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ALTES WISSEN: Die Vermessung der Welt


LandIDEE - epaper ⋅ Ausgabe 4/2018 vom 06.06.2018

Landkarten begleiten die Menschheit seit Tausenden von Jahren. Doch so, wie die Erde fortschreitend erforscht wurde und sich der Blick auf sie wandelte, veränderte sich auch ihre Darstellung auf dem Papier.


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Bildquelle: LandIDEE, Ausgabe 4/2018

Karten waren stets Abbilder der Kenntnisse ihrer Zeit. Frühe Zeugnisse der alten Welt enthalten oft eine dekorative Umrahmung des Titels, der Legende oder des Werkes, die sogenannte „Kartusche“


E s ist schon recht erstaunlich, wie ein winziger Teil der Erde, ein kleines irdenes Fundstück nur, die ganze Welt in sich tragen kann. Wie eine einfache Tonscherbe es vermag, die Sicht früherer Völker auf die ...

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... Welt zu zeigen. So, wie es das Bruchstück einer Keilschrifttafel aus dem 6. Jahrhundert vor Christus tut, das heute im Londoner „British Museum“ ausgestellt ist. Und das, starr und auf ewig in ihm eingemeißelt, das unverbrüchliche Weltbild der Babylonier zeigt, die sich die Erde als eine ringförmig von Meerwasser umgebene, vom Euphrat durchflossene Scheibe vorstellten.

Die 1280 von Richard von Haldingham beauftragte Hereford-Karte ist die größte erhaltene mittelalterliche „Mappa mundi


Bilder, die die Welt bedeuten

Acht Dreiecke, die den Ozean umgeben, bezeichnen entfernt liegende, zum Teil mythische Orte, überdimensional im Zentrum liegt die Stadt Babylon. Dieses Fragment, ein Stein der Weisen beinah, führt damit deutlich vor Augen, welchen Stellenwert Babylon innehatte: Die wichtige Stadt im Altertum, im heutigen Irak gelegen, war nichts Geringeres als der politische wie kulturelle und religiöse Nabel der Welt.

Diese sumerische Keilschrifttafel aus Ton aus dem Jahre 1500 v. Chr. zeigt Felder, die in der alten Stadt Nippur zu den königlichen Gütern gehörten


Die babylonische Karte gilt als erste bekannte kartografische Darstellung der Welt. Dass Menschen aber schon viel früher versuchten, sich zumindest von ihrer näheren Umgebung ein Bild zu machen, zeigen Relikte aus der Zeit, als sie sesshaft wurden: Zu Beginn der Jungsteinzeit, etwa 12.000 v. Chr., begannen sie damit, sich zusammenzuschließen, Häuser zu bauen, Ackerbau zu betreiben und Haustiere zu halten. Als die ersten Hochkulturen wie Ägypten und Mesopotamien entstanden, lernten die Menschen, Deiche und Kanäle anzulegen, um das kostbare Wasser gleichmäßig über die Felder zu verteilen. Karten zeigten ihnen dabei, wo Wasserläufe, Berge und Wildvorkommen zu verorten sind. Wie nicht zuletzt die in einer Höhle bei Abaunz in Nordspanien gefundene kleine Steintafel aus dem 14. Jahrtausend v. Chr. beweist, auf der derartige Landmarken als Symbole eingezeichnet sind und die als älteste Karte überhaupt gilt.

Das Gesicht der Erde

Auch Karten mit Grundrissen von Häusern wurden schon vor Tausenden von Jahren gezeichnet, wie eine über 4000 Jahre alte sumerische Tontafel aus Mesopotamien belegt, die heute im Louvre in Paris hängt.
Bereits die Antike brachte Erkenntnisse über die Kugelform der Erde (Pythagoras, 6. Jh. v. Chr., Aristoteles, 384–322 v. Chr.), den genauen Erdumfang (Eratosthenes, 300 v. Chr.) und eine erste Aufteilung der Erde in ost-westlicher Richtung in 360 Grad (Erfindung des Längengrads durch den griechischen Astronomen Hipparch, 190–120 v. Chr.).

