Lesezeit ca. 3 Min.

ALLE IN AUF WEITER SEE


Logo von Grazia
Grazia - epaper ⋅ Ausgabe 19/2022 vom 05.05.2022
Artikelbild für den Artikel "ALLE IN AUF WEITER SEE" aus der Ausgabe 19/2022 von Grazia. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Grazia, Ausgabe 19/2022

Die Reise ihres Lebens hat die ?Atlantic Challenge?- Teilnehmerin in ihrem Buch ?Solo auf See? (dtv Verlag) noch einmal Revue passieren lassen

ALS SIE IM HAFEN VON SAN SEBASTIÁN LOSSCHIPPERT, trennen Gabi Schenkel (45) rund 5 000 Kilometer, knapp drei Millionen Ruderschläge und etliche unerwartete Hürden von ihrem Ziel. Dennoch ist sie sich zu diesem Zeitpunkt absolut sicher, dass sie und ihr Boot, die „Miss Universe“, im karibischen Antigua ankommen werden – bloß weiß sie noch nicht genau, wie und wann.

Hier ist die Vorgeschichte: 2017 fällt der Osteopathin ein Artikel über die „Atlantic Challenge“, eine Transatlantikregatta, in die Hände. Sie entschließt sich dazu, an dem anspruchsvollen Ruderwettbewerb teilzunehmen. Zwei Jahre später, am 12. Dezember 2019, startet die Schweizerin als einzige Frau allein von La Gomera aus in Richtung Süden. Der physischen ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 2,49€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Grazia. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 19/2022 von JA , SIE SCHUH- TICKEN RICHTIG!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
JA , SIE SCHUH- TICKEN RICHTIG!
Titelbild der Ausgabe 19/2022 von FASHION CHARTS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
FASHION CHARTS
Titelbild der Ausgabe 19/2022 von ECHT JETZT?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
ECHT JETZT?
Titelbild der Ausgabe 19/2022 von Meghan & Harry. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Meghan & Harry
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
10 VOM LUXUS INS RATTEN-LOCH
Vorheriger Artikel
10 VOM LUXUS INS RATTEN-LOCH
Stefanie Stahl
Nächster Artikel
Stefanie Stahl
Mehr Lesetipps

... Belastung ist die Marathonläuferin, die bis dahin auf dem Zürichsee trainierte und sogar einen Monat auf ihrem Boot lebte, durchaus gewappnet.

Aber wie bereitet man sich auf die mentalen Herausforderungen eines solchen Trips vor? Geht das überhaupt? „Wenn man sich dazu entscheidet, allein über den Ozean zu rudern, entscheidet man sich auch bewusst dafür, sich mit der auftretenden Einsamkeit auseinanderzusetzen – und infolgedessen auch mit sich selbst!“

Zudem habe sie schon immer die Vorzüge des Alleinseins genießen können.

Und dennoch: 75 Tage keiner Menschenseele zu begegnen, niemanden zu haben, dem sie von all den Extremsituationen, die sie tagein, tagaus auf ihrer Nussschale erlebt, erzählen kann – das zermürbt. Anfangs hat die Schweizerin zwar noch zwei Satelliten-Telefone, mit denen sie Kontakt halten kann. Doch nach knapp einem Monat gibt das erste den Geist auf und nur zehn Tage später das zweite. „Rückblickend hätte ich es aber auch nicht in Begleitung machen wollen!“

Und sie nimmt’s pragmatisch: „Es gab Momente, in denen ich unheimlich froh war, nichts anziehen zu müssen. Meist hatte ich wenig Kleidung an – auch beim Rudern, um die Reibung zu vermeiden.

Ich konnte einfach nackt ins Bett gehen, habe mich nicht rasiert und nicht darum geschert, wie ich aussehe. In der ganzen Zeit musste ich mir nur dreimal die Haare waschen.“

Die Stille füllt die 45-Jährige mit Selbstgesprächen, führt Videotagebuch, lauscht Mozarts Symphonien oder singt laut zu Jimmy Cliffs „I Can See Clearly Now“ mit. Die Heilpraktikerin lernt, ihren Gefühlen auf offener See freien Lauf zu lassen: „Im Alltag geben wir unseren Emotionen oft nicht genügend Raum. Wir scheinen einen Grund zu brauchen, um sie zuzulassen, und selbst dann fällt es uns noch schwer. Das ist auf dem Atlantik, allein dort draußen, deutlich leichter.

Dann schreist du, weinst bitterlich und im nächsten Moment lachst du auch schon wieder!“ Beinah stündlich habe sie die ganze Palette an Emotionen gespürt.

Sie beginnt außerdem, die wenigen Dinge, die sie umgeben, zu personifizieren: ihr Boot, die Sonne, das Meer. „Wie oft habe ich mir gewünscht, die Kamera, mit der ich mein Tagebuch aufgenommen habe, würde einfach mal antworten!“

Auf eine kindliche Art spricht sie zu den Wellen – es gibt nette, weniger nette, und dann gibt es jene, die richtig ätzend sind und versuchen, ihr das Leben schwer zu machen! Plötzlich aber bekommt Gabi doch noch Gesellschaft: Reginald tauft sie die Sturmschwalbe, mit der sie eines Nachts einen Zusammenstoß hat und der sie fortan immer wieder begegnet. Ein letztes Mal schaut „Reggi“ drei Tage vor ihrer Ankunft nach dem Rechten.

Knapp elf Wochen, nachdem die 45-Jährige sich nervös von der Hafenmauer in La Gomera abstieß, dockt die „Miss Universe“ in Antigua an. Plötzlich hat Gabi wieder festen Boden unter den Füßen, ist umgeben von jubelnden Menschen und liegt ihren Eltern in den Armen. Auf was freut man sich nach so einer krassen Reise am meisten? Am Morgen in ihrem trockenen, flauschigen Bett aufzuwachen und sich herumwälzen zu können, ohne dass es wackelt oder sie sich irgendwo stoße, sei herrlich.

„Seien wir ehrlich: Wenn ich nicht vom Boot gefallen wäre, nicht abgetrieben worden wäre oder nicht krank geworden wäre, dann wäre das alles doch am Ende eine ziemlich langweilige Sache gewesen“, stellt sie lachend fest – eine Tatsache, die sich ziemlich gut auf das ganze Leben übertragen lässt. Wichtig ist, dass wir uns nicht allzu schnell ins Wanken bringen lassen und die Ruder im richtigen Moment wieder zu packen bekommen, wenn wir doch mal kentern.