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Aller Anfang ist leicht: Start der Wildwasser- Karriere im Pott?


Kanu Sport - epaper ⋅ Ausgabe 3/2021 vom 04.03.2021

Wir in NRW, wir haben ja kein Wildwasser. Ok, ein bisschen was gibt es schon. Nach sehnsüchtigem Warten und mit dem ständigen Blick auf die Pegel-App, verbringen wir zumindest jeden Winter in der Hoffnung, dass schmelzender Schnee in den Mittelgebirgen aus trockenen Kleinflüssen quirliges Wildwasser entstehen lässt.


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Bildquelle: Kanu Sport, Ausgabe 3/2021

Bei Eiseskälte geht es dann auf weitgehend leichtem Plätscherwasser, unterbrochen von alten Einbauten des Industriezeitalters in die Täler von Eifel und Sauerland. Ein paar Wildwasser-Kanäle haben wir auch. Naja, eigentlich nur einen, den in Hagen-Hohenlimburg, alles andere ist eher wenig ...

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... zuverlässig, etwa der „Kessel“ in Lippstadt…

Trotz alledem kommen aus NRW unfassbar viele Wildwasserpaddler. Klar, viele verbringen ihre Urlaube in den Alpen oder in exotischeren Paddel-Revieren, etwa in Griechenland oder auf Korsika, vielleicht auch in Übersee. Doch dahin ist es ein langer Weg und jeder fängt einmal klein an. Wer die ersten Schritte nicht gleich schmerzhaft im engen und flachen Kanal in Hohenlimburg unternehmen möchte oder gleich in einem ein- oder mehrwöchigen Kurs oder Trip mit dem Verein sein Glück im Ausland suchen mag, der wird aber trotzdem fündig bei uns. Denn wir haben einen Fluss, den jeder kennt, den aber kaum jemand mit Wildwasser in Verbindung bringt. Wir haben die Ruhr.

Als Namensgeberin der besten Region ganz NRWs ist sie omnipräsent. Duzende Kanuverleiher bringen hier tausende von Touristen auf den Bach, kein Wochenende vergeht, an dem nicht auch mindestens eine Vereinsfahrt stattfindet. Doch die Ruhr ist noch viel mehr. Sie ist das Sprungbrett nach Slowenien, an die smaragdene Soca oder in die tiefem Schluchten Neuseeland. Auf ihr werden Wildwasserhelden geformt.

Sprungbrett nach Slowenien

„Guten Tach, wir wollen Wildwasser fahren, wir kommen aus Bochum. Wir wollen aba nich direkt nache Soca, ersma gucken ob dat wat is. Geht dat auch bei uns“? „Klar, und zwar in Hattingen, direkt an Bochum dran“. Oft müssen wir am Telefon das Versprechen geben, dass man auf der Ruhr auch nass wird und im Wildwasserkajak auf seine Kosten kommt. Allzuoft sind Wildwasser-Aspiranten schon auf der Ruhr „Kanu“ gefahren, das war aber „ein bisschen langweilig“.

Lebendige Leberwurst

Langweilig ist es im Einsteigerkurs an der Ruhr nicht. Das wird auch dem Letzten spätestens dann klar, wenn er sich in seine Montur quält. Neoprenanzug, Paddeljacke, Schwimmweste, „Sturzhelm und Röckchen“. Das sieht nicht nur martialisch aus, es ist auch echt unbequem für jemanden, der sowas noch nie anhatte „Dat is ja echt bekloppt. Ich fühl mich wie ne Presswurst mit Beinen“. Besonders schön ist es im Mai, wenn das Wasser noch saukalt ist und man sich für die Wassertemperatur warm kleiden muss, die Sonne aber schon ihre Strahlen auf die Menschen in Neo und Würgejacke (Paddeljacke mit dichtem Neoprenkragen) steckt und sich mach ein Astralkörper vor dem ersten Bad in der Ruhr bereits gefährlich aufwärmt. Wer nicht auf uns hört und sein Kajak erst nach dem Umziehen einstellt und die Auftriebskörper aufbläst, begibt sich bereits vor dem ersten Kontakt zum Wasser in Lebensgefahr durch Überhitzung. Dann noch die „bleischweren“ Kajaks zum Wasser tragen, natürlich auf die männliche Art, alleine auf der Schulter, dann darf sich endlich abgekühlt werden. „Saukalt dat Wasser, dafür also den ganzen Kladeradatsch“… äh, genau.


