonemen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Viererpack – die anderen Stonemen
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Viererpack – die anderen Stonemen
Vorheriger Artikel
Viererpack – die anderen Stonemen
Highend-Light-Enduros Leichtund lec ker!
Nächster Artikel
Highend-Light-Enduros Leichtund lec ker!
Mehr Lesetipps

... ein-Fox-Factory-Fahrwerk oder Vollcarbonrahmen sind die Ausnahme. Vom Highend-Segment ist man für 6000 Euro recht weit entfernt. Grundsätzlich sind die fünf Kandidaten sehr verschieden: Fachhandel und Onlineshop, Vollcarbon- und reine Alu-Rahmen, 29 Zoll und Mullet-Laufräder, Bosch- und Shimano-Motoren, Akkus von mäßigen 540 bis hin zu satten 900 Wattstunden. Gerade beim Verladen fällt auch der Gewichtsunterschied auf. Wer das YT mit dem kleinen Akku und knapp unter 24 Kilogramm aus dem Auto hebt, tut sich deutlich leichter als beim Scott Patron mit fast 27 Kilogramm.

Und die Varianz der fünf Bikes endet hier nicht. Breite und schmale Reifen, cleane und überfrachtete Cockpits, viel und etwas weniger Federweg, progressive und eher klassische Geometrien. Selbst in der Größe gibt’s mächtige Unterschiede, obwohl wir alle Bikes mit L-Rahmen bestellt haben. Dabei haben alle fünf Bikes das gleiche Ziel: Sie wollen ausgewogene Tourer für schweres Gelände sein, denen kein Trail bergauf zu steil, kein Downhill zu anspruchsvoll ist. Zuverlässig von Hütte zu Hütte im Hochgebirge und doch mit maximalem Fahrspaß auf der Hausrunde. Wem der Spagat am besten gelingt?

Mit dem Decoy von YT Industries, Conways eWME und Canyons Spectral:ON starten wir in den ersten Anstieg. Auffällig: Alle drei Kandidaten punkten mit hohem Fahrkomfort und angenehmer, aber sehr unterschiedlicher Sitzposition. Kompakt und mit tiefer Front auf dem Conway, etwas länger und mit hoher Front auf dem Canyon. Das YT bietet einen schönen Kompromiss, fällt aber gerade im Vergleich zum großen Canyon sehr klein aus. Trotzdem: Hier fühlte sich jeder Tester auf Anhieb wohl. Ein Thema, das sich beim Versender-Bike aus Forchheim durch den ganzen Test zieht. Komfortabel und traktionsstark bergauf, sehr souverän, vor allem wegen des tollen Fox-Fahrwerks, bergab. Kaum zu glauben, dass dieses Bike mit 150/145 Millimetern am wenigsten Federweg haben soll. Und kaum zu glauben, dass es sich um dieselbe Rahmenplattform handelt wie beim kleineren Bruder Decoy 29 Core 2 mit Rockshox-Fahrwerk. Dieses Bike konnten wir schon in EMTB 3/2022 testen und empfanden es damals als zielstrebig, aber wenig fehlerverzeihend. Unser Test-Bike heute sahnt dagegen bei jedem Tester Top-Wertungen ab. Leider ist der Spaß nur von kurzer Dauer. Der kleine Akku ist schon vor Ende des Testtages leer, während der riesige Wattspeicher im Canyon gerade einmal Halbzeit anzeigt. Dass das Canyon dabei im Fahrverhalten trotzdem dem YT kaum nachsteht, ist bemerkenswert und zahlt mächtig auf die Punktewertung ein. Allerdings: Das konnte auch das günstigere Modell Spectral:ON CF7 für 5500 Euro schon vergleichbar gut, das wir ebenfalls in Ausgabe 3/2022 im Test hatten.

