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Alpina B10 BiTurbo & BMW M5 E34: GEMISCHTES DOPPEL


BMW Scene Live - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 14.02.2020

Sportlimousinen nach Art des Hauses: Alpina B10 BiTurbo und BMW M5 E34


Artikelbild für den Artikel "Alpina B10 BiTurbo & BMW M5 E34: GEMISCHTES DOPPEL" aus der Ausgabe 2/2020 von BMW Scene Live. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: BMW Scene Live, Ausgabe 2/2020

Wenn man die Wahl zwischen einem zeitlosen 5er mit einem bärenstarken BiTurbo-Triebwerk und einem solchen mit einem gezähmten Rennmotor hat, lautet die richtige Antwort offensichtlich: Beide! Genauso sieht das auch Alexander Hennemann, dem es gelang, den Idealzustand zu verwirklichen und sich beide Varianten in die Halle zu stellen. So unterschiedlich wie die Konzepte der beiden Super-Fünfer ist auch die Geschichte der hier vorgestellten Exemplare.

Alexander entdeckte seine Vorliebe für die dritte Fünfer-Generation, als er vor 17 ...

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... Jahren bei einem kleinen BMW- und Alpina-Autohaus in Menden in die Lehre ging: „Der E34 hatte es mir schon immer besonders angetan. Zum einen vielleicht, weil ich während der Zeit bei meinem BMW-Ausbildungsbetrieb regelmäßig einen E34 Touring als Servicemobil gefahren habe, auch bekannt als das grauweiß gestreifte ‚Zebra‘. Zum anderen, weil wir dort seinerzeit auch einige interessante Modelle dieser Baureihe in der Kundschaft hatten, an denen ich arbeiten und die ich auch fahren durfte.” Diese Begeisterung ließ Alexander, der inzwischen als Unternehmensberater für die Kfz-Branche tätig ist, bis heute nicht los. Und das, obwohl er im Rahmen seiner beruflichen Karriere und Weiterbildung zum Kraftfahrzeugtechnikermeister lange Zeit im Dienst anderer Marken stand.

„In all diesen Jahren habe ich stets nach meinem Traum, einem E34 Alpina B10 BiTurbo, Ausschau gehalten”, berichtet Alexander. Wer in letzter Zeit nach einem guten 535i gesucht hat, von dem immerhin über 97.000 Stück gebaut wurden, der kann sich ungefähr vorstellen, wie die Lage bei einer begehrten Rarität wie dem Alpina B10 BiTurbo aussieht, von dem nur 507 Einheiten in Handarbeit hergestellt wurden. „Durch die stetig steigenden Preise blieb dieser Wunsch lange in unerreichbarer Ferne”, erinnert sich der 33-Jährige. ”Die erreichbaren Fahrzeuge, die ich besichtigte, stellten sich alle als technische ‚Baustellen‘ heraus, hatten irgendeinen fiesen Haken oder riesige Lücken und Ungereimtheiten in den Historien.

Im Sommer 1989 begann in Buchloe die Herstellung der ersten B10 BiTurbo auf Basis des 535i. Alpina hatte bereits seit dem E12 Erfahrung mit der Turboaufladung von M30-Triebwerken gesammelt. Die im B10 BiTurbo verwendete Version trug den internen Code B7/5 und war vom M30B35 abgeleitet. Im Hinblick auf die vorgesehene Aufladung senkte Alpina die Verdichtung von 9:1 auf 7,2:1 ab. Zu diesem Zweck kamen Spezialkolben zum Einsatz, Öldüsen im Block kühlen die Kolbenböden. Der gesamte Kurbeltrieb wurde inklusive der verstärkten Pleuel feingewuchtet und der Zylinderkopf passend bearbeitet. Diese Auslegung wäre mit einem einzelnen Lader ein Garant für ein veritables Turboloch. Durch die Verteilung der Ladearbeit auf zwei Turbos, die seinerzeit Neuland für Alpina war, gelang es dagegen, eine erstaunlich ausgewogene Kraftentfaltung zu erreichen

Der B10 geht vergleichsweise leise ans Werk und liefert einen gewaltigen Schub über das gesamte Drehzahlband. Beim Sprint von 0 auf 100, der in 5,6 Sekunden erledigt ist, muss nur einmal geschaltet werden. Unter voller Beschleunigung drängt sich der Vergleich mit einem Düsenjäger auf. Der Pilot kann dabei den zur Verfügung stehenden Dampf per Potentiometer an der Mittelkonsole justieren. Die Passagiere verwöhnt der Alpina mit edlem Holz und technischen Raffinessen wie dem typischen Zusatzdisplay im Instrumententräger.

