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Alles über St. Andrews und das älteste Major der Golfwelt


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GOLF MAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 70/2022 vom 20.06.2022

VORSCHAU 150. OPEN CHAMPIONSHIP

Artikelbild für den Artikel "Alles über St. Andrews und das älteste Major der Golfwelt" aus der Ausgabe 70/2022 von GOLF MAGAZIN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: GOLF MAGAZIN, Ausgabe 70/2022

Ein standesgemäßer Ort: Die 150. Open Championship findet natürlich in St. Andrews statt, obwohl die allererste Open eben nicht dort ausgetragen wurde – dazu gleich mehr. Als Favoriten bei Experten und Buchmachern gelten Scottie Scheffler und Jon Rahm. Nicht nur, weil sie die Nummer eins und zwei der Welt sind, sondern weil sie auch bewiesen haben, unter dem größten Druck besonders stark aufzuspielen. Angesichts der Bedeutung dieses Jubiläumsturniers – und der fast 300.000 Zuschauer, die erwartet werden – ist Druckresistenz ein entscheidender Faktor. Oder kann Tiger Woods mit all seiner Erfahrung den ganz großen Coup landen? Wie bei (fast) jeder British Open wird alles auch ein wenig vom Wetter abhängen. Steigern wir unsere Vorfreude mit den schönsten Storys aus der langen Open-Geschichte, die 1860 begann.

Der Start war ganz woanders

Der Wind wehte nur mäßig, und die ...

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... Wellen der Irischen See warfen sich eher gelangweilt an die schottische Westküste. Am ersten Tee des Golfplatzes von Prestwick standen acht Golfer versammelt, von denen vermutlich keiner ahnte, dass sie drauf und dran waren, Sportgeschichte zu schreiben. Im Gegenteil: Es darf angenommen werden, dass die Professionals, die damals ihr Geld ausschließlich mit sogenannten Money Matches verdienten, eher widerwillig angetreten waren, um an diesem 17. Oktober 1860 ihren Champion auszuspielen. Drei Runden an einem Tag waren auf dem Zwölf-Löcher-Platz angesetzt, und der Gewinner sollte nicht einmal ein Preisgeld bekommen, sondern lediglich einen nur mäßig hübschen Gürtel aus rotem Leder mit silberner Schnalle.

Old Tom Morris aus St. Andrews galt als Favorit, schließlich hatte er den Platz entworfen und war außerdem der hiesige Clubprofessional (offizieller Titel: »Keeper of the Green, Ball and Club Maker«). Doch an jenem Tag war Willie Park Senior besser. Er benötigte 174 Schläge auf den 36 Löchern, zwei weniger als der mächtige Morris. Park wurde der erste Open-Champion. Den Zeitungen war Parks Sieg nur eine Randnotiz wert. Immerhin nahm man erstaunt zur Kenntnis, dass Tom Morris verloren hatte, denn der war auch schon zur damaligen Zeit eine Berühmtheit. Möglicherweise entfachte erst Morris’ Niederlage ein gewisses Interesse an dem skurrilen Zusammentreffen in Prestwick. Im Jahr darauf fand die zweite Open Championship statt. Diesmal waren 18 Spieler am Start, zehn Professionals und acht Amateure. Die Scores sind nur bruchstückhaft überliefert, aber nun setzte sich der Favorit durch: Morris gewann mit vier Schlägen Vorsprung vor Park.

Überhaupt ist die frühe Geschichte der British Open die Geschichte zweier großer Golfdynastien: Auf der einen Seite Old Tom Morris und sein Sohn Young Tom Morris (acht Titel), auf der anderen Seite Willie Park mit Bruder Mungo und Sohn Willie Park Junior (sieben Titel). Vater und Sohn Morris waren die ersten Superstars der Golfwelt. Der Sohn siegte bei der Open 1868, 1869, 1870 und 1872 (1871 fand kein Turnier statt). Bis heute konnte niemand den Titel vier Mal hintereinander gewinnen. 1868, als 18-Jähriger, schlug der junge Tom das erste Ass der Open-Geschichte an Loch 8 von Prestwick, und 1869 wurde der

Vater hinter dem Sohn Zweiter. Nach seinem Titel-Hattrick durfte der Junior den Championship-Gürtel behalten; 1872 stemmte er, wenn auch mit ein paar Wochen Verspätung, das erste Mal die Claret Jug in die Höhe, die berühmte Silberkanne.

