Lesezeit ca. 11 Min.
arrow_back

Am milden Fluss


Logo von Reisemobil International
Reisemobil International - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 04.10.2022

Entlang der Jagst

Artikelbild für den Artikel "Am milden Fluss" aus der Ausgabe 11/2022 von Reisemobil International. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Reisemobil International, Ausgabe 11/2022

Gute Verbindung: Bei Eichenau überspannt eine malerische Brücke die Jagst. Nebenan lockt eine Badestelle.

Kaum zu glauben. Nichts tropft, nichts. Doch aus diesem Nichts entwickelt sich im Norden Baden-Württembergs ein 190 Kilometer langer Fluss. Sieger und Versiegte: Die Hitze des Sommers 2022 und die andauernde Trockenheit haben den Ursprung der Jagst nahe Walxheim im Ostalbkreis ausgedörrt. Lediglich die Inschrift auf der steinernen Einfassung verrät: „Jagst-Quelle.“ Zum Glück gibt es Nebenflüsse und Seen, die Wasser, dieses kostbare Gut, bereithalten und spenden.

In Stein gemeißelt ist die Höhe der Jagst über NN: 519 Meter die trockene Quelle, bei der Mündung in den Neckar nahe Bad Friedrichshall 144 Meter. Das Gefälle von 375 Höhenmetern verläuft in abwechslungsreicher Landschaft zwischen üppig grünen Talauen und weiten Feldern auf Hochebenen. Städte und Orte bilden die Stationen bei dem Stellplatz-Check entlang der Jagst, des größten und weitgehend naturbelassenen Nebenflusses der ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Reisemobil International. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 11/2022 von Branche emanzipiert sich von Fiat. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Branche emanzipiert sich von Fiat
Titelbild der Ausgabe 11/2022 von LESERBRIEFE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LESERBRIEFE
Titelbild der Ausgabe 11/2022 von Überraschung. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Überraschung
Titelbild der Ausgabe 11/2022 von Ford im Trend. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Ford im Trend
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Jeden Tag ein Preis
Vorheriger Artikel
Jeden Tag ein Preis
Auf der Obstwiese
Nächster Artikel
Auf der Obstwiese
Mehr Lesetipps

... schwäbischen Lebensader, des Neckars. Eine Tour, die, wie sich zeigt, stets Überraschungen bereithält. Zu denen gehört die Kultur, erst recht aber die Vielfalt an Pflanzen, Tieren und Biotopen.

Zugegeben, das Netz an Übernachtungsplätzen für mobile Urlauber dürfte entlang dieses milden Flusses ruhig dichter gewoben sein. Ebenso spärlich gehen einige Gemeinden obendrein mit den Hinweisschildern auf die begehrten Plätze um. Oder manche Betreiber ahnen, dass es an der Qualität ihrer Stellplätze durchaus etwas zu verbessern gäbe.

STELLPLATZ TESTER

Stellplatztester Claus-Georg Petri hat sich entlang der Jagst an den schönen Städten erfreut. Bei der Qualität der Übernachtungsplätze hat er Unterschiede entdeckt.

Dennoch lohnt es sich unbedingt, das Jagsttal von der Quelle bis zur Mündung zu bereisen. Wer, das nächste Ziel fest im Blick, sich treiben lässt und zurück zum Fluss lenkt, erlebt immer wieder Überraschungen. Und genau von denen lebt diese Tour.

Ellwangen: schmucke Stadt am Limes

In Walxheim, wo die Jagst auf der Ostalb entspringt, ist nicht viel los. Die Quelle verbirgt sich in einem Wäldchen samt Teich und Grillstelle. Ihr Wasser fließt dank der Wasserscheide gleich nebenan hin zu Neckar und Rhein, nicht hinüber zur Donau. Sehenswert ist knapp zwei Kilometer entfernt die Wallfahrtskirche St. Marien im benachbarten Zöbingen.

Wer nun der Jagst folgt, sieht, dass sie doch Wasser führt, am neun Kilometer entfernten Stausee Stockmühle. Bauer Robert Georgii lebt an dessen Ufer und beobachtet das Gewässer, das ausschließlich als Biotop für Vögel, Fische und anderes Getier dient, täglich: „Wir brauchen dringend Regen“, sagt er.

