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Alle neuen Funktionen für dein iPhone


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Mac Life - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 06.10.2022

iOS 16

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Bildquelle: Mac Life, Ausgabe 11/2022

Mit dem neuen Betriebssystem für dein iPhone liefert Apple viele Dinge, die sich zahlreiche Nutzer:innen oft schon seit Jahren wünschen. Das iPhone als Ganzes wird persönlicher und viele Apps von „Nachrichten“ über „Fotos“ und „Mail“ bis hin zu „Karten“ und „Health“ lernen jede Menge neue Tricks, die sie noch praktischer für den Alltag machen. Ein besonderes Augenmerk solltest du der Fokus-Funktion widmen, die mit iOS 16 deutlich ausgebaut wird und das Potenzial hat, die Art und Weise, wie du dein iPhone nutzt, grundsätzlich und nachhaltig zu verändern.

Sperrbildschirm mit Charakter

Der Sperrbildschirm ist ähnlich wie der Homescreen vor iOS 14 über die Jahre unverändert geblieben. Ein Aspekt, bei dem iPhone-Nutzer:innen mit Recht zunehmend neidischer auf Android-Telefone blickten. Denn, na klar, dort war man sehr früh dabei, alle möglichen Einstellungen in die Hände der Nutzer:innen zu geben – ...

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... mit, sagen wir, unterschiedlich guten Erfolgen. Über die Jahre entstand so aber doch ein Vorsprung und es kristallisierten sich „best practices“ heraus. Apple musste hier dringend aufholen.

Mit iOS 16 kannst du nun Schriftart und Farbe von Datum und Uhrzeit ändern, Widgets hinzufügen, die den Komplikationen der Apple Watch ähneln, und sogar dein Hintergrundbild hat jetzt eine gewisse Tiefe, sodass die Uhrzeit in Teilen „hinter“ einem Motiv verschwinden kann.

Die Anpassung deines Sperrbildschirms erfolgt praktisch analog zur Personalisierung eines Apple-Watch-Zifferblatts: Du drückst einfach etwas länger auf deinen Sperrbildschirm und schon bist du im Anpassungsmodus. Du kannst sogar mehrere Sperrbildschirme für verschiedene Gelegenheiten erstellen und zwischen ihnen wechseln, indem du in der Galerieansicht nach links und rechts wischst. Deine unterschiedlichen Sperrbildschirme kannst du mit iOS 16 sogar an bestimmte Fokusse (Arbeit, Schlafen, Autofahren) koppeln – aber dazu später mehr.

Anders als bei der Apple Watch kannst du allerdings nicht einfach eben schnell während des normalen Betriebs vom Rand des Bildschirms zur Mitte wischen, um durch die Sperrbildschirme zu wechseln. Diese Funktion ist auf dem iPhone bereits anderweitig belegt.

Wichtig zu wissen ist, dass nicht alle Anpassungsmöglichkeiten für den Sperrbildschirm immer zur Verfügung stehen. Hier heißt es: ausprobieren. Das liegt aber nicht etwa daran, dass Apple geschlampt hätte, sondern es hängt viel mehr mit vorausschauender Planung zusammen. Für den Effekt, die Uhrzeit teilweise hinter etwa dem Kopf deines Kindes oder Haustiers verschwinden zu lassen, benötigst du idealerweise ein Foto, das im Porträtmodus aufgenommen wurde. So erkennt iOS 16 die verschiedenen Tiefenebenen. Allerdings ist ein Foto im Porträtmodus kein Garant für den Erfolg deines Vorhabens. Verdeckt das Motiv einen zu großen Bereich der Uhrzeitanzeige, steht dir die Funktion nicht zur Verfügung. Neben eigenen Fotos gibt es natürlich auch Bilder, Grafiken und Farbverläufe, die du verwenden kannst. Und du hast die Möglichkeit, ein gewähltes Motiv weiter anzupassen – mit Farbfiltern. Auch die Darstellung der Uhrzeit kannst du erstmalig beeinflussen und zwischen verschiedenen Farben und Schriftarten wählen.

Den Sperrbildschirm kannst du nun ganz nach deinen Wünschen anpassen. Bei manchen Bildern sogar mit 3D-Effekt. Ebenfalls neu ist, dass du die Schriftart für die Uhrzeit wählen und bis zu vier Widgets in der Reihe darunter platzieren kannst.

Zur weiteren Personalisierung des Sperrbildschirms tragen die mit iOS 16 neu eingeführten Widgets bei. Ihre Verwendung deaktiviert allerdings ebenfalls den Tiefeneffekt für Fotomotiv und Uhrzeit zugunsten einer besseren Lesbarkeit aller Informationen. Anders als bei anderen Betriebssystemen kannst du dir auf deinem iPhone nicht den kompletten Sperrbildschirm mit Widgets zupflastern. Dir steht ganz genau eine Zeile zur Verfügung, die vier Widget-Blöcke enthält. Ein einzelnes Widget kann dabei entweder einen oder zwei Blöcke breit sein.

Eine Ausnahme davon ist die Datumsanzeige über der Uhrzeit. Auch diese ist nun selbst ein Widget, das unabhängig von der Uhrzeit bearbeitet, genauer gesagt erweitert werden kann. Die Möglichkeiten dazu sind allerdings sehr limitiert.

Alle verfügbaren Widgets während der Beta-Phase von iOS 16 stammten von Apple. Wir gehen aber davon aus, dass viele Entwickler:innen direkt zur Veröffentlichung von iOS 16 eigene Widgets parat haben werden. Ihnen steht dafür das sogenannte WidgetKit Framework zur Verfügung.

Zum Start sind folgende Sperrbildschirm-Widgets von Apple mit an Bord: Batterien, Kalender, Uhr, Fitness, Home, News, Erinnerungen, Aktien und Wetter.

