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Alles Roger


Donna - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 07.07.2021

Life Stories

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Der Löwe: 2018 fotografiert für das Cover des Time- Magazins

„Roger Federer hat viele Fans – aber ich bin ein Groupie“

ANNA WINTOUR

EEs gibt Tage, da stresst man sich durchs Leben , hetzt, trifft tausendLeute und fühlt sich wie eine Topmanagerin. Abends ist man ausgelaugt, keine Lust mehr zu reden, keine Lust auf TV-Gerede, trotzdem schaltet man ein. Und mit Glück erwischt man ein Spiel mit Roger Federer und sieht ihm dabei zu, wie er mühelos und effizient zugleich den Schläger schwingt. Das kommt so lässig rüber, als spiele er gerade Federball mit seinen Kids. Doch dann schießt der Ball mit 200 Stundenkilometern in die äußerste Ecke des Courts, wo ihn sein Gegner garantiert nicht mehr erwischt. Oder er tröpfelt langsam über das Netz und fällt genau da zu Boden, wo der Ballzauberer ihn haben wollte. Federer zu zuschauen ist entspannend und inspirierend zugleich. So, als würde man am Meer liegen, die Wellen beobachten und ab und zu ein paar Seiten ...

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... in einem tollen Roman lesen. Die Raffinesse seines Spiels, die Schönheit seiner Bewegungen trösten, erfrischen, beflügeln.

Im August wird der Mann 40, für Spitzensportler ein fast biblisches Alter. Klar, man könnte jetzt so was Dämliches sagen wie: „Na ja, der Typ hat sich fantastisch gehalten.“ Doch solche gönnerhaften Floskeln werden dem Schweizer, der als bester Tennisspieler aller Zeiten gilt, ganz sicher nicht gerecht. Natürlich sieht er klasse aus, lange Beine, geschmeidiger Body, schöne Haare, die er zum Glück nicht undercutmäßig abrasiert. Doch davon abgesehen, dass er als Spitzensportler einem massiven körperlichen Verschleiß ausgesetzt ist, sodass man von „gut gehalten“ sicher nicht reden kann, geht seine Attraktivität weit über physische Maßstäbe hinaus. Früher fluchte und brüllte er laut auf dem Platz, einmal zertrümmerte er seinen Schläger. Heute wirkt er mental ausbalanciert, in sich ruhend. Verliert er mal ein Match, ärgert er sich kurz, doch dann breitet sich wieder dieses sonnige Federer-Lächeln auf seinem Gesicht aus, das zu sagen scheint: „Na ja, was soll’s? Ist nur Tennis. Und überhaupt, so wichtig bin ich auch wieder nicht.“ Diese Mischung aus atemberaubender Ballartistik, Tiefenentspannung und Heiterkeit macht seine Ausstrahlung aus.

Diese mentale Reife musste er sich aber erst antrainieren. Nach dem Schläger-Desaster habe er sich gesagt: „Schluss damit. Die Zuschauer, meine Eltern, meine Freunde, meine Coaches, alle sehen mich an und denken: ‚Bist du nicht mehr ganz dicht?‘“ Er lässt sich von Psychologen beraten. „Es hat zwei Jahre gedauert, bis ich wusste, was ich tun muss, um nicht zu gleichgültig, aber auch nicht immer auf 180 zu sein. Ich habe das fire and ice genannt. Das Feuer treibt mich an, das Eis hilft, Punktverluste und Niederlagen leichter wegzustecken.“ Spätestens an dieser Stelle könnte man sich über die zahllosen Auszeichnungen und Titel auslassen, die der Mann abräumte. Nur so viel: Er gewann 20 Grand-Slam-Titel, 103 Titel auf der ATP Tour, 310 Wochen führte er die Weltrangliste an, fünfmal – so oft wie kein anderer Sportler – wurde er zum Weltsportler des Jahres gewählt. Laut dem US-Finanzmagazin Forbes war er 2020 mit einem Jahresverdienst von 106 Millionen Dollar der bestverdienende Sportler der Welt, vor Cristiano Ronaldo, Lionel Messi und Tiger Woods. Doch spannender als diese Superlative ist die Frage, warum gerade Federer – und nicht die aktuell erfolgreicheren Tennisstars Rafael Nadal und Novak Djoković – seit Jahrzehnten Sponsoren-und Publikumsliebling ist. Um sich diesem Phänomen anzunähern, muss man weit zurückgehen. „Schon als kleines Kind habe ich davon geträumt, Wimbledon zu gewinnen.“ Der gebürtige Basler, Sohn einer Südafrikanerin und eines Schweizers, will nichts so sehr, wie Tennisprofi werden. Die Eltern sind dagegen, sie gehören nicht zu jenen Ehrgeiz-Gespannen. Doch Roger setzt sich durch, bricht die Schule ab, wird schnell die Welt-Nummer-Eins der Junioren und gewinnt mit 21 zum ersten Mal Wimbledon. Gerade weil er nicht fremdbestimmt ist, sondern seinen ureigenen Träumen folgt, arbeitet er hart an sich, intelligenter und kompromissloser als viele andere. Zudem trainiert er seine Qualitäten als Showman: „Tennisspielen vor Publikum ist wie Schauspielen im Theater.“ Zu seinen größten Fans gehören Vogue-Chefin Anna Wintour und der verstorbene US-Schriftsteller David Foster Wallace, der in einem Essay schwärmte, Federer live in Wimbledon zu erleben sei eine „religiöse Erfahrung“. Seine Ballkunst trage überirdische Züge: „Die metaphysische Erklärung ist, dass Roger Federer zu den seltenen und außergewöhnlichen Sportlern gehört, für die bestimmte Naturgesetze nicht zu gelten scheinen. Ähnlich wie bei dem Basketballspieler Michael Jordan, der nicht nur unmenschlich hoch springen, sondern sich länger in der Luft halten konnte, als es die Schwerkraft eigentlich erlaubt.“

Die mentale Reife hat er sich antrainiert

„Mein wichtigster Moment? Der erste Wimbledon-Sieg!“

ROGER FEDERER

Einmal sinnierte Roger Federer darüber, welches der schönste Moment in seinem Leben gewesen sei. Andere hätten gesagt: „Als ich mich in meine Frau verliebt habe.“ Oder: „Die Geburt meiner Kinder.“ Er: „Mein erster Wimbledon-Sieg.“ Gar nicht einfach, mit einem Mann verheiratet zu sein, für den der Beruf die größte Leidenschaft ist. Die Partnerin muss schon vom Fach sein, um seine Besessenheit zu verstehen. So wie Mirka Vavrinec, 43, seit zwölf Jahren ist Federer mit der ehemaligen Tennisspielerin verheiratet. Das Paar hat vier Kinder, zweimal Zwillinge, und lebt in Dubai, Valbella und am Zürichsee. Zuletzt war er öfter daheim als sonst, die Pandemie, auch das linke Knie macht Probleme. Andere Tennisstars hören spätestens mit Mitte 30 auf, Federer wird womöglich so lange spielen, wie sein Körper ihn lässt. Es gibt Menschen, die orakeln, er drohe, vom Superhelden zur tragischen Figur abzustürzen, weil er nicht loslassen könne. Doch man kann es auch andersrum sehen: Eine Legende wie Roger Federer kann sich so ziemlich alles erlauben. Er darf Bälle verhauen, Spiele verlieren. Hauptsache, er steht auf dem Court und zaubert noch ein bisschen weiter.

„Roger Federer live zu erleben ist wie eine religiöse Erfahrung“

DAVID FOSTER WALLACE