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ALLES IM BLICK


Landlust - epaper ⋅ Ausgabe 5/2021 vom 18.08.2021

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Bildquelle: Landlust, Ausgabe 5/2021

Ausdauernd und mit kurzen, schnellen Flügelschlägen verharrt der Turmfalke in der Luft. Sein Schwanz ist weit aufgefächert, seine Augen fixieren den Boden unter sich. Seine ganze Aufmerksamkeit gilt jetzt einer Maus. Gleich wird er sich blitzschnell zu Boden stürzen. Der charakteristische „Rüttelflug“ macht den Turmfalken unverwechselbar. Über Feldern und Wiesen, entlang von Straßen und Brachflächen ist der sogenannte Rüttelfalke bei seinem Jagd- und Spähflug ganzjährig gut zu beobachten.

Gefiederfärbung

Der kleine, schlanke Falke ist mit einer Größe von 33 bis 38 Zentimetern nur etwa taubengroß. Im Flug ist er an seinen schmalen, spitz zulaufenden Flügeln und seinem langen Schwanz mit dunkler Schwanzendbinde zu erkennen. Besonders auffällig ist seine rotbraune Gefiederfarbe. Männchen und Weibchen sind gut voneinander zu unterscheiden: Kopf- und Schwanzgefieder sind beim Männchen blaugrau, beim ...

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... Weibchen einheitlich rotbraun. Auf dem Rücken- und Oberflügelgefieder des Männchens zeichnen sich zudem deutlich dunkle „Tropfenflecken“ ab, das Gefieder des Weibchens ist quer gebändert.

In luftiger Höhe

Das Wort „Turm“ in seinem deutschen Namen verweist auf die lange Verbindung zwischen Falke und Mensch. Denn seit jeher zieht es den Kulturfolger zum Brüten in Siedlungsnähe. Dort nisten Turmfalken gern in Nischen und Löchern von alten, hohen Gebäudefassaden, vorzugsweise in Kirchtürmen, Brücken, Scheunen, Schornsteinen oder Burgen. Mancherorts ist er deshalb auch unter dem Namen Dom- oder Kirchfalke bekannt. Bei der Nistplatzwahl sind Turmfalken flexibel, auch Nistkästen nehmen sie an. Natürliche Brutplätze finden die ursprünglichen Felsenbrüter in Spalten von Steinbrüchen und Gebirgen. Auch leer stehende Baumnester von Elstern, Rabenkrähen, Greifvögeln oder Reihern beziehen sie. Die standorttreuen Turmfalken kehren zu einem optimalen Nistplatz immer wieder zurück, oft über viele Jahre.

Aufgabenteilung

Schon im Spätwinter, gegen Ende Februar, besetzen die Männchen ihr Brutrevier. Anschließend beginnt die Balz unter eindrucksvolle Flugspielen und lauten „kikiki“-Rufen. Von nun an sind die Aufgaben unter dem Paar strikt getrennt. Das Weibchen legt ab April im Abstand von ein bis zwei Tagen bis zu sechs Eier lediglich in eine leichte Mulde, ohne Nistmaterial auf den Untergrund. Während sie das Gelege allein bebrütet, ist das Männchen für die Nahrungsbeschaffung seiner Partnerin zuständig.

Je nachdem, wo sich der Nistplatz befindet, können die Jagdgebiete des Turmfalken mehrere Kilometer entfernt sein – insbesondere dann, wenn sie in Großstädten brüten. Die Übergabe der Beute an die Partnerin findet an einem nahen, oftmals in Sichtweite gelegenen Futterplatz statt. Nach etwa 27 bis 32 Tagen Brutzeit und ca. 30 Tage nach dem Schlupf verlassen die jungen Turmfalken den Nistplatz, oft auch nacheinander. „Die flüggen Jungvögel werden nach dem Ausfliegen aus dem Nest noch etwa vier Wochen von den Altvögeln begleitet und gefüttert“, sagt Ornithologe Martin Grimm. „Danach verlassen sie die Brutreviere ihrer Eltern und streifen auf der Suche nach eigenen Revieren umher.“

