Lesezeit ca. 8 Min.
arrow_back

Alles bleibt anders


Logo von Beat
Beat - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 02.11.2022

Portrait: Super Flu

BEATPERSONALITY

Portrait

Artikelbild für den Artikel "Alles bleibt anders" aus der Ausgabe 12/2022 von Beat. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Beat, Ausgabe 12/2022

Beat / Hallo – wie geht es euch? Wie habt ihr als Künstler die letzten Jahre der Pandemie überstanden?

Super Flu / Hallo und danke für die Gelegenheit, ein wenig zu erzählen. Der Anfang der Pandemie war ein echter Schock. Von Hundert auf Null in einem Augenblick. Wir sahen riesige Probleme auf uns zukommen und kein Ende dieser Lage. Zum Glück hatten wir die Zeit relativ schnell genutzt, um produktiv im Studio zu sein und darüber hinaus live auf Twitch unser Unwesen zu treiben. Wir sind innerhalb eines Jahres Partner geworden und haben durch unsere täglichen Streams mit wechselnden Gästen eine riesige Community aufgebaut, die von digitalen Bekanntschaften zu realen Freunden geworden sind. Mit unserem „Home Office Club“ haben wir auch versucht, den KünstlerInnen eine Spielwiese zu geben um sich endlich wieder ausdrücken zu können. Für diese Erfahrung sind wir ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Beat. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 12/2022 von Drei Top-Vollversionen!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Drei Top-Vollversionen!
Titelbild der Ausgabe 12/2022 von Navigator: Best of Beat # 203. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Navigator: Best of Beat # 203
Titelbild der Ausgabe 12/2022 von Mobiles Recording mit Zoom R12 MultiTrak. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Mobiles Recording mit Zoom R12 MultiTrak
Titelbild der Ausgabe 12/2022 von Add-On für Sounddesign und Mixing von Bitwig. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Add-On für Sounddesign und Mixing von Bitwig
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Mehr Erfolg für eigene Plug-ins
Vorheriger Artikel
Mehr Erfolg für eigene Plug-ins
Musiktipps aus dem Netz
Nächster Artikel
Musiktipps aus dem Netz
Mehr Lesetipps

... sehr dankbar. Auch uns hat es die nötige Kraft gegeben um weiter am Ball zu bleiben. Wir hatten dadurch nie den Kontakt zur Musik und zu den Leuten verloren, so dass der Wiedereinstieg relativ fließend verlief und jetzt sind wir zum Glück wieder bei 100% auflegen und „DJ sein“.

Beat / Ihr arbeitet nun schon einige Jahre zusammen als Super Flu – welche Herausforderungen und Chancen ergeben sich nach so langer Zeit für euch im Studio als Duo?

Super Flu / Durch die lange gemeinsame Zeit sind die Rollen sehr klar verteilt und jeder kennt seine Stärken und Schwächen und auch die des Partners. Dadurch, dass wir beide eine unterschiedliche Sicht auf die Produktionen haben, ergibt sich daraus eine perfekte Symbiose für erfolgreiche Tracks. Der eine ist mehr Produzent und hört in die Tiefe und der andere mehr DJ und hört die Dancefloor-Tauglichkeit. Wie es in einer guten Beziehung so ist, reiben wir uns natürlich auch mal. Aber meist sind das Konflikte, wo man vorher weiß, dass sie kommen und man kennt den dann guten Ausgang. Auch weil man natürlich immer wieder daran gemeinsam wächst.

Beat / Welche Schätze im Studio sind euch besonders ans Herz gewachsen?

Super Flu / Der Jupiter-6 ist ohne lange zu überlegen unser Lieblingssynthesizer. Man hat direkte Kontrolle über jede Option, ohne dass man durch die Menüs tauchen muss. Jedes Preset, sogar die zufällig generierten, sind supergeil und diese Maschine ist voller Freude. 61 Tasten, von denen wir die Finger nicht lassen können. Mit ein paar Effektpedalen dahinter kann man stundenlang nur mit dieser Schönheit verbringen. Dann wäre da der Folktek Omnichord OM-36. Wir finden kaum Worte, um diese Maschine zu beschreiben. Es ist eine wunderbare und schräge Klangfabrik und war eine unserer frühesten Investitionen. Von Drones bis zu kurzen Klicks holt man alles aus ihr heraus. Mit den 60 kupfernen Anschlagsflächen lassen sich komplexe Töne, Filterungen und Verzerrungen erzeugen. Und dann wäre da noch diese kleine Wunderkiste. Ein Spielzeug, das kein Spielzeug ist. Das ist unser Eindruck von diesem fantastischen Gerät. Der OP-1 ist so gut konzipiert und die tollen Sounds und Effekte machen ihn für uns zu einem echten Instrument. Man generiert Ideen auf eine ganz andere Art und Weise und das ist es, was uns am meisten gefällt. Man denkt über den Tellerrand hinaus und probiert neue Wege aus, um sich selbst auszutricksen. Ein weiteres Highlight ist dieses Keyboard aus dem Jahr 1987 … das am meisten unterschätzte Sampling-Tool. Es kann 3,5 Sekunden aufnehmen, aber das Hauptmerkmal ist, dass man es loopen und auf geniale Art und Weise filtern kann. Das Ergebnis ist umwerfend. Sein Name Yamaha VSS 30.

