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ALLRAD FÜR ALLE


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Auto Bild allrad - epaper ⋅ Ausgabe 10/2022 vom 01.09.2022
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Der Countryman basiert auf dem bereits abgelösten BMW X1. Der alte SX4 S-Cross kam 2013, nun legte Suzuki Hand an

Suzuki S-Cross 1.4 BoosterJet Allgrip

129 PS • 6,3 l/100 km Test verbrauch • ab 34 540 Euro „Der Mini

Mini Cooper Countryman All4

136 PS • 7,4 l/100 km Test verbrauch • ab 39 200 Euro

SIE SIND SO ÄHNLICH und doch so unterschiedlich. Mini Countryman und Suzuki S-Cross besetzen die Klasse der kleinen SUV, fühlen sich mit 4,30 Meter Länge in der Stadt zu Hause. Und bieten gegen Aufpreis Allrad, was in dieser Größenliga nicht selbstverständlich ist.

Das war’s dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Der Mini Countryman lässt ganz den britischen Landlord raushängen – mit einer gesunden Portion Eitelkeit in Form von Union-Jack-Rückleuchten, Zierstreifen und schwarzen Akzenten überall. Wer für jedes rundlich geformte Designelement am Mini einen Scotch trinkt, muss danach gewiss zu Fuß nach Hause. Den weniger extravaganten Suzuki S-Cross haben die Japaner gerade so umfangreich renoviert, dass sie ...

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... gleich von einer ganz neuen Generation sprechen. Der Namenszusatz SX4 ist beim S-Cross zwar offiziell gestrichen, seltsamerweise steht er am Heck aber noch dran. Wir betrachten das Ganze eher als umfangreiches Facelift. Reicht das, um dem Mini Countryman in die Parade zu fahren?

!„Der Mini gibt sich modebewusst, der Suzuki pragmatisch – beide haben ihre Fans.“

Jonas Uhlig, Redakteur

DAS BIETEN SIE Im Innenraum hat Suzuki dem S-Cross im Grunde nur eine wesentliche Neuerung mitgegeben: ein neues Infotainment mit größerem und deutlich höher aufgelöstem Neun-Zoll-Touchscreen. Was, um ehrlich zu sein, auch bitter nötig war. Das System sitzt ein ganzes Stück höher in der Mittelkonsole als bisher, lenkt so weniger ab. Und lässt sich auch sonst recht flüssig bedienen. Die Sprachsteuerung zeigt sich jedoch ungefähr so flexibel wie deutsche Flughäfen gerade bei der Gepäckabfertigung. Hier wie da braucht es massig Geduld, wenn’s denn überhaupt noch was wird. Ansonsten bleibt alles typisch Suzuki hier drinnen. Genug Knöpfe und die klar ablesbaren Instrumente mögen wir, die vielen billigen Details (zum Beispiel nur Fahrerfenster mit Auto-Funktion, Filz am Boden, viel Hartplastik) eher nicht. Das wird einem Testwagenpreis von immerhin 36 000 Euro kaum gerecht.

Der Mini kann Anmutung und Infotainment deutlich besser. Man scheint Wert darauf gelegt zu haben, dass alles satt klingt, sich wertig anfühlt – was durchaus ge-klappt hat. Die Bedienung ist nach wie vor originell, teilweise etwas zu verspielt. Das runde Zentralinstrument besitzt eine Art Discokugel-Modus, in dem seine Beleuchtung ständig die Farbe wechselt, was unheimlich ablenkt. Der Controller fürs Navi muss linksherum gedreht werden, um runterzuscrollen, was bei Technikspender BMW genau andersherum ist. Na gut, Kleinigkeiten. Die Sprachsteuerung funktioniert dafür vorbildlich, erkennt selbst Sonderziele meist auf Anhieb. Und namensuntypisch bietet der Mini viel Platz: Großzügig geht es vorne zu, hinten gibt es mehr Platz für Kopf und Beine als im Suzuki. Und auch beim Kofferraum führt der Countryman mit 450 zu 430 Litern beziehungsweise 1390 zu 1230 Litern bei umgeklappter Lehne. Der S-Cross kommt im getesteten Comfort+-Trimm serienmäßig mit Panoramadach, das zwar viel Licht bringt, aber die hinteren Passagiere einengt, die schon ab 1,80 Meter oben anstoßen. Wer das Dach abbestellen möchte, muss auf Comfort-Level downgraden und auch auf die Automatik verzichten.

Suzuki S-Cross

KONVENTIONELLE GESTALTUNG

Das Lenkrad A kennen wir bereits vom Vorgänger, es fasst sich gut an, ist jedoch mit seinen 16 Tasten etwas überladen. Der neue Navi-Screen B darf auf jeden Fall als Fortschritt gelten, was Bedienbarkeit und Auflösung angeht. Die Smartphonekopplung jedoch brach immer wieder ab, was wir von unseren Dauertest-Vitara kennen. C Unverkleideter Motorraum mit traditionellem Ölpeilstab. D Klimabedienung und Wählhebel sehen ebenfalls genauso aus wie früher, hier hat sich nichts geändert. E Die Sitzposition vorne ist ziemlich hoch, Rückengeplagte wünschen sich außerdem mehr Stütze. F In Reihe zwei raubt das Glasdach die Kopffreiheit.