Gegen den Wind

Während viele Greifvögel häufig im kraftsparenden Gleitflug durch die Luft segeln und mithilfe der Thermik so hoch aufsteigen, dass man sie mit bloßem Auge kaum noch sehen kann, fliegt der kleine Turmfalke selten höher, als seine Nistplätze liegen. Vielmehr fliegt er stetig mit konstantem Flügelschlag und sehr wenigen Gleitstrecken. Dafür ist er ein Meister des „Rüttelfluges“ – des Jagdfluges auf der Stelle. Keine andere heimische Vogelart rüttelt so häufig und so ausdauernd wie der Turmfalke. Für diese Flug- und Fangtechnik spielt der Gegenwind eine wichtige Rolle. Dieser greift ihm regelrecht unter die Flügel, die er schnell schlägt. Flügel und sein gefächerter Schwanz verschaffen ihm Auftrieb in der Luft, damit er an einem Punkt „stehen bleibt“. Sobald er eine Maus am Boden entdeckt hat, stürzt er sich mit den Fängen voran zu Boden. War der Nager jedoch schneller, steigt der Falke wieder hoch, schwenkt gegen den Wind ein und rüttelt schier unermüdlich weiter.

Gern gesehen

„Wer den Turmfalken kennt, weiß, daß er zu unsern nützlichsten Vögeln zählt und unsern Feldern nur zum Segen gereicht (…).“ Mit diesen Worten beschreibt der deutsche Zoologe und Schriftsteller Alfred Edmund Brehm (1829–1884) den heimischen Turmfalken. Tatsächlich wird er heute als „biologischer Schädlingsbekämpfer“ von Wühlund Feldmäusen ebenso wie der Mäusebussard geschätzt. Landwirte errichten für die Vögel gern Sitzwarten in Form von Ansitzstangen am Ackerrand oder in den Weinbergen.

Der Turmfalke nutzt diese besonders gern im Winter, denn dann ist die Jagd vom Ansitz aus für ihn viel kraftsparender als aus dem Rüttelflug. Auch Solitärbäume, Feldgehölze und Zaunpfähle dienen ihm als Ansitz.

Niedrige Vegetation

Als Charaktervogel strukturreicher Landschaften jagt der kleine Falke vornehmlich auf freien Flächen mit niedriger Vegetation, die ihn bei der Bodenjagd nicht behindert. Auch auf Äckern mit Feldgehölzen und Streuobstwiesen ist er unterwegs. Nur dichte Wälder, Hochgebirge und völlig baumlose Regionen meidet er. Sein Jagdrevier ist etwa 200 Hektar groß. Je nach Nahrungsangebot und Witterung kann es auch erweitert oder verschoben werden und sich mit dem von Nahrungskonkurrenten wie Mäusebussard oder Eulen überschneiden.

Mit Argusaugen

Vom frühen Morgen bis in die Dämmerung ist er auf der Jagd – etwa zwei bis vier Mäuse benötigt ein erwachsener Turmfalke am Tag als Nahrung.

Kleinnager machen rund 90 Prozent seiner Nahrung aus. Das liegt an seiner Fähigkeit, Teile des ultravioletten Lichtspektrums zu sehen. So sind seine Augen in der Lage, den Urin von Mäusen zu erkennen, der wiederum ultraviolettes Licht reflektiert. Mäuse markieren ihre Hauptwege regelmäßig – und frische Spuren kann der Turmfalke besonders deutlich sehen. Schon beim Überfliegen eines Feldes nimmt er wahr, wo die Nager leben. Hin und wieder streift er auch durch Parks oder Gärten und erbeutet einen Singvogel. Sind Mäuse rar, frisst er neben Kleinvögeln auch Eidechsen, Frösche und Insekten, insbesondere Heuschrecken und Käfer.

Falkenzahn

Im Gegensatz zu den eigentlichen Greifvögeln sind Falken sogenannte Bisstöter, die ihren Fang mit den Krallen packen und mit dem Schnabel durch einen Nackenbiss erlegen. Mithilfe ihres sogenannten Falkenzahns – eine Zacke, die sich beidseitig seitlich im Oberschnabel befindet – töten sie ihre Beute mit einem Biss.

