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Alte Liebe rostet nicht


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Das goldene Blatt - epaper ⋅ Ausgabe 49/2022 vom 03.12.2022

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Schon auf der Treppe hörte Jan das Telefon klingeln. Er schloss hastig die Tür auf und stürzte an den Apparat. „Hallo, Junge!“, tönte es aus dem Hörer, kaum dass er abgenommen hatte.

Jan blies den Atem aus. Nur Annelie, seine Mutter, benutzte noch den Festnetzanschluss. Wieso hatte er nur gehofft, es könnte Sanna sein? Die ging ja nicht mal mehr an ihr Handy! „Hallo Mama.“ Er bemühte sich um eine fröhliche Stimme. „Habt ihr euch gut eingelebt auf Mallorca?“

„Natürlich. Ist ja hier schon unser zweites Zuhause. Nun regnet es allerdings bereits seit drei Tagen, und zwar ununterbrochen.“

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„Hier auch, Mama – richtiges Schietwetter!“ Inzwischen hatte Jan seine Schuhe abgestreift, das Sakko über den Stuhl in der Küche geworfen und sich ein Bier aus dem Kühlschrank genommen. Es zischte, als er es öffnete.

„Wie geht es dir, Junge? Und wie geht es Sanna?“, fragte ...

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... Annelie.

Jan biss die Zähne zusammen. „Danke, gut“, sagte er gepresst.

„Hör mal, wir wollten euch einladen. Wir feiern doch in diesem Jahr unsere Rubinhochzeit. Das Datum fällt auf einen Samstag. Ihr könntet den Freitag frei nehmen, euch Donnerstagabend in den Flieger setzen und bis Sonntag bleiben. Wir bezahlen natürlich den Flug.“

„Einladen? Du meinst … Sanna und mich!“, rief Jan entsetzt.

„Ja natürlich, Sanna und dich! Wie du das sagst!“, wunderte sich Annelie. „Als ob es dich schockiert, dass deine Eltern ihren einzigen Sohn mit seiner Frau zu ihrem 40. Hochzeitstag einladen!

Überhaupt, ich finde, du bist in letzter Zeit irgendwie …“, sie suchte nach Worten, „… irgendwie seltsam! Oder passt dir das Datum nicht? Dann könnten wir ja auch am Wochenende danach …“

„Nein, nein!“, fiel Jan seiner Mutter ins Wort. „Das heißt, ich muss erst mit Sanna darüber reden.“ Er räusperte sich, aber der Kloß blieb ihm im Halse stecken. „Frag sie doch! Ich warte.“ „Jetzt gleich? Das geht nicht! Sie ist … ist bei einer Freundin, und ich weiß nicht, wann sie zurück sein wird. Ich sage dir morgen, ob es uns passt.“ Jan schickte seiner Mutter noch einen Kuss durchs Telefon und legte schnell auf.

Dann sank er wie erschlagen aufs Sofa. Was sollte er machen? Seinen Eltern das Fest mir der Nachricht verderben, dass er und Sanna seit zwei Monaten getrennt lebten und sich scheiden lassen wollten? Mama zum 40. Hochzeitstag servieren, dass sie ihr erhofftes Enkelkind vermutlich nie bekommen wird? Nein, das konnte er ihr unmöglich antun!

Sanna hatte es sich mit einem Roman auf der Couch gemütlich gemacht. Jonathan, der Romanheld mit den schönen blauen Augen, trabte gerade auf seiner edlen braunen Stute am Klippensaum von Cornwall entlang, als es an der Wohnungstür klingelte. Sie seufzte und legte das Buch beiseite.

Das war wohl wieder einer von Gelis unzähligen Freunden, die wissen wollten, warum Geli sich nicht meldete. „Weil sich Geli für ein halbes Jahr nach Australien abgesetzt hat, und ich derweilen ihre Wohnung hüte“, sagte sie ihren Spruch auf, während sie öffnete.

Doch es war nicht einer von Gelis unzähligen Freunden sondern ihr zukünftiger Exmann. „Du?“ Sanna zog die Augenbrauen hoch.

„Hallo! Kann ich bitte kurz reinkommen?“, fragte Jan kleinlaut.

♥ Zeit zum Träumen

Auf der Couch macht es sich Sanna mit einem Liebesroman gemütlich

„Wozu?“ Sanna wollte ihm die Tür vor der Nase zuknallen, aber er schob seinen Fuß in den Spalt.

„Ich möchte dich um etwas bitten, um einen Gefallen – in alter Freundschaft sozusagen.“

Sanna trat wortlos zurück, schloss die Tür hinter Jan und ging voraus ins Wohnzimmer, wo sie sich setzte und ihn bohrend ansah.