Gleich bleibt bei Canyon die satte Reichhöhe von über 2200 Höhenmetern, auch die Bikes mit Boschs 750er-Powertube können da nicht ansatzweise mithalten. Und apropos Bosch: In technischen Anstiegen hat uns der Motor in Radon und Scott nach wie vor am besten gefallen. Besonders das Scott klettert erstklassig und auffällig unkompliziert. Selbst enge Kurven und fiese Stufen bergauf gelingen auf Anhieb, und man vergisst völlig, wie schwer das Scott noch beim Anheben des Bikes auf dem Parkplatz war. Ein Trend, der sich auch bergab fortsetzt. Speziell bei geringem Tempo vermittelt das Scott erstaunlich viel Sicherheit und gibt auch Anfängern das Gefühl, schwerstes Gelände sicher meistern zu können. Griffigere Reifen hätten wir uns bei etwas glitschigen Bedingungen zwar noch gewünscht, aber dennoch: Das schwere Scott ist das unkomplizierteste Bike im Vergleich. Auch wenig versierte Biker kommen damit im Gelände gut zurecht. Das beste Bike für Hochgebirgs-Tour bis Hometrail ist wegen der starken Kombi aus tollen Fahreigenschaften und Mega-Reichweite dennoch das Canyon. Die starken Allround-Eigenschaften verschaffen ihm den Testsieg.

Fazit Adrian Kaether, Redakteur EMTB

Selbe Kategorie, selber Preisbereich – doch gänzlich unterschiedliche Charaktere! Drei Bikes stechen dabei aus unserem Quintett heraus: Wer Prioritäten beim Trailhandling setzt, sollte sich das YT Decoy genauer ansehen, und ein unkompliziertes Fahrverhalten auf Tour kann keiner besser als Scotts neues Patron eRide. Das vielseitigste Bike und damit der Sieger nach Punkten kommt von Canyon. Das Spectral:ON vereint gelungene Fahreigenschaften mit Mega-Reichweite und akzeptablem Gewicht.

Das sagen die Tester

Adrian Kaether „Beim Patron versteckt Scott neben Zügen und Akku sogar den Dämpfer im Rahmen. Das mag optisch manche überzeugen, die Handhabung und das extrem hohe Gewicht des Bikes sprechen aber klar dagegen. Das Patron fährt sich trotzdem ausgewogen, mit zwei Kilogramm weniger wäre aber sicher mehr möglich gewesen.“

Florentin Vesenbeckh „All-Mountain-E-MTBs werden immer schwerer. Ein Grund: die dicken Akkus. Ob 750 Wattstunden oder mehr die richtige Wahl sind, muss jeder für seinen Einsatzbereich individuell entscheiden. Als einziges Bike im Test schafft Canyon einen starken Kompromiss. Das Spectral:ON bleibt trotz 900 Wattstunden verhältnismäßig leicht.“

Tobias Ziganek „Für mich als sportlichen Fahrer zählt vor allem die Performance auf dem Trail. Das YT ist hier top, auch das Canyon hat mir bergab gut gefallen. Bergauf war das große Bike mit der hohen Front und den kurzen Kettenstreben für mich mit rund 1,80 aber schwer zu bändigen. Hier würde ich auf jeden Fall eine kleinere Größe probieren.“

So testet EMTB

Einzeln betrachtet fahren sich viele E-MTBs gut. Erst Vergleichstests zeigen entscheidende Unterschiede und sind daher der Kern unseres Testsystems. Die meisten Punkte bekommen Bikes für das Fahrverhalten in der Praxis, das wir mit mindestens drei erfahrenen Testern auf verschiedenen Strecken ausloten. Enduros bekommen dabei die meisten Punkte für Abfahrts-Performance, Tourer für ein unkompliziertes Fahrverhalten. Doch wir wollen uns nicht auf unser Gefühl allein verlassen. Bei jedem Test beziehen wir unser hauseigenes Labor mit ein. Lassen sich unsere Testeindrücke durch exakt vergleichbare Daten zu Geometrie und Gewicht untermauern? Neben klassischen Werten ermitteln wir dabei auch spezielle Daten wie Bodenfreiheit oder Schwerpunkthöhe, die für E-MTBs besonders relevant sind. Feldtests mit aufwändiger Messtechnik und standardisierten Parametern geben Aufschluss über Reichweite und Motorcharakteristik.

EMTB-Testpartner

EMTB testet alle Räder und die meisten Bauteile im eigenen Testlabor. Viele unserer Prüfstände wurden vom Zedler-Institut für Fahrradtechnik und -Sicherheit entwickelt.