Beat / Braucht es für eine Produktion bestimmte Gerätschaften, um euren Signatur Sound zu kreieren?

Super Flu / Nein, eigentlich nicht. Alle Produktionen die wir machen kann man mit einer aktuellen DAW und einem guten Gehör nachbauen. Manche Sounds sind durch Effektketten komplex, aber nicht unmöglich zu reproduzieren. Soll es allerdings perfekt werden, dann brauch man für den Super Flu-Sound 5 Gramm Feenstaub, zwei Hörner eines Einhorns und eine Packung Lembas-Brot.

Beat / Welche Investition für das Studio hättet ihr euch lieber geschenkt und was ist ein lang gehegter Gear-Traum?

Super Flu / Als wir unser Studio eingerichtet haben, haben wir 10 verschiedene Boxenpaare bestellt von 700 Euro bis 5000 Euro das Stück. Am Ende sind wir bei unseren gebrauchten Focal geblieben, weil sie einfach perfekt in das Studio passen. Deshalb würden wir sagen, die Boxenschlacht hätten wir uns gerne gespart. Ansonsten hätten wir gerne solch exotische Sachen wie den UDO 6, einen gängigen Jupiter 8, einen OP1-Field, einen Moog One 16, ein Haken Audio, einen Oberheim OB-X8 oder genug Platz für einen eigenen Flügel.

Beat / Wie kann man sich einen Tag bei euch im Studio vorstellen – wie beginnt der Kreativprozess?

Super Flu / Wir starten meist gegen 9 auf unserer Couch bei einem veganen Frühstück und besprechen den neuesten Promi-DJ-Talk. Dann geht es gegen 10 ins Studio und da bleiben wir meist bis 16 Uhr, weil dann die Familie ruft. An kinderfreien Tagen wird allerdings durchgemacht und erst am nächsten Tag der Schlaf nachgeholt. Der eigentliche Prozess beginnt immer mit „einfach loslegen“. Meist hat man eine Idee, oder möchte was ausprobieren und daraus entwickelt sich dann eine Drumline oder Melodie. Hat man einen 64-Bar-Loop, der nicht nervt, hat man 95 Prozent vom Track schon geschafft. Die restlichen 5 Prozent sind allerdings die schwierigsten und zeitintensivsten.

Möchte man elektronische Musik verstehen, kommt man um ein Modularsystem nicht herum. «

Beat / Und wo entstehen die ersten Ideen für Tracks wie Gargamel?

Super Flu / Auch hier war wieder das Machen der Antrieb zum Track. Wir wollten ein paar Sounds testen und haben passende Effekteinstellungen probiert und dabei ist der Grundbeat entstanden. Der hat uns so mitgenommen, dass wir dazu eine passende Synth-Line gebaut haben. Auch hier war es so, dass der Rohbau sehr schnell stand, aber das testen auf dem Floor dann nochmal gut zwei Monate gedauert hat, um den Track zu finalisieren.

Beat / Euer Sound hat sich mit der Zeit ebenfalls entwickelt – wie würdet ihr euch stilistisch beschreiben und wohin geht die Reise für Super Flu?

Super Flu / Wenn es eine Sache gibt, in der wir schlecht sind, dann ist es unseren eigenen Sound in Genres packen. Wir merken das auch immer bei unserem eigenen Label Monaberry. Wir legen dann die Genres für die Portale an und in 90 Prozent aller Fälle wird es ein völlig anderes Genre. Daher würden wir unseren Sound als mit Liebe produzierten, intelligenten und tanzbaren Melodic House und Techno bezeichnen. Der Weg ist das Ziel heißt es auch für Super Flu. Unser Sound wird sich weiter verändern und sich entwickeln, das können wir versprechen. Aber wir wissen leider nicht in welche Richtung … es bleibt aber alles richtig, richtig gutes Zeug.

Beat / Veröffentlichungen von euch finden auf renommierten Labels statt – wächst damit auch der Erfolgsdruck-Druck bei der Studioarbeit?

Super Flu / Definitiv. Nach einem erfolgreichen Release auf einem großen Label ist die Arbeit im Studio immer verkopfter als sonst. Man fragt sich, wie man es wieder schafft solch einen Track abzuliefern. Davon muss man sich aber frei machen und versuchen seinen Weg zu gehen, weil nur so hat man es ja auf die großen Labels geschafft. Für uns ist es ein bisschen einfacher, da wir ja selber noch ein erfolgreiches Label haben, auf dem wir sehr gerne releasen.

Beat / Welche DAW nutzt ihr und was macht sie für euch so einzigartig?