Sanna lachte böse: „Typisch! Du warst wieder zu feige!“

„Es ist … meine Eltern wollen ihren 40. Hochzeitstag mit uns beiden feiern. Auf Mallorca. Da mieten sie sich über Winter doch immer in diesen Bungalow ein. Na ja, und da haben sie uns eingeladen.“

„Ach?“, machte Sanna voll Ironie. „Wir beide reisen gemeinsam nach Mallorca? Reizende Idee! Erhoffen sie sich etwa, dass wir uns auf diese Weise versöhnen?“

Jan starrte wie ein armer Sünder auf seine Fußspitzen und gestand:

„Ich hab es ihnen noch gar nicht gesagt. Ich meine, dass du … dass wir uns scheiden lassen wollen.“

Einen Moment war es still, dann brach Sanna in lautes, boshaftes Gelächter aus. „Das ist ja wieder typisch für dich! Bist zu feige, ihnen reinen Wein einzuschenken!“

„Was heißt zu feige. Du kennst Mama doch. Sie ist so sensibel. Und Vater … nun ja …“

„Vor deinem Vater hast du Angst, ich weiß! Nein, mein Lieber. Ich denke gar nicht daran, dort die liebende Ehefrau zu spielen! Das ist es doch, was du von mir willst?“

„Klar, ich hätte es ihnen längst sagen müssen“, gab er zu. „Aber zur Rubinhochzeit? Das können wir ihnen nicht antun … Du hast sie doch auch gern. Und sie dich!“

„Nein!“, sagte Sanna. „Keinesfalls! Und dabei bleibt es, basta!“

Sanna öffnete den Kofferraum für Jans Reisetasche. Das war eine ihrer Bedingungen gewesen, dass sie mit ihrem Wagen zum Flughafen fuhren, damit sie jederzeit zurückfliegen und nach Hause fahren konnte, auch ohne ihn. Eine andere war, dass er nicht mit ihr im selben Bett schlief. Im selben Zimmer, gut, aber nicht im selben Bett!

„Und du unterlässt jede Art von Vertraulichkeiten!“, bellte sie ihn jetzt an, kaum dass er neben ihr im Auto saß. „Sonst bin ich sofort weg, und du kannst sehen wie du deinen Eltern das erklärst!“

Der Flug war so turbulent, als hätte sich der Flieger von der Stimmung der beiden Ehekrisler anstecken lassen. Es rüttelte und schüttelte sie durch, und hin und wieder schrie einer der Passagiere vor ihnen laut auf. Als sie endlich gelandet waren und auf endlos langen Rollbändern durch die Ankunftshallen dem Ausgang zufuhren, war Jan ganz weiß um die Nasenspitze.

Annelie erwartete sie schon, winkte ihnen fröhlich entgegen. „Hier, Kinder, hier bin ich!“

Jan überreichte seiner Mutter eine große Schachtel ihrer Lieblingspralinen und küsste sie. „Gut siehst du aus, Mama!“ „Du aber nicht“, gab sie zurück. „Du weißt doch, Annelie, was er im Flugzeug für ein Hasenfuß ist. Angst hat er bis zum Erbrechen!“

Jan sah Sanna böse an. „Spotte du nur! Ich setze dir dafür heute Nacht eine Spinne ins Bett.“

Sie kniff die Augen zusammen. „Wenn du das wagst …!“

„Nun streitet doch nicht!“ Annelie nahm Sanna in den Arm. „Schön, euch beide wiederzusehen und verwöhnen zu dürfen!“

„Ja, sehr schön.“ Sanna rang sich ein schmales Lächeln ab.

Ihr Weg nach Sóller, wo Jans Eltern seit drei Jahren die Zeit zwischen Herbst und Frühjahr verbrachten, führte sie über Santa Marian del Cami und Alaró. Dabei erhaschten sie einen Blick auf die zerklüfteten Burgruinen des Kastells, in dem die Christen im Mittelalter den maurischen Eroberern jahrelang standgehalten hatten.

Die Aussicht von dort oben war beeindruckend, das wussten Jan und Sanna, denn bei ihrem letzten Besuch waren sie hinaufgestiegen. Ein Fußmarsch von drei Stunden über Wiesen und durch lichtes Grün, vorbei an wild wachsenden Orchideen, Oliven- und Wacholderbäumen. Dazu das Zirpen der

Zikaden und hin und wieder leises Meckern wilder Ziegen, die sich in der Macchia herumtrieben. Wenn man sein Herz öffnete, fühlte man sich da wie im Paradies!

