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ALLES IM GRIFF


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Bike Bild - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 30.06.2022
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Bildquelle: Bike Bild, Ausgabe 3/2022

Die Wahl der Griffe und die Einstellung des Lenkers können beim Radfahren über Freud und Leid entscheiden

Kräftig in die Pedale treten, fest im Sattel sitzen und entspannt den Lenker greifen. So macht Radfahren Spaß. Damit Sie den Sport und die Landschaft währenddessen ausgiebig genießen können, dürfen Radtouren – ob kurz oder lang – keine Schmerzen verursachen. Nachdem wir uns im ersten Teil unserer Ergonomie-Serie mit dem Sitzbereich beschäftigt haben, geht es nun um den Oberkörper und die Handposition.

Um das Fahrrad sicher beherrschen zu können und um gesundheitliche Probleme zu vermeiden, benötigen Sie ein angemessenes, unverkrampftes Maß an Griffkraft. Dabei müssen Sie biomechanische und ergonomische Voraussetzungen beachten.

Man könnte meinen, der Oberkörper spiele im Vergleich zum unteren Teil des Körpers beim Fahrradfahren eine untergeordnete Rolle. Schließlich ist der Sitzbereich der Fixpunkt für die Kraftübertragung, die wiederum über Beine und Füße auf die Pedale wirkt. Aber für ...

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... beschwerdefreies und sicheres Radfahren sind die Haltung des Oberkörpers und die Kontaktstelle von Hand und Lenker keinesfalls weniger wichtig. Auch Schmerzen im Oberkörper können eine Radtour vermiesen.

Haltung des Oberkörpers

Ausgehend von der Sitzhöhe, geben Lenkerhöhe und -position die Neigung des Oberkörpers vor. Je nachdem auf welcher Art Fahrrad Sie sich fortbewegen, gibt es große Unterschiede: Die Rahmengeometrien von Holland- und Rennrad unterscheiden sich zum Beispiel extrem in Bereichen wie Abstand und Höhenniveau vom Lenker zum Sattel.

Auf dem sportlichen Modell sitzen Sie wegen des größeren Abstands und ebenso größeren Höhenunterschieds viel gestreckter. Infolgedessen ist Ihr Oberkörper auf dem Rennrad tiefer geneigt, der untere Rücken und die Arme sind gestreckter. Klar, die Kraftübertragung ist effizienter, und Sie verursachen weniger Luftwiderstand als auf dem Hollandrad. Letztlich müssen die Hände jedoch mehr Last auffangen, was zu Schmerzen führen kann. Im Umkehrschluss bedeutet das: Je aufrechter Sie sitzen, desto weniger Gewicht lastet auf Ihren Händen.

Trotz vermeintlich geringem Druck sind auch an Komfortlenkern von City- oder Trekkingbikes bei fehlerhafter Einstellung ernst zu nehmende Schäden möglich. Nerven, Bänder und Muskeln gilt es hier zu schützen.

Was tun bei tauben Händen?

Die Griffe sind, neben Pedalen und Sattel, eine der drei Kontaktstellen zwischen Fahrrad und Mensch. Insbesondere die anatomischen Eigenheiten der Hände mit den darin verlaufenden Nervenbahnen machen die optimale Griffwahl und -positionierung zu einer schwierigen Angelegenheit. Kommt es an empfindlichen Stellen zu einer übermäßigen Belastung, können Nervenbahnen gequetscht werden, wodurch Taubheitsgefühle in den Fingern entstehen. Um dem vorzubeugen, sollten Sie die zwei Nervenbahnen kennen, die für Sensibilität und Motorik der Finger entscheidend sind.

