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Alles hinter uns lassen


Frau im Leben Happy - epaper ⋅ Ausgabe 1/2021 vom 13.01.2021

Seit zwei Jahren reisen Claudia Haese und Uwe Jakobsen um die Welt – im alten Feuerwehrauto. Sie haben alles verkauft, ihr altes Leben hinter sich gelassen. Um sich ihren Traum zu erfüllen. Wie lange sie unterwegs sein wollen? Für immer, sagen beide – und strahlen.


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Bildquelle: Frau im Leben Happy, Ausgabe 1/2021

Espresso um drei – das ist unser heiliges Ritual“, lächelt Claudia Haese und schenkt den frisch gebrühten Kaffee in zwei Becher, „jeden Tag um diese Zeit gibt es einen Espresso, egal wo wir gerade sind.“ Im Moment ist das Griechenland, Kyparissia – mit Blick aufs Ionische Meer. Und dann bringt sie die beiden Tassen nach draußen. Ein Tellerchen ...

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... Kekse dazu. „Die sind ganz wichtig“, erzählt Claudia Haese, „ich kaufe immer die Butterkekse des Landes. Und wenn es die nur in einer Kilo-Packung gibt und wir nicht wissen, wie die schmecken – egal, dann essen wir jeden Tag um drei nicht schmeckende Kekse.“

Vorm roten Feuerwehrauto stehen zwei Campingstühle und ein klappbares Tischchen. „Es muss halt alles in unseren Max Philipp passen.“ Max Philipp – so heißt ihr rotes Feuerwehrauto. Und das war ein ewiger Kindheitstraum von Uwe Jakobsen, dem Mann von Claudia Haese. „Ist es nicht ein Traum, einfach dazusitzen und aufs Meer zu schauen?“, sagt sie, schließt die Augen, um die Wintersonne zu spüren.

Ein lang gehegter Traum

Begonnen hatte der Traum mit einer genauen Vorstellung. „Als ich Uwe vor vielen Jahren kennenlernte, der auch geschieden war, spürte ich gleich, dass wir diesen gemeinsamen Traum haben: einfach alles hinter uns lassen und losfahren“, erzählt die 54-Jährige, „nicht, weil das Alte so schrecklich ist oder war, sondern weil es so viel Schönes und Neues gab.“ Über Jahre reifte der Plan – und irgendwann war klar: Wenn die Kinder – Claudia Haese hat vier, Uwe Jakobsen zwei – groß sind, soll es losgehen. „Die haben wir rausgeschubst. Aber die wollten eh ausfliegen“, erzählt Claudia Haese, die ihren Kindern schon früh erzählte: „Später werdet ihr mich nicht unter einem Apfelbaum sitzend finden, sondern surfend an irgendeinem Strand.“

Der Verkauf von Haus und Besitz in Deutschland war beiden sehr wichtig. „Sonst kann man nicht unbeschwert und unbelastet losfahren“, sagt Uwe Jakobsen. Am Ende ging alles schnell: Häuser verkauft, Hausstand bei eBay losgeworden und Überbleibsel bei Haushalts-Auflösungs-Partys verschenkt. „Wir haben alle, die wir kennen, eingeladen und jeder musste etwas mitnehmen“, lacht Claudia Haese, „nur zwei Becher, zwei Teller, vier Gläser, drei Gabeln, drei Löffel und drei Messer haben wir noch behalten. Kommt Besuch, müssen Tassen und Gläser mitgebracht werden“, lacht die 54-Jährige.

Andere Dinge sind wichtiger: Surfbretter und Fahrräder. „Die Städte erfahren wir per Rad, egal ob Rom, Stockholm oder Tirana.“ Doch Claudia Haese und Uwe Jakobsen haben nicht nur alles in Deutschland verkauft, sondern auch ihre Jobs als Sport- und Gymnastiklehrerin bzw. Zweiradmechaniker aufgegeben. Zum Leben reiche das Ersparte, sagt der 62-Jährige. Claudia Haese ergänzt: „Wir brauchen ja nicht viel, das Leben unterwegs ist günstig: Lebensmittel, Diesel. Teuer ist nur die Krankenkasse.“ Ob das Ersparte bis zum Lebensende reicht, darüber macht sich die 54-Jährige keine Gedanken. „Wer weiß. Vielleicht schon“, sagt sie nachdenklich, „neulich ist ein Freund von uns gestorben, mit 52.“ Heute zähle für sie das Jetzt, das Heute. „Und wir verschieben auch das Weintrinken nicht auf morgen, auch das machen wir heute. Oder das gute Essen – das machen wir heute.“ Im Haus der Kinder haben sie noch ein Zimmer – als Melde-Adresse für Krankenversicherung und für Max Philipp, das Feuerwehrauto.