Doch ihr Herz konnten Jan und Sanna nun nicht mehr öffnen, so verbittert wie sie waren, und deshalb sahen sie schnell weg, blickten auf die Straße vor ihnen und hörten Annelie zu, die munter vor sich hin plauderte. „Jammerschade, dass ihr erst heute kommen konntet. Nur für zwei Tage lohnt sich ja der Flug kaum.“

„Ja“, antwortete Jan, „aber Sanna bekam leider nicht früher frei.“

Modellflugzeuge – Hannes’ Hobby, das nur ihn begeisterte!

Als sie den Bungalow erreichten, lief ihnen Hannes mit offenen Armen entgegen. „Da seid ihr ja endlich! Ich habe euch früher erwartet, hatte euer Flieger Verspätung?“

„Im Gegenteil, wir hatten Rückenwind“, stichelte Sanna mit Blick auf Jan, dessen Gesichtsfarbe sich aber langsam wieder normalisierte. „Allerdings hat Annelie den langen Weg durch das Orienttal genommen, damit wir ein wenig von der Insel sehen.“

„Na, so viel länger ist der Weg gar nicht, dafür aber doppelt so schön!“ Annelie ging voraus ins Haus. „Wollt Ihr euch zuerst ein wenig frisch machen oder lieber gleich Kaffee trinken?“

„Ich möchte mich gern umziehen“, sagte Sanna und sah Jan eindringlich an. „Du kannst ja schon mal einen Kaffee nehmen!“

Sie ging. Drei Augenpaare sahen ihr nach. „Was ist denn los mit ihr?“, fragte Hannes ratlos.

„Nichts. Sie hatte Ärger im Geschäft. Das gibt sich bestimmt, am besten wir lassen sie in Ruhe.“

„Soso, Ärger im Geschäft.“ Hannes fixierte seinen Sohn mit wachem Blick. Dann klopfte er ihm auf die Schulter und fragte mit verklärtem Lächeln: „Willst du mein neuestes Modellflugzeug sehen?“

Das wollte Jan eigentlich nicht, aber er nickte artig, um seinem alten Herrn eine Freude zu bereiten. „Das wievielte Modell ist es denn inzwischen?“, fragte er.

♥ Was das Herz begehrt

Wenn er Modellflugzeuge zusammenbaut, wird Hannes zum kleinen Jungen

„Das 224.“, antwortete Annelie für ihn. „Und bis wir hier abreisen, werden noch drei dazugekommen sein.“ Mit gequältem Blick deutete sie auf die Baukästen, die in einer Ecke bereitstanden.

„Wir haben uns übrigens eine Überraschung für euch ausgedacht“, lenkte Hannes rasch ab.

Jan war froh, nicht länger über das leidige Hobby seines Vaters sprechen zu müssen. „Was denn für eine Überraschung?“ „Wir fahren mit euch …“ Annelie stieß ihren Mann in die Seite. „Das wird nicht verraten!“

Als Sanna frisch geduscht, in Jeans und T-Shirt wieder im Wohnzimmer erschien, spielten die Männer Tischfußball, und Annelie saß an ihrer Staffelei und malte in Acrylfarbe von einer Fotografie ab.

„Ein schönes Bild“, machte Sanna ihr Komplimente. „Du hast in den letzten fünf Jahren wirklich sehr viel dazugelernt.“

Dankbar sah Annelie sie an. „Allerdings stapeln sich meine Werke inzwischen schon bis unters Dach. Niemand will sich ein Bild von mir an die Wand hängen.“

Sanna räusperte sich verlegen. Sie selbst hatte eine Abendstimmung von Annelie dankend entgegengenommen und dann im Schrank verschwinden lassen. „Wir besitzen eben alle schon zu viele Bilder – Jan sagte, ihr habt eine Überraschung für uns?“

Annelie nickte und sah auf die Uhr. „Oh, wir sollten losfahren!“ „Und wohin?“, fragte Sanna. Ihre Schwiegermama lachte.

„Ha, das ist ja die Überraschung!“

Annelie übernahm das Steuer. Sie liebte es über die Küsten- und Bergstraßen der Insel zu fahren, die sich in engen Serpentinen durch die Landschaft schlängelten. Ab und zu kamen sie durch ein Dorf, passierten drei Seen, die wie blaue Spiegel im Grün der Landschaft lagen. Graue Felsspitzen bohrten sich in den Nachmittagshimmel, Bäume und Sträucher wie dunkelgrüne Tupfen auf ihnen verstreut.

Und dann die Serra de Tramuntane. Turmhohe Felsen neigten sich über die Fahrbahn, fast schien es, als würden sie aufeinander stürzen.

