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Als die DDR das letzte Mal Geburtstag feierte


Super TV - epaper ⋅ Ausgabe 40/2019 vom 26.09.2019

30 Jahre Mauerfall


7.10.89

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DEMONSTRATION DER MACHT
Mit Pomp und einer der größten Militärparaden ihrer Geschichte feiert die DDR am 7. Oktober den 40. Jahrestag der Staatsgründung


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EHRENGAST
Zum Jubiläum kommt auch der sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow nach Ost-Berlin. Und stiehlt dabei Honecker die Schau


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VOLLE TRIBÜNEN
Mit Paraden und Parolen wollen die SED-Oberen sich zum Jahrestag noch einmal öffentlich bejubeln lassen


Der Palast der Republik ist am Abend des 7. Oktober 1989 hell erleuchtet. Die ZK-Führung feiert sich selbst und 40 Jahre Arbeiter- und-Bauern-Staat. Doch während Erich Honecker († 81) im Festsaal verkündet, „dass der Sozialismus in der DDR auf unerschütterlichen Grundlagen stehe“, formieren sich auf der anderen Spreeseite Tausende Bürger. Sie rufen „Wir sind das Volk“, „Demokratie jetzt oder nie“ und fordern die Zulassung der neuen Parteien. Die Hoffnungen der Demonstranten ruhen vor allem auf Michail Gorbatschow (88). Dem Kreml-Chef zuliebe hält sich die SED-Führung zunächst zurück. Obwohl Honecker im Vorfeld für den Festtag eine klare Ansage macht: „Feindliche Aktivitäten sind mit allen Mitteln entschlossen zu unterbinden.“ Die Staatsmacht hält still, denn vor den internationalen Gästen will man den schönen Schein wahren.

Alle hatten Angst vor der chinesischen Lösung

Draußen in der Dunkelheit trauen die Demonstranten dem Frieden nicht. Sie fürchten, dass die SED-Führung über eine „chinesischen Lösung“ nachdenkt. Die Angst ist durchaus berechtigt, immerhin hat die DDR-Führung die blutige Niederschlagung der Studentenproteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens befürwortet, lobte sie als die Zerschlagung einer „konterrevolutionären Rebellion“. Hofft Ost-Berlin auf die Unterstützung der Sowjetarmee? Es waren auch ihre Panzer, die den Berliner Juni-Aufstand 1953 niederwalzten. Doch jetzt, als Tausende DDR-Bürger über Ungarn und die Tschechoslowakei ihrem Land den Rücken kehren, verweigert Gorbatschow den DDRMachthabern jegliche Unterstützung. Ob er selbst den entscheidenden Befehl gegeben hat, sich militärisch nicht einzumischen, ist umstritten. Experten behaupten, der damalige sowjetische Außenminister Eduard Schewardnadse († 86) habe bereits im August 1989 angeordnet, dass die „Westgruppe der Truppen“ in ihren Kasernen bleiben soll – egal, was passiert.

GORBATSCHOW LEITET DIE WENDE EIN

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KLARE WORTE
Kreml-Chef Michail Gorbatschow redet in Ost-Berlin der SED-Führung ins Gewissen: „Die einen liefen bei uns mit der Zeit, die anderen blieben zurück. Und den, der zurückbleibt, bestraft die Geschichte“, sagt „Gorbi“ am 7. 10. vor TV-Kameras


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JUBELCHOR
100.000 Jugendliche werden für Fackelzüge und zum Singen aus der ganzen DDR nach Berlin gebracht


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GRÜNDUNG
Der zweite Deutsche Volksrat der Sowjetischen Besatzungszone erklärt sich am 7. Oktober 1949 in Ost-Berlin zur Provisorischen Volkskammer und setzt die Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik in Kraft


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Um 21 Uhr begann die Menschenjagd in Berlin

Und es passiert noch viel in der feierlichen Geburtstagsnacht. Als Gorbatschow das Staatsbankett verlassen hat, schlägt die Stunde von Stasichef Erich Mielke († 92). „Jetzt ist aber endlich Schluss mit dem Humanismus“, sagt er. Um 21 Uhr riegeln Sicherheitskräfte die Gegend rund um die Gethsemanekirche hermetisch ab. Vergitterte Lastwagen und Wasserwerfer fahren auf und dann beginnt die Menschenjagd. Erst in Ost-Berlin, später auch in Leipzig, Dresden und Karl Marx-Stadt, setzen Polizei und Stasi Reizgas und Schlagringe ein, verschaffen sich brutal Zugang zu Wohnungen, in denen sie geflüchtete Demonstranten vermuten. Erst als am 9. Oktober bei der großen Demonstration in Leipzig der Einsatzbefehl für die Sicherheitsorgane ausbleibt, entspannt sich die Lage im Land. Das Volk hat gesiegt.

Zum Glück blieben die Panzer in den Kasernen

Während der friedlichen Revolution in der DDR bleiben die Panzer in den Kasernen. Auch der deutschen Wiedervereinigung stellt sich Gorbatschow nicht in den Weg. In seinen Er innerungen schreibt er: „Das Streben der Deutschen nach der Einheit konnte nur vereitelt werden, wenn die in der DDR stationierten sowjetischen Streitkräfte eingesetzt würden. Das aber hätte das völlige Scheitern aller Bemühungen zur Beendigung des Kalten Krieges und des nuklearen Wettrüstens bedeutet.“ Dann wäre die DDR jetzt 70 …


Fotos: action press, Archiv, Getty Images, picture alliance (4)

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