Entsteht ein zu hoher Druck an der Handaußenseite, wird die Versorgung des Ring- und des kleinen Fingers beeinträchtigt. Verantwortlich hierfür ist der an dieser Stelle verlaufende Ellennerv (Nervus ulnaris). „Da der maximale Druck beim Greifen des Lenkers meist an der Handaußenseite entsteht, hilft bei Taubheitsgefühlen ein weiter außen platzierter Flügel“, erklärt uns Max Holz, Laborleiter bei SQ Lab, Spezialist für ergonomische Fahrradkomponenten. Dieser entlaste den Nerv, indem die vergrößerte Auflagefläche zu einer wirksamen Druckverteilung an der Handaußenseite führe, sagt Holz. Aus diesem Grund sind die Enden einiger Lenkergriff-Modelle hochgezogen, um einen besseren Halt gewährleisten zu können.

Der zweite wichtige Nerv ist der Mittelarmnerv (Nervus medianus). Dieser verläuft durch den Karpaltunnel und versorgt Daumen-, Zeige- und Mittelfinger. Auch hier werden Gefühlsstörungen durch übermäßigen Druck auf den Nerv ausgelöst. Zudem kann ein überstrecktes Handgelenk dazu führen, dass Nerven, Sehnen und Blutgefäße in diesem Bereich komprimiert werden. Neben Taubheitsgefühlen in den Fingern kann dadurch auch ein Karpaltunnelsyndrom entstehen. Aufgrund dieser Probleme ist es wichtig, einen für die eigene Hand passenden Griff zu wählen, der die Last verteilt und so eingestellt ist, dass das Handgelenk nicht abknickt.

Positionierung des Flügels

In der Fahrradwelt sind Flügelgriffe nicht mehr wegzudenken – aus gutem Grund. Für Fahrräder mit aufrechtem Sitz bietet der richtige Flügelgriff aus ergonomischer Sicht ideale Voraussetzungen, um Taubheitsgefühle zu eliminieren und die Griffsicherheit zu verbessern. Überdies wird durch die Form das Handgelenk gestützt. Es gibt aber auch Risiken. Die korrekte Position des Flügels ist für schmerzfreies Fahren entscheidend. Liegt der Flü-gel so, dass er der Hand den Mittelarmnerv abschnürt, ist der Griff nicht für den Fahrer geeignet. Das Konzept ergonomischer Fahrradgriffe geht nur auf, wenn Sie die passende Griffweite haben. Neben dem Faktor Komfort ist dies auch für die Sicherheit entscheidend. Die Griffweite kann sich in Durchmesser, Länge und Form unterscheiden. Ihre Griffweite können Sie im Fachhandel oder mit einer Schablone zu Hause bestimmen.

Für die bestmögliche Einstellung des Flügelgriffs sollten Sie bei der Montage darauf achten, dass das Handgelenk beim Greifen nicht abknickt. Dafür bringen Sie die Griffe zunächst locker an. Setzen Sie sich aufs Rad und versuchen Sie, eine möglichst realitätsgetreue Oberkörperhaltung einzunehmen.

Umschließen Sie die Griffe mit den Händen. Sobald Sie den Punkt erreicht haben, an dem der Übergang von den Unterarmen zu den Händen möglichst gerade ist, schauen Sie, ob Sie die Bremsen noch gut erreichen können. Sollten Sie hierbei Schwierigkeiten haben, versuchen Sie, die Lenkereinstellung anzupassen. Wenn alles passt, ziehen Sie die Klemmung mit dem korrekten Drehmoment fest. Während der Fahrt sollten die Griffe keinesfalls verrutschen.

Sportliche Griffe Natürlich können auch Fahrradgriffe ohne Flügel ergonomisch sein. SQ Labs 70X-Griffmodell verfügt über eine leicht eckige Griffunterseite. „Die Finger haben dadurch optimalen Halt und rutschen nicht ab“, erklärt Max Holz. Für eine komfortable Handhabung verfügt die Auflagefläche zudem über Dämpfungsmaterial an geeigneten Stellen. So werden auch hier Druckspitzen reduziert. Anders als bei Flügelgriffen ist die Auflagefläche bei Rundgriffen kleiner, damit man sie fest umschließen kann und die Griffe etwas leichter sind. Weniger ergonomisch geformte Griffe kommen aufgrund von Fahrdynamik und Gewicht eher an sportlichen Fahrrädern wie Mountainbikes zum Einsatz.