Allmählich kam die Sache in Schwung, vor allem, nachdem die Open 1873 erstmals in St. Andrews ausgespielt wurde, einer auch im 19. Jahrhundert bereits golfverrückten Stadt. Die besten Golfer des Landes, alle bei einem Turnier gegeneinander, eine echte Meisterschaft: Wie bei so vielen großen Ideen fragt man sich hinterher, warum denn niemand bloß früher darauf gekommen war. Die Zuschauerzahlen sind nicht überliefert, aber nach historischen Fotografien kann geschätzt werden, dass zumindest ab etwa 1875 zehntausende Golffans zur Championship pilgerten; sicher auch ein Verdienst der Strahlkraft von Old und Young Tom Morris. Allmählich stieg das Preisgeld: Seit 1864 gab es für den Sieger sechs Pfund, selbst nach damaliger Kaufkraft ein karger Lohn. Ab 1876 kletterte der Siegerscheck auf 10, 1893 auf 30 Pfund. Viel Geld war das immer noch nicht, aber der Sieger konnte seinen Titel stets bei anschließenden Schauauftritten versilbern. Ein Open-Champion durfte auf hohe Antrittsprämien hoffen.

Erst 1907 triumphierte mit dem Franzosen Arnaud Massy der erste Nicht-Brite, 1921 konnte Jock Hutchison als erster US-Amerikaner den Titel gewinnen. Im Jahr darauf wurde in Royal Liverpool mit Walter Hagen der erste Star der neuen Ära zum Open-Champion gekürt. Hagen und Bobby Jones dominierten den Golfsport nicht nur in den USA, sondern auch in Britannien und gewannen in den folgenden Jahren sieben Open-Titel diesseits des Atlantiks.

Bobby Jones, der Gentleman-Golfer, sollte sogar zum Ehrenbürger von St. Andrews werden, dabei begann sein Open-Abenteuer auf dem ganz falschen Fuß: Bei seiner ersten Teilnahme auf dem Old Course nahm er wutentbrannt an Loch 12 seinen Ball auf, warf die Scorekarte weg und stapfte ins Clubhaus. Die britische Presse zerriss den »Schnösel aus Übersee«. Erst allmählich verliebte sich Bobby Jones in Links-Golf, und bald wurde er zum populärsten Spieler seit Old Tom Morris. Als er einmal unangekündigt auf dem Old Course spielte, sprach sich die Neuigkeit in Minutenschnelle in der Stadt herum, und schon an Bahn 2 applaudierten ihm tausende ergebene Fans. Jones bedankte sich viel später auf anrührende Weise. Bei seiner Rede zum Erhalt der Ehrenbürger-Würde sagte er einen Satz, der Golfgeschichte schrieb: »Selbst wenn man mir mein gesamtes Leben wegnähme und mir nur die Zeit in St. Andrews ließe, hätte ich dennoch ein erfülltes Leben gehabt.«

Club ohne Platz, Platz ohne Club

Der Old Course von St. Andrews ist aus deutscher Sicht ein kurioses Konstrukt. Denn er gehört keinem Club, sondern den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt. Es ist gewissermaßen eine öffentliche Parkanlage, die tatsächlich auch (fast) jeden Sonntag – dann ist spielfrei – von den Menschen zum Spazierengehen benutzt wird. Um die Pflege und Verwaltung kümmert sich der St Andrews Links Trust, eine gemeinnützige Stiftung. Und der Royal & Ancient Golf Club, der berühmteste Club der Welt und sogar, gemeinsam mit der USGA, oberster Regelhüter unseres Sports, ist zwar direkt am Old Course angesiedelt, ist aber faktisch ein Club ohne Platz. Das ist in Großbritannien und Irland durchaus keine Seltenheit. »Clubs« gründen sich und schließen Abmachungen, um auf bestimmten »Courses« spielen zu dürfen.

Der Langer-Eklat

Apropos Bernhard Langer: 1988 war es ausgerechnet die British Open, bei der er unfreiwillig seine Yips einer Weltöffentlichkeit präsentierte. Auf dem 17. Grün benötigte er fünf Putts und kam mit einer 80 ins Clubhaus. Während zunächst nur die Eingeweihten getuschelt hatten, gab es nun dicke Schlagzeilen in der englischen Presse, die noch nie für ihre Feinfühligkeit bekannt war.