Platzsparende Mitteilungen und Live-Aktivitäten

Mit dem neuen Sperrbildschirm hat Apple in iOS 16 auch die Mitteilungen überarbeitet, sodass mehr Platz für dein Sperrbildschirm-Hintergrundbild und deine Widgets zur Verfügung steht. Die Mitteilungen kommen jetzt nicht länger von oben, sondern von unten. Du kannst nach oben wischen, um die gesamte Liste verpasster Benachrichtigungen zu sehen oder nach unten wischen, um sie auszublenden.

Ein ganz neuer Dreh sind die sogenannten „Live-Aktivitäten“. Davon profitieren hauptsächlich Apps, die bislang aufgrund häufiger Änderungen viele Mitteilungen nacheinander ausgelöst haben. Sie können nun eine Mitteilung zustellen, die laufend aktualisiert wird. Ein offensichtliches Beispiel sind Apps, die dich über Sportereignisse auf dem Laufenden halten. Aber auch für Taxi-Apps oder Anwendungen, über die du dir Essen oder Einkäufe liefern lässt, sehen wir hier ein großes Potenzial.

An diesen Beispielen siehst du: Apple selbst hat nur wenig Verwendung für dieses Feature. Wir haben genau zwei Anwendungen in der Beta-Phase gefunden, die Live-Aktivitäten nutzen: der Timer und die „Jetzt läuft“-Anzeige. Beide ermöglichen dir dabei auch, direkt mit ihnen zu interagieren. So wird dir etwa ein laufender Timer dauerhaft im Sperrbildschirm angezeigt und du kannst ihn direkt dort pausieren oder ganz beenden.

Fokus mit Filter-Funktion

Wir wissen natürlich nicht, wie es bei dir und in deinen Kreisen von Freund:innen und Kolleg:innen aussieht, aber wir glauben, dass „Fokus“ eine der besten unbekannten Funktionen des iPhone überhaupt ist. Apple hat „Fokus“ bereits mit iOS 15 eingeführt und bietet damit grundsätzlich eine individualisierbare „Nicht stören“-Funktion an. Schon mit iOS 15 war damit eine ganze Menge möglich und mit iOS 16 wird „Fokus“ erst so richtig sinnvoll. So kannst du etwa einen Schlafen- oder Autofahren- oder einen Arbeits-Fokus definieren, in dem dich jeweils andere Mitteilungen erreichen dürfen. Eine gute Idee ist es vielleicht, während der Autofahrt nur Nachrichten oder Anrufe (dir) wichtiger Personen zuzulassen, um möglichst wenig vom Verkehr abgelenkt zu werden. Während der Arbeit ist es unter Umständen klug, die Mitteilungen von Instagram und Co. stummzuschalten. Und so weiter.

Die verschiedenen Fokusse lassen sich dabei auf unterschiedliche Weisen aktivieren. Natürlich jederzeit manuell. Aber auch die Uhrzeit, das Erreichen oder Verlassen eines Orts und das Öffnen einer bestimmten App kannst du als Auslöser für das Umschalten in einen bestimmten Fokus festlegen. Für Letzteres sind Meditations-Apps ein anschauliches Beispiel. Der zugehörige Fokus könnte so aussehen, dass mit dem Öffnen deiner favorisierten Meditations-App einfach alle Benachrichtigungen für 15 Minuten stumm geschaltet werden.

Apple wäre aber nicht Apple, wenn es nicht auch eine KIgestützte Methode gäbe. Im Kontext von „Fokus“ nennt Apple das „Intelligente Aktivierung“. Dein iPhone versucht dann Muster zu erkennen und automatisch den richtigen Fokus zur richtigen Zeit zu aktivieren.

Fokus-Filter ermöglichen es dir, tiefergehende Systemeinstellungen mit einem Fokus zu verknüpfen.

Dabei sind Fokusse auf dein iPhone beschränkt! Sie funktionieren in praktisch identischer Weise auch auf deinem iPad, deinem Mac und selbstverständlich auch auf der Apple Watch. Natürlich kannst du beispielsweise auf deinem iPhone unter „Einstellungen > Fokus“ festlegen, dass deine Fokusse geräteübergreifend funktionieren sollen. Versetzt du deinen Mac in den Arbeits-Fokus, geschieht das gleiche dann auch Sekunden später auf all deinen anderen Apple-Geräten.

Fokusse können dabei tief ins System eingreifen und diverse Einstellungen vornehmen. Wie weiter oben schon erwähnt, kannst du einen individuell eingerichteten Sperrbildschirm an einen Fokus koppeln. Besitzt du ein iPhone, das du auch für die Arbeit nutzt, könnte zu Arbeitszeiten hochgradig seriös das Firmenlogo auf deinem iPhone prangen und nach Verlassen des Arbeitsfokus durch einen Sperrbildschirm mit einem Foto deines Hundes oder deiner Familie ersetzt werden.

Auch vor dem Home-Bildschirm macht die Fokus-Funktion nicht halt. Du willst während deines Wochenendes gar nicht erst in Versuchung geraten, irgendwelche arbeitsrelevanten Apps zu öffnen? Die Lösung könnte ein Freizeit-Fokus sein, der diese Apps automatisch von deinem Home-Bildschirm verschwinden lässt. Mithilfe der Suche oder der App-Mediathek lassen sie sich natürlich weiterhin starten.

Und es geht noch tiefer! iOS 16 führt erstmals Fokusfilter ein, mit denen du sogar Inhalte in Apps manipulieren (also filtern) kannst. Das geht allerdings vorerst nur für Apples eigene Apps. Hier kannst du festlegen, dass du mit aktiviertem Urlaubs-Fokus deine Arbeitskalender in der Kalender-App ausblenden und auch gleich die zugehörigen E-Mail-Konten in der Mail-App nicht länger angezeigt bekommen möchtest.