Sofern sich mit zunehmender Fahrtzeit eine Ermüdung in den Unterarmen bemerkbar macht, kann dies auf eine ungünstige Form zurückzuführen sein. „Um Probleme zu vermeiden, testen wir vor der Produktion mittels EMG (Elektromyografie) die jeweilige Muskelaktivität in den Unterarmen“, erklärt Simon Schumacher vom Komponentenhersteller Ergon. So werde sichergestellt, dass Muskulatur und Nerven nicht übermäßig beansprucht würden. Auch der Härtegrad spiele eine entscheidende Rolle für die benötigte Griffkraft. Ein weiches Material könne zwar zunächst angenehm erscheinen, aber, so Schumacher, je weicher der Griff sei, desto fester müsse zugepackt werden. Auf lange Sicht sei das suboptimal.

Einstellung der Griffweite

Die Distanz zwischen Sattel und Lenker gibt vor, wie gestreckt der Fahrer auf dem Rad sitzt. Die entscheidende Kennziffer für die Entfernung zum Griff ist der sogenannte Reach, der Abstand von der Tretlagermitte zur Oberkante des Steuerrohrs. Neben der Geometrie des Rahmens ist auch die Bauweise des Lenkers sowie dessen Einstellung wichtig für die Erreichbarkeit. Dabei gibt es einige Begriffe, die Sie für die richtige Lenkerwahl kennen sollten.

Der Backsweep beispielsweise bezeichnet den Winkel, in dem der Lenker nach hinten Richtung Sattel geschwungen ist. Beträgt dieser zwischen fünf und acht Grad, kann das zwar eine optimal angewinkelte Ellenbogenposition ergeben, zumeist führt dies aber auch zu einer hohen Belastung der Handgelenke. „Um einen geraden Übergang von den Unterarmen zu den Händen gewährleisten zu können, haben SQ Lab-Lenker daher einen Backsweep zwischen zwölf und 16 Grad“, führt Max Holz weiter aus.

Der sogenannte Rise gibt die Erhöhung der Lenkerenden im Vergleich zum Vorbau an. Häufig liegt Der Oberkörper-Arm-Winkel sollte beim Trekking-Rad zwischen 70 und 90 Grad betragen dieser Wert zwischen 0 und 30 Millimetern. Auch der Up- oder Downsweep gibt Aufschluss über die Biegung des Lenkers in der Vertikalen. Beim Upund Downsweep geht die Biegung vom Vorbau aus. Anders als beim Rise schließt diese jedoch an den Griffinnenseiten ab. Eine negative, also nach unten gerichtete Biegung geht mit einer aerodynamischeren Haltung einher, die zudem zur Entlastung der Schultern führen kann.

Im Rennradbereich wird der Abstand zwischen Ober- und Unterlenker durch den Drop angegeben. Der Flare wiederum gibt an, ob die Enden des Unterlenkers breiter ausgestellt sind als die Bremsgriffe. Aufgrund der besseren Kontrolle im Gelände sind Flare-Lenker in der Regel an Gravelbikes montiert.

Auch die generelle Breite eines Lenkers ist für Sicherheit und Ergonomie von Relevanz. Beachten Sie: Ein breiter Lenker führt zwar zu mehr Kontrolle, da der Lenkhebel größer ist. Doch die Breite muss in erster Linie auch zum Fahrer passen. Bei geringer Schulterbreite kann ein zu breiter Lenker unbequem sein und zu Schulter-, Nacken- und Armschmerzen führen.