Und bei der Open 1985 trug Langer erstmals einen Pullover seines neuen Ausrüsters. Auf dem Rücken stand in Großbuchstaben der nicht sehr dezente Schriftzug »BOSS«. Der R&A und auch die BBC waren not amused und drohten damit, Langer im Wiederholungsfall von den Bildschirmen zu verbannen.

Abstieg und Aufstieg

Im Jahr 1951 gewann der Engländer Max Faulkner die Claret Jug sowie 300 Pfund Preisgeld, und selbst Golfverrückte dürften Schwierigkeiten haben, irgendwelche bekannte Namen in der Teilnehmerliste des Turniers zu entdecken. Nur als Beispiel: Die Zweit- und Drittplatzierten hießen Antonio Cerdá und Charlie Ward.

Die British Open waren damals weit davon entfernt, als Major-Turnier ernst genommen zu werden, und möglicherweise wären sie bald ein zwar traditionsreiches, aber letztlich ganz gewöhnliches nationales Open-Turnier wie die French Open oder Irish Open geworden. Das änderte sich 1953, als Ben Hogan nach Carnoustie kam und gewann – obwohl die Europäer damals noch mit einem kleineren Ball spielten und Hogan sich umgewöhnen musste. Zwar würde Hogan nie mehr in die wurmstichigen Betten zurückkehren, aber er brachte mit seinem Sieg die British Open wieder ins Bewusstsein der Golffans. Endgültig zurück in den Kreis der Großen kam die Open 1960, bei der Arnold Palmer in St. Andrews antrat und um einen Schlag verlor. »Ich komme zurück, bis ich dieses Turnier gewinne«, sagte er anschließend vor der jubelnden Menge. Im darauffolgenden Jahr in Royal Birkdale klappte es. Ein Jahr später waren neben Palmer Stars wie Sam Snead nach Großbritannien gereist, und auch die US-Presse erkannte die Open als ein Major-Turnier an.

The Claret Jug: Die berühmteste Trophäe der Golfwelt

Die ersten Open-Sieger schmückten sich wie Boxer mit einem Championship-Gürtel aus rotem Leder mit silberner Schnalle. Als Young Tom Morris die Open zum dritten Mal hintereinander gewann, durfte er den Gürtel behalten; eine neue Trophäe musste her, was so lange dauerte, dass die Open 1871 ausfiel. Die Silberschmiede Mackay Cunningham & Company aus Edinburgh fertigte eine Kanne an. Kosten: 30 Pfund. Weil aber die Open 1872 erst in letzter Minute zustande kamen, wurde die Kanne nicht rechtzeitig zu Young Tom Morris’ vierten Sieg fertig – dennoch ist sein Name als erster eingraviert.

Kein Champion darf die Claret Jug länger als ein Jahr behalten, und die eigentliche Kanne geht nicht mit auf Reisen, schließlich ist sie eine der ältesten Trophäen der Sportgeschichte. Der Spieler bekommt ein baugleiches Replikat, das er vor dem nächsten Open-Turnier zurückgeben muss. Er darf sich aber auf eigene Kosten bis zu fünf Claret Jugs in einem kleineren Maßstab anfertigen lassen.

Der Graveur muss fix arbeiten, denn der Open-Champion erhält die Silberkanne bereits bei der Siegerehrung mit seinem verewigten Namen. Eine beliebte Spekulation ist, wann die Gravurarbeiten in der Schlussrunde anfangen. So soll der Graveur 1999 angeblich bereits mit »Jean Van de Velde« begonnen haben, als der Franzose noch auf der Schlussbahn war. Und als Mark Calcavecchia 1989 die Open gewann, hat er als Erstes gesagt: »Wie um alles in der Welt wollen die meinen Namen auf das Ding bekommen?«

Tom Watson gewann 1982 die Open in Carnoustie. Da kein Sieger das unschätzbare Original bekommt, nahm er die Kopie der Claret Jug heim nach Kansas. Als er 1983 nach Birkdale zurückkehrte, berichtete er den R&A-Verantwortlichen von einem kleinen Missgeschick: Bei einem Probeschwung im Wohnzimmer habe er aus Versehen die Kopie getroffen, die daraufhin zu Boden gestürzt sei und eine kleine Beule davon getragen habe. Er wollte die Silberkanne zunächst zu einem Juwelier bringen, um den Schaden zu reparieren, legte aber schließlich selbst Hand an und besserte die Beule im eigenen Hobbykeller aus. Als die R&A-Oberen die reparierte Stelle begutachteten, bekamen sie fast einen Herzinfarkt: Man hatte Watson das Original statt der Kopie mitgegeben! Wie das geschehen konnte und warum das ein Jahr lang niemand bemerkt hatte, ist bis heute unklar.