„Fokus“ ist ein mächtiges Werkzeug, das allerdings einiger Zeit bedarf. Zeit, um die einzelnen Fokusse in Ruhe und mit Bedacht anzulegen und Zeit, um sich daran zu gewöhnen. Vor allem dann, wenn du sie auch dazu verwenden möchtest, nervige Gewohnheiten zu durchbrechen. So richtig zufrieden waren wir erst nach mehreren Wochen, in denen wir die verschiedenen Fokusse immer wieder justierten, bis alles gepasst hat. Dann aber ist „Fokus“ ein wahrer Segen, der einerseits zu fokussierterem Arbeiten, andererseits aber auch zu erholsamerem Abschalten führen kann.

Mails später versenden

Wir können die Male, die E-Mail als Dienst schon für tot erklärt wurde, gar nicht mehr zählen. Und ja, auch in unseren privaten Posteingängen tummeln sich vor allem Newsletter und Rechnungen und nur noch sehr wenige Nachrichten von echten Menschen. Spätestens im geschäftlichen Umfeld ist die E-Mail natürlich weiterhin nicht wegzudenken.

Für das iOS-Update auf Version 16 hat sich Apple ein paar Mail-Tricks bei anderen abgeschaut. Ganz weit oben auf der Liste steht der zeitgesteuerte Versand von Nachrichten. Wenn du den „Senden“-Pfeil etwas länger gedrückt hältst, präsentiert dir die Mail-App drei Optionen: „Jetzt senden“, zu einer von Mail vorgeschlagenen Zeit senden oder „Später senden …“. Mit letzterer Auswahl kannst du einen Zeitpunkt selbst definieren.

Das zeitversetzte Versenden von Mails funktioniert dabei mit jedem E-Mail-Konto, das du in der Mail-App eingerichtet hast. Dafür hat die Sache allerdings einen Haken: Damit die E-Mail zum gewünschten Zeitpunkt rausgehen kann, muss dein iPhone in diesem Moment eingeschaltet und online sein. Für die meisten von uns trifft beides vermutlich rund um die Uhr zu, dennoch solltest du um diese kleine Einschränkung wissen – vor allem, wenn du dieses Feature dereinst auch mit dem neuen macOS 13 Ventura verwenden möchtest.

Schließlich ist so ein Mac häufiger mal ausgeschaltet, jedenfalls öfter als ein iPhone, und die zum Versand anstehenden Mails werden nicht über iCloud synchronisiert, sodass sie ein anderes, einsatzbereites Gerätes verschicken könnte. Wird ein Versandzeitpunkt verpasst, verlässt die Mail dein Telefon, sowie es wieder online ist.

Uneingeschränkt praktisch ist die ebenfalls neue Funktion, sich zu einem späteren Zeitpunkt an eine E-Mail erinnern zu lassen. Wie oft öffnest du eine Mail und denkst dir „Interessant! Habe ich jetzt keine Zeit für, muss ich mir unbedingt später ansehen!“, um es schließlich zu vergessen? Bei uns jedenfalls kommt das häufiger vor.

Bislang war das Markieren einer solchen Mail als „ungelesen“ eine Methode, um dem eigenen Gedächtnis eine Stütze zu geben. Mit iOS 16 kannst du einfach von links nach rechts über eine Nachricht im Posteingang wischen und dann mithilfe einer „Erinnerung“ festlegen, wann dir die fragliche E-Mail erneut präsentiert werden soll.

An andere Dinge kann die Mail-App dich ab jetzt ungefragt erinnern, zum Beispiel immer dann, wenn das Programm glaubt, dass du einen Anhang vergessen haben könntest. Das ist eine Funktion, die viele andere Mail-Programme schon längst in ihrem Repertoire haben. Umso besser, dass Apple hier nun nachzieht. Deutlich verbessert hat Apple die Suchfunktion innerhalb der Mail-App. Wer schon mal eine Internet-Suchmaschine benutzt hat, war bislang vollkommen zu Recht oft enttäuscht von den Suchergebnissen in Apples Mail-App. Für unsere Begriffe wird die Suchfunktion mit iOS 16 ihrem Namen erstmals so richtig gerecht.

iMessage-Nachrichten bearbeiten und sogar löschen

Apple hält die Nachrichten-App für ein schlagkräftiges Verkaufsargument für das iPhone und in einigen Märkten, hauptsächlich „zu Hause“ in den USA, mag das sogar stimmen. Die Nachrichten-App (und mit ihr vor allem iMessage) hat ja auch diverse Vorzüge gegenüber anderen Messengern. Allein die Tatsache, dass auf jedem Apple-Gerät eine native und vom iPhone unabhängige Version läuft, ist oft Gold wert. Whatsapp und Co. haben das bis heute nicht geschafft.

Gleichwohl hinkt die Nachrichten-App der Konkurrenz in anderen Punkten teils deutlich hinterher. An ein paar dieser Probleme arbeitet Apple nun mit iOS 16.

Nach dem Update auf das neueste iPhone-Betriebssystem kannst du verschickte Nachrichten noch nachträglich bearbeiten, etwa, um Tipp-Fehler oder inhaltliche Ungenauigkeiten zu korrigieren. Dabei gibt es allerdings einige Randbedingungen: Diese Art des Eingriffs ist nur 15 Minuten nach Versand der ursprünglichen Nachricht möglich und innerhalb dieses Zeitfensters auch nur fünfmal – so zumindest der aktuelle Stand. Außerdem wird auf dem iPhone deines Gegenübers angezeigt, dass die fragliche Nachricht bearbeitet wurde. Allerdings nur dann, wenn auf dem anderen iPhone ebenfalls iOS 16 läuft. Bei älteren Betriebssystemversionen wird einfach die korrigierte Nachricht als neue Nachricht versandt.

Um eine bereits verschickte Nachricht zu bearbeiten, reicht es aus, sie lange gedrückt zu halten, um das entsprechende Menü zu aktivieren. Über dasselbe Menü kannst du die Nachricht auch komplett löschen, wofür dir allerdings nur zwei Minuten Zeit bleiben. Und auch hier gilt: Wenn dein Gegenüber nicht mit iOS 16 arbeitet, funktioniert der Trick nicht.