Prüftechnik Zedler -Institut für Fahrradtechnik und -Sicherheit www.zedler.de

Testkriterien

Bergauf: Wie schlägt sich das E-MTB in schwierigen Anstiegen? Dabei trennen wir in die Bewertungskategorien Uphill steil und Uphill technisch. In der ersten Kategorie bewerten wir das Fahrverhalten an steilen Rampen. Abzüge gibt’s hier für ein früh steigendes Vorderrad, ungünstige Sitzpositionen und zu wenig Motorleistung oder Traktion. Bei der Wertung zu technischen Uphills geht es um Trails bergauf mit Hindernissen. Lässt sich das Bike gut steuern? Erzeugt das Fahrwerk Traktion, ohne zu tief einzusacken? Wie meistert das Bike enge Kurven und Stufen? Abzug gibt’s für schwer dosierbare Motoren, passive Sitzpositionen und gehäuft auftretende Kurbelaufsetzer.

Bergab: Wie in der Bergauf-Wertung trennen wir auch bergab in zwei unterschiedliche Kategorien. Trail flowig ist dem Fahrspaß gewidmet. Hier punkten handliche Bikes mit lebendigem und spritzigem Fahrverhalten. Abzug gibt’s für hohe (Laufrad-) Gewichte, träge Fahrwerke und zu laufruhige Geometrien. Bei Downhill ruppig geht es dagegen um Nehmerqualitäten in fiesem Gelände und bei hohen Geschwindigkeiten. Hier zählen das Schluckvermögen des Fahrwerks, fahrsichere Geometrien und eine robuste Ausstattung.

Tour: In der Tour-Wertung kommt die Reichhöhe der Bikes zum Tragen, die wir in einem standardisierten Feldtest erkurbeln. In der Easy-Riding-Wertung geht es neben dem Fahrkomfort darum, ob auch weniger versierte Fahrer gut mit dem Bike zurechtkommen und wie unkompliziert sich das Bike bewegen lässt. Negativ werden abkippende Lenkungen und zu fordernde Geometrien gewertet.

Antrieb: Hier vergeben wir standardisierte Punkte, die wir für jeden Antrieb einzeln festgelegt haben. Bei der Power geht’s um Leistung und Drehmoment. Neben dem gefühlten Schub fließen aufwändige Labormessungen in die Wertung mit ein. Unter Dosierbarkeit bewerten wir das Fahrgefühl und Ansprechverhalten. Für ruppige oder unharmonische Unterstützung gibt es Abzüge. Unter Details gibt es Punkte für Displays und Remotes, deren Ergonomie und die jeweiligen Apps.

Qualität: Punkt eins ist die Ausstattung. Nach festen Parametern bewerten wir alle Bauteile, von Schaltung und Fahrwerk über Cockpit und Tele-Stütze bis hin zu Laufrädern und Reifen. Unter Verarbeitung/Details schauen wir uns sowohl die handwerkliche Qualität des Rahmens an, als auch die Integration der Antriebsteile wie Akku und Speed-Sensor. Außerdem vergeben wir hier Punkte für das Gewicht, die Herstellergarantien und das zulässige Gesamtgewicht der Räder.

Die neue Raute: Welche Stärken und Schwächen und damit welchen Charakter ein Bike hat, zeigen wir auf einen Blick mit dem neuen Rauten-Diagramm. Grundsätzlich gilt: je größer die rote Fläche, desto besser das Bike. Aber auch die Bewertung in den einzelnen Kriterien wird hier sichtbar. Die Kriterien passen wir dabei je nach Bike-Kategorie an. So werden wir den unterschiedlichen Anforderungen an zum Beispiel Enduro-Bikes oder leichte Tourer gerecht.

Tops und Flops

Lob und Tadel liegen nicht selten im Detail

TOP: Starke Gabeln sind für die Fahrsicherheit bergab entscheidend. Die Fox 36 Grip2 im YT und auch die 36 Factory im Radon mit der Fit4-Schnellverstellung stechen hier positiv heraus. Einsteigergabeln mit durchwachsener Performance sucht man zum Glück vergeblich.

FLOP: Breite Reifen sorgen für Komfort. Doch die 2,6-Zoll-Pneus am Scott fahren sich bei sportlicher Fahrweise schwammig. Das Dissector-Profil bietet am Vorderrad außerdem recht wenig Nass-Grip. Das beschneidet das Abfahrtspotenzial des Patron eRide.

FLOP: Tiefe Tretlager sind für die Kurvenlage und Fahrsicherheit bergab ein Vorteil, so auch beim Canyon. Im Uphill setzen allerdings zu leicht die Kurbeln auf. Beim Spectral:ON kommt der lange und tief gezogene „Bauch“ vor dem Motor hinzu, der zu leicht aufschlägt.