Durch Lauchheim mit seinem Oberen Tor und dem Heimatmuseum, der Katholischen Pfarrkirche St. Petrus und Paulus sowie dem alles überragenden Schloss Kapfenburg geht es weiter, bis Ellwangen erreicht ist. So schön diese Perle kleinstädtischer Baukunst ist, der kommunale Stellplatz schreckt Besucher eher ab: Der P1, auch Schießwasen genannt, wird der Schönheit der Stadt, die direkt am Limes liegt, in keiner Weise gerecht.

Es handelt sich dabei um einen riesigen geteerten Platz ohne Bäume, dafür mit Müllcontainern. Gedacht ist die Fläche in erster Linie für möglichst viele Pkw. Deshalb ist auf dem stadtnahen Gelände offiziell der Aufenthalt für gerade mal fünf Reisemobile gestattet. Immerhin ist der Aufenthalt gratis.

Das ist auf dem Natur- und City-Camping Ellwangen anders, der vor der Schranke in einem umzäunten Areal neun Stellplätze offeriert. Wer hier allein in seinem Reisemobil übernachtet, ist je nach Saison mit 13 oder 15 Euro dabei, jede weitere Person bezahlt vier Euro. Sollen nun auch noch die Sanitäranlagen benutzt werden, fallen pro Kopf weitere 2,50 Euro an.

Von dem 120 Einheiten großen Campingplatz sind es zehn Minuten zu Fuß ins Zentrum, gerade mal drei Minuten dauert’s auf dem Fahrrad. Der Ausflug lohnt sich unbedingt: Die Basilika St. Vitus mit der angrenzenden Evangelischen Stadtkirche dominieren die Innenstadt, die prächtige Einkaufsstraßen durchziehen. Beim Bummel findet sich an jeder Ecke Sehenswertes.

Über der 25.000 Einwohner großen Stadt thront das Schloss ob Ellwangen, das auf eine mittelalterliche Burg zurückgeht. Es zu besuchen lohnt allemal: Arkadeninnenhof, Treppenhaus und Schlossmuseum sind die Spots für Gäste. Nicht zu vergessen: Der Blick von hier oben fällt auf die Wallfahrtskirche Schönenberg auf dem benachbarten Hügel – das nächste Ziel für den Aufenthalt in Ellwangen.

Jagstzell: Außenstelle von Kloster Ellwangen

Vermutlich haben Mönche des Ellwanger Klosters in der Karolingerzeit den Ort als Niederlassung gegründet. Kaum verwunderlich, dass die Kirche St. Vitus das Bild des knapp 2.500 Einwohner zählenden Städtchens dominiert – mal abgesehen von der alten Schule und dem Bahnhof.

Wer sich all das ansehen möchte und über Nacht bleibt, findet zwischen Jagst – da ist sie wieder – und den Bahngleisen einen schönen Stellplatz für allerdings nur zwei Reisemobile auf Asphalt. Ver- und Entsorgung sind vorhanden wie Strom; ein öffentliches WC steht nebenan. Zu Fuß ins Städtle sind es drei Minuten. Für einen angenehmen Aufenthalt ist also gesorgt.

Crailsheim: Türme direkt an der Jagst

Nicht so in Crailsheim. Ehrlich, es ist schön, dass es einen Stellplatz gibt, aber der am Volksfestplatz verleitet nicht zu einem längeren Besuch der Stadt. Auf einem riesigen Areal für Pkw ist eine Ecke für Reisemobile reserviert, was positiv ist. Das Ambiente aber, Schotter, nichts Anheimelndes und kein Service, indes wirkt nicht sehr einladend. Da hilf auch nicht, dass der Aufenthalt gratis ist und ein Imbiss nebenan Snacks und Getränke anbietet.

Dabei ist der Bummel durch die Altstadt von Crailsheim mit seinen knapp 35.000 Einwohnern durchaus lohnend. Um die 60 Prozent der Stadtmauer sind wieder oder noch erhalten, vor allem aber die Türme der Stadtbefestigung machen was her. So reicht zum Beispiel der Zeughausturm bis ins Jahr 1400 zurück. Von hier sind es nur wenige Schritte zu einem Wehr an der Jagst.

Im Zentrum von Crailsheim stehen Rathaus und die evangelische Liebfrauenkapelle direkt nebeneinander. Größer ist die ebenfalls evangelische Johanneskirche. Rundum vergnügen sich Menschen in Straßencafés.