Was auf den ersten Blick praktisch klingt, birgt aber auch manche Gefahren, denn einen Änderungsverlauf gibt es nicht und so können Chat-Verläufe im Streitfall im Zweifel nicht mehr als „Beweis“ fungieren. Was man bei einer Diskussion über die zu bestellenden Pizzen im Freundeskreis vielleicht noch belächeln kann, kann bei juristischen Auseinandersetzungen ein ganz anderes Gewicht bekommen. Etwa, wenn übelste Hasstiraden oder Bedrohungen einfach rückgängig gemacht werden. Wer dann nicht rechtzeitig einen Screenshot angefertigt hat, kann dann schnell dumm dastehen. Wobei natürlich auch noch über die Fälschungssicherheit von Screenshots zu streiten wäre.

Interessant ist Apples Entscheidung, diese Funktion genau jetzt einzuführen, auch vor der zeitgleichen Einführung des „Blockierungsmodus“, der Missbrauchsopfer besser schützen soll. Dazu später mehr.

Eine weitaus weniger streitbare Neuerung ist die Möglichkeit, Nachrichten als „ungelesen“ zu markieren. Wobei: Genauer gesagt steht diese Funktion nicht für einzelne Nachrichten, sondern nur für eine Konversation als Ganzes zur Verfügung. Wischst du von links nach rechts über eine Konversation in der Nachrichten-Übersicht, erscheint ein blauer Punkt vor ihr als Symbol für ungelesene Nachrichten. Mit derselben Wischgeste kannst du Konversationen übrigens auch als gelesen markieren.

Das geht allerdings nur für dich. Heißt: Wenn du die Nachrichten-App so eingestellt hast, dass sie deinem Gegenüber mitteilt, wenn du eine Nachricht „gelesen“ hast, wird das auf dem iPhone der anderen Person nicht ungeschehen gemacht.

Diese Funktion kann also maximal dir selbst als Gedankenstütze dienen, wenn du eine Nachricht zwar gelesen (oder zumindest: wahrgenommen) hast, jetzt jedoch nicht reagieren kannst, dies aber später nachholen möchtest.

Ein Quell ewiger Ärgernisse war über viele Jahre auch die Funktion, Sprachnachrichten zu versenden und abzuhören. Apple hat das nun auch erkannt und nimmt mit iOS 16 diverse Änderungen vor. Der kleine graue Mikrofon-Button im Texteingabefeld aktiviert fortan die Diktatfunktion deines iPhone. Sprachnachrichten sind nun eine eigene „iMessage App“, die du neben all den anderen iMessage-Apps in der Zeile zwischen Texteingabefeld und Tastatur findest. Einmal aktiviert, siehst du nun einen großen, rot pulsierenden Aufnahmebutton,

Handoff für FaceTime

Während FaceTime im vergangenen Jahr einen großen Auftritt hinlegte und mit SharePlay ein brandneues Feature für iPhone, iPad und Mac präsentierte, fallen die Neuerungen in diesem Jahr überschaubar aus. Mit iOS 16 lernt FaceTime „Handoff“. Das heißt: Fortan kannst du laufende FaceTime-Anrufe leicht von deinem iPhone an deinen Mac oder iPad (oder umgekehrt) übergeben und dort unterbrechungsfrei fortführen. den du auch nur einmalig antippen und nicht etwa gedrückt halten musst. Beendest du die Aufnahme einer Sprachnachricht, verwandelt sich der Aufnahme- in einen Play-Button und du kannst dir die Aufnahme vor dem Absenden noch einmal anhören. Das Pausieren einer Aufnahme scheint bislang nicht vorgesehen zu sein. Schade.

Dafür kannst du jetzt durch einfaches Wischen über die Wellenform durch Sprachnachrichten spulen, um diese eine Stelle schneller wiederzufinden und nicht die ganze Nachricht erneut abhören zu müssen. Halleluja!

Eine letzte Neuerung der Nachrichten-App ist die Integration von SharePlay. SharePlay ist Apples für die Pandemie etwas zu spät eingeführte Dienst, um Inhalte über das Internet gemeinsam zu konsumieren. Das gilt für Videos auf Apple TV+ genauso wie für Präsentationen via FaceTime. SharePlay steht dabei grundsätzlich allen Entwickler:innen offen und auch Netflix und Spotify könnten es nutzen.

Bislang funktionierte Share-Play allerdings auch nur aus Face-Time heraus. Mit iOS 16 lässt sich das gemeinsame Erleben von Inhalten auch aus einem iMessage-Chat heraus starten.

Navigation mit Zwischenstopps

Zumindest in der jüngeren Vergangenheit haben deutsche Nutzer:innen von Apples Karten-App wenig Grund zur Klage. Nicht nur, dass Apple erst im April ein großes Update für das Kartenmaterial in Deutschland ausgerollt hatte, auch „Umsehen“, Apples Version von Google Streetview ist inzwischen hier verfügbar.

Die Zukunft von CarPlay

Schon in diesem Jahr gibt es ein paar nette Neuerungen für Nutzer:innen von CarPlay. So werden etwa weitere App-Kategorien wie Apps, die dabei helfen wollen, die günstigste Tankstelle im Umkreis zu finden, Zugang zu Apples Autobildschirm erlangen.

So richtig spannend aber wird es jedoch erst in den Folgejahren 2023 und 2024. Apple kooperiert mit verschiedenen Automarken, um den nächsten Schritt für CarPlay zu ermöglichen. Das iPhone soll Zugriff auf alle relevanten Daten – vom eingelegten Gang bis zur aktuell gefahrenen Geschwindigkeit – erhalten. Car-Play kann sich dann auf alle im Auto verbauten Bildschirme ausweiten, sodass sogar die Tempo-Anzeige nicht länger vom Auto selbst kommt. So wird jedes Auto zum Apple-Auto. Erste kompatible Modelle werden für Ende 2023 erwartet. Updates für ältere Modelle wird es wohl nicht geben.