TOP: Auf Bremsscheiben muss man sich verlassen können. Günstige Shimano-Modelle fielen in den letzten Tests mit Problemen bei Hitzeentwicklung und störenden Geräuschen auf. Canyon verbaut dickere Stahlscheiben von Hayes. Ein sinnvolles Update.

FLOP: Die Kommandozentrale am Scott schüchtert ein. Mit der Bosch-Remote und dem Twinloc-Hebel für Fahrwerk und Tele-Stütze soll der linke Daumen acht Tasten bedienen. Das ist moderne Überforderung! Wir könnten auf die Fahrwerksverstellung am Lenker verzichten.

Gewichte im Vergleich

Beeindruckend: Trotz Monster-Akku ist das Canyon fast das leichteste Rad in diesem Vergleich. Der einzige Vollcarbonrahmen und die Akku-Entnahme nach unten zahlen sich aus. Das YT ist zwar noch etwas leichter, bei dem mit Abstand kleinstem Akku im Testfeld verwundert das aber wenig. Oder doch? Denn der kleine Akku im YT ist recht schwer, die Darfon-Batterie im Conway liegt trotz deutlichem Kapazitätsplus nur gut hundert Gramm darüber. Bei den Laufrädern kann Radon punkten und setzt sich trotz ordentlicher Reifen fast an die Spitze, Canyon und Scott fallen ab. Ein 100-Kilo-Fahrer passt noch auf jedes Rad, speziell beim schweren Scott wird das aber schon sehr eng, wenn noch Ausrüstung dazu kommt. Das ist ausbaufähig.

Die Motoren im Vergleich

Shimano EP8

Mit nur 2,6 Kilogramm ist Shimanos EP8 (85 Nm) der leichteste unter den klassischen E-Bike-Antrieben. Die Spitzenleistung liegt etwas hinter dem Bosch, im Direktvergleich ist das spürbar. Dafür gefallen App, sportliche Displays und das oft etwas sonorere Antriebsgeräusch. Gut: Shimano lässt auch Fremdhersteller-Akkus zu, wie den kapazitätsstarken und leichten Darfon im Conway. Leider klappert der Motor bergab hörbar.

Bosch Performance CX

Der Antrieb des schwäbischen Elektro-Riesens liefert eine hohe Leistung und ein sattes Drehmoment (85 Nm). Dosierbarkeit und Fahrverhalten in technischen Anstiegen sind marktführend, besonders im E-MTB-Modus. Auch im Turbo setzt der Bosch seine Leistung erst bei kräftigerem Tritt frei, das sorgt für ein spritziges Fahrgefühl. Leider weder wirklich leise noch leicht, vor allem wegen der schweren Akkus. Bergab klappert der Bosch hörbar.

Die Reichhöhe

Wie lange hält der Akku? Schließlich sollen gerade All Mountains auch richtig lange Berg-Touren mitmachen, ohne gleich am zweiten Anstieg in die Knie zu gehen. Wie gut das gelingt, bilden wir mit unserem standardisierten Testverfahren zur Reichhöhe ab. Reichhöhe statt Reichweite deshalb, weil Höhenmeter wesentlich mehr Akku fressen als Kilometer und für die Touren-Planung beim E-MTB daher entscheidender sind. Wenig überraschend: Das Canyon mit dem dicken 900er-Akku ist mit deutlich über 2000 Höhenmetern einsamer Spitzenreiter. Aber auch mit Radon, Scott und Conway sind lange Touren möglich, wenn man etwas haushaltet. Der kleine Akku im YT fällt deutlich ab. Lange Ausfahrten erschwert das deutlich.

Motor-Sound

Das Zusammenspiel aus Motor und Rahmen bestimmt die Geräuschkulisse. So tönt der Shimano EP8 im YT bergauf am lautesten, während er im Conway deutlich leiser ist. Kein Einzelfall: Unser letztes Decoy 29 war ebenfalls auffällig laut. Wo sich die anderen Kandidaten einordnen, können Sie der Grafik unten entnehmen. Bauartbedingt klappert leider auch bergab der Motor in allen fünf Bikes. Das wirkt wenig wertig. Das Canyon gehörte auf dem Trail zu den Lautesten, YT und Conway sind deutlich leiser. Die Bosch-Bikes Radon und Scott liegen in der Mitte. Von der Ruhe gelungener Brose-, TQ- oder Fazua-Bikes sind alle fünf Kandidaten weit entfernt.