Die Ruhr ist das Sprungbrett nach Slowenien, an die smaragdene Soca oder in die tiefem Schluchten Neuseeland. Auf ihr werden Wildwasserhelden geformt.



Wer bis hierher noch dachte, dass schon alles gut wird, sobald man endlich im Kajak sitzt, der wird nun eines besseren belehrt.


Brummkreisel

Wer bis hierher noch dachte, dass schon alles gut wird, sobald man endlich im Kajak sitzt, der wird nun eines besseren belehrt. Die Dinger (Wildwasserkajaks) sind nicht nur saukippelig, sie fahren auch keinen Meter geradeaus. Niemand, der vorher noch nie Kajak gefahren ist, kann sich in den ersten zwei Stunden eines Einsteigerkurses an der Ruhr jetzt noch vorstellen, mit diesem Teil auch nur in Berührung mit einer Stromschnelle zu kommen.

Doch wir bedienen uns eines kleinen aber gemeinen Tricks. Wir paddeln flussauf. Obwohl das Wasser in Hattingen vor dem Wehr in einem kleinen See gestaut wird, fließt es oberhalb des Sees ganz leicht. Perfekt für unsere Einsteiger und die ersten Schritte. Denn wer gegen die Strömung fährt, fährt besser geradeaus. Das Kajak wird mehr geführt und nicht von der Strömung „geschoben“. Den gleichen Effekt spürt man bei Gegenwind. Gegen den Wind ist zwar eigentlich anstrengender, allerdings nicht halb so anstrengend, wie „den Brummkreisel“ mit tausend Paddelschlägen auf Kurs zu halten und trotzdem im Kreis zu fahren.

Nach einigen hundert Metern flussauf können alle mal verschnaufen. Und wir zeigen uns gnädig und machen unseren Job. Nachdem wir anfänglich häufig auf die bewährte Methodik „The mountains speak for themselves“ setzen, also das wird sich schon ergeben, der Fluss zeigt wo es lang geht, wollen wir jetzt ein bisschen Technik vermitteln. Nachdem wir Vorwärts- und Bogenschlag erörtert und ein wenig trainiert haben, klappt die Rückfahrt auch mit Strömung von hinten schon ganz ansehnlich. Alle sind schon gut im Eimer währen die Stulle zu Mittag verdrückt wird. Und es war auch nicht langweilig. Obwohl noch niemand auch nur ein Fitzelchen Wildwasser gesehen hat.

Kusselkopp vorwärts

Spätestens jetzt wird es richtig nass. Denn wer in die Strömung will, der muss mit Spritzdecke fahren. Wer mit Spritzdecke fahren will oder muss, muss diese auch vom Sülrand lösen können. Bitte ohne Panik und ohne Verletzungen. Deshalb üben wir das.

Kentern. Oder, wie schnell erkannt wird „die halbe Eskimorolle“ steht auf dem Plan. Ängstliche Kandidaten erledigen das erstmal ohne Spritzdecke und tasten sich an die einzelnen Schritte heran. Der Held vom Feld kann das natürlich direkt alles auf einmal und startet mit dem vollen Programm: Kentern, Paddel festhalten, Spritzdecke entspannt öffnen, Vorlage, Kusselkopp vorwärts raus aus dem Cockpit, Boot festhalten, Boot umdrehen, zum Bug schwimmen, Paddel und Griffschlaufe in eine Hand und vom Buddy an Land ziehen lassen. Ja ne, is klar.

Nach einer gefühlten Ewigkeit und mit viel Geduld kommt jeder ohne Panik aus dem Kajak. Jetzt wird es Zeit, sich dem wilden Wasser zu widmen. Denn dem Kanulehrer wird auch langsam kühl an den Beinen, schließlich steht er die ganze Zeit im Wasser und hält Händchen.

