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ALLER GUTEN DINGE SIND DREI!


St.GEORG - epaper ⋅ Ausgabe 100/2019 vom 16.09.2019

Damit ein einfacher Galoppwechsel seinen Namen verdient, müssen drei Dinge ineinandergreifen: Durchparieren, Schrittreiten und Angaloppieren. Das ist anspruchsvoll. DressurausbilderPHILIPP HESShat gute Tipps parat


Artikelbild für den Artikel "ALLER GUTEN DINGE SIND DREI!" aus der Ausgabe 100/2019 von St.GEORG. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Vor dem Übergang zum Schritt muss das Pferd gut an den treibenden Hilfen sein.


FOTOS:JACQUES TOFFI

LEKTIONEN LEICHT GEMACHT
TEIL 3: einfache Galoppwechsel

TIPP 1 DAS EINFACHE ZUERST

Die Lektion aufteilen – und mit dem Leichtesten beginnen

Kraftvoll drückt sich das Pferd in der Einbeinstütze ab, der Galopp ist bergauf.


Viele Übergänge bereiten das Pferd auf die einfachen Wechsel vor.


Zeichnung: ...

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... Deinzer

Der einfache Galoppwechsel setzt sich aus drei Elementen zusammen: Durchparieren vom Galopp zum Schritt, Schritt reiten zwischen zwei Übergängen und Angaloppieren aus dem Schritt – wegen des versammelnden Charakters ist diese Lektion als Gesamtheit auch erst ab der Klasse L im Aufgabenheft zu finden. Wenn Sie einfache Galoppwechsel reiten, „zerlegen“ Sie diese zunächst mindestens in zwei Bestandteile: das Durchparieren und das Angaloppieren!

Jungen Pferden in der Ausbildung fällt das Angaloppieren deutlich leichter als das Durchparieren, und auch im Verlauf einer Reitstunde sollten Sie zunächst immer das Angaloppieren üben, bevor Sie den gesamten einfachen Galoppwechsel trainieren. Eine Voraussetzung muss unbedingt gegeben sein, damit das Angaloppieren gelingt: Das Pferd muss prompt, unverzüglich und sicher auf die treibenden Hilfen des Reiters reagieren. Stellen Sie dies in der Aufwärmphase sicher, zum Beispiel mit diversen Trab-Galopp-Übergängen (siehe hierzu auch Serie Teil eins, SG 8/2019).

Wählen Sie für die ersten Übergänge aus dem Schritt stets einfache Punkte, z. B. die geschlossene Zirkelseite oder das Ende einer Volte (die man durchaus auch im Schritt reiten kann!). Galopp ist eine Gangart, in der das Pferd auch auf geraden Linien gestellt ist – im Rechtsgalopp leicht nach rechts, im Linksgalopp leicht nach links!

Extra-Tipp: Achten Sie auf korrekte Einwirkung: Für die Galopphilfe stellen Sie sich vor, Sie sitzen auf dem Ziffernblatt einer Uhr. Rollen Sie die innere Hüfte nach vorne in Richtung zehn oder zwei Uhr, so belasten Sie den inneren Gesäßknochen und Ihre innere Hand geht automatisch etwas nach vorne. Damit gibt sie dem jeweiligen inneren Hinterbein des Pferdes Platz zum Anspringen.