Preis-Leistung

Bei welchem Bike bekommt man am meisten fürs Geld? Mit Radon, Canyon und YT Industries landen gleich drei Versender vorne. Das schaffen die Bikes jedoch nicht allein über eine hochwertige Ausstattung, sondern vielmehr durch ihr stimmiges Gesamtpaket. Unsere Wertung spiegelt das Verhältnis aus Kaufpreis und Gesamturteil wider. Das Canyon räumt zwar den Testsieg ab, muss sich hier wegen des höheren Preises aber knapp dem günstigeren Radon geschlagen geben. Beim YT gibt’s zwar nur den kleinen Akku, dafür sind die Fahreigenschaften und das Fahrwerk aber exzellent.

Punkte im Vergleich

Bike-Charakteristik

Nicht nur das Endurteil zählt. Was nützt einem Touren-Fahrer ein unhandlicher Downhill-Bolide und einem Downhill-Freak ein quirliges Spaß-Bike? Der Charakter eines E-MTBs entscheidet, ob Bike und Fahrer gut zueinander passen. Zentral dafür: das Fahrverhalten. Und klar ist: Hier ist ein Kompromiss gefragt. Nur die seltensten und leider oft auch teuersten Bikes können Fahrstabilität und ein agiles Handling ideal verbinden. Canyon und YT sind dabei schon wirklich gut unterwegs – das Canyon etwas handlicher, das YT etwas fahrstabiler. Das Radon ist sportlich straff und eher auf Geradeauslauf gepolt, Scott und Conway gelingt der Kompromiss aus Laufruhe und Agilität am schlechtesten, beide sind eher auf der behäbigen Seite unterwegs. Dafür sind beide exzellente Touren-Partner und auch für weniger versierte Piloten komfortabel und leicht zu steuern.

Canyon Spectral:ON CF8

Mit dem Spectral:ON ist Canyon ein großer Wurf gelungen. Das Koblenzer All Mountain ist trotz Riesen-Akku mit satten 900 Wattstunden das zweitleichteste im Test, woran auch der gelungene Vollcarbonrahmen seinen Anteil hat. Die Energie aus der Batterie reicht für über 2200 Höhenmeter im Turbo-Modus. Absolute Spitze! Ähnlich viel Lob bekommt das Versender-Bike für die Fahreigenschaften bergab. Die Kettenstreben sind mit 441 mm relativ kurz und das Fahrverhalten entsprechend handlich, trotzdem fehlt es auch auf ruppigen Trails nicht an Fahrsicherheit. Das Canyon macht so sowohl auf langsameren, flowigen Trails, als auch auf zünftigen Abfahrten eine gute Figur. Nur die günstige Rhythm-Gabel ging uns zu unkontrolliert durch den Federweg und begrenzte damit das Potenzial des Bikes auf ruppigen Abfahrten. Bergauf muss sich das Canyon aber Kritik gefallen lassen. Dank steilem Sitzwinkel sitzt man zwar top im Rad, und auch das sensible Fahrwerk gefällt. An Rampen oder Stufen wird wegen kurzer Kettenstreben aber schnell das Vorderrad leicht. Kleinere Fahrer tun sich schwer, aktiv Druck auf die hohe Front zu bringen. Kein Wunder, Rahmengröße L, wie hier im Test, empfiehlt Canyon erst ab etwa 1,84 Meter Körpergröße. In technischem Gelände bergauf setzen außerdem die Kurbeln auf, sogar der tief gezogene Rahmen bekommt an Stufen Bodenkontakt. Der Fahrkomfort ist mit hoher Front und neutraler Lenkung hingegen top. Überraschend: Das 800 Euro günstigere Modell CF7 mit Rockshox-Fahrwerk, das wir in EMTB 3/2022 testen konnten, hat uns ähnlich gut gefallen und war sogar noch 500 Gramm leichter.

FAZIT: Trotz leichter Schwächen bergauf: Der Spagat aus Reichweite, Gewicht und handlichem Fahrverhalten beeindruckt beim Canyon erneut und verhilft dem CF8 zum Testsieg. Fällt groß aus.