Mit iOS 16 lernt die Karten-App – und hier ist ein „endlich“ endlich wirklich einmal angebracht – einen neuen Trick, auf den viele Menschen viel zu lange warten. Mit der neuen Version der Karten-App können bei der Routenplanung fortan auch Zwischenstopps eingeplant werden. Das ist unendlich praktisch, wenn du beispielsweise auf längeren Touren noch jemanden oder etwas abholen möchtest, einen Abstecher auf deiner Reise fest einplanen möchtest – und für Fahrer:innen von E-Autos.

Ein Trauerspiel ist die Karten-App weiterhin für Fahrradfahrer:innen. Sie müssen in Deutschland weiterhin auf andere Apps zurückgreifen, etwa die Karten-App von Google. Immerhin: In den USA hat Apple die Fahrrad-Navigation inzwischen flächendeckend ausgerollt, was uns mit Blick auf die sonstigen Neuerungen, die dieses Jahr insbesondere für Deutschland gebracht hat, hoffen lässt.

Fotos-App mit Duplikat-Erkennung und Freistellen-Funktion

Schon seit vielen Jahren ist klar, dass die Kamera eins der entscheidenden Verkaufsargumente jeden neuen iPhone ist. Was aber tun mit all den Fotos, die man tagein, tagaus schießt? Schließlich wollen sie mindestens sinnvoll sortiert und vielleicht sogar noch bearbeitet werden. Für beides hält Apple die „Fotos“-App bereit – und die lernt mit iOS 16 ein paar wirklich nützliche neue Tricks!

Mit dem ersten killt Apple gleich eine ganze Reihe von Apps, die bislang auf genau diesen Vorgang spezialisiert waren: das Aufspüren und Zusammenführen von Duplikaten in der Foto-Mediathek. In der neuen Fotos-App wählst du dazu zunächst ganz unten den Reiter „Alben“ und scrollst dann bis ganz nach unten, wo du unter „Sonstige“ den Eintrag „Duplikate“ findest. Tippst du darauf, präsentiert dir die Fotos-App alle gefundenen Duplikate und ermöglicht dir, diese einzeln oder (über ein Antippen von „Auswahl“ und dann „Alle“ am oberen Bildschirmrand) gesammelt zusammenzuführen. Dabei gelten ein paar sinnvolle Regeln: So behält Fotos grundsätzlich die Aufnahme in besserer Qualität und die relevanten Metadaten. Die nicht länger gebrauchten Versionen der betreffenden Bilder landen in dem Album „Zuletzt gelöscht“.

Genau für dieses smarte Album gibt es auch ein kleines Update: Es ist jetzt standardmäßig durch Face ID, Touch ID oder deinen PIN-Code vor dem Zugriff anderer geschützt. Das gilt auch für das automatisch angelegte Album „Ausgeblendet“. Wenn du bei irgendeinem Foto in deiner Mediathek auf die drei Punkte am oberen rechten Bildschirmrand tippst, kannst du „Ausblenden“ wählen, um sicherzustellen, dass es nicht länger in der Mediathek, sondern eben nur noch in dem speziellen Album „Ausgeblendet“ angezeigt wird.

Geradezu genial ist die letzte größere Neuerung in der Fotos-App: das Lösen von Motiven vom Hintergrund. Dabei handelt es sich um eine Art intelligente Freistell-Funktion. Die im iPhone eingebaute „Intelligenz“ sucht dabei automatisch nach Objekten in Fotos. Das funktioniert in unseren Tests mit Menschen, Tieren und Gegenständen oft gleichermaßen gut. Um ein Objekt freizustellen, reicht es, es anzutippen und etwas länger gedrückt zu halten. Die Fotos-App löst das Objekt dann mit einem netten Effekt vom Hintergrund und zeichnet es mit einem umlaufenden weißen Rahmen nach. Wenn du jetzt den Finger vom Bildschirm nimmst, erschienen an dem Objekt Buttons für das Kopieren und Teilen. Justieren kannst du bei diesem Vorgang übrigens nicht. Entweder der Trick funktioniert oder eben nicht. Aber wenn er funktioniert, ist er genial!

Geteilte Foto-Mediatheken

Eine oft gewünschte Funktion ist das gemeinsame Verwalten von Foto-Mediatheken. Während der Beta-Phase konnten wir damit nicht allzu viele Erfahrungen sammeln, denn dieses Feature richtet sich ganz klar an Familien und enge Freund:innen. Und gute Freund:innen lassen ihre Freund:innen nicht mit Beta-Versionen von iOS auf ihren iPhones herumlaufen. Unsere Beobachtungen sind also welche, die wir praktisch unter Laborbedingungen gemacht haben. Aber genug der Vorrede!

Die Gemeinsame iCloud-Fotomediathek bietet bis zu sechs Familienmitgliedern die Möglichkeit, Fotos in einer separaten iCloud-Mediathek gemeinsam zu nutzen. Alle Mitglieder können eigene Fotos oder Videos hinzufügen und in der Sammlung vorhandene Objekte bearbeiten, favorisieren oder löschen. Sämtliche Änderungen synchronisieren sich dabei auf alle Geräte aller Mitglieder. So haben alle etwas davon, wenn sich eine:r die Mühe macht und Ordnung in die Sammlung bringt.

Mit smarten Einstellungsregeln kannst du festlegen, ob vorhandene Fotos aus deiner persönlichen Foto-Mediathek geteilt werden sollen oder ob du nur Fotos nach einem bestimmten Datum oder in Abhängigkeit der auf ihnen abgelichteten Personen teilen möchtest. Über einen neuen Schalter in der Kamera-App kannst du außerdem festlegen, dass Fotos automatisch an die genutzte Foto-Mediathek gesendet werden sollen.

Zumindest für die nächsten Wochen und vermutlich sogar Monate rechnen wir dabei mit einigem Chaos. Denn vorerst wird all das so nur auf dem iPhone funktionieren, da wir macOS erst für Ende Oktober, vielleicht sogar erst für den November erwarten. Außerdem hat Apple iPadOS in der Version 16.0 komplett abgesagt und wird später in diesem Jahr direkt Version 16.1 ausliefern.

