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Allein auf dem Ozean


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segeln - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 09.11.2022

Atlantiküberquerung

Artikelbild für den Artikel "Allein auf dem Ozean" aus der Ausgabe 12/2022 von segeln. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Begegnungen unter Seglern sind auf dem Atlantik rar ? man ist auf sich allein gestellt

Wenn in Europa der Winter anbricht, startet auf Gran Canaria die Vorbereitung für die Atlantic Rallye for Cruisers (ARC). Und auch unabhängig davon planen viele Seglerinnen und Segler die Überfahrt über den Atlantik in Richtung Karibik. Doch Ereignisse wie der tragische Tod eines Crewmitglieds auf derAgecanonixim vergangenen Jahr oder die Aufgabe der Brainstormim Januar legen einen Schatten auf den Traum der Atlantiküberquerung. Um bestmöglich auf die Crossing-Saison vorzubereitet zu sein, hat segeln sich mit der Vorbereitung und den Umgang mit Notsituationen auf Langfahrt befasst.

„Eine intensive Vorbereitung ist für eine Atlantiküberquerung und andere Langtörns unerlässlich“, beschreibt Rainer Ebert, erfahrener Skipper und Crewtrainer von Mara1One Yachting. Dabei gelte es nicht nur, das Boot bestmöglich auf die lange und womöglich anspruchsvolle Tour vorzubereiten, sondern ...

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... auch sich selbst. Eine Frage, die man sich dabei unbedingt stellen solle: Komme ich damit klar, so viele Seemeilen vom nächsten Land weg zu sein? Wie ist es um meine seemännische Bereitschaft bestellt, „bis zuletzt“ Verantwortung zu übernehmen und kann ich die Konsequenzen tragen, wenn es mal gar nicht rund läuft?

Weiterbildung

Neben der psychischen Komponente gibt es noch weitere Möglichkeiten, sich auf die Atlantiküberquerung vorzubereiten. Anbieter, wie Sailpartner, die DSV-Akademie oder Kreuzer Yachtclub Deutschland (KYCD), bieten Kurse wie „Sea Survival Training“ und „Medizin auf See“ an. Wichtig hierbei ist, dass der Kurs speziell auf Seglerinnen und Segler abgestimmt ist und von Ärzten durchgeführt wird, die sich mit Langfahrt auskennen. Erst dann kann der volle Trainingseffekt erzielt werden. „Solche Kurse trainieren nicht nur für den Ernstfall, sie sensibilisieren die Teilnehmenden auch ganz allgemein für das Thema Sicherheit auf dem Wasser“, ergänzt Michael Köhler von Sailpartner. Denn die beste Vorbereitung auf den Ernstfall ist Training und Erfahrung. „Bevor es dann wirklich los geht, sollte die Crew auch gemeinsam trainieren“, erklärt Köhler. Das typische „Mann-über-Bord-Mannöver“ sei dabei nur ein mögliches Notfallszenario. „Ich empfehle jeder Langfahrt-Crew im Vorfeld auch die Notrollen, wie beispielsweise den Einsatz der Notpinne, den Umgang mit Wasser im Schiff oder den Ausfall der Elektrik zu simulieren“, ergänzt Michael Köhler. Feste Zuständigkeiten müssen über das Festlegen von Notrollen zugewiesen werden, damit sich jeder auf seinen Einsatz im Notfall vorbereiten kann. Zusätzlich sollte jedem Crewmitglied klar sein, wo sich die Sicherheitsausrüstung befindet und wie damit umzugehen ist.

Um möglichen Notfällen vorzubeugen, sollte das Boot im bestmöglichen Zustand sein. Ein ausführlicher Check ist daher unerlässlich. Dazu zählen unter anderem der Zustand der Segel und Fallen, des gesamten stehenden und laufenden Guts, aller Luken und Durchlässe. Der Motor sollte vor dem Ablegen einer Inspektion unterzogen werden. Diese sollte unter anderem auch den Tausch der Öl- und Dieselfilter, des Impellers und des Keilriemens beinhalten. Sinnvolle Checklisten zu Sicherheitseinweisungen, Checks und Notrollen sollten im Vorfeld aufgestellt werden. „Zudem ist es sinnvoll, vorher mindestens eine Woche Langfahrt mit dem Boot gemacht zu haben. Das gibt Aufschluss über die Energiereserven und hilft bei der Einschätzung, ob man das richtige Energiemanagement für das Boot hat“, rät Rainer Ebert.