Conway eWME 6.9

Gleicher Rahmen, gleiches Konzept, mehr Reichweite. Die Niedersachsen haben vom Shimano-Akku mit 630 Wattstunden auf Darfons bewährte 720er-Batterie umgestellt. Der wiegt kaum mehr, passt ins selbe Unterrohr und bringt trotzdem rund 450 Höhenmeter mehr Ausdauer. Eine angenehme Pragmatik, die auch das eWME insgesamt auszeichnet. Der Alu-Rahmen ist schnörkellos, dafür bleibt viel Geld für eine gute Ausstattung. Fox-Performance-Federelemente, DT-Swiss-Laufräder und eine vollständige Shimano-XT-Ausstattung, das ist in dieser Preisklasse bei einer Fachhandelsmarke nicht selbstverständlich. Ob das Bike so auch in der Praxis überzeugen kann? Beim Anrollen zum Trail gefällt auf jeden Fall der Fahrkomfort. Kurz, kompakt und gut integriert sitzt man auf dem Conway, die Federelemente bügeln den Untergrund souverän glatt, der Lenker mit viel Rückbiegung ist wenig sportlich, aber in jedem Fall komfortabel. In steilen Uphills sackt der Dämpfer leider etwas in den Federweg, das drängt den Fahrer in eine zu passive Haltung und bringt dem Conway in Uphill-Trails nicht die besten Urteile ein. Steile Rampen meistert es aber souverän, nur der Nobby Nic am Hinterrad könnte besser greifen. Bergab klebt das Fahrwerk am Boden und generiert dadurch viel Traktion. Ein handliches oder lebendiges Fahrerlebnis bietet das Conway leider nicht, auch durch das recht hohe Gewicht. Gut: Das Bike ist bergauf wie bergab angenehm leise. Wir würden uns noch mehr Einstecktiefe für lange Tele-Stützen und einen besseren Hinterreifen wünschen, dann wäre bei der ohnehin hohen Fahrsicherheit noch mehr drin.

FAZIT: Conways eWME ist kein sportlicher Trail-Flitzer, glänzt dafür aber als komfortabler und angenehm leiser Tourer mit toller Ausstattung und ordentlich Reserven bergab. Die Reichhöhe ist gut.

Radon Render 10.0 750

Radon ist und bleibt ein Ausstattungskracher. Schon als das erste Render Ende 2019 vorgestellt wurde, sorgte das Bike für eine große Überraschung. Auf einen Schlag verabschiedete der Bonner Versender den klassischen Aufsetz-Akku und integrierte den damals frisch vorgestellten CX-Motor in einen Hauptrahmen aus Carbon zu einem noch dazu guten Preis. Ein Konzept, das bis heute Geltung hat. Ebenfalls sehr nahe dran am Ur-Render ist die Geometrie. Die Sitzposition auf dem Radon ist, positiv ausgedrückt, sportlich. Der eher flache Sitzwinkel und die tiefe Front erinnern an klassische Touren-Fullys, der Fahrer sitzt deutlich gestreckt und bergauf etwas hecklastig. Gern schiebt man deswegen den Sattel für steile Anstiege ganz nach vorne. Das Fahrwerk ist bergauf das unkomfortabelste im Testfeld. Die Ausstattung ist dagegen top. Smart-System, Fox-Factory-Fahrwerk, leichte Laufräder von Newmen. Im Zusammenspiel mit dem flachen Lenkwinkel und den guten Reifen bringt das dem Radon einige Punkte bergab. Leider kann der Hinterbau mit nur 140 Millimetern Hub der langen Gabel nicht ganz folgen. Das macht das Bike etwas unharmonisch. Eine 150er-Gabel würde dem Bike besser stehen. Das verhältnismäßig niedrige Gewicht, die tiefe Front, das straffe Heck und die guten Laufräder bringen ein spritzig-sportliches Fahrgefühl, wirklich handlich ist das Radon aber nicht. Leider klappert das Render bergab etwas, die allgemeine Verarbeitung ist aber gelungen und bewegt sich mittlerweile in der oberen Hälfte des Testfeldes. Das ist ein klarer Fortschritt gegenüber den ersten E-MTBs des Bonner Versenders.

FAZIT: Das Render ist ein betont sportliches Bike, die hecklastige Sitzposition und der straffe Hinterbau sind etwas speziell. Bergab trotzdem ein starkes Bike. Herausragende Ausstattung.