Ein fein abgestimmtes Sportfahrwerk mit Komponenten von Fichtel & Sachs und Bilstein gehört ebenso zur technischen Ausrüstung wie ein Differenzial mit eigener Ölpumpe und externem Kühler. Äußerlich garnierte Alpina den B10 BiTurbo mit klassischen 20-Speichen-Rädern und dem charakteristischen tief heruntergezogenen Frontspoiler sowie einem passenden Spoiler am Heck. Optional wurde die wahlweise silberne oder goldene Linierung angebracht, die für einen echten Fan natürlich an keinem Alpina fehlen darf.

Autobahn-Express: Der Alpina B10 BiTurbo hatte das Zeug, einem Porsche Turbo davonzufahren.


Ein Traumauto, insbesondere für einen E34-Liebhaber wie Alexander. Trotz intensiver Suche sah es allerdings danach aus, dass der Kauf eines entsprechende Fahrzeugs ein Traum bleiben würde: „Eigentlich hatte ich schon fast aufgegeben, einen B10 BiTurbo zu finden. Daher hatte ich länger nach dem ‚zweitplatzierten Traum‘, einem E34 M5, gesucht.” Kurz bevor Alexande sich zum Kauf eines gut erhaltenen und bereits besichtigten M5 entschließen konnte, tauchte dann aus heiterem Himmel ein vielversprechendes Angebot auf: „Ein preislich gerade eben noch so erreichbarer B10 BiTurbo, bei dem auf den ersten Blick optisch, ausstattungstechnisch und im Hinblick auf die Historie alles passte.

Das berühmte „Dampfrad”: Mit diesem Potentiometer kann der maximale Ladedruck zwischen 0,4 und 0,8 bar geregelt warden


Alex setzte sofort sämtliche Hebel in Bewegung, um diese Chance nicht zu verpassen, denn obwohl er die Anzeige bereits fünf Minuten nach Veröffentlichung entdeckte, stand beim Verkäufer Express das Telefon schon nicht mehr still. Alex bekam den Anbieter an den Apparat und konnte ihn überzeugen, den Wagen nach Hinterlegung einer Kaution für ihn zu reservieren. Anschließend nahm er sich kurzfristig Urlaub und machte sich auf die 700 Kilometer lange Anfahrt zur Besichtigung.

Der Weg lohnte sich, denn bei der Inaugenscheinnahme hielt der Alpina, was die Beschreibung hatte hoffen lassen: „Angesehen, verliebt, alles passte!” Als der Fünfer endlich in Alexanders Halle stand, setzte Erleichterung bei ihm ein: „Geschafft! Traum erfüllt und einen sehr guten 1990er B10 BiTurbo in ‚Schwarz‘uni mit 170.000 Kilometern sowie vor 30.00 Kilometern erneuertem Motor und Antriebsstrang ‚relativ‘ preiswert ergattert!” In seiner Halle hat Alexander sich eine komplette Werkstatt eingerichtet, die er nutzt, um an seinen Autos und Fahrzeugen aus dem Freundeskreis sowie der Verwandtschaft hobbymäßig zu schrauben. Somit konnte er in den folgenden Wochen und Monaten den Neuerwerb sorgfältig einer großen Inspektion unterziehen, Abweichungen vom Originalzustand beseitigen und die Limousine schließlich einem ausgiebigen Detailing unterziehen.

Keine Frage: Diese Rechnung geht auf!


Lange gesucht, schnell gehandelt: Als nach Jahren endlich dieser B10 inseriert wurde, nahm Alexander innerhalb von Minuten die Verhandlungen auf.


Ende gut, alles gut? Im Prinzip ja. Aber nachdem er sich so lange mit dem M5 E34 beschäftigt hatte, geisterte auch der zweite Über-5er weiter in seinem Kopf herum. Ebenfalls kein Wunder, denn auch der M5 mit seinem 316 PS leistenden 3,6-Liter-Saugmotor ist ein absolutes Highlight. Der vierventilige S38B36 gibt sich als Abkömmling der M88-Motorendynastie wesentlich kerniger und vernehmlicher als das Alpina-Triebwerk. Er erreicht seine Höchstleistung von 315 PS später, auch das Drehmomentmaximum liegt erst weiter oben im Drehzahlband an und fällt mit 360 zu 520-550 Nm spürbar niedriger aus. Dafür ist die Gasannahme, nicht zuletzt dank der Einzeldrosselanlage, unübertroffen direkt, und der heisere mechanische Sound lässt keinen Motorenkenner ungerührt.