Denkwürdige Open-Momente

1869: Young Tom Morris gewinnt die Open in Prestwick vor seinem Vater, der Zweiter wird.

1930: Bobby Jones gewinnt nach der British Amateur Championship auch die Open in St. Andrews und wird später im Jahr den Grand Slam holen.

1953: Ben Hogan zähmt bei seinem ersten und einzigen Auftritt in Schottland die Bestie von Carnoustie.

1977: Beim »Duell unter der Sonne« setzt sich Tom Watson in Turnberry gegen Jack Nicklaus durch.

1999: Jean Van de Velde bricht trotz drei Schlägen Vorsprung auf der Schlussbahn von Carnoustie ein; die Open werden in verheerendem Wetter zum Überlebenstraining.

2007: Im Stechen setzt sich Padraig Harrington gegen Sergio García in Carnoustie durch und sorgt für den ersten Major-Triumph eines Europäers nach zehnjähriger Durststrecke.

2009: Tom Watson ist mit fast 60 Jahren in Turnberry nur einen Zwei-Meter-Putt von seinem sechsten Open-Sieg entfernt.

2016: Im hochklassigsten Schlussduell der Open-Geschichte setzt sich Henrik Stenson (63 Schläge) in Royal Troon gegen Phil Mickelson (65 Schläge) durch.

2017: Jordan Spieth gewinnt die Open in Royal Birkdale mit einem Fabelschlag von der Driving Range aus.

»Open Championship« oder »British Open«?

Die ewige Streitfrage! Briten reagieren pikiert, wenn Ausländer die Open Championship »British Open« nennen. Aber Sprache ist dazu da, Klarheit zu schaffen. Deswegen ist es gestattet, auch traditionsreiche Eigennamen abzuwandeln. Und weil es nun einmal die US Open, die French Open und die Irish Open gibt, ist es völlig in Ordnung, von der British Open zu sprechen. Wir sprechen ja auch vom »Wimbledon-Sieger« Boris Becker und nicht vom »Lawn Tennis Champions«-Sieger Boris Becker. Und wir bestehen umgekehrt auch nicht darauf, dass sich die Briten in jeder Nachrichtensendung an dem konsonantenreichen Wortungetüm »Bundesrepublik Deutschland« versuchen: Wir können gut mit »Germany« leben. Klar, dass die Marketing-Verantwortlichen der Open Championship auf ihr »The Open« pochen, aber gemein machen muss man sich mit diesem Werbetrick wahrlich nicht. Und wem das immer noch nicht reicht: Es existieren Filmaufnahmen aus den 1960er-Jahren, in denen die R&A-Verantwortlichen bei der Siegerehrung ebenfalls von der »British Open« reden.

Shocking! Ein letztes Detail für alle, die es ganz genau nehmen wollen: Im Englischen wird St Andrews ohne Punkt hinter dem St. geschrieben.

Der Star, den keiner kennt

Peter Thomson gewann fünf Mal die Open, außerdem siegte er noch 26-Mal auf der European Tour und 34-mal auf der Australasian Tour, später elf Mal auf der Champions Tour. Warum der Australier so unbekannt blieb, obwohl er doch in einem Atemzug mit Arnold Palmer und Gary Player genannt werden müsste? Seine sportlichen Erfolge kamen wenige Jahre zu früh. Erst kurz danach begannen die TV-Übertragungen der Turniere, zudem war die British Open erst in den Sechzigerjahren für US-Spieler (und US-Fernsehsender) von Bedeutung, weil sich die Reise bis dato finanziell nicht lohnte, denn selbst ein Sieg hätte die Spesen nicht gedeckt; dazu kam der kleinere Ball, mit dem damals in Europa gespielt wurde. Kaum ein US-Star wollte sich die Mühe machen, sich für ein Turnier, das dazu noch abenteuerlich schlecht dotiert war, umzustellen. Bei seinem letzten Sieg 1965 in Birkdale konnte Thomson allerdings ein Weltklassefeld um Jack Nicklaus, Arnold Palmer und Tony Lema schlagen, damals die drei Führenden der US-Geldrangliste. Peter Thomson hat es aber nie bereut, der beste unbekannte Golfer des 20. Jahrhunderts zu sein. Er arbeitete bis zu seinem Tod 2018 in seiner Heimat Australien als Sportjournalist und entwarf zudem mehr als 100 Plätze.