Als ihnen ein riesiger Bus entgegenkam, schrie Sanna panisch auf, weil sie glaubte, er würde in der engen Schlucht stecken bleiben. Ganz sicher passte auch nicht mehr viel mehr als eine Zeitung zwischen Blech und Felsen.

„Du hast aber zarte Nerven, mein Kind!“ Annelie lachte und zwinkerte Hannes zu. Der kannte ihre Vorliebe für solche Höllenfahrten bereits zur Genüge.

♥ Der Weg zum Glück

Die Serpentinenstraße nach Sa Calobra brachte Jan und Sanna etwas näher

An einer Kapelle stoppte sie, stieg aus und zündete eine Kerze an. Wofür oder wogegen erzählte sie nicht, sondern wendete, fuhr zurück zum Aquädukt am Gorg Blau und bog dort nach rechts ab.

Die Fahrt durch die Berge gibt Jan die Chance zur Revanche

„Der eigentliche Nervenkitzel kommt jetzt erst.“ Sie warf ihrer Schwiegertochter über den Rückspiegel einen amüsierten Blick zu. „Nun sind wir auf der Sa Calobra. Auf 14 Kilometer überwindet sie 800 Meter Höhenunterschied.“ Sanna holte tief Luft. Jan grinste still in sich hinein, als Sanna in jeder Kurve mitbremste und immer bleicher wurde. Er dachte an ihre Schadenfreude über seine Angst im Flugzeug und hatte deshalb wenig Mitleid.

Vor ihnen der Blick in die Tiefe. Wie eine graue Anakonda schlängelte sich die Straße zum Meer hinab, gähnende Abgründe rechts oder links. Achterbahnfahren war nichts dagegen! Als eine besonders gewagte Kurve kam, berichtete Annelie stolz, dass man sie im Volksmund ‚Krawattenknoten‘ nannte.

„Krawattenknoten …“, murmelte Sanna wie erschlagen, griff nach Jans Hand und umklammerte sie.

Er nutzte die Gunst der Minute und legte einen Arm um ihre Schultern. „Keine Bange, Mama kann das. Im Autofahren ist sie große Klasse, hat als junge Frau sogar ein paar Bergrennen gefahren.“

„Aber wenn nun die Bremsen versagen?“, flüsterte Sanna.

Jan grinste süffisant. „Die Chance ist etwa so groß wie die Möglichkeit eines Flugzeugabsturzes.“

Sanna verstand die Anspielung. Sie streifte Jans Arm von ihrer Schulter und setzte demonstrativ ihre Sonnenbrille auf.

Als sie eine Stunde später vor der Mündung des Torrent de Pareis standen, musste selbst Sanna zugeben, dass sich die rasante Fahrt und die anschließende Wanderung hierher gelohnt hatten. Sie geriet richtig ins Schwärmen.

„Lass dich nicht täuschen“, entgegnete Hannes. „So friedlich wie dieser Wildbach jetzt zwischen den Felswände dahinplätschert, durch die er sich in Jahrmillionen gefressen hat, ist er nicht immer. Nach Regengüssen kann er in kürzester Zeit zu einem wahren Strom anschwellen, so mancher Wanderer ist dabei sogar ertrunken.“

Sanna, Jan und Hannes mussten sich vor einem der gewaltigen Felsbrocken postieren, damit Annelie ein Erinnerungsfoto schießen konnte. „So, und jetzt haben wir noch eine Überraschung für euch!“, sagte sie zufrieden.

„Oha, noch eine!“ Sanna und Jan tauschten Blicke. „Hoffentlich nicht Bungee-Springen!“

„Ganz im Gegenteil! Kommt, sonst versäumen wir es noch!“

Sie fuhren ein Stück den Berg hinauf, parkten vor einem Gatter und kletterten bis zu einem Olivenbaum, unter den sie sich setzten. Von hier hatten sie einen atemberaubenden lick auf das Meer und in der Ferne auf die Morro d’es Forat, eine Felsnase, vor der, als hätte Annelie es extra inszeniert, ein Dreimaster ankerte.

„Ist das …“, begann Jan, aber seine Mutter fiel ihm ins Wort: „Abwarten“, sagte sie nur.

Keiner sprach. Über ihnen kreiste krächzend ein Vogel, Grillen zirpten, und hin und wieder war der Motor eines Autos zu hören, das die Serpentinen herauf- oder hinunterkroch. Im Übrigen herrschte eine geradezu atemlose Stille.