T-Beutel-Weitwurf

Triefend nass begutachten wir die „Kernstelle“ des ersten Paddeltages. Die lange Bootsrutsche in Hattingen. Wir laufen die Betonrinne ab und sehen unterwegs Spektakuläres. Vor allem bei einem guten Wasserstand der Ruhr steht am Ende der Rutsche eine „meterhohe“ Welle. Sie entlässt die Paddler mit einem furiosen Ausklang in die weiten Wasser der Ruhr. Doch wir wären keine Kanuschule, würden wir einfach so durch die Rutsche preschen. Vom sicheren Ufer aus erklären wir, was ein Kehrwasser ist, wie man dieses anfährt (man muss ja immer ein Fernziel vor Augen haben) und was geschieht, wenn nichts nach Plan läuft - denn dann sollte man einen Plan B haben. Dieser steht in Form der halben Gruppe am rechten Ufer, in der Hand einen TBeutel, heutzutage bekannt als Wurfsack. Dieser wurde bereits erläutert und es wurde auf die Gefahren dieses Rettungsgerätes hingewiesen - doch in erster Linie wurden seine Vorteile erläutert, die allen ziemlich schnell einleuchten. Dann dürfen die Ersten ran an die Rutsche. Der Kanulehrer als Safetyboater im Kehrwasser, geht es auf Zeichen einzeln in die Rutsche. Zu sehen gibt es einiges. Astreine persönliche Erstbefahrungen genauso wie seitliche oder rückwärtige Varianten. Der eine oder andere trifft sogar beim „second run“ das besagte Kehrwasser links. Mit etwas Pech schafft er es dann sogar kenterfrei auf die andere Seite, ans rettende Ufer. Pech natürlich nicht für den Paddler, sondern für die Retter mit Wurfsack, der will ja schließlich auch üben. Hat jemand das Ufer erreicht und den Brummkreisel gesichert, so wird getauscht. Der stolze Rutschen-Bezwinger (oder der Gerettete, je nach Ausgang der Befahrung) bekommt den T-Beutel, der Werfer geht zu seinem Kajak, steigt ein, wartet auf das Zeichen von unten und stürzt sich in die Fluten. „Nein, langweilig is dat nich“.

KFZ-Karussel

Gut geschlafen haben alle. Außer die, die von der Bootsrutsche geträumt haben. Doch jetzt wird es erst richtig hart, der schwierigste Teil des Kurses leitet den zweiten Kurstag ein: Das versetzen der Fahrzeuge. Heute wollen wir dem Lauf der Ruhr für drei Kilometer folgen. Klingt nicht sonderlich weit, doch drei Kilometer will niemand den „Bleiklotz“ zurück zum Start tragen. Also müssen die Autos runter zum „Deutschen“, zur sagenumwobenen Stromschnelle am Fuße der Isenburg. Nach dieser logistischen Meisterleistung und wenn sichergestellt ist, dass wir niemanden verloren haben auf dem Weg zum Parkplatz, kann endlich wieder gepaddelt werden. Nach dem knallharten Ende des ersten Tages mit der permanenten Überforderung in der Bootsgasse, wird es nun wieder etwas angemessener. Wir beschäftigen uns mit der Kehrwasserein- und Ausfahrt und dem Traversieren in leichter Strömung. Die Ruhr bietet unterhalb von Hattingen einige historische Einbauten rechts und linksufrig. Diese „Buhnen“ dienten in alten Zeiten dazu, das Fahrwasser der Ruhr tief genug zu halten für die Treidelkähne die dort von Pferden über den Leinpfad entlang gezogen wurden. Heute bieten uns die Buhnen ideale Trainingsmöglichkeiten. Denn hinter jeder einzelnen bilden sich Kehrwasser aus. Diese ermöglichen dem Wildwasserfahrer, auch bei starker Strömung im Fluss oder am Ufer anzuhalten. Doch damit das im schweren Wildwasser gelingt, muss man von Anfang an fleißig üben. Anfahrt, Winkel, Geschwindigkeit und Kante sind der Weg zum Erfolg. Beides gilt für die Ein- und die Ausfahrt. Beim ganzen Kehrwasserfahren kommt auch eine weitere Übung nicht zu kurz: Die des Kenterns. Denn nicht immer werden anfangs alle wichtigen Parameter berücksichtigt und die Strafe folgt auf den Fuß - in Form einer beispielhaften Kenterung, häufig unterstrichen durch einen kurzen Signalschrei zur Benachrichtigung des Kanulehrers und der Mitpaddler. Jetzt kann man zeigen was man gelernt hat: Paddel festhalten, Spritzdecke entspannt öffnen, Vorlage, Kusselkopp vorwärts raus aus dem Cockpit, Boot festhalten, Boot umdrehen, zum Bug schwimmen, Paddel und Griffschlaufe in eine Hand und vom Buddy an Land ziehen lassen…