Anschließend fliegen sie zu einem nahe liegenden erhöhten Platz, um diese mit dem Schnabel zu zerteilen und zu verschlingen. In der Speiseröhre und im Kropf werden die Fleischstücke zunächst durch schleimbildende Drüsen erweicht, bevor sie nach und nach weiter in den Magen wandern. Alle unverdaulichen oder zu großen Reste, wie Knochen, Fell, Federn oder Chitin, werden in Form von Gewölle an den Schlaf- oder Nistplätzen durch den Schnabel wieder ausgewürgt.

Heimische Arten

Der Turmfalke Falco tinnunculus gehört zur Familie der Falkenartigen Falconidae und ist mit Greifvögeln nicht näher verwandt (siehe Infotext rechts). Er brütet in weiten Teilen Eurasiens und Afrikas und ist die häufigste Falkenart in Mitteleuropa. Als Standvogel ist er in Deutschland nahezu flächendeckend verbreitet, wobei der Nordosten dünner von ihm besiedelt ist. Neben dem Turmfalken brüten hierzulande nur zwei weitere Falken: der Wander-und der Baumfalke. Andere europäische Falkenarten sind nur als Durchzügler und Rastvögel bei uns zu beobachten, vor allem während des Vogelzuges im Herbst und Frühjahr (siehe Übersicht Seite 159).

Ganzjähriger Standvogel

Das Zugverhalten von europäischen Turmfalken hängt stark von ihren Verbreitungsgebieten ab. Je südlicher diese liegen, desto häufiger sind sie Standvögel und ziehen nicht. Turmfalken aus Skandinavien und Nordosteuropa ziehen regelmäßig zum Herbst bis in den Mittelmeerraum.

Einige von ihnen überwintern auch hierzulande. Die in Deutschland lebenden Turmfalken bleiben in der Regel als Standvögel ganzjährig bei uns, sofern sie im Winter noch genügend Nahrung finden. Hin und wieder zieht auch nur ein Teil einer lokalen Population in klimatisch günstigere Regionen. Insbesondere die Altvögel verbleiben in der Regel in ihren Revieren, Jungvögel hingegen haben eine ausgeprägtere Wanderneigung.

„Der Turmfalk zählt unbestritten zu den liebenswürdigsten Falken.“

(Alfred Brehm 1829–1884, Zoologe und Schriftsteller)

FALKEN – GREIFVÖGEL ODER NICHT?

Evolutionär gesehen sind Falken nicht näher mit den eigentlichen Greifvögeln Accipitriformes verwandt. Da sie sich in ihrer Ernährungsweise und auch optisch ähneln, werden sie oftmals begrifflich zusammen genannt. Dennoch gibt es markante Unterschiede zwischen den Vogelordnungen. Die europäischen Falkenarten bauen beispielsweise keine eigenen Nester und erlegen ihre Beute durch einen Schnabelbiss in den Nacken oder Kopf. Falken sind sogenannte „Bisstöter“. Die eigentlichen Greifvögel sind hingegen „Grifftöter“, die mit ihren viel längeren und größeren Fängen ihre Beute schlagen. Dass die beiden Vogelordnungen auch genetisch nicht miteinander verwandt sind, ergaben neuere Untersuchungen an der Universität Heidelberg. „Es zeigte sich, dass sich Falken gemeinsame Vorfahren mit Papageien und Singvögeln teilen“, erläutert Prof. Dr. Michael Wink, bis 2019 Direktor am Institut für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie in Heidelberg. Diese Dreiergruppe aus Falken, Papageien und Sperlingsvögeln wurde durch genetische Untersuchungen als Verwandtschaftsgruppe bestätigt und bereits in allen aktuellen Übersichten über die Systematik der Vögel berücksichtigt. Wissenschaftlich werden sie als Eufalconimorphae bezeichnet. Erst seit rund 30 Jahren ist es überhaupt möglich, die Verwandtschaftsbeziehungen von Vögeln und anderen Organismen anhand von DNA-Analysen zu bestimmen.