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AM WASSER: Der Mythos lebt!


karpfen - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 23.11.2018

Das unter Karpfenanglern bekannteste Gewässer ist mit ziemlicher Sicherheit der Lac de St. Cassien. Seit vor mittlerweile fünf Jahren ein neues Reglement für das Beangeln des Sees in Kraft trat, ist es deutlich stiller geworden um dieses Gewässer. Claudia Darga hatte seit langem vor, den Cassien zu befischen. Also machte sie sich auf an den „Heiligen See“ in Südfrankreich.


Artikelbild für den Artikel "AM WASSER: Der Mythos lebt!" aus der Ausgabe 10/2019 von karpfen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: karpfen, Ausgabe 10/2019

Dieses Gewässer hatte Claudia schon lange auf der Wunschliste: den Lac de St. Cassien in Südfrankreich.


Der Lac de Saint Cassien ist wahrscheinlich der See, über den seit Beginn der Karpfenangelei am häufigsten berichtet und gesprochen ...

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... wurde. So gut wie jeder Karpfenangler, der Rang und Namen hat, hat dieses Gewässer bereits befischt. Und ich glaube, am Cassien sind die meisten Karpfenangler- Träume wahr geworden. Dieser legendäre, etwa 600 ha grosse See liegt eine halbe Stunde Fahrtzeit von der wunderschönen Cote d’Azur in Südfrankreich entfernt. Es war wohl eines der am stärksten befischten Gewässer und Karpfenangler aus ganz Europa haben stunden- bzw. tagelange Anfahrtswege auf sich genommen, um diesen wunderbaren See zu befischen. Im Jahr 2013 dann die schockierende Nachricht, die durch die Europäische Karpfenangelszene wie ein Lauffeuer gegangen ist: Das Nachtangeln wurde verboten und bis heute nicht aufgehoben. Mittlerweile ist es ruhig geworden um den „Heiligen See“. Der Angeldruck hat nachgelassen und das Gewässer ist größtenteils aus den Schlagzeilen verschwunden. Aber eins ist klar: Die großen und einzigartigen Fische sind noch da. Durch den geringeren Angeldruck sollte auch ihr Misstrauen gegenüber uns Anglern nicht mehr so groß sein.

NACHTSCHICHT ABGESCHAFFT

Was bedeutet das Nachtangelverbot für uns Angler? Wir dürfen uns in der Nacht nicht am See aufhalten. Daraus resultiert, dass wir eine Stunde vor Sonnenaufgang bis eine Stunde nach Sonnenuntergang fischen dürfen. Im Sommer geht es dann von ca. 4 bis 23 Uhr ans Wasser. Somit muss am Ende des Tages das Angeln abgebrochen werden und man darf erst am kommenden Tag weiterfischen.

Von „angler-unfreundlichen“ Regelungen wollte ich mich nicht abschrecken lassen. Denn seit ich zum ersten Mal von diesem See gehört und Bilder gesehen hatte, wusste ich, dass ich dort unbedingt hin musste. Ich musste diesen See einfach kennenlernen. Die Entscheidung war schnell getroffen, trotz des Nachtangelverbotes wollte ich vier Tage am Cassien fischen. Leider blieben mir nur die Feiertage im Mai und da ist bekanntlich die Wahrscheinlichkeit groß, dass man mitten in die Laichzeit gerät.

Es ging los. Nach knapp neun Stunden Fahrt waren wir an unserem Ziel angekommen und ich konnte zum ersten Mal diesen wunderschönen See mit eigenen Augen sehen. Wow, was für eine Natur und was für ein Wasser! Der Anblick übertraf alles, was ich bisher auf Bildern und in Videos gesehen hatte. Ich habe nie zuvor einen so schönen See gesehen. Jetzt verstehe ich, wieso es so viele Angler an diesen magischen Ort verschlägt. Ab jetzt hatten wir drei Tage zum Fischen. Die schlechte Nachricht: In der letzten Woche wurde anscheinend kein Karpfen gefangen. Die Fische befanden sich scheinbar mitten im Laichgeschäft. Wir wollten uns selbst überzeugen und fuhren ins Schongebiet: Tatsache, die Karpfen waren voll und ganz mit der Fortpflanzung beschäftigt. Die Aussichten waren also alles andere als optimal.

Das Nachtangeln ist an diesem See seit fünf Jahren verboten. Für die Ansitze über Tag braucht man nicht viel Ausrüstung.


Bevor es losgehen sollte, mussten wir die Nacht überstehen und wie gerade beschrieben, war das am Wasser nicht möglich. Also suchten wir uns einen Campingplatz und stellten den Wecker auf vier Uhr morgens. Mein Ziel war von Anfang an klar: Ich wollte einen Fisch fangen und das Gewässer kennenlernen. Dafür blieben mir nur drei Tage. Da der See drei Arme hat, wollte ich in jedem der Arme einen Tag lang fischen. Für den ersten Tag hatten wir uns den Nordarm ausgesucht. Und los ging es, das Schlauboot wurde aufgebaut und das Tackle eingeladen. Das Tolle an dieser Angelei ist, dass man kaum Tackle braucht, da Liege und das Zelt zu Hause bleiben. Lediglich Ruten, Rollen, Köder und Kleinkram werden benötigt. Ohne Boot ist man am Cassien aufgeschmissen. In Sachen Köder hatte ich mich im Vorfeld gründlich informiert und mich für eine Mischung aus Tigernüssen, Tigernuss-Boilies und richtig stinkigen Fischboilies von Dynamite Baits entschieden. Aufgrund der andauernden Laichzeit wollte ich sparsam mit dem Futter sein. Der Plan bestand darin, die Fische zu finden und kleine Fallen zu stellen.