Beim ganzen Kehrwasserfahren kommt auch eine weitere Übung nicht zu kurz: Die des Kenterns.


„Das Ende am Deutschen“

Spätestens am Isenbergschwall, „dem Deutschen“, ist jeder mal dran und probiert die „Kopf als Steuer-Methode“. Die starke Strömung bildet ein kräftiges Strömungs- V aus, hier müssen Winkel und Kante auf jeden Fall stimmen, sonst bekommt man die Quittung. Doch sorgen muss sich niemand, hier ist noch noch kein Paddler verloren gegangen. Die Ufer sind freundlich und es bilden sich rechtsufrig gemütliche Kiesbänke aus. Wer genug hat, der muss nach der letzten Kenterung auch gar nicht mehr ins Kajak einsteigen. Denn der Ausstieg mit dem Weg zum wartenden Auto befindet sich fünfzig Meter unterhalb des Schwalls. So mach einer hat sich schon von der sanften Strömung bis hierher geleiten lassen um dann den Tag auf der Ruhr zu beenden - völlig geschafft, körperlich am Ende und ganz sicher nicht gelangweilt.

Informationen: Dein Weg zum Wildwasser - Glück

Mit der Ruhr haben wir euch jetzt ein perfektes Revier für Einsteiger an die Hand gegeben, die im Nahbereich in den Wildwasser-Sport hineinschnuppern wollen. Jetzt geht es darum, geziehlt die Sache mit dem wilden Wasser anzugehen.

Du brauchst die richtige Ausrüstung.

BOOT, PADDEL, SPRITZDECKE Das alte GFK-Boot aus dem Verein tut es zwar theoretisch auch. Wir haben in unzähligen Einsteigerkursen allerdings die Erfahrung gemacht, dass ein modernes Kajak durchaus sinnvoller ist. Das völlig andere Raumgefühl eines modernen Creekers oder Riverrunners im Zusammenhang mit den heutzutage viel größeren Einstiegsluken gibt einem Einsteiger viel mehr Sicherheit, nicht nur beim Kentern. Die Spritzdecke kann am Anfang gerne eine Nummer zu groß sein. Sie muss leicht abgehen, damit der Vorgang des Kenterns und des Aussteigens unter Wasser zur sicheren Routine wird und nicht jedes Mal aufs Neue Panik schürt.

Ein zum Kajak passendes Paddel ist obligatorisch, wobei ich das Paddeln beim Einsteiger als das unwichtigste Feature betrachte. Irgendwas „um die zwei Meter“ und es kann losgehen.

KÖRPERAUSRÜSTUNG Klar, mit dieser Ausrüstung entscheidet sich, ob der Tag ein Erfolg wird. Fangen wir oben an: Der Helm ist obligatorisch. Auch wenn viele „alte Hasen“ die Bootsrutsche in Hattingen ohne Weste und Helm bezwingen, wir haben schon so viele spektakuläre Einlagen hier gesehen, vor allem von oben genannter Risikogruppe, das wir niemals auf einen Helm verzichten würden. Genauso wenig wie auf eine passende Schwimmweste, die nicht nur dem Auftrieb dient, sondern auch als Prallschutz. Es muss für die Ruhr nicht zwingend die doppelt vernähte Wildwasserweste mit Bergegurt sein, es reicht ein einfaches Modell, welches sich gut anpassen lässt und beim Schwimmen nicht über die Ohren rutscht.