Scott Patron eRide 920

Erst kurz vor 27 Kilogramm bleibt die Waage im E-MTB-Labor bei Scotts Patron eRide stehen. Das sind fast drei Kilogramm mehr als beim leichtesten Bike im Vergleich und ein klarer Nachteil der integrierten Rahmenkonstruktion. Auch die Abstimmung vor dem Test bereitet uns etwas Kopfzerbrechen. Den Lenker in der Höhe zu verstellen, ist wegen der Spezial-Spacer aufwändig, und auch die Fahrwerksabstimmung hat ihre Tücken. In der Fahrpraxis sammelt das Scott dann aber trotz der einfachsten Ausstattung im Test ordentlich Punkte. Es klettert erstklassig, die Front steigt, trotz hohem Cockpit, auch ohne Lockout spät, und das Bike bleibt durch enge Kurven und über Stufen leicht zu beherrschen. Nur der unbequeme Sattel stört. Biegt man in den Downhill ein, schlägt sich das Patron ebenfalls besser, als man aufgrund des Gewichts vermuten könnte. Willig lässt es sich durch Kurven dirigieren, Hinterbau und Gabel federn betont komfortabel, rauschen aber nicht unkontrolliert durch den Hub. Sportliche Piloten, die aufgrund des üppigen Federwegs (Höchstwert im Test!) Enduro-Qualitäten erwarten, sind aber nicht die passende Klientel. Für sie scheint das Bike mit den breiten und etwas undefinierten 2,6-Zoll-Reifen aber ohnehin nicht ausgelegt. Stattdessen glänzt das Scott mit komfortabler Sitzposition, das Fahrverhalten ist sowohl in der Ebene als auch am Berg eines der unkompliziertesten, das wir im EMTB-Test je erlebt haben. Ein starkes Bike für Touren-Fahrer, die mehr Wert auf Bergerlebnis und sicheres Ankommen, als auf Sprünge und Bestzeiten bergab legen. Auch für sie lohnt sich am Vorderreifen allerdings ein griffigeres Profil.

FAZIT: Das Patron glänzt mit unkompliziertem Fahrverhalten und klettert exzellent. Bergab ist es sehr komfortabel und vermittelt viel Sicherheit. Leider sehr schwer, dennoch ein Tipp für Genuss-Touren!

YT Decoy 29 Core 3

Obwohl das Decoy 29 Core 3 fast das günstigste E-MTB von YT Industries ist, steckt schon hier eine Federgabel mit Fox’ hochwertigster Dämpfung im Bike. Das zeigt klar die Downhill-Prioritäten des Forchheimer Versenders. Allerdings: Auch im Uphill kann unser Test-Bike fahrdynamisch überzeugen. Egal, ob steilste Rampen oder fiese Trails bergauf: Das YT meistert alles mit Leichtigkeit. Vor allem die Hinterbaufederung ist kaum zu toppen, das Handling intuitiv. Nur der recht laute Motor und die mäßige Reichhöhe geben Anlass zur Kritik. Das war auch schon bei unserem letzten Decoy 29 so. Der Rahmen scheint die Motorgeräusche ungünstig zu verstärken. Rein fahrdynamisch sammelt das YT dann aber auch bergab wirklich starke Wertungen ein. Das liegt auch an der Top-Gabel, mehr aber noch am tollen Hinterbau, der trotz nominell nur 145 Millimetern Federweg selbst bei grobem Trail-Konsum kaum aus der Ruhe zu bringen ist. Beim günstigeren Core-2-Modell mit Rockshox-Fahrwerk aus EMTB 3/2022 war das noch gänzlich anders. Wer die 700 Euro Aufpreis für das Core 3 erübrigen kann, sollte sie unbedingt investieren! Mit moderatem Lenkwinkel und tiefer Front bleibt das YT trotz langer Kettenstreben recht handlich, immerhin bergab ist von Motor und Akku kaum ein Geräusch zu vernehmen. Nur den DHF-Vorderreifen würden alle Tester bei glitschigen Bedingungen gerne gegen den Assegai vom Canyon tauschen. Der Alu-Hinterbau baut recht breit und ist eher grob verarbeitet. Vermutlich trägt er auch die Schuld daran, dass sich das YT trotz des sehr kleinen Akkus in Sachen Gewicht nicht noch deutlicher absetzen kann.

FAZIT: Mit einem fantastischen Fahrwerk und intuitivem Handling kann das YT im Punktetest fast den Patzer bei der Reichhöhe ausgleichen. Die Fahreigenschaften sind die besten im Test. Fällt klein aus.