Musik-App

Mit Apple Music unter iOS 16 kannst du Wiedergabelisten endlich individuell sortieren. Falls es dir bislang noch nicht aufgefallen sein sollte: Bis einschließlich iOS 15 werden alle Wiedergabelisten in der Musik-App nach der Reihenfolge sortiert, in der die Lieder zur Wiedergabeliste hinzugefügt wurden – die ältesten oben, die neuesten unten. Mit dem Update auf iOS 16 lassen sie sich nun auch in umgekehrter Reihenfolge und beispielsweise auch nach Künstler:innen oder Titeln sortieren.

Was ist mit der App für Klassik?

Vor ziemlich genau einem Jahr, am 30. August 2021, verkündete Apple die Übernahme von Primephonic, einem Streaming-Dienst für klassische Musik. In der damaligen Presseerklärung hieß es:

„Wir lieben klassische Musik und haben tiefen Respekt vor all ihren Formen und Primephonic hat sich zu einem Favoriten unter Klassik-Enthusiasten entwickelt“, sagt Oliver Schusser, Vice President of Apple Music and Beats bei Apple. „Gemeinsam bringen wir großartige neue Eigenschaften der klassischen Musik auf Apple Music und in naher Zukunft werden wir ein ganz besonderes Erlebnis für klassische Musik anbieten, das wirklich das beste der Welt sein wird.“

Und tatsächlich: Seit der Primephonic-Übernahme ist Apple Music in Sachen Klassik deutlich besser aufgestellt. Dennoch ist die Musik-App an vielen Stellen nicht gut an die Bedürfnisse von Liebhaber:innen klassischer Musik angepasst. Immer wieder gab es in den letzten Monaten Gerüchte und handfeste Indizien über einen bevorstehenden Launch einer eigenen Klassik-App. Von dieser ist allerdings weiterhin nichts zu sehen.

Wer willens ist, noch ein weiteres Abo für das Streaming klassischer Musik abzuschließen, ist bei „Idagio“ gut aufgehoben. Wem die Tonspur nicht reicht, schaut sich am besten die „Digital Concert Hall“ der Berliner Philharmoniker an.

Apples Sicherheitsprüfung

Eine der wichtigsten Neuerungen, die Apple vorgestellt hat, ist eine, von der wir dir wünschen, dass du sie niemals wirst benutzen müssen. Umso wichtiger aber ist es, sie zu kennen.

Niemand ist davor gefeit, sich in einer Situation oder gar Beziehung wiederzufinden, in der er:sie nicht (mehr) sicher ist. In so einem Fall kann es essenziell sein, sich schnell aus diesem Umfeld zu lösen und bestehende Verbindungen zu kappen. Bei Personen, mit denen du bislang dein Leben geteilt hast, ist das nicht nur emotional eine Herausforderung. Vielleicht teilst du über die „Wo ist?“-App deine Standortdaten mit ihnen. Vielleicht kennen sie das Passwort zu deinem iPad, Mac oder gar zu deinem iCloud-Account und können so unter anderem deine Nachrichten mitlesen.

iOS 16 ermöglicht es dir, zumindest alle technischen Verbindungen auf einmal zu lösen. Unter „Einstellungen > Datenschutz & Sicherheit“ findest du fortan den Punkt „Sicherheitsprüfung“. Wenn du dich an einem sicheren Ort befindest und die Zeit hast, kannst du dort konfigurieren, welche Personen und auch Apps Zugriff auf welche Daten haben. Für den Fall, dass du umgehend handeln musst, gibt es die Option „Sofort zurücksetzen“. Aktivierst du sie, wird dein iCloud-Account auf allen anderen Geräten abgemeldet und ein neues Passwort vergeben. Außerdem wird das Teilen jedweder Informationen sofort unterbunden.

Neu ist auch die Option, dich über Neuheiten einzelner Gruppen oder Interpret:innen informieren zu lassen. Dazu öffnest du das zugehörige Profil und markierst sie als Favorit.

Praktischer geworden ist auch das Apple-Music-Widget auf dem Sperrbildschirm. Hier werden dir jetzt alle Geräte angezeigt, auf denen du Musik hörst und du kannst sie individuell steuern. Nett ist auch, dass es im Play-Bildschirm ganz rechts nun eine kleine Wellenform gibt, die sich bewegt, wenn Musik läuft. Eine Funktion hat sie aber nicht.

Was in Apple Music aber weiterhin fehlt, ist die Möglichkeit, Wiedergabelisten nicht nur mit anderen zu teilen, sondern sie auch gemeinsam zu bearbeiten. Eine nützliche Erweiterung, wenn du zum Beispiel an die Vorbereitung von Feiern oder Urlaubsreisen denkst. Oder auch einfach nur, um einander über neu gefundene Musik auf dem Laufenden zu halten.

Gesundheits-Checkliste und Medikation

Mit iOS 16 macht Apple die Health-App noch wertvoller. Gestartet als nicht viel mehr als ein Sammelbecken für die verschiedensten Gesundheits- und Fitness-Daten wird die Anwendung mehr und mehr zu einem wertvollen Begleiter. Das gelingt primär dadurch, dass Apple die Daten auswertet und aufzeigt, was sie für dich bedeuten. Ein wichtiger Teil davon sind sogenannte „Trends“.

Hier kannst du sehen, wie sich bestimmte Werte in der jüngsten Vergangenheit zum Durchschnittswert über einen längeren Zeitraum verhalten. So kannst du leicht erkennen, ob sich dein Fitness- und Gesundheitszustand tendenziell verbessert oder verschlechtert hat.