Der erste Tag am Wasser verlief äußerst ruhig. Außer einem Brassen konnten wir keine Aktion verzeichnen. So ging es nach einem super schönen, aber ziemlich ereignislosen Tag gegen 21 Uhr wieder zum Campingplatz. Das Wasser hatte 20 Grad und die Außentemperaturen erreichte knapp 30 Grad. Perfektes Wetter zum Schwimmen und entspannen. Genau das taten wir.

Ein Boot ist Pflicht: Für den Transport der Ausrüstung an den Angelplatz sowie fürs Ausbringen der Montagen und Drillen.


Am Wasser hat man Zeit zum Entspannen und für besondere Momente.


RUHIGER TAG IM SÜDARM

Am kommenden Tag ging es dann in den Südarm. Die Bootsfahrt von gut einer Stunde vom Parkplatz zum Angelplatz während des Sonnenaufgangs verging wie im Flug. Schon lagen die Ruten. Leider etwas zu lang und zu ruhig. Der Tag verging und brachte leider keinen Fisch. Gespräche mit anderen Anglern ergaben, dass es nicht nur mir so erging. Nirgendwo wurde gefangen. Nun ja, einen Tag hatten wir noch und der musste es richten. Dieses Mal sollte es in den Westarm gehen. Im Endbereich dieses Arms waren die Fische mit dem Laichen beschäftigt. Hier wurde am meisten geangelt und die Plätze waren eigentlich auch permanent besetzt. Die Angler warteten darauf, dass die Fische wieder aus dem Schongebiet in den großen Seeteil ziehen. Um einen Platz zu bekommen, klingelte der Wecker dieses Mal schon um 3:30 Uhr. Unsere präferierte Stelle war auch noch nicht belegt. Und so machten wir es uns auf dem Kevin Alice-Platz bequem. Als die Montagen lagen, gönnte ich mir erstmal ein wenig Schlaf. Die kurzen Nächte und die heißen Tage zehrten ganz schön an den Kräften. Der letzte Tag verlief einmal mehr viel zu ruhig. Das Einzige, was mich am frühen Abend aus dem Schlaf riss, war ein heftiger Donnerschlag. Ein heftiges Gewitter zog auf. Kurz darauf setzte heftiger Regen ein.

Tigernuss-Boilies und Tigernüsse sollen die Karpfen an den Platz locken. Am Haar bietet Claudia eine Tigernuss und einen Dumbbell an.


Klitschnass, aber der Fisch ist gesichert. Da ist die Erleichterung groß.


FURIOSES FINALE

Das Gewitter dauert gut eine Stunde an und ich schaute immer wieder auf die Uhr. Der Zeiger zeigte bereits 19 Uhr. So blieben uns noch gute zweieinhalb Stunden fürs Angeln. Eine gute Stunde später, hörte es dann endlich auf zu blitzen und zu donnern, doch der Regen hielt an. Was wäre, wenn ich nach drei Tagen ohne Fisch nach Hause fahre? Würde ich wiederkommen? Solche Fragen schwirrten mir durch den Kopf. Genau in diesem Moment schrie einer meiner Bissanzeiger im Dauerton los. Endlich war es soweit, der lang ersehnte Biss hatte drei Tage auf sich warten lassen – aber jetzt war er da. Nun hieß es Ruhe bewahren und den Karpfen si- cher landen. Leichter gesagt als getan. Denn der Fisch verlangte mir wirklich alles ab, solch einen heftigen Drill hatte ich bis dahin noch nicht erlebt. Kaum waren wir mit dem Boot über dem Fisch, ging es richtig los. Der Karpfen zog uns durch den halben Westarm. Hinzu kam der anhaltende Regen. Wir waren bereits klitschnass und hatten den Fisch noch nicht einmal gesehen. Aber dann tauchte er im glasklaren Wasser plötzlich auf. Ein heller Schuppenkarpfen zog unter uns seine Bahnen. Er schien riesig zu sein. Und so drillte ich weiter und meine Arme wurden immer länger, bis der Fisch endlich an die Oberfläche kam und wir ihn sicher Keschern konnten. Wahnsinn! Was für ein riesiger Karpfen. Das war der Fisch meines Lebens. Drei Tage geblankt und dann liegt er vor mir. Die Waage stoppte kurz vor der 50 Pfund- Marke stehen und ich war überglücklich. Ich hatte nicht nur meinen ersten Karpfen am Heiligen See gefangen, sondern gleichzeitig auch noch meinen Personal Best verbessert. Es hätte nicht besser kommen können. Das erste Mal am Lac de Sait Cassien mitten in der Laichzeit, um dann am letzten Abend bei strömendem Regen diesen tollen Fisch zu fangen. Spätestens jetzt war die Frage beantwortet, ob ich nochmal an den Cassien reisen würde: Ich werde auf jeden Fall zurückkehren an den heiligen See.

Das Angeln am Cassien ist nicht mehr so bequem, wie es einmal war. Jedoch ist das zugleich ein Vorteil. Die Anzahl der Angler hat sich extrem reduziert und es herrscht kaum noch Angeldruck, wodurch die Fische wohl deutlich leichter zu fangen sind. Zudem findet man immer einen tollen Platz. Die Angelei ist durch die neue Regelung auch viel flexibler und man kann jeden Tag einen neuen Platz austesten. Diese Angelei ist anstrengend und zehrt an den Nerven. Das Gewässer und die Natur sind die Anstrengungen aber wert.
Claudia Darga

Ein Traum wird wahr: Claudia mit ihrem ersten Cassien-Karpfen, der gleichzeitig auch neuer PB ist.


Tigernuss und Dumbbell haben zugeschlagen