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Alternative Hemmstoffe: Keine konstante Wirkung


GB Gärtnerbörse - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 24.04.2018
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Bildquelle: GB Gärtnerbörse, Ausgabe 5/2018

Chrysanthemum ‘Dreamstar Ares’: (von links) Variante 1 – 3 – 4 – 5 (siehe Kasten)


Chrysanthemum ‘Dreamstar Midas’: (von links) Variante 1 – 4 – 5 – 2 (siehe Kasten)


Chrysanthemum ‘Dreamstar Zeus’: (von links) Variante 1 – 3 – 4 (siehe Kasten)


Auf der Suche nach alternativen Möglichkeiten zur Höhenkontrolle liefen am DLR Rheinpfalz Spritzbehandlungen mit Effektiven Mikroorganismen (EM) und einem Siliziumdünger. Die EM hatten in vorherigen Versuchen bei einigen Kulturen recht gute, bei anderen nur schwache Ergebnisse gezeigt und sollten nun bei verschiedenen Sommerkulturen geprüft werden.

In diesen Versuchen ...

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... wurde das EMKombipräparat Terrafert Blatt, ein Blattdünger mit EM und anderen Stoffen, in Tankmischung mit dem reinen EM-Produkt BB Boden eingesetzt. Silizium wird im ökologischen Anbau zur Wachstumshemmung eingesetzt, die Wirksamkeit ist aber nicht immer zuverlässig. In diesen Versuchen wurde Fertigro SiL verwendet, ein Kaliumsilikat mit 19,4 Prozent Siliziumgehalt. Als Standardprodukt und als Vergleichsgrundlage für die Ergebnisse mit den alternativen Produkten wurde das Präparat Dazide Enhance eingesetzt.

Topfchrysanthemen

Im Versuch mit Topfchrysanthemen wurden verschiedene mittelstark bis stark wachsende Sorten einbezogen (siehe Kasten „Zum Versuch“). Eine Woche nach dem Stutzen begannen die Behandlungen. Dazide Enhance wirkte erfahrungsgemäß sehr stark, sodass bereits zwei Behandlungen ausreichend waren. Die alternativen Produkte wurden über die gesamte Kulturzeit wöchentlich ausgebracht. Die Konzentration des Siliziumdüngers musste nach der ersten Applikation von 3,0 Prozent auf 0,5 Prozent reduziert werden, weil er zu starken Blattverbrennungen führte.

Zur Auswertung in Kalenderwoche 40 und 41 waren alle mit Dazide Enhance behandelten Sorten ausreichend gehemmt. Die alternativen Mittel schnitten schwächer ab, die Variante mit der Tankmischung aus Terrafert Blatt 3,0 Prozent und BB Boden 2,0 Prozent zeigte überhaupt keine Auswirkung auf die Pflanzenhöhe. Bei der Tankmischung mit Terrafert Blatt 5,0 Prozent und bei den Siliziumbehandlungen waren die Chrysanthemen niedriger als in der Kontrolle. Die Höhenunterschiede bewegten sich, je nach Sorte, im Bereich von ein bis vier Zentimeter, waren also optisch wahrnehmbar. Ein statistisch abgesicherter Unterschied ließ sich jedoch nicht nachweisen (Tabelle 1). Die Siliziumbehandlungen hinterließen, trotz des weichen Wassers, einen sehr starken Belag auf den Blättern. Der Blühzeitpunkt wurde nicht beeinflusst.

Auch wenn einige Behandlungen mit den alternativen Produkten leichte Effekte zeigten, lässt sich keine sichere Empfehlung aussprechen. Für Betriebe, die ohne chemische Hemmstoffe produzieren, können das Präparat Fertigro SiL oder die Tankmischung Terrafert Blatt 5,0 Prozent und BB Boden 2,0 Prozent ein Baustein in der Wachstumskontrolle sein.

ZUM VERSUCH

Topfchrysanthemen

Kultur:Chrysanthemum -Serie Dreamstar (Kientzler), Sorten: ‘Ares’ (stark wachsend), ‘Inanna’ (mittelstark wachsend), ‘Midas’ (mittelstark wachsend), ‘Pan’ (mittelstark wachsend), ‘Zeus’ (stark wachsend)
Stecken: Kalenderwoche (KW) 28, ein Steckling pro 12er-Topf in Klasmann Substrat 5 (medium + GreenFibre)Stutztermin: KW 30
Bewässerungsdüngung: 100 mg/l N – 50 mg/l P2 O5 – 120 mg/l K2 O
Versuchsvarianten:
1. Kontrolle
2. Dazide Enhance 3,0 kg/ha in KW 31 / 32 3. Terrafert Blatt 3,0 % + BB Boden 2,0 % in KW 31 / 32 / 33 / 34 / 35 / 36 / 38 / 39 / 40
4. Terrafert Blatt 5,0 % + BB Boden 2,0 % in KW 31 / 32 / 33 / 34 / 35 / 36 / 38 / 39 / 40
5. Fertigro SiL 3,0 % in KW 31 (Blattverbrennungen), 0,5 % in KW 32 / 33 / 34 / 35 / 36 / 38 / 39 / 40

