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AM WASSER: Das Ziel vor Augen


karpfen - epaper ⋅ Ausgabe 30/2019 vom 12.04.2019

ALS GUTER KARPFENANGLER FREUT MAN SICH ÜBER JEDEN GEFANGENEN FISCH. ABER WER LEGT NICHT GERNE GEZIELT DIE GROSSEN EXEMPLARE AUF DIE ABHAKMATTE? MATTHIAS HINRICHS BERICHTET, WIE ER BEI SEINER SESSION AM VEREINSGEWÄSSER SELEKTIV AUF DIE KAPITALEN FISCHTE.


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Bildquelle: karpfen, Ausgabe 30/2019

Wenn aus einem Traum Realität wird – ein unbeschreibliches Gefühl.


Piiieep, erschallt das Geräusch des Bissanzeigers. Yes, es ist die Plateau-Rute. Adrenalin schießt durch meine Adern, ich bin sofort hellwach. Hektisch schlüpfe ich in die Watstiefel und spurte zur Rute. Die Gegenwehr ist brachial und mir zittern die Knie. Das ist der Stoff, aus dem ...meine Annahm. Der Fisch ist mein Spiegler-PB – satte 21,2 Kilogramm! Nachdem der Fisch fotografiert ist und die Montage wieder am richtigen Platz liegt, lege ich mich auf mein Bedchair und schlafe erschöpft ein. Erschöpft? Ja, es handelte sich nämlich um den sechsten Run innerhalb von acht Stunden. ...

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Piiieep, erschallt das Geräusch des Bissanzeigers. Yes, es ist die Plateau-Rute. Adrenalin schießt durch meine Adern, ich bin sofort hellwach. Hektisch schlüpfe ich in die Watstiefel und spurte zur Rute. Die Gegenwehr ist brachial und mir zittern die Knie. Das ist der Stoff, aus dem Karpfenangler-Träume sind. Ich genieße den Drill und gebe alles, um den Fisch, der sich schwer anfühlt, zu bezwingen. Im Schilf um mich herum quaken Frösche, Rohrdommeln zwitschern. Ein wunderbares Szenario. Nach einer gefühlten Ewigkeit und mehreren heftigen Fluchten kann ich im Schein der Kopflampe einen fetten Spiegler einnetzen. Die Waage bestätigt meine Annahm. Der Fisch ist mein Spiegler-PB – satte 21,2 Kilogramm! Nachdem der Fisch fotografiert ist und die Montage wieder am richtigen Platz liegt, lege ich mich auf mein Bedchair und schlafe erschöpft ein. Erschöpft? Ja, es handelte sich nämlich um den sechsten Run innerhalb von acht Stunden.

VERHALTENER START

In diesem Artikel möchte ich aufzeigen, wie man gezielt an die großen Fische eines Gewässers kommt. Seit zwei Sessions befische ich eine äußerst interessante Stelle im Vereinssee. Es handelt sich um ein Plateau, das im tiefen Teil des Sees liegt. Der Hotspot wird von den Karpfen mehrmals pro Tag aufgesucht. Beim ersten Ansitz konnte ich einen kleinen Karpfen und vier Brassen fangen. Ich fütterte und fischte mit hoch attraktivem Futter bzw. mit hoch attraktiven Ködern, um so viele Fische wie möglich auf den Spot aufmerksam zu machen. Die Karpfen sollten sich gegenseitig aufmerksam machen auf einen reich gedeckten Tisch. Nach der ersten Test-Befischung fütterte ich ordentlich nach und fuhr mit dem Wissen nach Hause, in zwei Tagen dort wieder fischen zu können. Dann würden sich meine Bemühungen auszahlen. Von einem über 20 Kilo schweren Karpfen aus diesem See hatte ich bisher nur gehört, fangen konnte ich bisher keinen.

EIN GUTES ZEICHEN: WO SICH FRIEDFISCHE AUFHALTEN, SIND DIE KARPFEN MEIST NICHT WEIT.

Die Wahl des richtigen Spots ist essenziell für den Fangerfolg.


OPTIMALE BEDINGUNGEN

Die zweite Session stand an, ich war wie immer sehr aufgeregt und hoffte, dass der Platz auch frei war, damit ich dort ungestört fischen konnte. An der Stelle angekommen war ich erleichtert: Der Bereich des Sees wurde von keinem anderen Angler befischt. In Windeseile baute ich die Ausrüstung auf und beköderte die Ruten. Diesmal wollte ich alle verfügbaren Ruten auf dem Hotspot fischen, um maximalen Ertrag zu erzielen. Es kam, wie es kommen sollte. Das Wetter spielte mit: Westwind, ein Luftdruck von 1000 hPa und Regenschauer bei einer Temperatur von 14 Grad. Zudem war der Spot mit Futter präpariert. Was ich in nicht einmal 18 Stunden Angelzeit erlebte, war einfach unvorstellbar und brachte mich an die Grenzen des Machbaren. Von Freitag 14 Uhr bis Samstag 8 Uhr fing ich sage und schreibe zehn Karpfen sowie drei Brassen. Nach jedem Fisch motivierte ich mich neu, knüpfte neue Rigs und legte die Montagen vernünftig aus. Ich hatte mir ein Ziel gesetzt und das lautete: Ich wollte einen Dicken fangen. Und das mit der Taktik der Selektion. Dazu aber später mehr. Merke: Setz dir Ziele!