Wenn Boot und Crew bestmöglich vorbereitet sind, steht die Routenplanung an. Die meisten Skipperinnen und Skipper segeln von den Kanaren zunächst südlich, um dann mit der Passatströmung gen Westen zu kommen. Doch kann man sich in Zeiten des Klimawandels noch auf den Passat verlassen? „Ja, das kann man“, lautet die deutliche Antwort von Sebastian Wache, Diplom-Meteorologe bei Wetterwelt GmbH. Allerdings könne aufgrund der Erderwärmung mit einer Abschwächung des Jetstreams gerechnet werden. Dadurch steige die Gefahr von Sturmtiefs, die bis zu den Kanaren reichten und somit auch Auswirkungen auf den Wind haben. Der Experte rät dazu, sich vor der Atlantiküberquerung mit den meteorologischen Gegebenheiten des Reviers vertraut zu machen und sich Pilotcharts anzusehen. So bekäme man einen Eindruck über die vorherrschenden Wetterlagen in der Region. „Ich rate jedem, sich noch öfter mit dem Wetter auseinanderzusetzen. Dann auch nicht nur mit der Wetterlage vor Ort, sondern gerade die heutigen Möglichkeiten zu nutzen, über den Tellerrand zu schauen und sich auch zu Hause schon mit dem Wetter auf dem Atlantik zu beschäftigen“, sagt Sebastian Wache gegenüber segeln.

Infobox Boots-Check:

Bevor es losgehen kann, sollte der Zustand des Bootes genau überprüft werden.

An Deck:

• Anker, Ankerkette und Winch: Ist der Anker ausreichend groß für dieses Boot? Ist die Kette richtig befestigt? Funktioniert die Winch in beide Richtungen, auch manuell mit Kurbel?

• Reling, Bug- und Heckkorb

• Alle Klampen und Ösen

• Rollreffanlage: Reine Schäden? Kann das Segel problemlos ein- oder ausgerollt werden? Ist die Furling-Leine in ordentlichem Zustand, schabt nicht irgendwo?

• Segel und Ersatzsegel: Gibt es möglicherweise Schäden am Tuch? Wie ist der Zustand des Segels im Allgemeinen?

• Fallen und laufendes Gut: Können sie freilaufen? Scheuern sie irgendwo?

• Luken: Schließen sie richtig? Wie ist der Zustand der Dichtungen? Lassen sie sich auch von Innen gut öffnen?

• Strecktaue: Sind ausreichend genug gespannt, sodass überall an Bord gesichert gearbeitet werden kann?

• Mast und Baum: Gibt es Korrosionen? Können alle Rollen einwandfrei laufen? Können Fallen und Schoten irgendwo Scheuern?

• Kicker/Baumniederholer

• Wanten und Stage

• Winchen: Laufen sie auch unter Belastung einwandfrei?

• Instrumente: Alle Einstellungen richtig gewählt? Wie kann bei Dunkelheit umstellen?

• Kompass: Funktioniert er? Ist die Deviationstabelle korrekt?

• Motor: Routine-Checks, Öle und Filter tauschen, Dieselfilter tauschen, Impeller und Keilriemen wechseln. Ist vollgetankt? Sind ausreichend gefüllte Ersatzkanister an Bord?

• Steuerrad: Lässt sich einfach steuern? Wie viel Spiel ist in der Steuerung? Funktioniert der Autopilot?

• MOB-Equipment: Vollständig und funktionsfähig? Sind alle Rettungsmittel mit dem Bootsnamen versehen?

• GPS und Antennen: Funktioniert alles? Empfangen andere Schiffe unser AIS-Signal? Sind die Antennen richtig angebracht und frei von Abdeckung?

• Navigationslichter: Funktionieren sie? Sind die nicht verdeckt? Sind ausreichend Ersatzleuchtmittel an Bord?

Unter Deck:

• Seeventile: Zugänglich und Leckstopfen in der Nähe?

• Logge: Säubern und Impeller checken

• Lot und Logge: Ist die Verkabelung in Ordnung?

• Bilgen: Alle trocken und sauber?