EINFACHE GALOPPWECHSEL AUS SICHT DER SKALA DER AUSBILDUNG

Takt: Ist das Pferd im Schritt vor dem Übergang sicher im Takt, vor den treibenden Hilfen des Reiters? Ist es im Galopp vor dem Übergang in den Schritt bis zum letzten Galoppsprung geschlossen und noch im Dreitakt? Geht das Pferd im Viertakt Schritt nach der Rückführung aus dem Galopp?
Losgelassenheit: Bleibt das Pferd gelassen im Moment des Angaloppierens oder reagiert es auf die Hilfen des Reiters mit Klemmen, Schweifschlagen, Verwerfen? Kommt das Pferd nach der Parade zum Schritt sofort zum Schreiten?
Anlehnung: Lassen sich die Übergänge reiten, ohne dass sich das Pferd heraushebt oder, beim Übergang vom Galopp, auf die Reiterhand abstützt/ auf die Vorhand fällt?
Schwung: Bleibt der Galopp im klaren Dreitakt mit genügend Schub und Schwung des Hinterbeins, auch wenn der Reiter das Gangmaß vor dem Übergang etwas verkürzt?
Geraderichten: Wie sicher nimmt das Pferd Last auf? Weicht es mit der Hinterhand im Moment des Angaloppierens aus? Oder bleibt es in der Spur? Ist ein Angaloppieren auf gerader Linie möglich?
Versammlung: Wie verändert sich das Abfußen der Hinterhand im Laufe der Galopparbeit? Senkt sich die Hüfte, beugt sich das Pferd stärker in den Hanken? Einfache Galoppwechsel lassen sich sehr gut nutzen, um die Versammlungsbereitschaft des Pferdes zu fördern: Ist es in der Lage, einige Galoppsprünge eher mit einem schneller repetierenden Hinterbein zu springen? Insgesamt arbeitet man mit dem einfachen Wechseln später auf die fliegenden Galoppwechsel hin.

TIPP 2 DURCHPARIEREN – FRAGE DES RICHTIGEN TIMINGS

Achten Sie auf die Fußfolge – und auf die Mähne des Pferdes

Der perfekte Zeitpunkt für den Übergang zum Schritt


Damit der Übergang vom Galopp zum Schritt gelingt, muss das Pferd im Galopp absolut sicher vor den treibenden Hilfen sein!

Darum ist das Reiten von Tempo-Unterschieden innerhalb des Galopps die wichtigste Vorbereitung für den Galopp-Schritt-Übergang. Erster Schritt: Zulegen und Aufnehmen im Galopp! Zweiter Schritt: Das Aufnehmen auf engen gebogenen Linien üben. Beispiel: Entwickeln Sie genügend Durchlässigkeit des Pferdes durch Zirkel verkleinern und später durch Volten. Die enge Linie ist hilfreich, damit das Pferd ganz von allein den Galoppsprung verkürzt und Sie können sehr gut herausfinden, ob Sie noch zum Treiben kommen. Besonders das Zirkel verkleinern ist eine tolle Linie, weil Sie diese jederzeit beginnen und beenden können. Wenn das Pferd zu klemmen beginnt, werden Sie wieder größer und legen zu, wenn alles gut gelingt, nutzen Sie diesen Moment und reiten einen Übergang.

Achtung: Bevor der Übergang zur Vollbremsung gerät, üben Sie ihn lieber über einen bis zwei Trabtritte. Viele reiten den Übergang zu handlastig und kommen nicht mehr zum Treiben.

Extra-Tipp: Beachten Sie die Fußfolge im Galopp, um Ihr Timing für den Übergang zu optimieren. Wenn das Pferd mit den Hinterbeinen auffußt, die Hanken beugt und es „bergauf “ springt, muss die Parade zum Schritt erfolgen – denn, wie Sie ja wissen: Man pariert hinten zuerst durch! So gelingt ein Übergang, bei dem das Pferd nicht auf die Vorhand kommt. Achten Sie auf die Mähne: Wenn sie nach oben fliegt, müssen Sie mit Ihrer Parade durchkommen!

TIPP 3 VOR DEM ÜBERGANG ÄUSSERE HILFEN PRÜFEN

Schon im Galopp lässt sich der taktmäßige Schritt gut vorbereiten

Kurzfristiges Galoppieren in Konterstellung.