Ja, es ist möglich, gezielt große Karpfen zu fangen. Um das zu bewerkstelligen, benötigt man ein Gewässer mit viel natürlicher Nahrung. Außerdem sind die Menge an eingebrachtem Futter, das genetisch bedingte Wachstumspotenzial der Fische und noch andere Faktoren wichtig. Allein diese Bedingungen wären einen eigenen Artikel wert, aber es soll ja in diesem Beitrag primär darum gehen, wie man die großen Karpfen an den Platz bekommt und sie dann auch fängt.

MEHRMALS TESTEN

Über mehrere Sessions sollte man herausfinden, wo sich im Gewässer ein Hotspot befindet, der regelmäßig Fisch abwirft. Das herauszufinden, ist zwar mit Zeitaufwand verbunden, aber die Location und das Wissen darüber, wo sich die Fische aufhalten, sind und bleiben unerlässlich.

Als nächstes ist es wichtig, einen guten und soliden Fischmehl-Boilie einzusetzen. Ja, richtig gelesen, einen Fischmehl-Boilie mit einem sehr hohen Rohprotein-Anteil (ab 35 Prozent aufwärts). Denn Karpfen fressen abgesehen vom eingebrachten Futter natürliche Nahrung: Muscheln, Schnecken, Tubifex, Krebse und Flohkrebse. Flohkrebse weisen beispielsweise einen Rohprotein- Anteil von 35 bis 45 Prozent auf. Es handelt sich also durchweg um nahrhaftes, proteinreiches Futter. Jetzt wird deutlich, warum ich auf hochproteinhaltige Kugeln setze: Meine Boilies sollen auch nach Monaten noch Fische fangen. Und das funktioniert nur, wenn sie für die Karpfen eine anständige Nahrungsquelle darstellen, die dem natürlich Futter ähnelt und keinen Argwohn erregt. Mein Favorit ist der Complete-Fish von Baitlounge. Der Rohproteingehalt dieses Boilie liegt bei 40 Prozent und seine Rezeptur wirkt verdauungsfördernd. Dieser Köder liefert dem Fisch also Energie, sättigt ihn aber nicht allzu lang, so dass er regelmäßig frisst. Und das kommt dem Karpfenangler zu gute. Für mich ist solch ein Boilie optimal für den Einsatz zum Großkarpfenfang.

Zu Beginn setzt man auf kleinere Köder bzw. kleineres Futter, um die Fische anzulocken. Später bieten sich 24 Millimeter-Boilies an, um Weißfische auszusortieren.


Das gehört dazu und hält die Motivation aufrecht: Probe für ein gutes Erinnerungsfoto.


KLEINE AUSSORTIEREN

Haben wir die oben erwähnten Voraussetzungen geschaffen, können wir den nächsten Schritt gehen – und der heißt „Selektion“. Mir war klar, dass der See einen sehr guten Karpfenbestand aufweist. Das kam mir entgegen, denn ich wollte gleich zu Beginn einer Session etwas Vertrauen sammeln, in Form von gefangenen Fischen. Dabei ist es mir anfangs egal, wie groß die gefangenen Karpfen sind. Blanken ist für mich der Horror schlechthin, denn es zeigt mir, dass ich etwas falsch gemacht habe. Und ganz ehrlich, ich sitze lieber zu Hause, als einen Blank einzufahren.

Man fängt nicht sofort den Zielfisch. Matthias freut sich trotzdem über jeden Karpfen.


Auch wenn Fokussierung erste Zielfischanglerpflicht ist, sollte man dennoch den Blick für die Umgebung und die Natur nicht verlieren.


Meine Taktik bestand darin, den Spot mit möglichst attraktivem Futter zu aktivieren. Futter mit hoher Lockwirkung sorgt dafür, dass sich relativ zügig Weißfische am Spot blicken lassen. Den Gedanken hinter dieser Vorgehensweise hatte mein Vater mir vor über 30 Jahren beigebracht: „Wo sich Brassen aufhalten, sind auch die Karpfen nicht weit.“ Die Weißfische locken unweigerlich auch Karpfen an und es lässt sich das Phänomen des Futterneids beobachten, das auch die dicken Karpfen unvorsichtig werden lässt. Die Aktivierung des Futterplatzes gelang mir. Nach ein paar Brassen merkte ich, dass es lief, denn es kamen immer mehr Fehlbisse bzw. die Brassenfänge häuften sich. Anstelle von Partikel und Pellets setzte ich nur noch die bereits erwähnten großen Fischmehlboilies ein. Die Weißfische hatten ihren Dienst getan, nun war das Futter nur noch für die großen Fische vorgesehen. Brassen können große Boilies nicht mehr einsaugen, Karpfen hingegen haben mit einer großen Kugel kein Problem. Und es kam wie geplant: Ich fing einen großen Karpfen nach dem anderen.

Die Taktik der Selektion hat sich bei mir schon sehr häufig bewährt, um gezielt große Karpfen an den Haken zu bekommen. Und ganz wichtig: Der Wille ist entscheidend! Man muss immer das Ziel, in diesem Fall den großen Karpfen, vor Augen haben. Nur wer immer fokussiert ist, wird gute Leistungen bringen und seinen Zielfisch fangen.

Matthias Hinrichs

DA IST DER NEUE SPIEGLER-PB: 21,2 KILO BRACHTE DER FISCH AUF DIE WAAGE.