Kirchberg: Kleinod mit verwinkelten Gassen

Eher beschaulich geht es in Kirchberg zu. Seine knapp 4.500 Einwohner leben in den Häusern an dem Gassengeflecht, dessen Zentrum der 45 Meter hohe, gelbe Stadtturm aus dem Jahr 1400 bildet – das Wahrzeichen der Stadt. Dabei ist Schloss Kirchberg, einstige Residenz der Fürsten von Hohenlohe-Kirchberg, historisch sicherlich bedeutender – aber eben nicht so gut von überall aus zu sehen. Es gibt Kirchen zu entdecken, heimelige Ecken, gepflegte Fachwerkhäuser, kurz: alles, was einen Ort des Mittelalters prägt und liebenswert macht.

Für Besucher im Reisemobil kommt noch positiv dazu, dass der Stellplatz unterhalb des Ortes gut erreichbar an der nicht sehr lauten Hauptstraße liegt. Er ist schön angelegt und von Grün umgeben, versehen mit Ver- und Entsorgung (Letzteres nicht für Chemietoiletten, der Kläranlage wegen). Von diesem Übernachtungsplatz für sechs Fahrzeuge aus ist Kirchberg prima über einen steilen Pfad, garniert mit Stufen, zu erreichen. Auch wenn der Schweiß läuft: Der Weg lohnt sich.

Bei der Weiterfahrt entlang der Jagst überspannt die erste alte Brücke den Fluss. Darunter tummeln sich wieder Fische: Nach einem Feuer in der nahen Lobenhausener Mühle am 23. August 2015 war mit dem Löschwasser eine große Menge Düngemittel in die Jagst gelangt und hatte ein Fischsterben ausgelöst. Doch von der Gewölbebrücke aus dem Jahr 1779 ist zu sehen: Die Tiere kommen wieder – wenn auch noch nicht so arten- und zahlreich wie vor dem Unfall. Beides, Fischsterben und Brücke, sollte dem Gast durchaus einen Gedanken wert sein, der trocken ans andere Flussufer gelangt.

Langenburg: kleine Stadt in Baden-Württemberg

Eher nass geht es am Stellplatz in Langenburg zu, er befindet sich am Freibad Naturnahe Lage, Service, Zentral gelegen, guter Preis, Tiere erlaubt deutlich vor den Toren der knapp 2.000 Einwohner großen Stadt, einer der kleinsten Baden-Württembergs. Obwohl der Parkplatz großzügig bemessen und mit Bäumen bepflanzt ist, müssen sich die zugelassenen drei Reisemobile in eine gemauerte Umfriedung zwängen. Hier gibt es Strom und Frischwasser gegen Kleingeld. So richtig gemütlich ist es hier nicht, dazu ist es einfach zu eng.

Im Ort steht ein prächtiges Schloss mit einem Oldtimermuseum. Durchaus sehenswert, doch aufgepasst: Wer mit dem Reisemobil dorthin fahren will, muss die Höhe seines Fahrzeugs kennen. Der Torbogen in den Ort hinein weist gerade mal eine lichte Höhe von drei Metern auf. Außerdem kommt diese Einfahrt sehr überraschend, ein Parkplatz ist nicht in Sicht – und plötzlich liegt der Ort hinter einem. Ganz ohne Besuch.

Mulfingen: Teilort mit Riesen-Dorflinde

Da Mulfingen an der Jagst über keinen Stellplatz verfügt, wohl aber der Teilort Hollenbach, lohnt der Abstecher hinauf und ein paar Kilometer weg vom Fluss. Dort steht eine unglaublich alte und dementsprechend gigantische Sommerlinde. Das Naturdenkmal, an dieser Stelle wurde einst Gericht gehalten, wird auf mindestens 700 Jahre geschätzt, eine der ältesten Linden Süddeutschlands. Ihre Hauptäste stützt ein Gerüst aus Holzund Steinpfeilern.

Außerdem findet sich vor den Toren des Ortes der Waldcamping Hollenbacher See mit Abenteuerspielplatz. Dieses Ziel an dem Hochwasserrückhaltebecken ist beliebt zum Angeln, Baden und Toben, wie der große Andrang an einem sonnigen Sommer-Nachmittag zeigt.

Immerhin 55 Reisemobile finden auf dem weitläufigen Waldgelände Platz. Dazu kommen 200 Dauercamper. Für eine Übernachtung ist die Anlage allemal geeignet – zumal ein kleines Restaurant samt Biergarten Leckereien zu familienfreundlichen Preisen anbietet.

Wer am nächsten Tag weiterfährt, sollte sich die St.-Anna-Kapelle nicht entgehen lassen. Das Wallfahrtskirchlein aus dem 16. Jahrhundert steht unweit der Jagstbrücke neben einer Quelle, die schon in vorchristlicher Zeit als heilkräftig gegolten hat.