Ganz wichtig ist eine der Temperatur angepasste Kombination aus Neoprenanzug und Paddeljacke. Auch wenn Einsteiger immer rumnölen, dass der Halsabschluss eine Semi-Trockenjacke zu eng ist, spätestens nach der ersten Kenterübung ist dies völlig belanglos und der Aspirant hat die Gedanken ganz woanders. Dafür wird er dankbar sein, dass das erfrischende Flusswasser nicht ungebremst durch die Jacke schießt. Auch die beste Jacke hält nur warm, wenn man ein langärliges Shirt aus Syntetic oder Merinowolle drunter trägt.

Ein Neoprenanzug mit Pinkel-Reißverschluss ergibt mehr als Sinn, auch im Sommer. Denn wenn man viel Zeit im Wasser verbringt, vielleicht noch etwas Wind hinzu kommt, wird es irgendwann kalt.

Bitte denkt daran, dass auch Einsteiger kalte Füße bekommen. Wir zum Beispiel verleihen aus hygienischen Gründen keine Neosocken oder Schuhe. Ein kleiner Kauftip vor dem ersten Mal wird häufig überschwänglich gedankt. Neosocken gibt es schließlich ab ca. 15,- Euro. Und wenn sie nur den Schlick vom Flussgrund von den Zehen fern halten.

Ab ins Boot

Schritt 1: Kentern Es gibt nichts, wovor sich Paddel- Einsteiger mehr fürchten, als vor dem Kentern. Diese Angst gilt es von Anfang an zu nehmen. Deshalb nehmen wir uns vor jedem Kurs die Zeit, so lange das Kentern zu üben, bis die Angst davor maximal noch einem gesunden Respekt weicht. Ängstliche Kandidaten sollten die Möglichkeit bekommen, sich dem Prozess langsam zu nähern. Der Kanulehrer macht die Kenterung vor, inkl. aller zu beachtenden Faktoren, dann wird das Kentern in mehrere Schritte aufgeteilt. Erst einmal ohne Spritzdecke und ohne das Paddel, dann später mit Paddel festhalten und schließlich mit geschlossener Decke. So legt irgendwann fast jeder die Angst ab.

Schritt 2: Bootsgewöhnung auf Flachwasser

Bevor es in die Strömung geht, sollten die Basics auf Flachwasser geübt werden. Vorwärts- und Bogenschlag, flache Stütze, Kanten etc.

Schritt 3: Strömung

Am zweiten Tag beginnen mit einer Theorie-Einheit zum Thema Strömung. Was ist ein Kehrwasser, wozu dient es mir und wie fahre ich da rein und wieder raus. Immer wieder sind die entscheidenden Faktoren Geschwindigkeit, Winkel und Kante. Auf dieser Theorie bauen die ersten Übungen an einem sehr leichten Kehrwasser hinter einer der ersten Buhnen unterhalb der Bootsrutsche auf. Dann heißt es üben, üben, üben. Der zweite Tag steht ganz im Zeichen von Kehrwassereinund Ausfahrt. Die intensität der Kehrwässer nimmt im Flussverlauf zu, bis mit dem Isenbergschwall das Highlight des Tages erreicht wird.

ACHTUNG: Die Befahrung der Bootsrutsche in Hattingen mit totalen Einsteigern dient eher der Bootsgewöhnung und überfordert manch einen am ersten Tag im Kajak. Deshalb ist dies immer nur eine Option. Wir nutzen diese Befahrung der „Kernstelle“, um auch auf die Sinnhaftigkeit des Besichtigens und der Absicherung einer Stelle aufmerksam zu machen. So lernen die Neulinge ab Tag eins, dass man als Paddler an Wehren und Rutschen aussteigt und besichtigt. Außerdem, dass man immer einen Wurfsack im Kajak hat, nicht nur für sich selbst, sondern auch für Andere. Beim Besichtigen der Rutsche kommt es immer wieder vor, dass andere Paddler oder Leihbootfahrer vor unseren Augen ins Kehrwasser kentern und wir direkt die Wirksamkeit des Wurfsacks präsentieren können.

Infos und Reisetermine auch unter www.outdoordirekt.de