Karten prägen das Bild der Erde

Einen ersten Globus erstellte der Kartograf Ptolemäus (100–175 n. Chr.). Mit dessen Hilfe versuchte er, die 8000 bekannten Plätze der Welt auf einer Karte anzuordnen. Den Norden verortete er erstmals am oberen Ende der Karte.
Wie konnte es mit diesem Wissensstand vor Augen nur passieren, dass man sich im beginnenden Mittelalter wieder erbittert über die Form der Erde stritt? Die Radkarten aus dieser Zeit zeigen, wie man die Erde zu sehen hatte: als Scheibe, auf der die Flächen der drei bekannten Erdteile Asien, Europa und Afrika kreisförmig dargestellt, durch das Mittelmeer geteilt und vom Ozean umflossen wurden. Mittelpunkt der Karten des europäischen Mittelalters war Jerusalem, das Heilige Land. Menschen wie Galileo Galilei (1564–1641), die sich gegen das von der Kirche vehement vertretene geozentrische Weltbild stellten und wie Kopernikus erkannten, dass die Erde sich um die Sonne dreht, hatten einen schlechten Stand.

Abbilder der Veränderung

Die im Mittelalter angefertigten Karten, vor allem die sogenanntenMappae mundi aus dem 10. Jahrhundert, taugten wenig zur Orientierung im Feld. Sie wurden oft in Klöstern gezeichnet, mit Schwerpunkt auf den wichtigen Orten der biblischen Geschichte. Die Veränderung des Bildes, das man sich von der Welt machte, nahm erst rasant an Fahrt auf, als Seefahrer wie Christoph Kolumbus, Vasco da Gama und James Cook die Segel hissten und unbekannte Welten entdeckten. Bis zur Entwicklung des Sextanten waren die Seekarten, die sogenannten Portolane, aber noch sehr ungenau und – in Form fantasievoller Illustrationen – von allerhand sagenhaften Ungeheuern, mystischen Fabeltieren und furchterregenden Seemonstern bevölkert. Ganz so, als ob sie ihrem Betrachter sagen wollten: „Seht her, hier beginnt die unbekannte, gefährliche Welt.“

Mit dem im 18. Jahrhundert entwickelten Sextanten konnte die geografische Breite auf hoher See bestimmt werden


Die Welt entschleiert sich

Mit fortschreitender Erforschung und Vermessung der Erde wurden die Karten detaillierter und weiße Flecken mehr und mehr getilgt. Alte Karten zeigen, wie frühere Generationen die Welt sahen – und verbergen auch ihre Irrtümer nicht. So findet man in frühen Werken der Kartografie, wie etwa in Rumold Mercators berühmter Weltkarte aus dem Jahr 1569, häufig einen mit Afrika verbundenen vierten Kontinent: dieTerra australis incognita . Dessen Existenz wurde durch James Cook mit seiner Umrundung der Antarktis 1772 aber endgültig widerlegt.
Karten sind veränderlich – so wie Ländergrenzen und Staatenzugehörigkeiten es sind. Stets sind sie ein 1:1-Abbild der Geschichte, erzählen von Staatenlenkern, Sichtweisen, politischen Machenschaften, Eroberungen, Krieg und Frieden. An ihnen kann man die Weltgeschichte ablesen.
Dr. Angelika Huber-Janisch

Galileo Galilei widerlegte mit seinen Erkenntnissen das von der Kirche verfochtene Weltbild: Nicht die Erde ist der Mittelpunkt des Sonnensystems – sondern die Sonne


Die Kartografie schritt durch die Erkundungen von Seefahrern wie Kolumbus (1451–1506) voran


WUSSTEN SIE …

Das heute auf jeder Karte sichtbare Netz aus Längen- und Breitengraden ist eine Erfindung des Menschen und erleichtert eine genaue Positionsbestimmung. Am 21.6.1667 wurde mit der Bestimmung des Nullpunktes der Grundstein für die präzise Vermessung der Welt gelegt. Dieser Pariser Meridian wurde 1884 durch den seitdem verwendeten Nullmeridian von Greenwich (London) abgelöst.


FOTOS: AKG IMAGES (1), ALAMY (2), DPA (2)/PICTURE-ALLIANCE, IMAGO (1), MAURITIUS IMAGES (1), SHUTTERSTOCK (1)