Viele Lenker lassen sich auch über den Vorbau in Höhe und Neigung einstellen. Nutzen Sie diese Möglichkeit, oftmals kann schon eine kleine Veränderung am Lenker Verspannungen und Schmerzen lindern. Bei Rennrädern sind zudem die Spacer am Schaft einstellbar, so ist die Lenkerhöhe über die Vorbau-Klemmung nach unten und oben korrigierbar. Tipp: Sollte der Lenker schon in der höchsten Einstellung sein, können Sie den Vorbau umdrehen. Da diese zumeist werkseitig im negativen Winkel zum Lenker stehen, erhöht dies die Lenkerposition. Sollte Sie die Distanz zum Lenker stören, kann ein kürzerer oder längerer Vorbau Abhilfe schaffen. Vorausgesetzt, die Geometrie des Rahmens passt grundsätzlich zu Ihnen.

Entlastung des Oberkörpers

Bei einem klassischen Rennradlenker gibt es drei Griffpunkte, zwischen denen gewechselt werden kann: am Oberlenker (horizontal), an den Schaltgriffen und im Unterlenker. Variierende Hand- und Armhaltungen sorgen nicht nur für Entlastung an den Händen, sondern auch für Entspannung im Oberkörper und Rücken. Für lange Touren und

Wettkämpfe ist dies elementar, um je nach Fahrsituation von einer gestreckten Rennposition in eine entlastende Körperhaltung übergehen zu können. Insbesondere auf längeren Ausfahrten verspüren auch Fahrer gerader Lenker den Wunsch nach Veränderung der Hand- und Oberkörperhaltung. Mehrere Hersteller kommen diesem Wunsch mit speziellen Produkten nach.

Eine mögliche Lösung dieses Problems gibt es von Ergon: Sogenannte Barends erweitern die Grifffläche über die Außenseite an den Endkappen nach oben. Sie erlauben eine ähnliche Griffvariation wie beim Rennlenker und einen geraden Übergang vom Unterarm zur Hand, erläutert Ergon-Experte Schumacher. Dadurch würden die Handgelenke geschont und taube Finger ausgeschlossen. Außerdem werde so während der Fahrt der Brustraum geweitet.

Hersteller SQ Lab bietet solche zusätzlichen Hörnchen ebenfalls an, allerdings für die Griffinnenseite. Wie bei den Outerbarends ermöglichen auch die Innerbarends eine zusätzliche Griffposition ohne abknickendes Handgelenk. Hier führt die Erweiterung zusätzlich zu einer verbesserten Aerodynamik. Die Körperoberfläche wird aufgrund der Ellenbogenstellung verringert. Laut SQ Lab ließen sich so durchschnittlich fünf Prozent Kraft einsparen. Durch die Position der Innerbarends sei zudem eine schnelle Erreichbarkeit der Bremshebel sichergestellt.

„JEDER GRIFF WIRD VORAB PER DRUCK-MESSUNG GEPRÜFT.

Zusätzliche Schutzschicht

Geometrie, Komponentenwahl, Einstellung von Rahmen, Lenker und Griffen – Sie haben alles angepasst und immer noch Probleme an den Händen und im oberen oder unteren Rücken? Probieren Sie es mit passenden Handschuhen für Rennräder, Touren- oder Mountainbikes.

Handschuhe schützen unsere Hände nicht nur bei niedrigen Temperaturen vor Kälte. Im Radsport werden sie eingesetzt, um Vibrationen zu dämpfen, Reibung zu minimieren und optimalen Grip zu bieten. Zusätzlich schützt ein Handschuh noch vor Abschürfungen bei Stürzen.

Vergleichbar ist dieser Effekt mit einer Polster-Trägerhose: Handschuhe mit entsprechenden Dämpfungseinlagen aus Gel oder Schaumstoff minimieren die Übertragung der Schläge vom Lenkergriff beziehungsweise mildern diese ab. Insbesondere bei Fahrten in ruppigem Gelände schützen gute Radhandschuhe Hände und Handgelenke. Werden die Hände von Mountainbikern auf dem Trail oder die von Rennradfahrern bei der Abfahrt stark gefordert, lassen sich zudem Scheuerstellen, Blasen und Druckstellen an den Handinnenseiten vermeiden. Auch ein guter Handschuh kann dazu beitragen, Schmerzen an den Händen zu verhindern.

Franziska Schwenk