Jagsthausen: Götz von Berlichingens Schloss

Die Fahrt entlang der Jagst führt nach Hohebach mit seiner Sandsteinbrücke über den Fluss. Die hat König Friedrich I. anno 1808 bis 1810 erbaut, und sein Monogramm ziert eine vergoldete Säule.

Nach knapp zehn Kilometern ist Krautheim erreicht, wo Dometic für viele Reisemobile Fenster fertigt – in Sichtweite zur Jagst. Ein Campingplatz in Alt-Krautheim direkt an der Jagst wirkt ziemlich verrammelt. Wer es trotzdem versuchen möchte: Eine vorige telefonische Anmeldung ist erwünscht (06294/382).

In Jagsthausen hatte Götz von Berlichingen seinen Sitz: Die Götzenburg ist vor allem durch Goethes Drama Götz von Berlichingen berühmt – und das Zitat: „Er aber, sags ihm, er kann mich im Arsche lecken.“ Darauf warten gespannt die Besucher des sommerlichen Freilichttheaters der Burgfestspiele Jagsthausen, für welches das Gebäude seit 1950 dient. Zusätzlich gibt es eine Götz-Brunnenfigur sowie das Rote und das Weiße Schloss in dem gut 1.900 Einwohner großen Ort. Beide Bauten hängen mit der Familie derer zu Berlichingen zusammen.

Was es nicht gibt: einen Stellplatz. Dafür bietet der Teilort Olnhausen Camping. Anmelden müssen sich Reisemobilisten auf dem Platz des Heilbronner Campingclubs. Platzwart Dieter Stammer erklärt ihnen, was auf der kleinen, gepflegten Anlage gilt. Etwa, dass die Camper die sanitären Einrichtungen der benachbarten Turnhalle nutzen. An den Platz grenzt eine Badestelle in der Jagst an. Sie ist öffentlich und auch für Nicht-Camper zu erreichen.

Widdern: schon 774 urkundlich erwähnt

Tief reichen die Wurzeln von Widdern in die Historie: Anno 774 wurde der Ort erstmals urkundlich genannt. Doch viel gewachsen ist er nicht, Widdern gilt mit gut 1.800 Einwohnern als zweitkleinste Stadt Baden-Württembergs.

Herausragend ist der Turm der Evangelischen Laurentiuskirche, deren Ursprung bis ins Jahr 1258 zurückreicht. Weltlich indes ist das Alte Rathaus mitten im Ort, das einst ein Schloss der Herren von Zyllnhardt war. Doch schon 1870 wurde auf dessen Fundament das heutige Gebäude errichtet. Zunächst nutzte es die Stadt als Rathaus, mittlerweile fungiert es als Haus der Vereine.

Auf all das blickt herab, wer den großen Stellplatz oberhalb Widderns besucht. Hinter einer eigenhändig zu bedienenden Schranke reihen sich 16 Stellflächen mit Stromautomaten. Im hinteren Teil des Areals befinden sich Ver- und Entsorgung, Frischwasser kostet einen Obolus. Die Gebühr von acht Euro pro Tag ist beim Platzwart zu entrichten oder per Couvert in einem Briefkasten.

Freizeit-Tipps

Mahlzeit: Außerhalb, vor dem großen Parkplatz des Schlosses ob Ellwangen, serviert die Schloss-Schenke auch im Biergarten gutbürgerliche, schwäbische Küche. Das Ambiente mit Blick auf das Schloss und die weitläufige Umgebung ist famos, Tel.: 07961/919880,

Kultur: Unbedingt lohnt es sich, auf dem Weg nach Jagsthausen Kloster Schöntal (unten) zu besichtigen. Die Atmosphäre der heutigen Bildungsstätte ist von Stille geprägt. Über die Jagst führt hier eine schmale, alte Brücke, neben der sich die Liegewiese einer natürlichen Badestelle erstreckt, Gleich nebenan dient sich Dukas Bahnhof mit Landgasthof, Biergarten und Café an, cms.dukas-bahnhof.de

Möckmühl: Perle im Heilbronner Land

Viel mehr zu sehen gibt es in Möckmühl, wo das Flüsschen Seckach in die Jagst mündet. Die Stadt mit ihren 8.300 Einwohnern besticht mit einer Fülle an historischen Gebäuden, allen voran die Burg Möckmühl. Hier hatte Götz von Berlichingen – da ist er wieder – von 1517 bis 1519 seinen Amtssitz. Das Gebäude befindet sich in Privatbesitz und ist nicht zu besichtigen.