2 Punkte gesamt 560

SO FAHREN SIE Ohne Automatik im Suzuki? Wäre schade, weil der neue 1,4-Liter-Turbobenziner und die Sechsstufen-Wandlerautomatik ein richtig gutes Duo ergeben. Der Motor wirkt mit seinen 129 PS spritzig, seine Mildhybrid-Unterstützung boostet immer wieder merklich mit. Das Getriebe agiert besonnen, was gut zum weichen, etwas schaukeligen Fahrwerk des S-Cross passt. Seine Eco-Bereifung sorgt mit für den moderaten Verbrauch von 6,3 Litern auf 100 Kilometer, verantwortet in Teilen aber auch den mit rund 39 Metern viel zu langen Bremsweg.

Der Dreizylinder des Mini gibt sich mit 136 PS und 220 Newtonmetern durchaus kraftvoll, gerade im Teillastbereich wirkt der Antrieb souverän. Die wache, achtstufige Automatik schaltet meist früh hoch.

Aber bei Vollgas würde man mehr erwarten – was kein Wunder ist, der Mini fährt mit 1,6 Tonnen fast 300 Kilo Mehrgewicht gegenüber dem Suzi herum. So vergehen gut elf Sekunden bis zum Landstraßentempo, und auch der Durst an der Zapfsäule spiegelt mit 7,4 Litern die Extrapfunde wieder. Die sportlich straffe Federung mag gemütlichen Naturen etwas zu viel des Guten sein, auf kurvigen Straßen macht der Brite aber Laune, neigt sich kaum. Ein gutes Gefühl vermittelt die direkte Lenkung, die im Alltag aber etwas weniger schwergängig sein dürfte. Beide treten ja mit Allrad an – automatisch zuschaltend wohlgemerkt. Während beim Suzuki ein Drehknopf die Kraftverteilung beeinflusst (inklusive Lock-Modus für etwas mehr Kraft nach hinten), lassen sich im Mini nur allgemeine Fahrmodi anwählen. Echte Traktionsprobleme konnten wir bei keinem Kandidaten feststellen.

In puncto Assistenten sind beide nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. Im Suzuki stört der Spurhaltewarner, der teilweise noch meckert, wenn man schon längst wieder brav eingeschert ist. Der adaptive Tempomat des Mini funktioniert nicht radar-, sondern kamerabasiert, bei Tempo 140 steigt er aus.

DAS KOSTEN SIE Der Mini verkörpert einen gewissen Premiumanspruch, den Kunden an der Kasse dann auch bezahlen müssen: 41 500 Euro kostet unser Testwagen, knapp 5500 Euro mehr als der Suzuki. Für sich betrachtet geht dieser Preis aber noch in Ordnung, da dann bereits das umfangreiche Premium-Paket an Bord ist. Außerdem zeigt sich der Countryman wertstabiler, muss seltener zur Wartung. Der Suzuki bleibt dafür im Unterhalt günstiger: Steuer, Versicherung und Sprit kosten nicht so viel, die Ausstattung lässt kaum Wünsche offen. Insgesamt gewinnt er klar das Kostenkapitel.

Und wird so am Ende Preis-Leistungs-Sieger. Die Neuerungen haben gutgetan, das neue Infotainment und der Antrieb wirken stimmig. Der ausgeglichene Countryman schnappt sich aber die Eigenschaftswertung und den Gesamtsieg. Da hören die Gemeinsamkeiten dann endgültig auf.

1 Punkte gesamt 589

ECKEN UND KAN-TEN VERMEIDEN

So lautete wohl das Motto der Countryman-Gestalter. A Die Sitze überzeugen mit verstellbarer Lendenwirbelstütze und Oberschenkelauflage, auch die Sitzposition passt. B Im Fond lässt sich’s aushalten. C Die Scheinwerfer sitzen obenauf, Ölmessung geht nur über den Bordcomputer. D Die Kippschalter sind ein typisches Mini-Feature, finden sich sogar im Dach wieder. E Das Lenkrad ist – typisch auch bei BMW – fast schon zu dick für kleine Hände. F Der Navi-Screen sitzt mitten im pizzagroßen Kreis, ist sehr breit gezogen, ärgerlicherweise gibt’s nur Apple CarPlay, kein Android Auto. Etwas höher sitzt der praktische Knopf, der direkten Zugriff auf die Assistenzsysteme ermöglicht.

Mini Cooper Countryman

FAZIT

JONAS UHLIG, BEREND SANDERS, MARTIN BRAUN

Der Suzuki S-Cross ist mit seinem Mildhybrid-Benziner auf der Höhe der Zeit. Insgesamt fehlt es aber an Platz und Agilität, um am Mini Countryman vorbeizufahren. Der ist zwar teurer, wirkt aber auch durchweg moderner und hochwertiger. Auf ihre Art authentisch sind beide.