• Bordtoilette: Funktion allen Crewmitgliedern bekannt? Durchlässe in Ordnung? Lässt sie sich einwandfrei bedienen? Ist der Fäkalientank leer?

• Feuerlöscher und Feuerlöschdecke: Ausreichend vorhanden? Wie lang ist der letzte Check her, wann muss der nächste sein?

• Gassystem: Ist alles in Takt? Sind alle Leitungen in Ordnung und sind alle Ventile funktionsfähig?

• VHF: Ist alles richtig eingestellt? Durchführen eines Radio-Checks mit der Küstenwache

Wetterrouting

Letztlich zähle jedoch, was tatsächlich vor Ort passiert. „Die Betrachtung vor dem Start und auch unterwegs ist zwingend notwendig, um keine Überraschungen zu erleben“, verdeutlicht Wache. Um sich darauf bestmöglich vorzubereiten, mache es Sinn, sich vorher bei einem Onlineseminar mit dem Thema Wetter vertraut zu machen und so besser einordnen zu können, was Grib- und andere Wetterdaten bedeuten. Wer dennoch unsicher ist, kann sich während der Überfahrt durch professionelles Wetterrouting unterstützen lassen. „Dabei fungiere ich dann als Auge des Seglers über die Großwetterlage“, erklärt Diplom-Meteorologe Sebastian Wache. „Unterwegs hat man trotz der Möglichkeit, GRIB-Daten zu empfangen meist nur einen kleinen Ausschnitt vom Atlantik. Dazu kann man zeitlich oft auch nicht so weit nach vorne schauen, wie sich das Wetter entwickeln wird. All das mache ich dann für die Crews, stehe mit ihnen im Austausch und arbeite die sicherste und auch schnellste Route aus“, erklärt Wache weiter. Trotz bester Vorbereitung kann es unterwegs zu Problemen kommen. „Der wichtigste Grundsatz ist zunächst einmal Ruhe zu bewahren“, erklärt der erfahrene Skipper und Ausbilder Michael Köhler. Dann gelte es, die Ursache des Problems zu suchen und es möglichst mit Bordmitteln zu beheben. Bei kleineren Schäden gehe dies meist problemlos.

Schwerwiegendere Schäden aber können schnell zu einem Notfall auf See führen. Es gilt, schon frühzeitig Hilfe anzufordern. Dies kann über ein Satellitentelefon erfolgen, mit dem es möglich ist, sich Expertenrat einzuholen. Der nächste Schritt der Alarmierung kann beispielsweise über die EPIRB erfolgen, aber auch ein AIS Signal kann auf dem Atlantik per Satellit aufgefangen werden. Bis Hilfe da ist, muss mit allen verfügbaren Mitteln gegen den Schaden angekämpft werden. Im Falle eines Wassereinbruchs wie bei derBrainstormim Januar, sollte die Crew versuchen, das Leck abzudichten und zeitgleich so schnell wie möglich Lenzen. Eine gute manuelle Lenzpumpe kann bis zu 100 Liter in der Minute fördern.

„Zum Abdichten eines Lecks kann alles genommen werden, das verfügbar ist. Das kann beispielsweise auch eine Ersatzrettungsweste sein“, erklärt Rainer Ebert Sollte der Schaden nicht verringert werden können, müssen weitere Maßnahmen ergriffen werden. Über Funk, Satellitentelefon und EPIRB sollte um Hilfe gebeten werden. Über Funk lassen sich vielleicht Schiffe in der Nähe erreichen, die visuell noch nicht sichtbar sind. AIS plus ist eine neue Entwicklung und ermöglicht die Alarmierung über spezielle Satelliten oder über Verkehrsflugzeuge. Das zuständige MRCC koordiniert dann den Rettungseinsatz vor Ort.

Fünf Fragen an die Seenotretter

Wer ist bei einem Notfall auf dem Atlantik der richtige Ansprechpartner?

Die Weltmeere sind in Such- und Rettungsgebiete mit klar definierten Zuständigkeiten aufgeteilt. Einsätze werden über das entsprechende nationale MRCC (Maritime Rescue Co-ordination Centre) koordiniert. Nach dem SOLAS-Übereinkommen („Internationales Übereinkommen zum Schutze des menschlichen Lebens auf See“) und der SAR-Konvention von 1979 obliegen den Vertragsstaaten die Einrichtung, der Betrieb und die Unterhaltung von Einrichtungen, die für die Wachen an der Küste und die Rettung der an ihren Küsten in Seenot befindlichen Menschen erforderlich sind.