Und dann begann so plötzlich als hätte jemand einen Schalter umgelegt ein wunderbares Naturschauspiel. Der Himmel färbte sich rot, die Sonne sank dem Meer zu, übergoss es mit schillerndem Gold und tauchte dann ein in diesen Glanz, als wolle sie ein Bad nehmen, um sich für den kommenden Tag in sich selbst zu erneuern.

Ganz ergriffen waren sie, Sanna hatte sogar Tränen in den Augen.

Seele, für immer und für alle Zeit.

Als sie zum Wagen zurückgingen, nahm Jan ihre Hand. Sie ließ es geschehen. Doch im Auto rückte sie wieder ab von ihm, und später in ihrem Zimmer sagte sie: „Das ist gemein von dir, du willst mich ja nur weichkochen.“

Traurig sah Jan sie an. „Weichkochen? Ich liebe dich“, sagte er leise. Aber Sanna ging ins Bad und warf die Tür hinter sich zu.

Annelie hatte alles perfekt vorbereitet – aber nichts passt!

Annelie rückte ein wenig an der Tischdekoration, dann zündete sie die Kerzen an. „Ihr könnt jetzt kommen!“, rief sie dabei über die Schulter. Als Hannes und die Kinder eintraten, lächelte sie stolz. „Gefällt euch mein Festtagstisch?“

♥ Ein Festessen mit Folgen

Am schön gedeckten Tisch gerieten die beiden Paare in einen bösen Streit

„Gefallen? Er ist traumhaft!“, war Sanna ehrlich begeistert.

„Ja, wirklich wunderschön gedeckt!“, bestätigte auch Jan.

„Bloß kein Platz mehr für die Schüsseln, bei all der Blumenpracht“, feixte Papa und handelte sich damit einen strafenden Blick seiner Schwiegertochter ein.

Zur Vorspeise gab es Tintenfisch in Knoblauchsoße. Annelie nahm nur ein Häppchen. „Muss auf meine Figur achten“, behauptete sie.

Im selben Moment fiel Hannes’ Blick auf einen weißen Umschlag mit einer goldenen 40, der genau vor ihm in dem Blumenarrangement steckte. Er griff danach. „Nanu, was ist denn das?“

„Mein Geschenk für uns beide zu diesem Tag“, erklärte Annelie.

„Himmel, ja!“ Hannes schlug sich mit der flachen Hand auf die Stirn, dann griff er in sein Jackett und zog ein Etui heraus. „Ich habe natürlich auch ein Geschenk für dich.“ Er trat hinter seine Frau, raunte: „Augen zu!“ und legte ihr sanft etwas um den Hals.

Mama lächelte, ihre Finger tasteten nach dem Etwas, und da verschwand das Lächeln auf ihrem Gesicht plötzlich wieder. Stolz hielt Hannes ihr einen Spiegel vor. „Gefällt sie dir?“, fragte er.

„Hm, ja“, murmelte Annelie nach einem flüchtigen Blick. „Wirklich lieb von dir.“

Hannes nickte selbstzufrieden. Die Perlen hatten ja auch eine Stange Geld gekostet. Aber nach 40 Jahren Ehe konnte man schon mal die Kreditkarte zücken!

Er setzte sich wieder, öffnete gespannt den Umschlag und zog zwei Karten für die Staatsoper heraus. Zur Premiere von Rigoletto Anfang März, wenn sie wieder zu Hause sein würden. Sein Gesicht verfinsterte sich, schließlich schob er die Karten wieder in den Umschlag und legte ihn verärgert weg.

Seine Frau hatte seine Reaktion mit Unbehagen beobachtet, und weil er gar nichts sagte, fühlte sie sich genötigt, eine Erklärung abzugeben. „Es war schon ein Wunder, dass ich überhaupt Karten für Rigoletto bekommen konnte, bei der Starbesetzung!“ Aufgesetzt heiter lachte sie. „Aber dann auch noch für die Premiere – das ist das reinste Weltwunder! Freust du dich denn gar nicht, Hannes?“

„Nein!“, fuhr er sie finsteren Blickes an. „Du weißt doch, Annelie, dass ich nicht gerne ins Theater gehe. Es wäre mir recht, wenn du die Karten zurückgeben würdest.“

Annelie sagte nichts. Ihr Gesicht war plötzlich wie versteinert. Erst als das Schweigen unerträglich wurde, kam etwas über ihre zitternden Lippen. Zuerst so leise, dass niemand es verstand, dann laut: „Zurückgeben! Diese Karten soll ich zurückgeben? Nur weil du … du bodenloser Egoist nicht gern in die Oper gehst?“ Die Hand auf ihrem Schoß ballte sich zur Faust, sie hatte Tränen in den Augen.