Sommertopfpflanzen

Kulturen:Ajanja pacifica ‘Silver ’n’ Gold’ (Kientzler),Aster ‘Sapphire’ (Kientzler),Gaura lindheimeri ‘Whirling Butterflies’ (Dümmen Orange),Salvia officinalis ‘Purpurascens’ (Kientzler),Veronica penduncularis ‘Big Blue’ (Kientzler),Veronica prostrata ‘Aztec Gold’ (Kientzler)
Topftermine: KW 27 (Kientzler), KW 30 (Dümmen Orange), 12er-Topf
Substrat: Klasmann Substrat 5 (medium + GreenFibre)
Stutztermine: KW 28 (Kientzler), KW 30 (Dümmen Orange)
Bewässerungsdüngung: 100 mg/l N – 50 mg/l P2 O5 – 120 mg/l K2 O
Versuchsvarianten*:
1. Kontrolle
2. Dazide Enhance 3,0 kg/ha in KW 29 / 30 / 31 / 32 / 33
3. Spritzfolge Dazide Enhance 3,0 kg/ha in KW 29 / 31 / 33 – Terrafert Blatt 3,0 % + BB Boden 2,0 % in KW 30 / 32 / 33 / 34 / 35
4. Terrafert Blatt 3,0 % + BB Boden 2,0 % in KW 29 / 30 / 31 / 32 / 33 / 34 / 35
5. Terrafert Blatt 5,0 % + BB Boden 2,0 % in KW 29 / 30 / 31 / 32 / 33 / 34 / 35 6. Fertigro SiL 0,4 % in KW 29 / 30 / 31 / 32 / 33 / 34 / 35
* BehandlungsbeginnGaura in KW 30

Sommertopfpflanzen

Ein anderer Versuch mit ähnlicher Ausrichtung befasste sich mit der Höhenkontrolle verschiedener Sommertopfpflanzen (siehe Kasten „Zum Versuch“). Als zusätzliche Variante wurde eine Spritzfolge mit Dazide Enhance im Wechsel mit der Tankmischung aus Terrafert Blatt und BB Boden eingesetzt. Dadurch wurde der Dazide-Einsatz im Vergleich zur Variante 2 von fünf auf drei Termine reduziert.

Bei allen Gattungen wirkte Dazide Enhance zur Wachstumskontrolle sehr gut, die Pflanzen waren durchweg kompakt. Die alternativen Produkte zeigten erkennbare bis gar keine Effekte auf das Pflanzenwachstum (Tabelle 2). Wenn eine Hemmwirkung vorhanden war, fiel sie deutlich schwächer aus als bei der chemischen Höhenkontrolle. Es gab keine klare Aussage zu einer bestimmten Alternative, tendenziell hatte der Siliziumdünger bei einigen Kulturen leichte Vorteile, die aber nicht signifikant waren. Nachteilig bei Fertigro SiL war ein Spritzbelag auf den Blättern.

Die Spritzfolge, in der Dazide Enhance im Wechsel mit den EM-Produkten eingesetzt wurde, erbrachte ähnlich gute Ergebnisse wie die reine Dazide-Variante, das war bei der Mehrzahl der Kulturen auch statistisch belegbar. Die Anzahl der Dazide-Behandlungen ließ sich in diesem Versuch ohne große Wirkungsverluste von fünf auf drei reduzieren. Der Einfluss der EM-Behandlungen kann nach diesem Versuchsaufbau nicht hundertprozentig geklärt werden, weil eine reine Dazide-Variante mit nur drei Applikationen aus Platzgründen fehlte.

Die Aufwandmenge der EM-Tankmischung, wie sie auch in der Spritzfolge mit Dazide Enhance zur Anwendung kam, brachte als alleinige Anwendung nur beiVeronica prostrata kürzere Triebe. Das erlaubt die Spekulation, dass die Wirkung von Dazide Enhance ohne EM genauso gewesen wäre. Andererseits nimmt die Wirkung von chemischen Wachstumsregulatoren bei häufigen Anwendungen zu – diese Erfahrung stützt einen positiven Einfluss der Spritzfolge.

Salvia officinalis ‘Purpurascens’: (von links) Variante 1 – 3 – 2 (siehe Kasten)


Veronica prostrata ‘Aztec Gold’: (von links) Variante 1 – 5 – 4 – 6 – 2 – 3 (s. Kasten)


Fazit der Versuche

Als Fazit bleibt die Erkenntnis, dass eine sicher kalkulierbare Höhenkontrolle in den geprüften Kulturen nur mit klassischen Hemmstoffen machbar ist. Sollten die Rahmenbedingungen der Produktion, zum Beispiel Bio-Anbau oder Vorgaben des Handels, den Einsatz chemischer Hemmstoffe reglementieren, können auch schwächere Effekte nützlich sein. Damit herrscht die gleiche Situation wie bei anderen biologischen Präparaten vor, bei denen man einen schwächeren Wirkungsgrad einkalkulieren muss.

Der größte Nachteil bei der Höhenkontrolle liegt in der schwankenden Wirksamkeit der Alternativen, die eine Empfehlung erschwert. Hierfür sind Ursachen zu ermitteln, um eine konstantere Wirkung zu ermöglichen. Gerade bei biologischen Produkten können die Umstände während der Lagerung oder der Anwendung großen Einfluss auf die Effektivität haben.
Frank Korting, DLR Rheinpfalz, Neustadt/Weinstraße


Fotos: Frank Korting