Woher weiß ich denn, welches MRCC ich kontaktieren muss?

Im Notfall kann immer auch MRCC Bremen angesprochen werden: Die von der DGzRS betriebene deutsche Rettungsleitstelle See (international: Maritime Rescue Co-ordination Centre, MRCC Bremen) wird unverzüglich das im Seegebiet zuständige MRCC kontaktieren.

Was ist der sinnvollste Alarmierungsweg für ein Boot auf Langfahrt?

Welcher Alarmierungsweg der sinnvollste ist, hängt mit der unmittelbaren Notlage zusammen. EPIRB (Emergency Position Indicating Radio Beacons, Notfunkbaken) sind ein zuverlässiges Alarmierungsmittel. Das GMDSS-System (Global Maritime Distress and Safety System), zu dem EPIRB gehören, ist für die Berufsschifffahrt weltweit (ab einer bestimmten Größe) Pflicht. Die Alarmierung erfolgt auch dann, wenn der Alarm nicht mehr selbst ausgelöst werden kann, mit dem Aufschwimmen der Boje im Wasser.

Satellitentelefone sind ebenfalls eine Alarmierungsmöglichkeit, können inzwischen auch gemietet werden. Jeder an Bord sollte wissen, wie es zu bedienen ist, welchen Abdeckungsbereich das Telefon hat und wie die Akkulaufzeit ist.

Unbedingt sollten aber auch pyrotechnische Seenotsignalmittel, wie Fallschirmraketen und Handfackeln, mitgeführt werden. Ausrüstungsempfehlungen dazu gibt es zum Beispiel vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr. Befinden sich fernab vom Land andere Fahrzeuge in der Nähe, können diese viel schneller helfen als jeder Rettungsdienst.

Gibt es einen Tipp, was Langzeitsegler vor dem Törn tun können, um im Notfall einen Such- und Rettungseinsatz zu unterstützen?

Es ist hilfreich für Such- und Rettungsdienste, wenn private Notfallkontakte über umfangreiche Infos zu Schiff, Besatzung, Ausrüstung und die geplante Route verfügen. Die DGzRS kontaktiert diese Personen. Dies ist zum Beispiel der bei der Bundesnetzagentur einzutragende 24-h-Kontakt bei der Anmeldung eines Funkgerätes.

Informationen können aber auch über die DGzRS-Sicherheitsapp SafeTrx hinterlegt werden. Auch wenn man sich auf Langfahrt nicht im mobilen Abdeckungsbereich befinden wird, hat die DGzRS dadurch Informationen über vorhandene Sicherheitsausrüstung, Bilder des Schiffes und weitere Kontaktmöglichkeiten.

Welche Sicherheitstipps sollten Langfahrtsegler unbedingt berücksichtigen?

Vor Antritt der Reise sollte das Mensch-über-Bord-Manöver und das Aufnehmen eines Menschen aus dem Wasser unbedingt trainiert werden. Auf einer Langfahrt muss damit gerechnet werden, dass in einer Notsituation für einen langen Zeitraum keine Hilfe kommen kann.

Mögliche Notfallszenarien sollten unbedingt vorher in der Crew besprochen werden. Kommt der Notfall plötzlich, ist dafür keine Zeit. Bestenfalls werden entsprechende Szenarien vorher auch gemeinsam trainiert.

Jedes Besatzungsmitglied muss mit allen Ausrüstungsteilen der Sicherheitsausrüstung vertraut sein, wissen, wo sich diese befindet und wie sie anzuwenden ist. Dies gilt im Übrigen natürlich auch für jeden kurzen Törn.

Der letzte Ausweg ist immer der Überstieg in die Rettungsinsel. Nur wenn das Schiff nicht mehr zu halten ist, sollte ein Schiffsführer diesen Schritt in Betracht ziehen. „Wer schon einmal ein Sicherheitstraining mitgemacht hat, weiß nur zu gut, wie beengt der Raum in einer Rettungsinsel ist und man damit ein Spielball der Natur ist“, verdeutlicht Michael Köhler, der mit Sailpartner regelmäßig „Sea Survival Trainings“ anbietet. Die Analyse vergangener Fälle zeigt, dass es wichtig ist, so lange wie möglich an Bord zu bleiben. „Auch wenn es beängstigend ist, auf einem vielleicht sinkenden Schiff auszuharren, so ist es doch deutlich sicherer und auch sichtbarer als die Rettungsinsel“, ergänzt Rainer Ebert. Erst im letzten Moment solle man in die Rettungsinsel übersteigen.