„Aber Mama“, mischte sich nun Jan ein, „du weißt doch, er kann die vielen Leute nicht haben.“

„Hach, er kann die vielen Leute nicht haben!“, rief Annelie außer sich vor Wut, und da krachte plötzlich ihre Faust auf den Tisch.

Entsetzt sahen sich Vater und Sohn an. Noch nie, solange die beiden denken konnten, hatte Annelie mit der Faust auf den Tisch geschlagen. Was war nur in sie gefahren? Wollte sie ausgerechnet am 40. Jahrestag ihrer doch immer so glücklichen Ehe rebellieren?

Hannes griff beschwichtigend nach der Hand seiner Frau, aber sie zog sie zurück, als hätte sie sich verbrannt. „Und ich“, rief sie wütend, „ich kann deine dämlichen Flugzeuge nicht mehr ertragen, die zu Hause überall herumstehen und die ich, jawohl: ich!, abstauben muss! Doch danach kräht ja kein Hahn! 40 Jahre lang habe ich deinen Egoismus klaglos hingenommen, aber ich sage dir, Hannes, keinen Tag länger! Jetzt will ich auch einmal zum Zuge kommen.“

♥ Der Haussegen hing schief

Erst nach einer Aussprache gestanden sich Annelie und Hannes ihre Fehler ein

Hannes sah sie verdattert an. Er ein Egoist? Wie bei einem Karpfen klappte sein Mund stumm auf und zu – er war einfach sprachlos!

Jan sah seine Frau beschwörend an. „Oh, bitte Sanna …“

„Und hier“, sagte Annelie und deutete mit angeekeltem Gesicht auf den Tintenfisch. „Sogar zu unserem Hochzeitstag wünschst du dir etwas, wovon du ganz genau weißt, dass ich es nicht mag!“

„So denkst du also über mich?“ Hannes schüttelte den Kopf. „Und das eröffnest du mir ausgerechnet heute! Der Zeitpunkt ist ja wirklich passend!“ Seine Stimme war laut geworden, Empörung und verletzte Eitelkeit schwangen mit.

„Der Zeitpunkt für solch ein Gespräch ist immer unpassend“, kam Sanna ihrer Schwiegermutter zur Hilfe. Sie sah dabei von Vater zu Sohn. Und plötzlich lachte sie, aber es klang alles andere als fröhlich. „Umwerfend, wie ihr euch ähnelt! Ihr mit eurem überwältigenden Charme und eurem Großmut!“

Jan sah sie beschwörend an. „Oh, bitte Sanna! Nun lass …“

„Bitte Sanna, bitte Sanna!“, äffte sie ihn nach. „Annelie und ich dürfen bei euch reden so viel wir wollen, wenn wir nur nichts sagen! Und wir dürfen alles tun, was wir wollen, wenn wir dabei nur keinen Spaß haben! Und wenn wir euch dann sagen, dass ihr Egoisten seid, haut es euch glatt aus den Socken!“

„Also, jetzt reicht es mir aber!“ Diesmal sauste Hannes’ Faust auf den Tisch. „Im Beschuldigen seid ihr Frauen ja groß – aber wie wäre es denn, wenn ihr euch mal an der eigenen Nase packen würdet?“

Er deute auf Annelie. „Wie kann ich ahnen, was in dir vorgeht, wenn du es mir nie ehrlich sagst? Wie kann ich wissen, dass du Tintenfisch so eklig findest, wenn du ihn doch immerzu isst – offenbar nur um mir einen Gefallen zu tun?“

„Aber du weißt doch, dass ich ihn nicht besonders mag“, sagte Annelie mit Leidensmiene.

„Nicht besonders mögen ist etwas anderes, als ihn abscheulich eklig finden! Und dann, weshalb fragst du mich, was ich essen will, koche doch einfach was dir schmeckt! Oder mach mir ein paar Vorschläge, die dir auch passen.“

„Eben“, sagte Jan an Sanna gerichtet. „Genau so verfährst du mit mir. Überlässt mir die Auswahl unseres Reisezieles und wenn wir dort sind, erfahre ich so ganz nebenbei, dass du überall hinwolltest, nur gerade nicht in dieses Land. Und dann muss ich mir anhören, wie rücksichtslos ich bin und mir den Urlaub vermiesen lassen.“

„Du hättest mich ja fragen können, bevor du ins Reisebüro gehst und buchst!“, murrte Sanna.