Als Nummer 189 von insgesamt 507 gebauten B10 BiTurbo wurde Alexanders Limo in Buchloe fertiggestellt


FEATUREFACTS

1990er Alpina B10 BiTurbo

Motor: Alpina-B7/5(BMW-Basis M30B35)-SOHC-12v-Reihensechszylinder mit Bi-Turboaufladung, 3.430 ccm, 360-400 PS bei 6.000 U/min, 520-550 Nm bei 4.000 U/min (je nach Ladedruck, Außentemperatur & Luftfeuchtigkeit); Bohrung x Hub in mm 92 x 86; Verdichtung 7,2: 1; Bosch Motronic, zwei wassergekühlte Garrett-T25-Turbolader, maximal 0,8 bar Ladedruck, Luft/Luft-Ladeluftkühler

Kraftübertragung: Fünfgang-Schaltgetriebe Getrag 290, Hinterradantrieb, Sperrdifferenzial mit Kühler, Achsübersetzung 3,15: 1

Vorderachse: Einzelradaufhängung an McPherson-Federbeinen, Schraubenfedern, Querstabilisator, Bilstein-Stoßdämpfereinsätze

Hinterachse: Einzelradaufhängung an Schräglenkern, Schraubenfedern, Fichtel & Sachs-Stoßdämpfer mit Niveauregulierung, Querstabilisator

Bremsen: innenbelüftete Scheibenbremsen rundum (VA: Alpina-4-Kolben-Bremsanlage)

Räder: Alpina-Leichtmetallräder in 8,5 x 17” vorn und 9,5 x 17” hinten

Reifen: Toyo „Proxes R888R” in 225/45 R17 vorn und 255/40 R 17 hinten

V-Max: GPS über 300 km/h!!!

Wider die herkömmliche Vernunft musste also auch noch ein M5 her. Weil der Alpina die „Spielzeug-Kasse” bereits geplündert hatte, versuchte Alexander, seinem Vater einen M5 schmackhaft zu machen. Hennemann Senior schlug daraufhin vor, gemeinsam einen M5 E34 als „Familienprojekt” anzuschaffen. „Umbauen, reparieren, warten und am Laufen halten musst du ihn aber!“, lauteten seine Worte, woraufhin die E34-Suche von neuem begann. Diesmal musste nicht alles perfekt sein, schließlich sollte es ja ein Projekt werden. „Also haben wir uns einen verbastelten 1990er 3.6er M5 in ‚Macaoblau‘ angesehen, der seit 2014 abgemeldet war, und konnten diesen schließlich günstig zusammen kaufen”, erinnert sich Alexander.

Der BMW M5 ist rauher und direkter als der Alpina B10


Am liebsten beide: Alexander weiß nicht, welchem von den zwei Fünfern er den Vorzug geben würde.


Während Vater Hennemann sich zur Sommerfrische auf sein Segelboot verabschiedete, stürzte sich Alexander in einen dreimonatigen Schraubermarathon: „Nachdem ich das Auto bis auf ein Bilstein-‚B8‘-Sportfahrwerk mit H&R-Fahrwerksfedern wieder in den Originalzustand versetzt hatte, kümmerte ich mich um die Standschäden, die Optik und um die komplette Wartung aller technischen Komponenten, sowie um Motor, Antriebsstrang und Felgen.” Trotz einer Gesamtlaufleistung von immerhin 240.000 Kilometern steht der M5 jetzt wieder in einem wunderbaren Zustand da. „Als weiterer Pluspunkt stellte sich heraus, dass der M5 mit einem Austauschmotor versehen war, der moderate 80.000 Kilometer Laufleistung aufwies”, schildert Alexander begeistert.

Groß ist auch die Vorfreude auf den Saisonbeginn, wenn die beiden Su per-Fünfer wieder aus der Halle dürfen: „Bei schönem Wetter habe ich den Alpina mit großer Freude und auch mal ‚artgerecht‘ zu vielen Treffen, Touren und Veranstaltungen bewegt. Ich freue mich schon darauf, dass mein Vater mich 2020 nun auch mal begleiten kann, wenn er in Deutschland ist!”

Doppelt geladener Zweiventiler im Alpina, drehzahlgieriger Vierventiler im M5: Beide Motorenkonzepte faszinieren


Mit silbernen Blenden statt Holz und manuell verstellbaren Sitzen wirkt der Innenraum des M5 nüchterner als der des B10.


Fotos: Frank Schwichtenberg

Zum Ende meinen Dank ans Team vom Flugplatz Arnsberg-Menden für die Unterstützung.

FEATUREFACTS

1990er BMW M5

Motor: BMW-S38B36-DOHC-24v-Reihensechszylinder, 3.535 ccm, 315 PS bei 6.900 U/ min, 360 Nm bei 4.750 U/min; Bohrung x Hub in mm 93,4 x 86; Verdichtung 10: 1; Bosch Motronic, Einzeldrosselanlage

Kraftübertragung: Fünfgang-Schaltgetriebe Getrag 280, Hinterradantrieb, Sperrdifferenzial, Achsübersetzung 3,91: 1

Vorderachse: Einzelradaufhängung an McPherson-Federbeinen, Schraubenfedern, Querstabilisator

Hinterachse: Einzelradaufhängung an Schräglenkern, Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer, Querstabilisator

Fahrwerk: Bilstein „B8“ & H&R-Sportfahrwerk

Bremsen: innenbelüftete Scheibenbremsen rundum

Räder: BMW-Leichtmetallräder „M System Styling 20” in 8 x 17” rundum

Reifen: Imperial „Radial F105” in 235/45 R17