Deutlich aufgebohrt hat Apple in diesem Kontext die Schlafanalyse, die nochmals deutlich präziser wird, wenn du während der Nachtruhe eine Apple Watch trägst. Mit neueren Modellen, die eine längere Akkulaufzeit und kürzere Ladezeit aufweisen, ist das rein technisch auch kein Problem mehr. Nur stören darf sie dich im Schlaf nicht. Wenn deine Nächte zwar besser dokumentiert werden, jedoch wegen der Apple Watch am Handgelenk unruhiger verlaufen, ist nur wenig gewonnen.

Ganz neu ist auch das Hinzufügen von Medikamenten. Bislang konntest du diese vor allem im Notfallpass hinterlegen, damit Notfallmediziner:innen eine bessere Chance haben, dir Medikamente zu verabreichen, die nicht mit bereits eingenommenen Präparaten in ihrer Wirkung kollidieren.

Mit „Health“ in iOS 16 kannst du jede einzelne Pille eintragen und sogar einen Medikationsplan hinterlegen und bestimmen, ob dein iPhone (und deine Apple Watch) dich an die Einnahme erinnern soll.

In den USA können Nutzer:innen ihre iPhone-Kamera sogar einfach auf ein Etikett richten, um ein Medikament hinzuzufügen und etwas darüber in Erfahrung zu bringen. Zum Beispiel, wie man den Namen ausspricht, wofür das Medikament verwendet wird, wie es wirkt und welche Nebenwirkungen es haben kann. Die Gesundheits-App kann auch Benachrichtigungen ausgeben, wenn ein Medikament eine kritische Wechselwirkung mit einem anderen Medikament hat, das ein:e Nutzer:in hinzugefügt hat. Ob und wann diese Funktion auch in der EU und in Deutschland verfügbar sein wird, ist derzeit unklar.

Das Ende von Passwörtern und von CAPTCHAs?

Passwörter sind Segen und Fluch zugleich. Ohne sie wäre vieles in der digitalen Welt überhaupt nicht möglich. Wir halten zumindest nichts von der Idee, unsere iCloud-Daten und (Bank-)Konto-Zugänge komplett ungeschützt zu lassen. Dafür gibt es schlicht zu viele min- destens neugierige, in vielen Fällen aber auch schlicht schlechte Menschen in der Welt. Und letztlich werden durch per Passwort abgesicherte Konten auch Dienste wie Mac Life+ erst möglich.

Personalisiertes 3D-Audio

Apple verbessert in iOS 16 das räumliche Audioerlebnis mit einer neuen Personalisierungsfunktion. „Personalisiertes 3D-Audio“ nutzt die TrueDepth-Kamera des iPhone, um deine Ohren zu scannen und dir ein auf dich abgestimmtes Hörerlebnis zu bieten. Dafür benötigst du allerdings AirPods, AirPods Pro oder die AirPods Max. Dann allerdings erwartet dich, so Apple, ein noch präziseres Hörerlebnis.

Technisch betrachtet funktioniert Apples 3D-Audio-Ansatz beeindruckend gut. Vor allem für Filme. Im Hinblick auf Musik – nennt uns altmodisch – scheint uns Stereo weiterhin das „natürlichere“ Klangerlebnis zu sein.

Und doch: Sie nerven! Selbst obwohl in der jüngsten Vergangenheit vieles besser geworden ist. Erinnern wir uns kurz zurück an die Zeit vor veritablen Passwort-Managern wie 1Password. Ständig mussten wir überall Passwörter eintippen und sie uns vor allem im Idealfall sogar merken. Mit dem iCloud-Schlüsselbund hat Apple das alles schon bedeutend vereinfacht: Wir brauchen uns eigentlich nur noch ein Passwort zu merken, nämlich das für den Schlüsselbund, wobei der sogar in aller Regel mit Touch ID oder Face ID funktioniert.

Was aber bleibt: Bei jedem neuen Dienst, bei dem wir uns anmelden, muss wieder ein Passwort vergeben werden. Außerdem müssen wir zigmal im Jahr entweder in E-Mail-Benachrichtigungen oder sogar in den Nachrichten davon erfahren, dass irgendeinem Unternehmen mal wieder Login-Daten abhandengekommen sind, woraufhin wir uns dann aufmachen können, die zugehörigen Passwörter zu erneuern.

Ja, es könnte alles viel schlimmer sein. Aber es könnte eben auch alles viel besser sein. Hier kommt Apple mit „Passkeys“ ins Spiel.

Mit Passkeys einzigartigen digitalen Schlüsseln, die einfach zu verwenden sind und für maximale Sicherheit auf dem Gerät verbleiben, wird die Anmeldung bei Apps oder Accounts in Safari sicherer. Passkeys wurden entwickelt, um Passwörter zu ersetzen. Sie nutzen Touch ID oder Face ID für die biometrische Verifizierung und den iCloud-Schlüsselbund, um iPhone, iPad, Mac und Apple TV mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zu synchronisieren.

Fitness-Features auch ohne Apple Watch

An der Sport- und Fitness-Front halten sich die Neuerungen für das iPhone eher in Grenzen. Aber immerhin: Apples Fitness-App steht dir jetzt auch dann zur Verfügung, wenn du nicht über eine Apple Watch verfügst. Du kannst dort ein tägliches Move-Ziel festlegen und darauf hinarbeiten, nach und nach alle Ringe zu schließen. Dank seiner zahlreichen Sensoren kann das iPhone Schritte, Entfernungen, Höhenmeter und Work-outs aus Drittanbieter-Apps aufzeichnen. Auch das Teilen deiner Fitness-Aktivitäten mit Freund:innen ist möglich.

Die Passkeys funktionieren in allen Apps und im Web und du kannst dich mit deinem iPhone auf Websites oder in einer App auf Nicht-Apple-Geräten anmelden. Natürlich kann Apple so etwas nicht allein durchdrücken, sondern kooperiert mit der FIDO Alliance, zu der praktisch alle namhaften IT-Unternehmen einer gewissen Größe gehören.

Allerdings: Bislang funktionieren Passkeys praktisch nirgends. Apps und Websites müssen ihre Dienste erst darauf vorbereiten. Wir gehen aber davon aus, dass das eher früher als später passieren wird – zu groß sind die Vorzüge für alle Beteiligten.