Jan funkelte sie zornig an. „Und du hättest nicht zu sagen brauchen, dass dir alles recht ist, wenn dir eben doch nicht alles recht ist!“

„Na, das ist ja wirklich großartig!“ Hannes warf Annelie einen vorwurfsvollen Blick zu. „Da siehst du mal, was du angerichtet hast, jetzt streiten sich deinetwegen auch die Kinder noch.“

„Wir streiten nicht wegen Annelie!“, fuhr Sanna auf. „Das ist gemein, ihr jetzt die Schuld hinzuschieben, nur damit du fein raus bist! Außerdem ging es ja wohl um etwas ganz anderes – um die Theaterkarten nämlich, und um den kleinen Gefallen, den du ihr ruhig tun könntest, da mit ihr hinzugehen. Wo ihr so sehr daran liegt!“

„Ach ja, die Karten!“ Hannes griff nach dem Umschlag und fuchtelte damit aufgebracht durch die Luft. „Was ist denn das für ein Geschenk, von dem man ganz genau weiß, dass der Beschenkte daran keine Freude hat? Geschenk nennst du diese Erpressung?“

„Und dein Geschenk?“, rief Annelie und griff sich mit zitternden Fingern an die Perlenkette. „Du weißt ganz genau, dass ich schon zwei Perlenketten habe! Du hast sie mir nämlich selbst geschenkt!“ Sie lachte bitter auf. „Und jetzt habe ich drei! Soll ich sie vielleicht alle übereinander tragen? Nur weil du zu fantasielos bist oder zu bequem, dir mal was anderes auszudenken? Oder liegt es eher daran, dass du immer so mit deinen kindischen Flugzeugmodellen beschäftig bist und dich so wenig für mich interessierst, dass du vergisst, was du mir geschenkt hast?“

Plötzlich starrten drei Augenpaare Jan ganz entgeistert an

Hannes runzelte die Stirn. Man sah ihm an, dass er die Perlenketten tatsächlich vergessen hatte, und dass ihm das jetzt peinlich war. Aber er bekam schnell wieder Oberwasser. „Siehst du!“ Sein Zeigefinger stieß triumphierend in die Luft. „Da haben wir es wieder! Du nimmst die Perlen dankend an, statt mich auf meine Unachtsamkeit hinzuweisen. Dabei könnten wir sie natürlich umtauschen, wenn du nur offen und ehrlich wärst.“

♥ Verkehrtes Geschenk

Hannes schenkte seiner Liebsten eine edle Perlenkette – die dritte in Folge

„Richtig!“, kam Jan seinem Vater zu Hilfe. „Genau das ist es, woran auch unsere Ehe gescheitert ist! Ich soll Sanna alles von den Augen ablesen, und weil ich das nicht kann, behauptet sie, ich sei ein Egoist und würde sie nicht lieben! Aber verdammt, ich liebe dich! Ich wollte die Scheidung nicht, ich …“ Plötzlich stockte er, denn drei Augenpaare richteten sich auf ihn und starrten ihn entgeistert an.

Annelie fand als erste die Sprache wieder. „Scheidung?“, flüsterte sie und sah von Jan zu Sanna. „Ihr wollt euch scheiden lassen?“

„Sanna will sich scheiden lassen“, berichtigte Jan. Er sah zu Sanna hinüber, Trauer nistete in seinen Augen. „Sie ist vor zwei Monaten ausgezogen und …“ Er schwieg, den Blick verbittert auf seine Hand gerichtet, an der er noch immer den Ehering trug.

„Ja aber …“ Hannes schüttelte fassungslos den Kopf. „Gibt es denn da wirklich nur diesen einen Weg für euch? Scheidung?“

„Ja, verdammt!“, schrie Sanna, sprang auf und stürzte hinaus.

Betretenes Schweigen folgte. Schließlich ging Annelie mit müden Schritten in die Küche und schaltete die Bratröhre aus. Essen wollte nun wohl keiner mehr. Und als sie sich umdrehte und auf dem Küchentisch die Hochzeitstorte mir der goldenen 40 sah, die es zum Nachtisch geben sollte, brach sie in haltloses Schluchzen aus.

Nie, in den ganzen Jahren, hatte sie sich zugestanden zu weinen. Nicht, wenn Hannes zu Hause war – aber das wurde ihr in seiner vollen Bedeutung erst bewusst, als ihr Mann plötzlich hinter ihr stand und ihr still übers graue Haar strich.

So hatte sie auch nie erfahren können, wie warm und zärtlich und beruhigend es war, wenn diese Hand sie tröstend streichelte und ihr damit zeigte, dass sie mit ihrem Kummer nicht alleine war.