Super Flu / Im Moment nutzen wir Ableton in der neuesten Version und sind mega happy damit. Aufgewachsen sind wir mit Reason und zum Glück kann man Reason in Ableton nutzen, weil uns manche Sachen schon gefehlt haben. Einzigartig sind die neuen DAW vermutlich alle nicht. Wenn man sich damit auskennt, kann man in jedem Tool hervorragende Musik produzieren. Wir haben uns nur in Ableton reingearbeitet, weil wir Lust darauf hatten.

Beat / Welche Faszination steckt für euch in Modularystemen?

Super Flu / Möchte man die elektronische Musik wirklich verstehen, dann kommt man um ein Modularystem nicht herum. So kann man alle Bestandteile der elektronischen Musik erlernen und ihre Verknüpfungen untereinander hören. Man lernt, wie die elektronischen Bauteile miteinander kommunizieren und spricht irgendwann die gleiche Sprache. Zwei wichtige Sachen hat uns das Modularsystem gelehrt. Erstens, dass man bei der Arbeit eine eigene Zeitrechnung hat. Man muss sich viel mehr konzentrieren und braucht viel Ruhe um zu Ergebnissen zu kommen. Und Zweitens, dass alles vergänglich ist und dass selbst ein Patch, an dem man einen Tag gesessen hat es wert ist zu vergessen und neu anzufangen. Das entdecken und loslassen von Ideen ist für uns das Wichtigste an einem Modularsystem.

Beat / Wo liegt euer Schwerpunkt – analoges Gear oder Plug-ins?

Super Flu / Man muss sagen, dass der produktionstechnische Schwerpunkt schon am Rechner liegt. Hier kann man sehr exakt arbeiten und Dinge bis zur völligen Erschöpfung perfektionieren. Allerdings haben wir auch einen großen Fuhrpark an Gear, der für unser Schaffen unverzichtbar ist. Das sind meistens Instrumente, mit denen wir spielerisch auf Ideen kommen. Die analogen Geräte sind meist „einfacher“ und daher ist die Hemmschwelle sie zu benutzen sehr gering.

Beat / Welche sind aktuell eure liebsten Hardware Synths und Plug-ins? Gab es für euch in letzter Zeit echte Game Changer?

Super Flu / Unser liebstes Stück und auch eines der ersten ist der Juno 60. Er besitzt eine perfekte Haptik und einen logischen eindimensionalen Aufbau. Es ist das Gerät mit der perfekten Mischung aus einfacher Bedienung und komplexem Klang. Dabei ist der Klang so limitiert, dass man einfach drauf los spielen kann, ohne an was Spezielles zu denken. Wir arbeiten gerade an einem großen Sample-Pack und verwenden dafür unseren oben erwähnten Folktek Omnichord OM-36. Es ist ein sehr experimentelles Instrument, was auf den ersten Blick sehr komplex wirkt, sich aber durch das zweihändige Spielen super natürlich anfühlt. Ein Instrument um sehr emotionale Sounds zu erzeugen. Im Software-Bereich gibt es eigentlich nicht wirklich was Neues. Meist ändert sich die Optik und die gut gemachte Werbung suggeriert eine Neuerung. Wenn man sich aber damit beschäftigt, stellt man schnell fest, dass die Standard-Ableton-Tools schon sehr gut sind. Man muss seine Werkzeuge einfach nur gut kennen und wissen, was sie machen. Dann kann man tatsächlich viel Geld sparen. Aktuelle Software, die wir allerdings in unser Herz geschlossen haben, sind Pigments von Arturia und Spiff und Soothe von Oeksound.

Beat / Welchen Stellenwert haben Samples, Live Instrumente oder Field Recording in eurer Arbeit?

Super Flu / Samples spielen eine große Rolle. Wir haben nur mit Software angefangen, waren also auf Samples angewiesen und über die Jahre haben wir ein riesiges Archiv aufgebaut. Viele Sounds stammen von Schrottplatz-Livejams, Straßenmusikern, Naturgeräuschen, oder einfach Jams mit Instrumenten. Die fließen täglich in unsere Arbeit ein und bilden die Grundlage für unseren Sound.

Beat / Eure eingesetzten Vocal-Parts wirken im Track-Kontext oft eher wie eigenständige Instrumente – ist das eine bewusste Entscheidung?

Super Flu / Am Anfang war es eine bewusste Entscheidung, um anders zu klingen. Mittlerweile passiert das ganz automatisch. Da denken wir nicht mehr viel drüber nach. Meistens klingt es einfach besser.

Beat / Wie wichtig ist euch die Funktionalität der Tracks für den Club?

Super Flu / Bei 99% der Tracks ist der Club immer die Messlatte. Wir produzieren Tanzmusik und wenn die im Club nicht funktioniert, dann müssen wir was daran machen. Der Club ist immer die letzte Instanz der Qualitätssicherung.

Beat / Was steht bei euch in nächster Zeit an?

Super Flu / Vermutlich das gleich wie immer. Arbeiten, Arbeiten, Arbeiten und nebenbei versuchen eine Balance zum Familienleben zu finden. Es wird wieder ein paar neue Remixe geben und die eigenen Sachen stehen schon in den Startlöchern.