Dafür lohnt es sich, durch die verwinkelte Altstadt zu laufen, die eine weitgehend erhaltene Stadtmauer aus dem 15. Jahrhundert umgibt und die als Gesamtanlage seit 1983 unter Denkmalschutz steht. Kern ist der Marktplatz, um den sich bedeutende Fachwerkhäuser gruppieren.

Im Mittelpunkt steht der Mechita-Brunnen: Der Sage nach hat die fränkische Fürstin einst Möckmühl gegründet – hier ist sie als Figur verewigt. Im Sommer 2022 jedoch ohne Wasser, das wegen der Hitze und Dürre nicht wie gewohnt sprudelt.

Der Stellplatz passt nicht so recht zum Zauber von Möckmühl. Er versteckt sich in einem Mischgebiet oberhalb der Stadt hinter einem flachen Gebäude, in dem die Umkleidekabinen des FC Möckmühl untergebracht sind. Im Hallenbad ist in den Sommerferien kein Wasser, Hinweisschilder sind übersprüht, und die Rasengittersteine wirken verwaist.

Dieser Platz für 15 Reisemobile ist zwar zweckmäßig, erweckt aber kaum Vertrauen. Angesichts der prekären Parkplatzsituation indes ist es löblich, dass die Stadt überhaupt einen Stellplatz einrichtet – selbst wenn er vergessen scheint. Immerhin ist es gratis, hier zu übernachten.

Neudenau: Fachwerkhäuser am Marktplatz

Sehr liebevoll zeigt sich die drei Hektar große Campingwiese der örtlichen Freibadfreunde. Sie versteckt sich am Jagstufer und ist erst nach Anmeldung zu befahren. Doch das lohnt sich: Hier herrscht eine friedliche, familiäre Atmosphäre. Außerdem dürfen mobile Gäste das Freibad mitbenutzen, der Eintritt ist in der Stellplatzgebühr von zehn Euro pro Erwachsenen enthalten.

Zudem lohnt es sich, die 5.500 Einwohner zählende Stadt zu besuchen. Rings um den Marktplatz mit seinem Brunnen stehen Fachwerkhäuser, darunter das Rathaus von 1587. Das Schloss Neude- nau, erbaut ab dem 13. Jahrhundert, ist seit 1933 Museum. Reste der Stadtmauer umgeben den sehenswerten Ort.

Bad Friedrichshall: wo die Jagst mündet

Bei der Fahrt zur Mündung der Jagst in den Neckar geht es bei Duttenberg vorbei am Schloss Heuchlingen. Dessen Ursprung findet sich schon im 12. Jahrhundert. Heute ist das Gemäuer landwirtschaftlich genutztes Staatseigentum.

Bad Friedrichshall macht es einem schwer, der Jagst zu folgen. Schnell ist der Fluss im Wirrwarr der Schnellstraßen verloren. An die Mündung selbst zu gelangen, erfordert sehr gute Ortskenntnis und festes Schuhwerk. Der einzige Campingplatz, der Sperrfechter Freizeitpark, befindet sich in der Schleife des Parallelflusses Kocher, eignet sich thematisch also nicht so recht für die Tour entlang der Jagst. Außerdem sind mindestens zwei Übernachtungen im Voraus zu buchen. Und: Stellplätze gibt es in Bad Friedrichshall nicht.

Tipp des Autors

Aufgepasst: Kurz hinter Jagstzell mäandert die Jagst in ihrem ursprünglichen Bett durch die Wiesen. An ihren Ufern stehen sehr hohe, teils abgestorbene Bäume. Fische und Wasservögel sind in diesem als Naturdenkmal deklarierten Biotop zu Hause. All das ist vom Fahrerhaus aus zu sehen. Näher heran ist schwierig, weil es direkt daneben keinen Parkplatz gibt. Wer sich also diese markante Stelle der Jagst anschauen möchte, muss am Ortsausgang sein Reisemobil abstellen, einen dann sicheren Fußmarsch über Feldwege in Kauf nehmen und feste, am besten wasserdichte Schuhe anziehen. Doch bitte Respekt: Dieser Teil des Flusses ist geschützt, einen gewissen Abstand zu halten ist geboten, um Tiere und Pflanzen nicht zu belästigen.

INFO

Touristikgemeinschaft Hohenlohe, Allee 17, 74653 Künzelsau, Tel.: 07940/18-1206,