Plötzlich fuhr sie herum, warf sich Hannes in die Arme und schluchzte: „Ach du, wie dumm war ich, mich immerzu hinter meinem Stolz zu verstecken! Wie dumm und wie einsam! Und dass ich nie ehrlich war und nie sagte, was ich will, damit hast du recht. Außerdem, ich weiß gar nicht, was heute in mich gefahren ist, dass ich so bodenlos wütend auf dich wurde. Bitte verzeih mir, Hannes.“

„Ach Lieschen, ich habe wohl auch eine ganze Menge falsch gemacht. Ich glaube, ich bin wirklich ein Egoist, da hast du schon recht. Du hast es mir aber auch verdammt leicht gemacht.“ Er hob ihr Kinn an und küsste sie auf die verweinte Nase. „Glaubst du, es ist schon zu spät für uns, all unsere Fehler auszubügeln und sozusagen noch mal von vorne anzufangen?“

„Noch einmal von vorne anfangen?“ Ein zaghaftes Lächeln huschte über ihr Gesicht. „Mein lieber Hannes, das brauchen wir doch gar nicht! Wir machen einfach weiter – aber eben anders als bisher. Und dazu, glaube ich, ist es wirklich niemals zu spät!“

Hannes nickte, drückte seine Annelie ganz fest an sich und seufzte bekümmert. „Wenn nur die Kinder auch so denken würden.“

Als Annelie und Hannes Arm in Arm ins Wohnzimmer kamen, fanden sie Jan am Fenster stehen und hinausstarren, und als er sich flüchtig nach ihnen umdrehte, sahen sie, dass auch er geweint hatte.

Annelie öffnete den Mund, wollte etwas sagen, schloss ihn aber wieder und schwieg. Doch Hannes wollte es nicht dabei belassen. „Warum gehst du nicht endlich zu

Sanna und gestehst ihr ganz ehrlich, was du fühlst?“, fragte er tadelnd.

„Du hast doch gehört, was sie gesagt hat. Scheidung ist für sie die einzig denkbare Lösung!“

Hannes nickte. „Wer nichts zu erreichen versucht, kann auch nicht der Verlierer sein!“ Es ärgerte ihn, dass sein Sohn die Möglichkeit einer Versöhnung so lässig abtat.

♥ Süße Versöhnung

Nach dem Streit war für Jan und Sanna die Scheidung endlich vom Tisch

Nun mischte sich Annelie doch ein. Sie ging zu Jan, drehte ihn zu sich und sagte: „Ich glaube, das hast du von mir. Wir beide wollen unsere Gefühle vom Kopf aus regieren. Doch solche Probleme lassen sich nicht mit Vernunft lösen.“

Wie auf ein geheimes Signal fielen sich die beiden in die Arme!

Sie tippte ihm auf die Brust, „Und was fühlst du jetzt da drinnen, im Herzen?“ Annelie sah ihrem Sohn so tief und fest in die Augen, dass er sich nicht in eine bockige Lüge verstricken konnte.

„Ich bin traurig“, gab er mit gesenktem Blick zu. „Und ich fühle mich unendlich einsam.“

„Am Ende geht es Sanna genauso, aber keiner von euch bringt es fertig, den ersten Schritt zu tun.“

Jan sah seine Mutter lange und sehr nachdenklich an, dann streckte er sich plötzlich, sagte: „Ich glaube, du hast recht!“

Entschlossen ging er zur Tür. Als er sie öffnete, stand Sanna vor ihm, in der einen Hand ihre Reisetasche, die andere zum Klopfen erhoben. Eine Weile sahen sich die beiden stumm in die Augen, dann fielen sie sich, wie auf ein geheimnisvolles Signal hin, in die Arme.

„Ich wollte zum Flughafen“, schluchzte Sanna, „aber das ist es ja gar nicht, was ich wirklich will! Eigentlich will ich bei dir bleiben, weil ich dich liebe … ach, warum sag und tu ich bloß dauernd etwas anderes, als ich wirklich will?“

„Tja, warum tun wir das?“ Das fragte sich auch Annelie, die es immerhin ganze 40 Jahre so gehalten hatte. Sie schüttelte über sich selbst den Kopf, zog ihren Mann in die Küche und sagte: „Weißt du, was mich schaudern lässt – wenn wir heute nicht diesen Streit gehabt hätten, dann wären Jan und Sanna vielleicht tatsächlich auseinandergegangen.“ Sie seufzte tief, dann lächelte sie versonnen. „Aber so ist unser 40. Hochzeitstag auch für die Kinder zu einer Art Hochzeitstag geworden …“ Zärtlich küsste sie ihren Mann, schlang ihre Arme um seinen Nacken. „Ich glaube, ein Gläschen Champagner wäre jetzt durchaus angebracht, mein Alter! Du lässt den Korken knallen, und ich bringe die Gläser.“

ENDE

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LADY-KRIMI