Zuerst mal nach Marokko

„Max steht für maximale Kraft“, erzählt Uwe Jakobsen, „und Philipp, weil er aus Philippsburg kommt.“ Und auch der Kauf des uralten Feuerwehrautos passt zu den beiden: Probefahrt, kaufen, ausbauen, anmelden, losfahren. Seit 7. November 2018 sind die beiden unterwegs.

Erstes Ziel: Marokko. „Dorthin wollten wir schon immer“, erzählt Claudia Haese. Einmal rund ums Mittelmeer. Dann wieder Richtung Süden nach Afrika. Elfenbeinküste, Mali und zurück. Corona verhinderte, dass sie Afrika durchqueren konnten, weil die Grenzen geschlossen waren. So wurde das Feuerwehrauto kurzerhand nach Hause verschifft, um dann zuerst Richtung Norwegen, Schweden, Finnland zu fahren. Dann durchs Baltikum, über die Türkei, Österreich, Italien nach Griechenland. „Wir wussten, dass wir wegen Corona im Winter in Europa bleiben müssen“, erzählt Uwe Jakobsen.


„Wir haben alles verkauft. Sonst kann man nicht unbeschwert losfahren“
Uwe Jakobsen


So sind sie nun seit einigen Wochen hier am Strand vom Kyparissia – und zelebrieren wie überall ihr zweites Ritual: „Wir gehen morgens zuerst baden“, erzählt Claudia Haese, „egal wo wir sind – Nordkap, Finnland, Polen im See oder im Fluss in Italien oder Griechenland – das ist einfach nur wunderwunderschön.“

Nur nette Begegnungen

Unangenehme Erfahrungen hatten sie in den bisherigen zwei Jahren des Unterwegssein nur eine einzige. „Ansonsten haben wir überall nur freundliche Menschen kennengelernt, viele haben uns geholfen, eingeladen, obwohl sie selbst nicht viel hatten“, sagt Uwe Jakobsen. Seine Frau ergänzt: „Unsere schönsten Begegnungen hatten wir mit Kindern in Afrika. Kaum stehen wir, umringen sofort 10 oder 15 Kinder unser Feuerwehrauto. Dann frage ich jedes Kind, wie es heißt, versuche, die Namen zu wiederholen. Da wird viel gelacht. Das sind wirklich so schöne Momente.“


„Die Augen heben und schauen: Ist das, was ich tue, auch das, was ich wirklich will?“
Claudia Haese


Eine neue Einstellung

Und dann erzählt sie noch von einsamen Stränden, Sonnen-Untergängen, wilden Wellen zum Surfen und einem besonderen Weihnachtsfest: „In Marokko fuhren wir durch die Wüste Erg Chebbi. Irgendwann hielten wir an, machten das Auto aus – es war so still, so unglaublich still – es war der schönste Heiligabend, den wir je erlebten. Ein irrer Sternenhimmel über riesigen Dünen – wir kamen uns vor wie Maria und Joseph.“

Die Fähigkeit, nur im Moment zu leben, das lernte Claudia Haese erst durch ihre Reise. Besonders in Afrika. „Die andere Kultur, die anderen Ideen der Menschen – das verändert vieles“, erzählt die ehemalige Lehrerin, „sie haben ganz andere Vorstellungen von Eigentum. Die Menschen dort glauben, dass das Leben morgen einfach weitergeht, dass es keine Sicherheiten braucht. Sie haben viel weniger Vorräte als wir in unserem Auto. Die Menschen haben heute etwas zu essen, vielleicht auch morgen, aber das wissen sie noch nicht. Sie haben und brauchen keine Sicherheit – das hat mich am meisten berührt.“

Und verändert. „Wenn wir heute nur noch etwas Reis und eine Dose Tomatenmark in der Küche haben, ist das nicht mehr schlimm“, erzählt sie, „die Menschen in Afrika zu erleben hat meinen Horizont erweitert – und mir sehr, sehr gutgetan.“

[1] Ein Rentier wartet auf den Weihnachtsmann – vor einem Supermarkt in Näätämö/Finnland.


[2] In der Alfama, dem ältesten Stadtteil von Lissabon.


[3] Sonnenuntergänge sammeln die beiden Weltreisenden.


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Fotos: Claudia Haese; Illustrationen: Shutterstock.com, Agentur2/Sabine Schickel