Leicht schultervorartiges Galoppieren


Der Galopp ist eine Gangart, die in leichter Stellung geritten wird. Doch manchmal wird die Zügeleinwirkung innen übertrieben, nur um vermeintlich Stellung zu geben. Halten Sie sich vor Augen, dass Sie im Übergang die äußeren Hilfen (den äußeren Zügel und auch den vortreibend--verwahrenden äußeren Schenkel) vorherrschen lassen. Das Galoppieren auf gebogenen Linien, dabei immer wieder ein paar Sprünge schultervorartiger Galopp, eventuell sogar kurzfristig in Konterstellung, kann die Einwirkung verbessern.

Extra-Tipp: Im Moment des Übergangs zum Schritt ist Ihre Körperspannung von immenser Bedeutung. Ziehen Sie zum Durchparieren den Bauchnabel ein! Dadurch kippt Ihr Becken leicht nach vorn, das ist für das Pferd das körpersprachliche Signal zum Parieren. Sie vermeiden durch das Einziehen des Bauchnabels außerdem, dass Sie mit den Oberschenkeln klemmen.

TIPP 4 DAS SCHREITEN DAZWISCHEN

Erst Ruhe bewahren, dann Schritte zählen

Die größte Herausforderung beim Schrittreiten im einfachen Galoppwechsel ist, den Viertakt zu erhalten.


Hilft, den Takt im Schritt wieder herzustellen: Schultervor.


Wird die Lektion zusammengesetzt, kommt der knifflige Moment dazu, in dem das Pferd losgelassen und im Takt nur zwischen drei und fünf Schritte gehen soll. Heiße Pferde zackeln an, faule Pferde fallen auseinander, nervöse verlieren den Viertakt – hier das richtige Maß zu finden, erfordert vom Reiter viel Gefühl!

Legen Sie immer erst Wert auf den Takt im Schritt und erst dann auf die richtige Anzahl von Schritten. Heißt: Wenn das Pferd heiß wird und die Hilfe vorwegnehmen will, wenn es den Takt verliert oder anzackelt, dann reiten Sie im Training weiter Schritt, und zwar so lange, bis das Pferd wieder losgelassen schreitet und Ihre Hilfen zulässt. Auch wenn das zunächst viel länger dauert als es später in der Lektion gefordert ist! Hilfreich kann im Training ein kurzer Themenwechsel sein, z. B. ein paar Tritte übertreten lassen oder Schenkelweichen, um das Pferd wieder besser auf Ihre Hilfen reagieren zu lassen und es zur Losgelassenheit zu bringen. Achten Sie besonders konzentriert darauf, dem Pferd nach der Parade zum Schritt genügend Raum in Hals und Ganasche zu lassen – das Pferd braucht seinen Hals im Schritt stärker als in den anderen Gangarten als so genannte „Balancierstange“, und wenn der Zügel zu kurz ist, verliert es schneller das Gleichgewicht und gefährdet damit den Takt im Schritt.

TIPP 5 KREATIVE LINIENFÜHRUNG

Zusammensetzen der einzelnen Bestandteile

Gute Selbsthaltung im Außengalopp. Die Reiterin sollte aber ihren äußeren Schenkel etwas weiter vorne platzieren und mit dem Absatz noch deutlicher nach unten federn.


Reiten Sie die ersten zusammenhängenden einfachen Galoppwechsel auf Linien, die es dem Pferd leicht machen: zum Beispiel durch den Zirkel wechseln oder halbe Volte rechts, einfacher Wechsel auf der Mittellinie, halbe Volte links.

Erst wenn die einfachen Galoppwechsel auf engeren gebogenen Linien gut gelingen, verändern Sie die Linienführung: Wechseln Sie durch die halbe Bahn und reiten Sie einen einfachen Wechsel bei Erreichen des Hufschlages, später wechseln Sie durch die ganze Bahn und verlegen den Punkt zum einfachen Wechsel immer weiter nach vorne, bis er auch bei X durchlässig gelingt.