Dreist wie Maurice Flitcroft

Maurice Flitcroft bezeichnete sich selbst als »Phantom der Open«. Zwei Mal gelang es dem kettenrauchenden Kranfahrer aus dem englischen Barrow-in-Furness, sich ins Qualifikationsfeld des wichtigsten Golfturniers der Welt zu schleichen.

1976 begann er die Runde mit einer 11 am ersten und einer 12 am zweiten Loch. »Am Anfang war ich etwas verkrampft«, sagte er später, »am Ende habe ich mich dann in den Griff gekriegt.« Auf den ersten Neun spielte er eine 61, auf den zweiten Neun eine 60, insgesamt eine 121 und damit 49 über Par, das höchste jemals notierte Ergebnis einer British-Open-Qualifikation. Als ein Reporter danach Flitcrofts Mutter anrief und sagte: »Es ist wegen ihrem Sohn und der Open«, da antwortete sie – Selbstüberschätzung liegt eindeutig in den Genen –: »Oh, hat er gewonnen?« Als sie mit der herben Wahrheit konfrontiert wurde, blieb sie loyal, wie es nur Mütter können: »Na, irgendwo muss er ja anfangen, nicht wahr?«

1990 schaffte es Flitcroft erneut in ein Qualifikationsturnier der Open, diesmal unter dem französischen Pseudonym Jean Beau Jolley. Als er nach zwei Löchern 3 über Par lag (immerhin eine Verbesserung gegenüber 1976), wurde er von Offiziellen vom Platz geleitet. »Ich habe mich nicht optimal aufgewärmt«, entschuldigte er sich.

In Britannien schätzt man skurrile Gestalten; er wurde eine Art Star und bekam den Spitznamen »Don Quijote mit dem Neuner-Eisen«. Ein Club veranstaltete mehrere Jahre lang ein »Flitcroft Invitational«-Gauditurnier, bei dem Mulligans erlaubt waren, ein Loch einen Durchmesser von 30 Zentimetern hatte und an einem Grün sogar zwei Lochpositionen gesteckt waren, damit auch die schlechteste Annäherung noch die Chance auf ein Par hatte. Einmal wurde der ältliche Flitcroft mit seiner Frau zu dem Turnier eingeladen. »Das ist das erste Mal, dass wir gemeinsam das Haus verlassen, seit der Gasofen in unserer Küche explodiert ist«, gab er zu Protokoll – und spielte immerhin eine 92.

Der letzte Satz gehört dem Meister, der im Jahr 2007 verstarb: »Ich wollte reich und berühmt werden. Ich habe nur eines von beiden geschafft.«

Die ausgefallenen Open-Jahre

1871: Kein Turnier, weil Young Tom Morris nach drei Siegen den Championship Belt behalten durfte und kein Geldgeber für eine neue Trophäe gefunden wurde.

1915-1919: Erster Weltkrieg und Nachwirkungen.

1940-1945: Zweiter Weltkrieg.

2020: Corona-Virus.

Die 150. Open Championship

Termin: St. Andrews, Schottland, 14.-17. Juli.

Preisgeld: 12 Millionen Dollar.

Titelverteidiger: Collin Morikawa.

Deutsche Spieler: derzeit nicht qualifiziert; wer allerdings bis zur BMW International Open in München unter den Top 20 in der Rangliste der DP World Tour landet, bekommt noch eine Einladung. Hurly Long und Yannik Paul dürften z. B. mit einem Sieg beim Heimturnier (oder einem der Turniere zuvor) sehr gute Chancen haben, sich noch zu qualifizieren. Auch vordere Platzierungen in der Open Qualifying Series (etwa bei der der Irish Open und der Scottish Open) garantieren einen Startplatz.

Tickets: Einige wenige Eintrittskarten sind bis zum 30. Juni über die »Official Ticket Resale«-Seite erhältlich, auf der Ticketinhaber, die verhindert sind, ihre Eintrittskarten zurückgeben.

Infos: theopen.com