Ähnlich nervig wie Passwörter sind sogenannte CAPTCHAs. Hinter dem Akronym verbirgt sich der „Completely Automated Public Turing test to tell Computers and Humans Apart“, ein automatisierter Test also, um festzustellen, ob das Gegenüber ein Mensch oder ein Computer ist. Du bist diesem Test immer dann ausgesetzt, wenn du vor dem Zugriff auf eine Website mal wieder auf einem in Quadrate unterteilten Bild Ampeln, Fahrräder oder Straßenschilder identifizieren sollst.

Apple möchte durch die Private Access Token für mehr Privatsphäre sorgen und vereinfacht gleichzeitig den Prozess deutlich. Dazu wird auf eine neue HTTP-Authentifikationsmethode namens „PrivateToken“ zurückgegriffen, die dich gegenüber dem Server während des Verschlüsselungsprozesses authentifizieren soll. Dabei sollen keinerlei persönliche Daten übertragen werden. Stattdessen bestätigt der Token lediglich die Gültigkeit deiner Anfrage. Laut Apple werden dazu Zertifikate verwendet, die im Secure Enclave deines iPhone, iPad oder Mac gesichert sind. Danach wird deine Apple-ID zertifiziert, was deine Anfrage legitimiert.

Apple zufolge gehören Fastly und Cloudflare zu den ersten Partnern, die den Private Access Token unterstützen. Weitere sollen im Laufe des Jahres folgen. Die neuen Betriebssysteme iOS 16, iPadOS 16 und macOS Ventura werden die Funktion im Herbst einführen, wobei die „Automatische Verifizierung“ in den Einstellungen in deinem Apple-Account unter „Passwort & Sicherheit“ standardmäßig aktiviert ist. Dort gibt das Unternehmen zusätzlich an, dass das Umgehen von Captchas nicht nur im Web, sondern auch in Apps funktionieren soll.

Live Text in Videos

In iOS 15 hat uns im vergangenen Jahr ganz besonders eine technische Neuerung beeindruckt: Das iPhone ist seither in der Lage, Text aus praktisch jedem Bild in deiner Foto-Mediathek zu extrahieren. Dabei erkennt es teilweise sogar Schreibschrift! Mit iOS 16 weitet Apple diese Funktion auf Videos aus. Das Ganze funktioniert in jeder App, die den nativen iOS-Mediaplayer verwendet.

Außerdem funktioniert Live Text fortan auch in der Kameraansicht der Übersetzen-App. Neu ist ebenfalls, dass die Texterkennung nun intelligent genug ist, um schnelle Aktionen auszuführen, wenn die richtige Art von Text erkannt wurde. Versteht iOS 16, dass es sich bei dem gescannten Text um einen Geldbetrag handelt, steht dir etwa ein Währungsumrechner zur Verfügung.

Schnellnotizen mit einem Jahr Verspätung

Während das iPad und der Mac schon im vergangenen Jahr dran waren, landen Schnellnotizen erst mit iOS 16 auf dem iPhone. Anders als auf den vorgenannten Geräten findest du sie aber nicht durch das Wischen (beziehungsweise Ziehen mit der Maus) aus einer Bildschirmecke, sondern über das Teilen-Menü.

Neu für die Notizen-App ist auch, dass gesperrte Notizen nicht länger mit einem eigenen Passwort versehen werden müssen. Hier kann nun einfach dein Gerätecode respektive Face ID verwendet werden.

Fazit

Die jährlichen Updates für iOS sind inzwischen weit wichtiger als die in gleicher Regelmäßigkeit erscheinenden neuen iPhones. Zumindest bringen sie in der Regel – von Jahr zu Jahr betrachtet – die deutlich größeren Neuerungen und Änderungen mit sich.

Mit iOS 16 gelingt Apple ein großer Wurf. Nicht nur, dass uns fast alle Verbesserungen auch tatsächlich als solche erscheinen, schon die frühen Beta-Versionen liefen enorm stabil, sodass wir keine größeren Ärgernisse erwarten, wenn du die neue Version direkt installierst. Es kann allerdings auch nicht schaden, bis zur Version 16.0.1 zu warten, wenn du es nicht ganz so eilig hast.

Neben den größten und wichtigsten Neuerungen, die wir hier erklärt haben, steckt iOS 16 natürlich noch voller Kleinigkeiten, die es zu entdecken gilt. So findest du jetzt zwischen dem Dock und den sonstigen App-Icons auf dem Home-Bildschirm einen mit einem Lupensymbol und dem Schriftzug „Suchen“ betitelten Button, der dich direkt in die systemweite Suche „Spotlight“ führt. Natürlich kannst du sie auch weiterhin aufrufen, indem du auf dem Home-Bildschirm von oben nach unten wischst.

Auf welchen Geräten läuft iOS 16?

Apple ist es über die Jahre immer besser gelungen, alte Geräte mitzuziehen. Das ist auch dem Umstand geschuldet, dass Apples A-Chips in den iPhone-Modellen so enorm leistungsstark sind. Die Geräte können einfach länger Schritt halten und gehören weniger schnell zum sprichwörtlichen alten Eisen. Für iOS 16 bedeutet das, dass auch das iPhone 8 aus dem Jahr 2017 noch unterstützt wird.

Praktisch ist auch, dass die Wetter-App dich nun vor Extremwetterereignissen warnen kann. Eine Funktion, die wir, so wie es derzeit aussieht, in den kommenden Jahren immer häufiger werden brauchen können.

Ebenfalls eine Erwähnung wert ist die Tatsache, dass du dein iPhone nicht länger nur hochkant gehalten per Face ID entsperren kannst. Das geht nun auch, wenn das iPhone auf der Seite liegt.

Wir wünschen viel Spaß beim Entdecken! Wenn du coole Neuerungen entdeckst, die uns entgangen sind, melde dich gerne bei uns!