Mehr Variationen: Wenn der einfache Galoppwechsel von einem Handgalopp zum anderen gelingt, ist Ihre Kreativität gefragt: Jetzt können Sie Übergänge mit einfachen Wechseln auf gebogenen und geraden Linien, an der langen und kurzen Seite, auf der Diagonalen oder Mittellinie reiten – bei weiter ausgebildeten Pferden können Sie den Außengalopp mit einbeziehen. Jeder einfache Galoppwechsel stärkt die Kraft der Hinterhand und hilft, das Pferd besser zu versammeln. Je weiter das Pferd in den Übergängen die Hanken beugt und damit besser unter das Hüftlot kommt, desto besser entwickelt sich auch seine Selbsthaltung.

Im Galopp durch die halbe Bahn wechseln, am Hufschlag einfacher Wechsel. Später Linie und Wechselpunkt bis X „vorziehen“.


Anspruchsvoll: einfache Wechsel in der Schlangenlinie. Gute Übergänge auf der Geraden gelingen durch leicht schultervorartiges Reiten.


Zeichnungen: Deinzer

ZUR PERSON: PHILIPP HESS

Der 41-Jährige zweifache Pferdewirtschaftsmeister und Diplom-Trainer übernahm 1999 den Hof der Großeltern in Bettenrode nahe Göttingen und baute ihn über die Jahre zu einem bekannten und beliebten Ausbildungszentrum um. Als Reiter (bis Grand Prix erfolgreich) und Trainer hat sich Philipp Hess einen exzellenten Ruf erworben.
www.hofbettenrode.de

ES GIBT IMMER EINE LÖSUNG

Die Reiterin demonstriert das Herausheben im Moment des Angaloppierens.


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PROBLEM
Das Pferd zackelt an

LÖSUNG
● erst Takt im Schritt wiederherstellen
● ein paar Tritte Schultervor oder Schenkelweichen reiten
● notfalls kompletter Themenwechsel: Trab-SchrittÜbergänge …, dann erneut Schritt-Galopp

PROBLEM
Das Pferd klemmt

LÖSUNG
● Klemmen beim Angaloppieren: Prüfen Sie Ihre Hilfengebung und Zügelführung. Klemmen Sie selbst? Ist das Zügelmaß zu kurz?
● Bringen Sie das Pferd durch andere Übergänge, z.B. Trab-Galopp oder Schritt-Trab wieder sicherer vor die treibenden Hilfen.
● Klemmen beim Durchparieren: Parade abbrechen und wieder vorwärts galoppieren, Übergänge im Gangmaß, dann von vorne beginnen. Zügeleinwirkung prüfen.

PROBLEM
Das Pferd hebt sich heraus

LÖSUNG
● Herausheben ist immer ein Zeichen mangelnder Lastaufnahme und mangelnder Balance.
● Durch vermehrte treibende Hilfen muss der Reiter das Pferd mehr „schließen“.
● Gleichmäßige Zügelverbindung auch im Übergang, nicht den Zügel wegwerfen.
● Den Übergang besser vorbereiten, mehr halbe Paraden! Körperspannung erhöhen!
● Das eigene Timing bezüglich der Hilfengebung im Übergang prüfen und ggf.verändern.

PROBLEM
Das Pferd galoppiert über Trab an

LÖSUNG
● Hintergrund ist, dass das Pferd nicht prompt auf die Reiterhilfen reagiert.
● Durch mehrere einfache Übergänge (Schritt-Trab, Trab-Galopp etc.) die Reaktion auf treibende Hilfen verbessern.
● Den Übergang besser vorbereiten: halbe Paraden, Innenstellung, treiben!

Überstreichen: gut für handunabhängiges Reiten.


PROBLEM
Das Pferd fällt auf die Vorhand

LÖSUNG
● Vielfach wird beim Durchparieren zu Hand-orientiert geritten. Weniger Zügeleinsatz, mehr treiben!
● Um weniger handlastig zu reiten, hilft regelmäßiges Überstreichen (siehe Foto oben).
● Fühlbare Hilfen des Ausbilders von unten können helfen: So muss das Bein liegen, bis dahin kann man überstreichen, so viel Stellung ist im Galopp nötig etc.
● Timing in der Hilfengebung verbessern!