Optimal vorbereitet

Die Zeit, bis es so weit ist, sollte möglichst gut genutzt werden. Bis zum Aufgeben des Schiffes und Übersteigen in die Rettungsinsel können manchmal nur wenige Minuten vergehen. Deshalb ist es auch hier wichtig, optimal vorbereitet zu sein. „Nicht nur die ARC schlägt hierfür einen Schiffs-Grab-Bag und einen persönlichen Grab-Bag vor“, schildert Rainer Ebert. Der Schiffs-Grab-Bag sollte unter anderem Signalmittel, Erste-Hilfe-Material auch gegen Seekrankheit, Medikamente und Seeanker mit Leine enthalten. Im Ernstfall sollte dann noch EPIRB, GPS, Scheinwerfer und Handfunkgerät sowie Wasser und Lebensmittel ergänzt werden. In den persönlichen Grab-Bag gehören alle privaten Dinge. „Der eigene Ausweis, eine Kreditkarte sowie persönliche Medikamente sollten auf keinen Fall fehlen“, so Ebert weiter. Das erleichtere die Formalitäten, sobald man von einem anderen Schiff aufgenommen und heile an Land gebracht wurde.

„Egal wie schlimm die Situation auch ist, wichtig ist es, Ruhe zu bewahren und nicht in Panik zu verfallen“, rät Ebert. Dann kann es auch gut ausgehen, wie im Falle derBrainstormim Rahmen der ARC im Januar 2022. Es waren zwei andere Teilnehmer-Boote in der Nähe, nahmen die Crew auf und brachte sie gesund nach St. Lucia.

Text: Maren Budahn

Sicherheitsausrüstung:

Diese Ausrüstungsgegenstände dürfen laut der Organisatoren der Atlantic Rallye for Cruisers auf keinem Boot fehlen:

• Rettungsinsel, die so angebracht sein muss, dass sie innerhalb von 15 Sekunden an der Reling sein kann

• EPIRB

• Kommunikationsausrüstung: Ein UKW-Funkgerät mit DSC Funktion sowie ein UKW-Handfunkgerät

• Passiver Radarreflektor

• AIS

• Seenotsignalmittel: Mindestens vier rote Handfackeln, zwei orangene Rauchtöpfe; Schutzhandschuhe und -brille

• Rettungsring mit Treibanker, Rettungsleuchte und Pfeife

• Markierungsblitzboje

• Schwimmfähige Wurfleine mit einer Länge von 15 bis 25 m

• Zwei Bilgepumpen, eine fest eingebaut und vom Cockpit erreichbar, sowie eine Notlenzpumpe, die 200l pro Minute fördert, unabhängig von der Hauptmaschine betrieben werden kann und genug Schlauch hat, um direkt über Bord zu pumpen

• Positionslaternen mit zwei unabhängigen Schaltkreisen

• Leistungsstarker Suchscheinwerfer

• Rettungswesten, eine pro Person sowie mindestens eine Ersatzweste; ausgestatet mit Lifebelt, Pfeife, Licht, Yachtnamen, Reflexstreifen, Schrittgurt, Sprayhood und Personal AIS – sollte mindestens 150N haben

• Strecktaue an Backbord und Steuerbord

• Mindestens zwei Feuerlöscher

• Wasserdichte Taschenlampe

• Notpinne

• Metallsäge mit Ersatzblättern

• Medizinkasten

Darüber hinaus empfehlen die Organisatoren:

• Stauplan der Sicherheitsausrüstung

• Personal Locator Beacons

• Dinghi mit Ruder und Motor

• Zweitanker

• Sextant mit nautischem Jahrbuch

• Sturmfock

• Trysegel oder drittes Reff im Großsegel

• Rote Fallschirmleuchtraketen

• Weiße Fallschirmleuchtraketen

• Treib- oder Seeanker

• Ein Messer je Crewmitglied